1. Einleitung : Die frühen Tage wertorientierter Erziehung
Im alten Indien begannen die Anweisungen eines Lehrers (des Guru)
für seinen Schüler (Jünger) wie folgt : ”Lasse deine Lebensführung bestimmt sein von rechtem Handeln, wozu das Studium und Lehren der Schriften gehört; von Wahrhaftigkeit in Worten, Taten und Gedanken; von Selbstverleugnung und Ernst; von Ausgeglichenheit und beherrschtem Sinn; von Erledigung der täglichen Pflichten mit freudigem Herzen und nicht anhaftendem Geist..... Weiche nicht vom Pfad Gottes. Ehre das Höchste.” (1)
In Taxila, später in Nalanda, Fez, Rabat und Al-Azhar, noch später in Paris und Oxford, wurde der Lehrbetrieb
durch nachdrückliche Vermittlung moralischer und ethischer Werte charakterisiert. Das war der Fall, weil die Organisation förmlicher Erziehung, obgleich nur wenigen zugänglich, im Umkreis religiöser Institutionen geschah. Erziehung wurde als kultureller Bestandteil der individuellen moralischen Entwicklung verstanden und hatte sehr wenig mit gesicherter Existenz oder materiellem Fortschritt zu tun. Erziehungsunterricht hatte prinzipiell für den Verhaltenskodex zu sorgen, wofür die oben
stehende Unterweisung als beispielhaft gelten mag, sollte die Einführung in das Wertsystem gewährleisten und das Verständnis für die ultimative Wirklichkeit des Lebens in spirituellen Zusammenhängen vermitteln. Als finales Ziel des gesamten Erziehungsvorgangs galten das Entwirren der ”Wahrheit”, die Manifestation der ”im Menschen bereits vorhandenen Vollkommenheit”, die Fähigkeit, Wissen und Mitgefühl zu verbinden, sowie die Kombination von Tüchtigkeit und exzellenter Moral. (2) In der Praxis allerdings wurden Aspekte der Billigkeit, Gerechtigkeit und Freiheit von dieser ”moralischen Vorzüglichkeit” ignoriert. Diskriminierung und hierarchische Gesinnung waren allgemein üblich. Die Religion des Instituts wurde als die beste der vorhandenen gepredigt und die Verurteilung jeder anderen galt entweder heimlich oder ausdrücklich als garantierte Selbstverständlichkeit. Bestürzt über den Fanatismus, den die verschiedenen Religionen zum Ausdruck bringen, während sie alle bemüht sind, das selbe Endziel zu erreichen, war es ein indischer Priester, der sich während der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts der Aufgabe verschrieb, für die Welt den Beweis zu erbringen, daß alle Religionen zum selben Ziel führen. Dies tat er, indem er gemäß den Überzeugungen des Islam, des Christentums und verschiedener Sekten
des Hinduismus praktizierte (3). Von ihm inspiriert, entschloß sich ein anderer indischer Mönch, Swami Vivekananda, zu folgender Proklamation im Parlament der Religionen, das 1893 in Chicago tagte : ”Sektentum, Engstirnigkeit und deren unerträglicher Abkömmling Fanatismus haben diese schöne Erde lange beherrscht. Sie haben die Erde mit Gewalt überzogen......Aber ihre Zeit ist gekommen und glühend hoffe ich, die Glocke, die heute morgen zu Ehren des Kongresses geläutet
hat, möge die Totenglocke für jede Art von Fanatismus, für alle Verfolgungen gewesen sein.”
Um dies zu verwirklichen, gründete er eine Organisation, in der die Universalität der Religion nicht nur einem theoretischen Glaubensbekenntnis entsprach, sondern einer realen Praxis. Ihre sämtlichen Erziehungsinstitutionen waren auf
Universalismus als wichtigstem Wert gegründet. (4) Aber wie auch immer, das Konzept von Werten und Erziehung hat sich im Lauf der Zeit verändert, was sich gleich zeigen wird. 2. Die veränderte Rolle der Erziehung, deren Bedeutung für Wertvorstellungen und umgekehrt Seit dem Endes des achtzehnten Jahrhunderts hat der Aufstieg akademischer und polytechnischer Institute das traditionelle Konzept von Erziehungsinstitutionen und Universitäten als Ausbildungsstätten vorwiegend humanistischer Studien erweitert, Vorkehrungen getroffen, um dem Bedarf an Fähigkeiten für die Erforschung des Potentials der Reserven, die
Nahrungsmittelproduktion, den Sektor der Dienstleistung, das Aushandeln von Zeiträumen der Durchführung und die leitende Beaufsichtigung des Gesundheitswesens zu genügen. Auch das System der Werte hat sich verändert, und es wurden daraus ”die Kriterien, auf die sich die Mitglieder einer Gesellschaft stützen, um Objekte, Ideen, Handlungen, Gefühle oder Ereignisse im Zusammenhang mit deren relativer Wünschbarkeit, Verdienstlichkeit oder Richtigkeit zu taxieren.” (5) Persönliche Leistung oder
Erfolg durch eigene Anstrengung wurden zunehmend als wichtiger Wert eingestuft, was auch für den Geist des Wettbewerbs mit seinen logischen Folgerungen bezüglich des ”Überlebens der Tauglichsten” zutrifft. Harte Arbeit, Genugtuung auf Teilzahlungsbasis und unaufhörliche Bemühung entsprachen zusammenwirkend einem weiteren der hoch bewerteten Wege zum Erfolg. Auch persönliche Freiheit und materieller Fortschritt wurden zu wichtigen Werten des Lebens. Das Schulsystem begann diese Aspekte
inhaltlich, methodisch und strukturell zu favorisieren. Der materielle Fortschritt wurde zum Gradmesser für die Entwicklung einer Gesellschaft. Die nachdrückliche Hervorhebung moralischer Erziehung begann in allen Ländern der Welt auf bezeichnende Weise zu schwinden. In einigen dieser Länder unternahmen es diverse religiöse Organisationen, glaubensbetonte Unterweisungsmethoden auf der Basis tradierter Werte anzubieten, wie oben zu Beginn dieser Ausführungen erwähnt. Obwohl die Prinzipien der Freiheit, Demokratie, Gleichheit und Gerechtigkeit als wichtige Werte geistig erhalten blieben, verhielten sich die Vertretungen des Erziehungswesens desinteressiert gegenüber deren praktischer Anwendung im Sinne der Erhaltung und vorsichtiger Nutzung der Ressourcen. Die Leute fingen an, Privatbesitz und Praxis des Kapitalismus zu betonen, Rationalität und Wachstum. Gegen Ende des zwanzigsten Jahrhunderts
suchten die Ideale des Kommunismus in einigen Teilen der Welt verlorenen Boden zurückzugewinnen. Der Glaube an privates Eigentum hat im Namen städtischer Entwicklung viel Grünland in Betongebäude verwandelt. Der Glaube an den materiellen Fortschritt hat die Luft und das Wasser vergiftet im Namen industrieller Expansion. In der
industrialisierten und kommerzialisierten Gesellschaft haben sich die Werte gewandelt, in Richtung emphatischer Begünstigung des materiellen Fortschritts verschoben. Religiöse Erziehung wurde ergänzt durch weltliche mit ausgeprägterem Sinn für das Verständnis unterschiedlicher Religionen, Freiheit und Menschenrechte. Die Probleme, mit denen die menschliche Zivilisation am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts konfrontiert wird, stehen in den folgenden Ausführungen zur Diskussion. 3. Probleme, vor denen die Gesellschaft heute steht Gegen Ende des zwanzigsten Jahrhunderts haben sich weltweit einige wichtige Veränderungen des menschlichen
Lebens ereignet, die unter dem Gesichtspunkt der Neudefinition von Werten auf einer internationalen Skala besonders aufmerksam beachtet werden müssen. Erstens, die Entwicklung der Kommunikations- und Informationstechnologie hat aus der Welt ein globales Dorf mit verbesserten Bedingungen der Interaktion (Wechselwirkung beim Austausch von Informationen) für alle menschlichen Erdbewohner gemacht. Das hat auch zur Verbreitung der Ungleichheit unter den Menschen beigetragen und das Wissen um
solche Fakten erweitert. Die Phänomene der Globalisierung haben dafür gesorgt, daß problematische Angelegenheiten der Justiz, Gerechtigkeit, Freiheit, Demokratie und Menschenrechte in Erscheinung treten und wahrgenommen werden. Dank der Entwicklung von Übertragungs- und Informationstechnologie ist auch das Interesse an unterprivilegierten Gruppen der Gesellschaft wichtig geworden. Zweitens, Ablehnung der Idee des
Kommunismus als Ergebnis vorübergehender Annäherung im Rahmen der entwicklungsstrategischen Konzepte verschiedener Länder hat zu ethnischen Konflikten, Nationalismus und religiösem Fanatismus geführt. Nie fühlte man so viel Bedürfnis nach Toleranz und einer Kultur des Friedens. Drittens, die Gier nach materiellem Fortschritt hat keine Beschränkung geduldet. Entwaldung, globale Erwärmung, Verseuchung des Wassers und
der Luft sind die Konsequenzen industrieller Entwicklung und gestalten die Erde zunehmend ungastlich. Die Zuständigkeit für den Schutz der Umwelt war nie zuvor so unverzichtbar. Abschließend wäre in diesem Zusammenhang zu sagen, daß Biotechnologie und Bioinformatik einerseits steigende Produktionsraten der Landwirtschaft, bessere medizinische Einrichtungen und einige Vorteile für die Umwelt gebracht haben, während
sie andererseits Probleme der ”Gen-Klonung” und ”Leihmutterschaft” schufen, deren Auftreten zu komplexen ethisch bedingten Schwierigkeiten führt. ”Der Einfluß der Ethik kann im Rahmen hochtechnologischer Bereiche sowohl an Biologie und Medizin, als auch an den geheimnisträchtigen Wechselfällen und Verrücktheiten der Computerisierung gemessen werden, ein Phänomen, das jede Sphäre einschließlich des Privatlebens beeinflußt. Wenn wir es versäumen, eine Verbindung zwischen den Grundsätzen der
Ethik und dem technologischen Fortschritt herzustellen, wird uns das in eine Ära der Barbarei mit menschlichem Gesicht führen”. (6) Diese Überlegungen führen uns zur Wiedererwähnung des Bedarfs nach wertorientierter Erziehung im einundzwanzigsten Jahrhundert; inhaltlich, strukturell und methodisch ist mein Beitrag diesem Thema gewidmet.
4. Wertorientierte Erziehung für das XXI. Jahrhundert im Verhältnis zur Rolle der behördlichen und nicht öffentlichen Vertretungen, Agenturen oder Geschäftsstellen Während die grundlegenden Werte der Wahrheitssuche,
praktizierten Aufrichtigkeit und Würdigung der Schönheit unversehrt erhalten sind, kommt säkularen Werten wie Toleranz, Selbstachtung, liebender Achtung menschlicher Würde, Respekt und Mitgefühl gegenüber anderen, persönlicher Freiheit und Menschenrechten, dem Internationalismus, der Ablehnung von Grausamkeit, Praxis der Gewaltlosigkeit und Kultur des Friedens immer mehr Bedeutung und größere Wichtigkeit zu, wenn und weil es um die zuvor beschriebenen Probleme geht, mit denen die Menschheit
gegenwärtig konfrontiert wird. Davon werden die internationalen Organisationen hauptsächlich in Anspruch genommen. Die Vereinten Nationen haben in ihrer Charta von 1945 drei Säulen verankert, namentlich Frieden, Gerechtigkeit und Freiheit wie folgt : ”Wir,
die Angehörigen der Vereinten Nationen, sind entschlossen, nachfolgende Generationen vor der Geißel des Krieges zu bewahren, um den Glauben an menschliche Grundrechte erneut zu bestätigen..... an gleiche Rechte der Männer und Frauen,.... Toleranz zu üben und miteinander in Frieden zu leben.” (7)
Einige Monate später wurde UNESCO, die spezialisierte Geschäftsstelle der Vereinten Nationen für Wissenschaft, Erziehung und Kultur gegründet, ”um Frieden und
Sicherheit zu stützen, die Zusammenarbeit der Nationen durch Erziehung, Wissenschaft und Kultur in diesem Sinne zu fördern und des weiteren für umfassenden Respekt vor der Gerechtigkeit, den Regeln des Gesetzes, den Menschenrechten und grundlegenden Freiheitsansprüchen zu sorgen, die den Völkern dieser Welt feierlich zugesichert werden.” (8)
Seit Gründung der UNESCO wurde eine Reihe von Standard vermittelnden Instrumentarien entwickelt, um Grundprinzipien der Erziehung im Interesse des Friedens und der Menschenrechte zu entwerfen. Darunter befinden sich die folgenden : I. Die Empfehlung bezüglich der
Erziehung zu internationalem Verstehen,(weltweiter Verständnisbereitschaft), Kooperation und Frieden, sowie der Erziehung im Zusammenhang mit den Menschenrechten und grundlegenden Freiheitsprinzipien. II. Weltweiter Aktionsplan für Erziehung im Hinblick auf Menschenrechte und Demokratie. (Montreal, 1993) III. Wiener
Deklaration und Aktionsprogramm der Weltkonferenz für Menschenrechte. (Wien, 1993 ) IV. Deklaration und integrierter Aktionsrahmen für Friedenserziehung, Menschenrechte und Demokratie. (Paris, 1995) V. Aktionsplan der Dekade der Vereinten Nationen für Erziehung im Sinne der Menschenrechte 1995-2004.
Diese Aktionspläne werden unter Aufsicht des Beratungskomitees der UNESCO für Friedenserziehung, Menschenrechte, Demokratie, internationale Verständigung und Toleranz ausgeführt. Sie sind mit einer Serie von regionalen Treffen und Workshops verbunden, die in Afrika, Asien, Lateinamerika, der Karibik und Europa stattgefunden haben. Seit der erziehungspolitische Kurs zur Entwicklung von Verständnisbereitschaft, Solidarität und Duldsamkeit unter den Individuen und zwischen ethnischen, sozialen, kulturellen oder religiösen Gruppen beitragen kann, darf die Erziehung als Hauptinstrument der Vermittlung von Wissen, Werten, Verhaltensweisen und Fähigkeiten und Fertigkeiten gelten, die dem Respekt vor den Menschenrechten und dem Aufbau einer Kultur des Friedens auf
demokratischer Basis dienlich sind. Die Konferenz europäischer Erziehungsminister (MINEDUROPE, 1988) schuf die Grundlage für eine lebhaftere Wahrnehmung von Werten, Denk- und Verhaltensweisen, die sich aus der Anerkennung humanistischer, kultureller und internationaler Dimensionen möglicher Erziehung ableiten lassen. Die Erzieher wurden ermutigt, diese Betonung wertorientierter Unterrichtsmethoden zu
verwirklichen. Als Ergebnis wurden Richtlinien zur Beurteilung von Werten für humanistische und internationale Dimensionen der Erziehung in Zusammenarbeit mit nicht behördlichen Organisationen vorbereitet. (10) Diese Richtlinien widmen ihre Aufmerksamkeit den Wegen, die sich für die Integration von Werten in die Lehr- und Studienplänen eignen. Sie sind auf der Überzeugung gegründet, daß Übereinstimmung in allen
Angelegenheiten, die sich auf Werte beziehen, als erstrebenswertes Ziel gelten muß, obwohl die Debatte der Philosophen im Bereich der Moralphilosophie über Identifikation und Natur der Werte ein zentrales Problem kennzeichnet. In diesen Richtlinien sind Versuche unternommen worden, Prinzipien ausfindig zu machen, die geeignet sind, um als unentbehrliche Eckpfeiler oder Grundsteine bezeichnet zu werden, an die sich
der Bauplan der Erziehung im Interesse einer humanistischen internationalen Gemeinschaft halten muß. Sie entsprechen dem Ausdruck sich selbst zugewandter Hochschätzung, sowohl in persönlicher, als auch in kultureller Hinsicht; Respekt und Toleranz gegenüber anderen, dem Individuum und seiner Eigenschaft als Mitglied ethnisch/kultureller Gruppen; Zugehörigkeits- oder Gemeinschaftssinn - alles muß einen sicheren physischen, emotionalen und politischen Ort innerhalb der Gesellschaft haben; ein
Verantwortungsgefühl bezogen auf soziale, politische, kulturelle und Umweltfaktoren, das der Fähigkeit entspricht, die Wichtigkeit des Lernens angemessen zu würdigen. Diese Prinzipien gehen Hand in Hand mit bestimmten ethischen Qualitäten, zum Beispiel, der Offenheit und Bereitschaft, zu diskutieren und zuzuhören, einer Haltung des guten Willens gegenüber anderen, des Verzichts, auf eigenen Rechten zu bestehen und einem Geist des Anstands. Diese Grundsätze sind weder übertragbar noch
verkäuflich, die ethischen Vorzüge der Offenheit und des Anstands würden sonst ein besorgniserregend labiles Gleichgewicht von konstanter Reparaturbedürftigkeit fördern und schützen. (11) Während der vierundvierzigsten Sitzung der Internationalen Erziehungskonferenz im Jahre 1995 luden die Erziehungsminister aufgrund einer Deklaration, die sie angenommen hatten, den Generaldirektor der UNESCO ein, während der
Hauptversammlung im November des Jahres ein ”Handlungsgerüst” zu präsentieren, das den Mitgliedsstaaten in Gemeinschaft mit der UNESCO erlauben sollte, sich im Rahmen klar gegliederter und zusammenhängender Politik, der Friedenserziehung zugunsten der Menschenrechte und Demokratie mit Ausblick auf eine Perspektive nachhaltiger Entwicklung zu integrieren. (12) Das ”Integrierte Aktionsgerüst” (Integrated Framework of
Action, siehe IV oben), hob im besonderen die Bedeutung der Empfänglichkeit jedes einzelnen Individuums für umfassende Werte und Verhaltensmuster hervor, auf die sich eine Kultur des Friedens gründet und unterstrich die Notwendigkeit, die Entwicklung dieser Eigenschaft zu fördern. In diesem Zusammenhang wurde nachdrücklich die Aufgabe der Erziehung erwähnt, Fähigkeiten zu vermitteln, die geeignet sind, sowohl den
Frieden, als auch das Geschick, seinen Herausforderungen zu begegnen, angemessen zu werten. Erziehung muß die Kenntnis und Akzeptanz der Werte vermitteln, die mit der Verschiedenheit der Individuen, Geschlechter, Völker und Kulturen verbunden sind, Kommunikationsfähigkeit, Bereitschaft, mit anderen zu teilen und zu kooperieren müssen von den Konzepten wünschenswerter Entwicklungsziele berücksichtigt werden. Das gilt auch für die Eignung zur gewaltlosen Konfliktbewältigung. Den Studierenden muß geholfen werden, einen Zustand inneren Friedens oder der Ruhe des Geistes zu erreichen, damit sie imstande sind, die Qualitäten der Duldsamkeit, des Mitgefühls, des Teilens und der Fürsorge beständig im Bewußtsein zu verankern. Erziehung sollte die Fähigkeit der Bürger kultivieren, im Sinne zwangloser Auslese auszuwählen; des weiteren
muß Erziehung die Bürger lehren, das kulturelle Erbe zu achten, die Umwelt zu schützen, Produktions- und Verbrauchsmethoden zu adaptieren, die zu einer nachhaltig harmonischen Entwicklung der Wechselwirkung sowohl zwischen dem Individuum und kollektiven Werten, als auch zwischen unmittelbarem Grundbedarf und langfristigen Interessen führen. Schließlich kommt es nicht zuletzt darauf an, die Kultivierung von
Solidaritäts- und Gerechtigkeitsgefühlen auf nationaler und internationaler Ebene anzustreben. (13) Strategien, um diese Ziele zu verwirklichen, und Leitfäden für Handlungsbedarf wurden unter Berücksichtigung des Fassungsvermögens, der Lehrmittel und Materialien für den Unterricht, der Programme für das Lesen, den sprachlichen Ausdruck und Förderung von Fremdsprachen, erzieherischer Einrichtungen, der Ausbildung von
Lehrpersonen, Aktion im Interesse verwundbarer Gruppen, Forschung und Entwicklung von höherem Ausbildungsniveau, der Zusammenarbeit des Erziehungssektors mit anderen Vertretungen im Dienst der Sozialisation, regionaler und internationaler Zusammenarbeit zum Nutzen aller Mitgliedstaaten der UNESCO unterzeichnet, um die Erziehung zum Frieden im Sinne der Menschenrechte und zum Schutz der Demokratie voranzutreiben. Verkettungen
wurden auch zwischen der UNESCO und den Vereinten Nationen etabliert, soweit es den gemeinsamen Entwurf allgemeiner Zielvorstellungen und die Vorgehensweise beim Bau einer Kultur des Friedens betrifft, die sich an das Leitmotiv oder die bestimmende Modalität der Erziehung hält. Die UNESCO agiert auf globaler und nationaler Ebene. Durch ihre Initiative wurde eine Abteilung für Ausbildung und Training geschaffen, um Wertvorstellungen einzuschärfen, die sich auf Frieden, Menschenrechte,
Demokratie, Toleranz und internationale Verständigung beziehen. In diesem Zusammenhang müssen auch die Aktivitäten der Organisation auf den Gebieten der genauen Auswahl und Verbreitung von Lehrmaterial, sowie die Bereitstellung pädagogischer Hilfsmittel in verschiedenen Sprachen erwähnt werden. Zwei andere Einheiten (Sektoren der UNESCO)
konzentrieren sich auf politisch orientierte Forschung, fürsprachliches Handeln, Austausch und Verbreitung von Information; weitere Abteilungen sind mit Kapazitätsförderung, technischem Materialschutz, subregionalen, regionalen und internationalen Projekten im Rahmen dieses Aufgabenbereichs beschäftigt. (14) Auch viele nicht behördliche Organisationen gehen dem System der Vereinten Nationen zur Hand, um Werte und
Erziehung für das einundzwanzigste Jahrhundert zu propagieren. Ich erwähnte bereits die Ramakrishna-Mission in Indien, eine Organisation, die Pionierarbeit geleistet hat, um den Universalismus im Rahmen seiner Erziehungsinstitutionen (mitsamt praktikabler Methoden / Anmerkung des Übersetzers) einzuführen. Im guide book (Ratgeber) ”Living
Values” (Lebenswerte) und seinen beigefügten Trainingsmaterialien und Anweisungen), bereitgestellt von der Brahma-Kumaris-Spiritual-University zu Ehren des fünfzigsten Jahrestages der Vereinten Nationen, wird eine Gliederung von zwölf Begriffen zum Statement erhoben und artikuliert, die sich auf universelle Aspekte spiritueller und moralischer Werte als Basis für das Leben jedes Einzelnen bezieht. Diese Werte sind :
Zusammenarbeit (Kooperation), Freiheit, Glück, Aufrichtigkeit, Demut (Bescheidenheit), Liebe, Frieden, Respekt (Achtung), Verantwortung, Einfachheit, Toleranz (Duldsamkeit, Duldung) und Einheit (Einigkeit). Das Kompendium der Trainingsunterlagen wird sowohl dem Inhalt und den Methoden der Instruktion, als auch der Struktur von Aufgaben im theoretischen und praktischen Anwendungsbereich auf umfassende Weise gerecht. Diese
Materialien werden jetzt in einigen Ländern erprobt und verdienen es, international verbreitet zu werden. (15) 5. Abschließende Bemerkungen Das
Jahr 2000 als Beginn des dritten Milleniums und des einundzwanzigsten Jahrhunderts wurde von der UNESCO zum JAHR DER FRIEDENSKULTUR ausgerufen. Proklamationen sind zu wenig, wenn sie nicht von kraftvollen Aktionen begleitet werden. Erziehung ist das Hauptinstrument solcher Vorhaben. Die entsprechenden Institutionen aller Mitgliedstaaten der UNESCO verfügen jetzt über angemessene Grundlagen und Direktiven, um
wertorientierte Erziehungsprogramme einzuführen, die sowohl spirituelle, als auch säkulare Werte verkörpern, um eine Kultur des Friedens zu verwirklichen. Örtliche, nationale und internationale Vertretungen des Erziehungswesens müssen sich zusammentun, um aus der Wertorientierung eine wesentliche Komponente aller Ausbildungsprogramme zu machen, deren Ziel es ist, Einstellung und Verhalten der Menschheit zu ändern.
Darin übereinstimmend mit der UNESCO, - denn ”weil Kriege in den Köpfen der Menschen beginnen, muß auch der Schutz des Friedens in den Köpfen der Menschen errichtet werden.” (16) (engl. Originalzitat : ”since wars begin in the minds of men, it is in the minds of men that the defences of peace must be constructed.) Ich würde diesen Beitrag gern mit einem Statement des Vorsitzenden der UNESCO beenden : ”Ich erkläre mit allem Nachdruck, ....... von jetzt an müssen wir bereit sein, den Preis für den Frieden zu zahlen, wie wir mit Millionen von Menschenleben den Preis des Krieges
bezahlt haben; auf daß die Vielfalt der Kulturen, die wesentliche Grundlage unserer Identitäten und Sinn für Zugehörigkeit uns rund um die Ideale vereinen, die von unserer Verfassung proklamiert wurden, und uns nie wieder etwas trennen kann; daß Religionen, auf Liebe gegründet, uns nicht zu Auseinandersetzung und Haß verleiten; und daß Ideologien durch Freiheit der Meinungsäußerung und Mitbestimmungsrecht nicht den Gewaltzwängen dienen, sondern der Demokratie.” (17)
Das sind die Werte, die wir in der Morgendämmerung des einundzwanzigsten Jahrhunderts benötigen, und daran sollte sich unsere Erziehung orientieren. Referenzen:
(1) PRAVANANDA, S. and Frederick Manchester. The Upanishads, Vedanta Press, Hollywood, California, 1947, pp. 81-82
(2) LOKESWARANANDA, S. Education, Theory and Practice. Ramakrishna Mission Ashrama, Narendrapur, India, 1972, p.52
(3) Rolland, Romain. The Life of Ramakrishna, translated into
English by E-F. Malcolm Smith, Advaita Ashram, Calcutta, 1994.
(4) Rolland, Romain. La vie de Vivekananda, Librairie Stock, Delamain et Boutellau, Paris, 1930.
(5) Eitzen, D.S. and Zinn, M.B. In Conflict and Order, Understanding Society, Allyn and Bacon, London, 1991, pp. 111-118
(6) Sanyal, B.C. Future Needs of Higher Education with Special Reference to Developing Countries. Paper presented in the "Seventh International Conference on New Concepts of Higher
Education", held in Bangkok in December 1988, IIEP, Paris, 1988.,
(7) United Nations: Preamble, Charter of the United Nations, June, 1945. United Nations, New York.
(8) UNESCO: Constitution of the United Nations Scientific and Cultural Organization, Preamble, UNESCO, Paris, November 1945.
(9) United Nations: General Assembly Fifty Second Session. Agenda Item 156. Note by the Secretary General, 19 September, 1997. United Nations, New York.
(10) CIDREE:
Volume 6. A Sense of Belonging, Guidelines for Values for the Humanistic and International Dimension of Education, Scotland, 1994
(11) ibid, p.21
(12) UNESCO: Declaration and Integrated Framework of Action on Education for Peace, Human Rights and Democracy, UNESCO, Paris, 1995.
(13) ibid
(14) United Nations: General Assembly Fifty Second Session. Agenda Item 156. Note by the Secretary General, 19 September, 1997. United Nations, New York.
(15) Brahma
Kumaris Spiritual University: Living values, a guide book, Global Co-operation House, London, 1995.
(16) UNESCO: Constitution of the United Nations Scientific and Cultural Organization, Preamble, UNESCO, Paris, November 1945
(17) Federico Mayor: Address at the opening of the "International Consultation of Governmental Experts on the Human Right to Peace", delivered on 5 March 1998, UNESCO, Paris. top |