Einleitung Es ist Mode geworden, ĂŒber Yoga zu sprechen, insbesondere ĂŒber den Integralen Yoga. Aber was genau verbinden wir mit Yoga? FĂŒr die meisten, ob im Osten oder Westen, bedeutet das hauptsĂ€chlich Asanas â Hathayoga Asanas. Wer sich ein wenig mit der Yoga-Literatur befasst hat, erklĂ€rt es zu seinem âultimativen Lebenszielâ. Aber welche Erwartungen verbinden sich mit diesem Ziel? Manche wollen sich selbst erkennen, andere die Wahrheit ĂŒber ihr Wesen erfahren: Warum sind wir geboren und was
sollen wir tun? Wieder andere wollen der Menschheit helfen. Im Hinterkopf haben aber alle die Vorstellung, âanderen ĂŒberlegen zu sein, mehr Macht zu erlangen und in der Konsequenz sie zu dominierenâ, als Gurus oder spirituelle Meister, Kultfiguren â hundert verschiedene Begriffen, um das eigene Machtstreben zu kaschieren. Viele Menschen verwechseln Yoga mit der ErfĂŒllung ihrer verborgenen Ambitionen. Sie entleihen etwas spirituellen Jargon, imitieren echte spirituelle OberhĂ€upter, ĂŒbernehmen Philosophien und Ideen und versehen sie mit ihrem Stempel, um wettbewerbsfĂ€higer zu sein. Hundert verschiedene Wege, den eigenen sĂŒĂen Ehrgeiz zu verbergen!
Doch der Integrale Yoga interessiert sich nicht fĂŒr diese Machtspiele. Der Integrale Yoga wird einzig und allein um des Göttlichen willen praktiziert. FĂŒr den Suchenden ist der integrale Yoga kein Lebensziel â er ist sein Leben selbst. Sehnsucht Sehnsucht ist der Ausgangspunkt fĂŒr den Integralen Yoga â das vage Sehnen, dass es âhinter dem Universum etwas zu erkennen gibt, vielleicht das einzige, fĂŒr das es lohnt zu leben. Mit dieser Erkenntnis, nicht in der stĂ€ndigen LĂŒge zu leben, in der alles pervertiert und unnatĂŒrlich wird, wĂŒrde das spirituelle Leben wirklich beginnen.â Das
bedeutet, wie Die Mutter es beschreibt, in einem tieferen Bereich das Göttliche finden und leben. Das muss uns so kostbar und wichtig werden, dass unser ganzes Leben fĂŒr diese Sehnsucht nicht ausreicht. Diesem wunderbaren Bewusstsein anzugehören muss zu einem inneren BedĂŒrfnis werden, nĂ€mlich nicht nur fĂŒr sich selbst und die kleinliche persönliche Zufriedenheit zu leben. Der nĂ€chste Schritt in ein
derartiges Leben ist, sich seiner selbst bewusst zu werden, der verschiedenen AusprĂ€gungen seines Wesens beziehungsweise ihrer AktivitĂ€ten. âIhr mĂŒsst lernen, die Vielzahl der uns steuernden Impulse und Reaktionen von einander zu unterscheiden, so dass ihr euch ĂŒber den Ursprung der richtigen und falschen Regungen im klaren seid, der wahren und trĂŒgerischen, der egoistischen und nicht-egoistischen. Konzentriert euch mit dieser Bewusstheit auf das Herz und gebt alle eure Regungen an das
Herzzentrum weiter, dem Sitz des inneren Wesens,â rĂ€t Die Mutter. Anstrengung Selbstkontrolle und Selbstbeherrschung zu erlangen, mĂŒssen beim Integralen Yoga an erster Stelle stehen. Das erfordert keine besonderen AktivitĂ€ten, sondern zeigt sich in allen
Handlungen und Lebenssituationen: Das ganze Leben ist Yoga. Eigentlich enthalten alle Handlungen die okkulte Wahrheit, dass der Einsatz der eigenen KrĂ€fte Freude bereitet. Der Kraftaufwand lĂ€sst das Wesen unter einem gewissen Grad von Spannung vibrieren, was das GefĂŒhl der Freude hervorruft. Welches Gebiet auch immer diese Vibrationen ermöglicht, ob materiell, moralisch oder intellektuell, man kommt
mit den universalen Schwingungen in Kontakt, und dieser Kontakt schenkt Freude. Das gilt fĂŒr alle â sogar fĂŒr diejenigen, die ein gewöhnliches Leben fĂŒhren. Der Austausch von LebenskrĂ€ften mit den universalen KrĂ€ften gibt diese Freude. Nehmen wir einen Schriftsteller zum Beispiel, sagt Die Mutter. Die Aufbietung seines höchsten Könnens bringt den Kontakt zustande, und der Schriftsteller zieht neue
Gedanken an. Diese Konzentration, diese WillensintensitĂ€t liegt der Freude zugrunde. Deshalb werden Faule diese Freude niemals finden â sie bringen die âKraft zum GlĂŒcklichseinâ nicht auf. Vierfache Disziplin Doch im Integralen Yoga wird dieser Kontakt in
der Handlung nicht mit den universalen KrĂ€ften, sondern mit dem Universalen Bewusstsein, dem Göttlichen, hergestellt. Dieser Kontakt erfolgt mittels einer vierfachen Disziplin - Psychische Disziplin: âDie Psyche bildet das psychologische Zentrum unseres Wesens, den Sitz der höchsten Wahrheit unserer Existenz. Viele Methoden wurden in der Vergangenheit zur Herstellung des psychischen Kontaktes vorgeschlagen:
psychologische, religiöse, mechanische. Ebenso Meditation, Offenbarung und Konzentration. Allerdings ist der Wille zur Realisierung unerlÀsslich.
- Mentale Disziplin: Sie weitet den Kontakt aus und gestaltet ihn flexibel und tiefgrĂŒndig. Am besten, schlĂ€gt Die Mutter vor, wendet man These â Antithese â Synthese an. Man darf dem Verstand kein Urteil ĂŒber Dinge und Menschen erlauben, denn er ist kein
Werkzeug der Erkenntnis. Er muss still und aufmerksam bleiben, um das Wissen von oben aufzunehmen und zu manifestieren. Man sollte versuchen, die Sichtweise eines anderen einzunehmen und zu verstehen und sich auch um Lösungen bemĂŒhen, die beide Parteien zufrieden stellen, empfiehlt Die Mutter.
- Vitale Disziplin: Das Vitale ist Sitz der Impulse, des Verlangens, von Depressionen, Leidenschaften und Rebellion. Es
muss kontrolliert, aber nicht unterdrĂŒckt werden. Am besten kontrolliert man es durch die NĂ€he zum Bewusstsein des zu realisierenden Ideals.
- Physische Disziplin: âRationale und intelligente physische Erziehung stĂ€rkt den Körper und gibt ihm die nötige Beweglichkeit eines fĂŒr die materielle Welt bestens geeigneten Werkzeugs. Dem Verstand und den vitalen KrĂ€ften nicht sklavisch zu Diensten, sondern
ein bewusster Herr seiner selbst sein.â
Werden diese vier Disziplinen tÀglich praktiziert, gelingt es einem allmÀhlich, sich seinem inneren Wesen anzunÀhern. Man kann den Kontakt zu dem ReprÀsentanten des Göttlichen in sich selbst herstellen. Der Integrale Yoga ist der Yoga Sri Aurobindos. Will man den Integralen Yoga
praktizieren, gibt es keine Alternative zur und keinen Ersatz fĂŒr Die Mutter. Die Menschen betrachten sie als ein göttliches Bewusstsein, eine göttliche Kraft und bringen dann andere EinflĂŒsse und Gurusim Alltag ein. Doch wir dĂŒrfen nicht vergessen, dass Die Mutter eine transformative Kraft ist und der Integrale Yoga ohne sie nicht durchgefĂŒhrt werden kann. Jeder andere Yoga kann mit oder ohne Hilfe irgendeines Guru erfolgreich angewendet werden â doch der Integrale Yoga gelingt nicht
ohne sie. So können die Menschen wĂ€hlen zu tun, was sie möchten, doch sollten wir uns im Namen des Integralen Yoga nicht auf Kompromisse einlassen aus Furcht vor der Gesellschaft, der Regierung, dem Landesgesetz oder religiösem Widerstand. Entweder wir akzeptieren den Integralen Yoga direkt mit all seinen Bestandteilen oder wir lassen ihn bleiben. Jeder Guruhatseinen eigenen Ansatz â doch im Integralen Yoga
gibt es fĂŒr Sri Aurobindo und Die Mutter keinen menschlichen Stellvertreter. Es mögen alle möglichen Dinge in ihrem Namen und mit ihrer Philosophie getan werden, doch niemand kann in ihrem Namen handeln. Jedem Gurusteht es frei, mit der StĂ€rke oder SchwĂ€che seiner FĂ€higkeiten zu arbeiten, und jeder AnhĂ€nger kann sich seinen Meister auswĂ€hlen. Aber wir wollen den Integralen Yoga nicht mindern oder missdeuten. Wir sind vielleicht nicht in der Lage, ihm zu folgen oder ihn in all seinen
Tiefen und Schattierungen zu verstehen, doch sollten wir ihn nicht manipulieren, um ihn den Absichten unseres Egos anzupassen. Natur - Seele Ziel und Gegenstand des Integralen Yoga ist die Entwicklung der individuellen Seele ĂŒber den Prozess der Selbsthingabe an
Sri Aurobindo und Die Mutter und die Manifestation ihrer Entschlusskraft in unseren Taten. Alle anderen Zielvorstellungen bilden nur die Grundlage fĂŒr den Aufstieg oder Abstieg. HĂ€ufig leidet die Psyche vielleicht unter törichten WĂŒnschen und Ehrgeiz des individuellen Egos, doch zu gegebener Zeit ist sie daran gebunden, wieder Einfluss auf unser Wesen zu nehmen. Dementsprechend verhĂ€lt es sich im kollektiven Bereich mit der Nation, jede Nation besitzt eine Seele. Diese begeht vielleicht
grobe Fehler, doch das bedeutet nicht, dass sie keinen kathartischen Prozess durchlĂ€uft und sich wieder in ihrer Mission fĂŒr Harmonie und Einheit der Welt-Nationen Ă€uĂert. Indien lehnte den Cripps-Vorschlag aus Starrsinnigkeit und wegen alter Denkmuster ab, nun liegt die Teilung schwer auf der Psyche der indischen Nation. Doch Indien bewegt sich gleichermaĂen auf eine stĂ€rkere innere und Ă€uĂere Ausbildung zu. Ăhnlich kann die im vorigen Jahrhundert verleugnete Nationen-Seele Deutschlands - ebenso wie kein menschlicher Körper ohne Seele sein kann, kann kein Land ohne Seele sein â von ihren Kriegsnarben genesen und sich vorwĂ€rts bewegen. Damit die Psyche oder Nationen-Seele sich zurechtfindet, braucht sie sich nicht in der Vergangenheit aufzuhalten â da ihr vergangenes Karma schon von Sri Aurobindo und Der Mutter aufgelöst wurde â sondern
muss sich voller Glauben und Vision der Zukunft zuwenden. Sie muss sich an dem evolutionÀren Ruf zur Einheit der Welt beteiligen, sonst wiederholt sie vielleicht den schweren Fehler, ihre Seele noch einmal zu verleugnen. Wem es schwer fÀllt, sich mit der deutschen Nationen-Seele zu identifizieren, schaue weit in die Vergangenheit, wo die Mission dieser Seele entdeckt werden kann, die sich tiefe innere Einsichten zu gute halten kann. Sri Aurobindo lehrte die indische Jugend, als sie wÀhrend
der britischen Herrschaft in eine IdentitĂ€tskrise geriet, die Nationen-Seele in einem neuen Körper herauszubringen. Auf diese Weise muss sich die Nationen-Seele Deutschlands in einer neuen Form reinkarnieren. Denn diese neue Vision wird gebraucht, damit sie sich emanzipieren kann. Diese Vision ist in hohem MaĂe Sri Aurobindos Vision. Ich halte mich hier etwas auf, weil ich das GefĂŒhl habe, dass die Jugend
Deutschlands den Integralen Yoga solange nicht furchtlos und ganzheitlich praktizieren kann, bis diese Spinngewebe aus ihr herausgebrannt wurden. Die suchende Jugend findet vielleicht Auswege in geringeren Zielen und Idealen als dem Integralen Yoga, wenn diese Furchtpsychose andauert. Deshalb ist es fĂŒr Deutschland von höchster Wichtigkeit, dass seine Jugend zuerst ihre wahre eigene IdentitĂ€t erkennt, damit sie sich mit der wahren Seele ihrer Nation identifizieren kann. Wenn sie sich
entdecken, werden sie ihre grosse Nation entdecken: Deutschland! top |