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Wege durch die Zeit ins 21. Jahrhundert


 
Acharya Mahapragya: Anuvrat

Harmonie in der Familie

Übersetzung: Carla Geerdes
Redaktion: Carla und Christian Geerdes

 

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Es gab eine Zeit, in der das verheiratete Paar im Mittelpunkt des auf ihm gegründeten und organisierten Lebens der Menschen stand.

In der vorgesellschaftlichen Ära war das Gleichgewicht mit der Natur gleichsam eingebaut, heutzutage ist es verschwunden. Die Natur hielt die Dinge im Gleichgewicht, und das hielt lange Zeit so an.

Es gab noch kein Konzept von Gesellschaft, kein Management, keine Planung. Mit der Bildung von sozialen Gruppen und Familien kam das Problem des Planens.

Heutzutage haben wir nicht nur organisierte Gesellschaften, sondern auch eine Bevölkerungsexplosion. In der Folge wurden Methoden zur Familienplanung angewendet, denn jede Expansion ruft den Bedarf nach Planung herbei.

In einigen Ländern gibt es inzwischen mehr Jungen als Mädchen, was zu einem Ungleichgewicht geführt hat. Dieses Problem zeigt sich gerade in China. Umgekehrt ist anderen Orts ein Mangel an Jungen zu verzeichnen.

Viele der anwachsenden Probleme hängen mit der Familienplanung zusammen, die wiederum durch das Wachstum des Familiensystems nötig wurde.

Der Mensch benötigt hauptsächlich drei Grundlagen:

  • Sicherheit
  • Der Mensch braucht Sicherheit. Wer wird sich um uns kümmern und uns beschützen, wenn wir alt und krank sind? Wer kann uns wirklich helfen? Der Mensch möchte Sicherheit in diesem Punkt. Die Familie entstand, um diese Sicherheit zu bieten.

  • Vertrauen
  • Die zweite Grundlage ist Vertrauen. Wem kann man in der Stunde der Not vertrauen? Wem können wir genug trauen, um ihn oder sie zum Wächter unseres Wohlstandes zu machen? Wem können wir uns anvertrauen? Wer will sowohl im Wohlstand als auch in der Not unser Freund sein?

    Das Gefühl des Vertrauens spielt eine bedeutende Rolle beim Aufbau der Institution Familie, tiefgehendes Grundvertrauen, das Außenstehende nicht erschüttern können.

  • Entfaltung
  • Die dritte Grundlage ist Entfaltung. Jeder möchte sich entfalten, damit er vorankommen und besser wachsen kann. Auch für die Entfaltung braucht man eine Gruppe, die weiter reichende Möglichkeiten bereit stellt.

Gruppenklima

Das Klima in der Gruppe entscheidet über die Möglichkeit zur Entfaltung. In der Sozialpsychologie nimmt es einen sehr wichtigen Platz ein. James Drekker spricht von drei Bestandteilen des Gruppenklimas:

  • Selbstbeherrschung
  • Selbstbeherrschung ist ein wichtiger Bestandteil der Atmosphäre in der Gruppe. Jemand, der seine Instinkte und Impulse nicht zügeln kann, eignet sich nicht zum Mitglied in einer Organisation, da er selbst ein Hindernis darstellt.

  • Selbstvertrauen
  • Selbstvertrauen ist der zweite Bestandteil. Keine Organisation kann unterhalten werden und niemand kann sich entfalten, wenn die Menschen voller Zweifel und Ungewissheit sind. Wenn jemand eine Aufgabe übernimmt, sollte er sich sagen, dass er sie unter allen Umständen und ohne den geringsten Zweifel zu Ende bringen wird. Das folgende Beispiel ist in einer Jaina Schrift erwähnt:

    Draupadi wurde vom Herrscher einer anderen Insel entführt. Als das bekannt wurde, führte es zum Krieg. Die Armee der Padmnabh wurde gegen die der Pandavas aufgestellt, auf deren Seite Vasudev Krishna stand, der den Pandavas befahl, die Padmnabh und ihre Armee zu schlagen. Die Pandavas kämpften zwar, doch waren sie voller Bedenken, weil es ihnen an Selbstvertrauen fehlte. Sie wurden von Zweifeln am Ausgang des Kampfes geplagt und zu niemandes Überraschung geschlagen. Daraufhin führte Vasudev Krishna die Krieger unter dem Motto: ‚Ich werde gewinnen, nicht die Padmnabh,’ noch mal in die Schlacht und besiegte die Padmnabh damit.

    Selbstvertrauen ist der Schlüssel zum Erfolg, Zweifel und Ungewissheit verhindern ihn. Selbstvertrauen gibt den Ausschlag für das Klima in der Gruppe. 

  • Disziplin
  • Disziplin ist die dritte Komponente. Ein erfolgreicher Mensch ist diszipliniert, es gibt keine planlose Willkür bei ihm. Disziplin sorgt für organisatorische Stärke und Einheit in der Gruppe.

Ohne die genannten Bestandteile gibt es keine gute Atmosphäre in der Gruppe, und keine grosse oder kleine Organisation kann ohne ein gutes Gruppenklima funktionieren.

Das Klima in der Gruppe hat zwei Aspekte: Den mentalen und den sozialen Aspekt. Der mentale Aspekt des Gruppenklimas repräsentiert die mentale Atmosphäre, was bedeutet, dass der Mensch eine zustimmende Haltung zu den von der Gemeinschaft entwickelten Regeln entwickelt. Diese Haltung prägt sein Verhalten gegenüber den kollektiven Regeln, und er überschreitet sie nicht.

Der soziale Aspekt, verbunden mit der Entwicklung von Gemeinsinn, ist für die Ziele des Managements unerlässlich. Durch ihn wird die individuelle Selbstsucht in den Hintergrund gedrängt, und dem Gemeinsinn wird Bedeutung verliehen.

Es gibt eine sehr wichtige Maxime von Chanakya: Ein Individuum sollte dem Interesse der Familie dienen, die Familie dem Interesse des Landes oder der Gesellschaft und insgesamt sollte alles den spirituellen Interessen dienen. In der Verwaltungssprache heißt das, dass ein unbedeutendes Interesse einem bedeutenderen Platz machen sollte.

Moderne Managementgrundsätze

Die Verwaltungsmethoden wurden dahingehend entwickelt, dass sie wissenschaftlichen Charakter haben. Doch auch früher wurden schon Managementmethoden angewandt. Wir sollten sie vergleichen und untersuchen. Moderne Verwaltungsmethoden umfassen Gerechtigkeit und Mitgefühl ohne Diskriminierung. Gutes Management schließt Diskriminierung, Ungerechtigkeit und Unmenschlichkeit aus.

Alte Managementgrundsätze

Vier von zwölf Bestandteilen der alten Managementgrundsätze sind die folgenden Qualitäten: Freundschaft, überragende Freude, Mitgefühl und bewusste Nichtbeachtung.

Unabhängig von ihrer Größe benötigt eine Gruppe am dringendsten Freundschaft oder gegenseitige Zuneigung. Die sechs Charakteristika von Freundschaft sind: Geben, Nehmen, sich nach Geheimnissen erkundigen, Geheimnisse offenbaren, zusammen essen und sich beim Essen miteinander unterhalten. Jedes dieser sechs Merkmale ist ein Indikator für Freundschaft.

Das ist die praktische Bedeutung von Freundschaft, aber im Zusammenhang mit Management bedeutet Freundschaft einfach, die Interessen der anderen zu berücksichtigen. Keine Familie kann von sich behaupten, gut verwaltet zu werden, wenn ihr Oberhaupt und die anderen Mitglieder ihre gegenseitigen Interessen nicht berücksichtigen würden.

Dasselbe trifft auch auf andere Organisationsformen zu. Einer der Hauptgründe für das Auseinanderbrechen von Familien heutzutage ist der Mangel an Freundschaft. Die Einzelnen kümmern sich um sich selbst, nicht um die anderen. Wäre das anders herum, wäre die Verbindung innerhalb der Gruppe so gefestigt, dass sie nicht auseinander brechen könnte.

Dies ist mein Feld

Hier ist eine aufschlussreiche Begebenheit: Der marathische Befehlshaber Peshva Bajirao griff Malwa an. Die Marathi waren zu dieser Zeit dafür berühmt, Gewinner ohne Fehl und Tadel zu sein. Sie eroberten Malwa. Auf dem Rückweg ging ihnen die Verpflegung aus. Die Offiziere erhielten die Order, von überall Verpflegung herbeizuschaffen. Doch als Ergebnis ihrer Politik der verbrannten Erde war alles zerstört, und nirgendwo konnten Erträge für die Verpflegung gesichtet werden.

Deshalb gibt es keinen größeren Fluch als Krieg: Ein einziger Krieg bringt Zerstörungen mit sich, deren Folgen fünfzig Jahre dauern.

Selbst nach einer groß angelegten Suche konnten sie nichts finden. Alles war während des Krieges zerstört worden. Nach langem Suchen kamen sie zu einem alten Mann, der ihnen ein Feld mit reicher Ernte versprach. In einiger Entfernung sahen sie ein großes Feld, von dem sie sich genügend Verpflegung versprachen.

Aber der alte Mann führte sie ein Stück weiter und bedeutete ihnen, ihre Verpflegung von hier zu nehmen. Die Offiziere wunderten sich sehr, war doch das erste, größere Feld nicht seines, während das zweite, kleinere ihm gehörte. Sie waren über die Aufrichtigkeit des alten Mannes verblüfft.

Nur wer seine Interessen für die Belange anderer zurückstellen kann, kann wirklich an der Spitze einer Gruppe stehen.

Freude

Der zweite Managementgrundsatz ist Freude. Eine Gruppe, in welcher die Verdienste anderer anerkannt und geschätzt werden, beweist Stärke. Eine Gruppe, in der jeder gegen jeden ist, möchte man sich nicht einmal vorstellen. Wir wissen, wie große Familien zerfallen wegen des gegenseitigen Gerangels.

Mitgefühl

Der dritte Managementgrundsatz ist Mitgefühl, nämlich die Probleme anderer zu lösen versuchen. Heutzutage wird das Wort Mitgefühl in einem engen Sinn gebraucht. In unserem Gebrauch bedeutet es, sich betroffen zu fühlen, wenn jemand Schwierigkeiten oder Probleme hat und nach Lösungen suchen helfen. Voraussetzung dafür ist nachlassende Grausamkeit.

Taktvolle Nichtbeachtung

Der vierte Managementgrundsatz ist bewusste Nichtbeachtung. In keiner Gruppe sind alle Mitglieder gleich. Es gibt Unterschiede zwischen ihnen. Probleme entstehen durch unterschiedliche Gefühle. Die Menschen haben nicht die gleichen Gefühle, sie unterscheiden sich graduell in ihren Instinkten und Emotionen. Es ist besonders schwierig, diese zu harmonisieren.

Die Psychologie kennt einige Verbindungen zwischen Emotionen und den Grundinstinkten, die sie hervorrufen. Die Emotion Wut geht aus dem Instinkt Kampfeslust hervor, Furcht ruft Eskapismus, Flucht vor der Realität, wach.

Emotionale Abweichung ist eine der Hauptursachen für die Auflösung einer Familie geworden.

Ein Familienmitglied ist äußerst gehorsam, während ein anderes aus unterschiedlichen Gründen immer widerspricht. Wie ist dieses Problem zu lösen?

Ein wichtiger Grundsatz im Umgang mit einer solchen Situation ist: Zeige gelegentlich taktvolle Nichtbeachtung.

Ein gewisses Individuum ist nicht sehr erwünscht, muss aber trotzdem in der Gruppe verbleiben. In diesem Fall sollte taktvolle Nichtbeachtung praktiziert werden. In anderen Worten, ein gewisses Mass an Neutralität muss beachtet werden. Neutralität ist eine wichtige Komponente für gutes Management.

Das eigene Verlangen

Einer der Acharyas schlug Lord Mahavira vor: ‚Ich möchte gern in diese Region reisen.’ Lord Mahavira versuchte, ihn davon abzubringen, aber er ließ nicht davon ab. Er bestand weiter darauf, dorthin zu gehen. Mahavira sah, dass er stur blieb.

Er kannte den Nachteil, der aus dieser Reise entstand, doch es gab keinen Weg, den Acharya davon abzubringen. So schwieg Mahavira und beachtete den Einwurf nicht. In diesem Zusammenhang zeigt das folgende Reimpaar das Gegenteil:

Die Arhats, die 24 Tirthankaras oder Jain Heiligen, sind sehr mächtig, doch können sie ein Individuum dazu zwingen, eine wünschenswerte Handlung auszuführen? Sie können es lediglich dazu inspirieren. Es hängt vom eigenen Verlangen ab, ob ein Mensch ein gutes Leben führen möchte. Kann jemand einen anderen zur Rechtschaffenheit zwingen? Nein, das ist nicht möglich. Daher ist, Zeit und Ort entsprechend, taktvolle Nichtbeachtung manchmal nötig.

Obwohl diese vier Managementgrundsätze, Freundschaft, unbändige Freude, Mitgefühl und bewusste Nichtbeachtung, der Vergangenheit angehören, sind sie fraglos für das gegenwärtige Management relevant. Aus diesem Grund behält das moderne Management außer den hinzugekommenen neuen Grundsätzen auch einige alte.

Ein vitaler Grundsatz

Anuvrat brachte einen wichtigen Grundsatz hervor. Das Leben ist wirklich Selbstbeherrschung. Selbstbeherrschung ist ein vitaler Grundsatz.

Das moderne Management will davon entweder nichts wissen oder misst ihm nicht die Bedeutung bei, die ihm zukommt. Anuvrat wiederholt eine alte Wahrheit – das Leben ist wirklich Selbstbeherrschung. Nur diejenige Gruppe wird sich behaupten können, in welcher das Individuum sich völlig der Selbstbeherrschung hingibt. Nur eine solche Gruppe kann eine Quelle der Inspiration sein.

Meisterung der Sprache

Eine Komponente der Selbstbeherrschung ist die Sprachbeherrschung. Für jede politische, soziale, religiöse oder familiäre Gruppe ist die Meisterung der Sprache für das Oberhaupt unerlässlich, weil sich ohne sie die Gruppe nicht formieren oder sich sehr bald nach ihrer Formierung auflösen wird. Äußerste Sorgfalt muss in diesem Bereich walten, denn manchmal verursacht der Gebrauch eines falschen Wortes die Auflösung einer ganzen Gruppe. Lord Mahavira, Lord Buddha und Acharya Bhikshu waren beleidigenden Worten und anderer unwürdiger Behandlung ausgesetzt. Aber sie schwiegen, kein einziges Wort, das der Gruppe hätte Schaden zufügen können, kam über ihre Lippen.

Wir wissen, dass manchmal ein einziges Wort für das Ausbrechen eines Krieges verantwortlich ist. Maharana Pratap und sein Bruder Shakti Singh wurden zu ausgemachten Feinden über der Frage, wer nun das Reh getötet habe, denn beide hatten gleichzeitig Pfeile abgeschossen. Jeder beharrte darauf: ’Ich habe das Reh getötet’, und diese Äußerung löste alle Schwierigkeiten aus.

Kontrolle des Verlangens

Eine der wichtigen Komponenten der Selbstbeherrschung ist die Kontrolle über das Verlangen. Alles Ersehnte ist nicht notwendigerweise wünschenswert, denn das Verlangen in einem anderen Menschen könnte zu einem Zerstörung und Tod verursachenden Zusammenstoß führen.

Ein weiser Mensch weiß, wie er sein Verlangen im Zaum hält. Er fängt nicht an, jeden seiner Wünsche erfüllt sehen zu wollen. Die Wünsche vervielfältigen sich andauernd, und es ist nicht möglich, alle zu erfüllen. Ein weiser Mensch, der Leiter einer Gruppe und das disziplinierte Mitglied einer Gruppe gehen nicht herum und verkünden, dass sie jeden ihrer Wünsche unterschiedslos befriedigen.

Kontrolle des Körpers

Auch die Kontrolle des Körpers ist sehr wichtig. Wenn jemand impulsiv handelt und ein anderes Mitglied der Familie aus den fadenscheinigsten Gründen schlägt, schadet das der Familie. Die Hand muss unter Kontrolle gehalten werden. Unausgedrückter Ärger schadet nur der ärgerlichen Person, solange er nicht ausgedrückt wird.

Die Schriften erklären das so: Aus dem Ärger einen Fehlschlag oder einen Erfolg machen. Der Ärger scheitert, wenn man ihn bei sich behält.

Ärger manifestiert sich auf zwei Arten – durch Ausstoßen von Beleidigungen oder durch den Gebrauch physischer Kraft, die verletzt oder tötet. Den Ärger am Erfolg zu hindern, ist physische Beherrschung. Richtig verstandene Selbstkontrolle kann ein lebenswichtiger Bestandteil des Managements werden. 

Nicht diskriminieren

Ein Grundsatz des Managements ist es, nicht zu diskriminieren. Ich möchte nicht behaupten, dass eine Familie völlig frei von Diskriminierung ist. Die Diskriminierung im Geiste kann nicht ausgeschlossen werden. Aber sie sollte nicht so sein, dass andere sie unangenehm finden könnten und sie kein Ende findet. Kollektive Willenskraft wird in der Sozialpsychologie so diskutiert, dass es möglichst wenig Diskriminierung gibt.

Ausgeglichene Emotionen

Gehen wir einen Schritt vorwärts und fügen einen neuen Grundsatz des Managements hinzu. Es handelt sich um das Ausgleichen der Emotionen, was zwar heutzutage nicht mehr praktiziert, aber dringend benötigt wird. Es kann keine ordnungsgemäße Gleichbehandlung praktiziert werden, wenn wir nicht darüber hinaus zugeben, dass es Abstufungen von Emotionen gibt. Wir brauchen Training für den Ausgleich der Emotionen.

Wie ist das möglich? Zuerst müssen wir davon überzeugt sein, dass es möglich ist, Emotionen auszugleichen. Diese tiefe Überzeugung fehlt uns. Andererseits nehmen wir als gegeben hin, dass Emotionen sind wie sie sind – dass Ärger, Furcht und Lust nicht verändert werden können. Eine solche Annahme schließt die Möglichkeit zum emotionalen Ausgleich aus. 

Das Schicksal kann verändert werden

Die Jaina Auffassung von spiritueller Praxis gesteht dem Menschen die Gestaltung seines Schicksals und die Veränderung desselben durch verstärktes Bemühen zu. Ich bin der tiefen Überzeugung, dass neue Entwicklungsrichtungen, Veränderungen und Management sich nur dann eröffnen, wenn wir daran glauben, dass astrologische, auf Horoskopen basierende Vorhersagen zurückgewiesen werden können. Akzeptieren wir die Tatsache, dass die Zukunft gestaltet werden kann und dies in unzähligen Fällen geschehen ist.

Der verehrte Gurudev Tulsi, Tulsi verbrachte einst die vier Regenmonate in Rajaldesar. Eine astrologische Vorhersage behauptete, dass er nicht in der Lage wäre, Rajasthan zu verlassen. Wenn er hier fort ginge, so die Vorhersage, wäre er nicht imstande, Maryada Mahotsav (Fest der Regeln) in Sujangarh abzuhalten, doch alles fand zur rechten Zeit statt. Die nächste Vorhersage meinte, er wäre nicht in der Lage, Delhi zu erreichen. Er traf gesund und munter in Delhi ein.

Doch ich muss sagen, dass auch die Vorhersagen nicht falsch waren. Ich verstehe ein wenig von Astrologie und glaube auch daran. Die Vorhersagen waren nicht unzutreffend, aber sie wurden unzutreffend gemacht. Ein starker Charakter, Willenskraft und Selbstvertrauen reduzieren solche Vorhersagen auf ein Nichts. In Ermangelung dieser starken Qualitäten wären sie zu Tage getreten. Aber nun waren die Vorhersager sprachlos.

Was ist der Grund? Betrachten wir beide Seiten. Tadeln wir auch den Astrologen nicht, wollen wir doch den Grundsatz verstehen, den Mahavira für uns niedergelegt hat. Wenn wir uns ernsthaft anstrengen, wenn wir Selbstvertrauen besitzen, wenn unser Entschluss stark ist und wir zugleich Beherrschung üben, können wir alles verändern und hinter uns lassen. Wir sollten die Vorstellung akzeptieren, dass Emotionen ausgeglichen und harmonisiert werden können. 

Kontemplation der Harmonie

Ständige Praxis und Erfahrung sind für die Kontemplation von Harmonie unerlässlich. Man sollte wissen, wie viel angestrengtes Experimentieren und Praktizieren der sich als falsch erwiesenen Vorhersage vorausgingen. Kayotsarga (Ruhigstellung und Entspannung des Körpers) (Glossar !!!???) wurde über mehrere Stunden praktiziert, während der Kayotsarga-Übung wurde Selbst-Kontemplation zusammen mit Übungen zur Stärkung der Willenskraft durchgeführt. Keine Transformation ist ohne wiederholte Praxis möglich. Ein Teil der Preksha-Meditation (Wahrnehmungsmeditation) ist die Kontemplation von Harmonie, von Vergebung und von ausgeglichenen Emotionen. Über einen langen Zeitraum durchgeführt, wird man in die Lage versetzt, seine Emotionen auszugleichen.

Ein guter Sohn, ein guter Vater

Versuchen wir, den gegenwärtigen Zustand der Familie zu analysieren. Man hört Eltern oft sagen, dass sie selbst ihren zehnjährigen Kindern nichts mehr sagen können. Wie kann man unter solchen Umständen von einer guten und gut geführten Familie reden? Wo liegt die Ursache für diesen Mangel an Disziplin?

Die Antwort ist einfach – weil die Gewohnheit der Disziplin nicht ausgebildet worden ist. Ein alter Spruch sagt, wer kein guter Student war, wird kein guter Lehrer. Auf der gleichen Grundlage kann gesagt werden, wer kein guter Sohn war, wird kein guter Vater. Wer als Kind früh Unterweisung und Praxis in Disziplin erfährt, wird später weder die Disziplin brechen noch unfolgsam.

Die Eltern selbst praktizieren weder Freundlichkeit noch kümmern sie sich um das Wohlergehen ihres Kindes. Wie können denn dann in dem Kind Gefühle von Respekt und Disziplin entstehen? Am dringendsten werden Freundschaft und Anteilnahme am Wohlergehen gebraucht.

Worum sich Eltern heute kümmern, ist die Schule für das Kind und die Universität, damit es nach Erhalt einer exklusiven Erziehung viel Geld verdienen und reich heiraten kann. Selten kümmern sie sich um die Zukunft ihres Kindes.   

Die Sorge um die Lieben

Sorge kann auf zwei Ebenen stattfinden, Sorge um die Lieben und Sorge um ihr Wohlbefinden. Die Menschen sind über ersteres besorgt, nicht aber über letzteres. Doch der Aufbau eines guten Lebens ist an letzteres gebunden. Wenn eine stolze Mutter zur Beute des Instinkts der Mutterliebe wird und dem Kind etwas vom Arzt Verbotenes zu essen gibt, gibt sie nicht ihrer Liebe nach, sondern fügt dem Wohlbefinden ihres Kindes grossen Schaden zu.

Sorge um das Wohlbefinden

Die Liebe muss sich hinten anstellen, wenn man sich auf das Wohlbefinden konzentriert. Aber in den heutigen Familien hat ersteres das letztere vertrieben. Dies erklärt sich aus der Tatsache, dass die Disziplin nachlässt, Homogenität fehlt und sich Gemeinschaftsgefühl gar nicht erst entwickelt. In deren Abwesenheit verliert die ‚joint family’ ihre ‚raison d’être’. Das Oberhaupt der Familie muss realisieren, dass es sich nicht nur um diejenigen Dinge sorgt, die von der Familie gewünscht werden, sondern auch um das Wohlergehen der Familie.

Wir haben kurze Betrachtungen über das Management im Zusammenhang mit Familie angestellt. Durch die Kombination moderner Managementgrundsätze mit den in der alt-indischen Kultur enthaltenen, kann die Basis der Familie gestärkt und ihr eine angemessene Entwicklung zugesichert werden.

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