Eure Exzellenz, Herr Gerard Ramseyer, sehr
geehrter Herr Präsident des Staatsrates von Genf, sehr geehrter Herr Dr. Vishwanath D. Karad, Vorsitzender des WPM'98, Genf, Schweiz, Eure Exzellenz, Herr Walter Gyger, sehr geehrter Herr Dr. Kim, Direktor der Abteilung Philosophie und Ethik und persönlicher Repräsentant des Generaldirektors der UNESCO, Paris, Eure Exzellenz, Herr Dr. Karan Singh, sehr geehrter Herr Shri Pamod Navalkar, Kultusminister von Maharashtra, sehr geehrte Würdenträger, sehr geehrter Herr Rechtsanwalt B. E. Avhad,
Vizepräsident des MAEER's MIT, Poona, sehr geehrter Herr Präsident Dr. Suresh G. Ghaisas, sehr geehrter Herr Dr. Sampatkumar, Generalsekretär des WPM'98. Es ist für mich eine große Ehre, mit Ihnen allen hier zu diesem denkwürdigen Anlaß im Internationalen Konferenzzentrum Genfs zu sein, um die Bedeutung von Wissenschaft, Religion und Philosophie für die Entwicklung eines ethischen und moralischen Kodex für das 21.
Jahrhundert zu erörtern. Freunde, wir sind hier, um den großen Heiligen, Weisen, Sehern und Wissenschaftlern Respekt zu zollen, die uns mit ihren Mitteln und Möglichkeiten Wege zur Errichtung einer holistischen Gesellschaft aufzeigen, die zu einem angenehmen, glücklichen und zufriedenen Leben der Menschen beitragen. Alle großen Kinder unserer Mutter Erde waren hochentwickelte Seelen, welche durch die Erkenntnis
Brahmans als die Höchste Seele ewige Glückseligkeit erlangten. Voller Zuversicht stelle ich in dieser Versammlung eines gelehrten Publikums fest, daß im Osten oder im Westen in Zeiten des Chaos und der Verwirrung entweder Lord Krishna oder Lord Jesus zu gegebener Zeit geboren wurden und der Menschheit das Göttliche Licht der Liebe und des Mitgefühls zeigten und damit der wahren Religion der Humanität in der Welt Geltung verschafften. Vor sieben Jahrhunderten, als Indien drohte, von Verwirrung
verschlungen zu werden, verbreitete der Heilige Jnaneshwara das göttliche Licht und das Evangelium von der Einheit der Menschheit. Der Heilige und Philosoph Jnaneshwara von Alandi oder der große Heilige Franz von Assisi oder die großen Wissenschaftler der heutigen Zeit haben schon immer an der Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschheit gearbeitet. Ich grüße all die großen Heiligen, Weisen, Seher und Wissenschaftler der Welt.
Während der vergangenen Jahrhunderte wurde die Menschheit auf der einen Seite Zeuge gewaltiger Fortschritte und des Anwachsens materiellen Überflusses in vielen Teilen der Welt, während sie auf der anderen Seite ihrer moralischen und spirituellen Werte allmählich verlustig ging. Heute sieht sich die Menschheit in einer multidimensionalen Zivilisationskrise, die beinahe alle Aspekte unseres materiellen und spirituellen
Lebens in Mitleidenschaft zieht. Alle Nationen, ob arm oder reich, sind Nationen mit aufgewühlten Seelen auf der Suche nach neuen Paradigmen. Die Frage ist, in welcher Weise Wissenschaft und Spiritualität zum Weltfrieden beitragen können. In den Lehren der Weisen Indiens wie Swami Vivekananda finden wir Antworten auf diese Fragen. Das im Westen seit ca. dreihundert Jahren dominierende wissenschaftliche Denken
entwickelte sich aus den Forschungsergebnissen des Galileo Galilei, Francis Bacon, René Descartes und Isaac Newton. Die Wurzeln des wissenschaftlichen Rationalismus legte Galileo, der als erster Mathematik mit Experimenten kombinierte. Bacon legte eine klare Theorie des induktiven Vorgehens dar, und Descartes erklärte, "daß jede Wissenschaft aus zuverlässigem und bewiesenem Wissen besteht". Descartes war es auch, der eine völlig neue Methode mittels der mathematischen Beschreibung
von Ereignissen einführte. Seine Aussage "Cogito Ergo Sum" (Ich denke, also bin ich) führte zu der Annahme einer bruchstückhaften menschlichen Persönlichkeit mit einem vom "Körper" getrennten "Geist", der als Kontrollinstanz des Körpers fungiert. Descartes beschrieb mit dem ihm eigenen analytischen Geschick das Universum mit all seinen Objekten, die es ausmachen, als Maschine. Aufgrund seines großen Einflusses bemühten sich Wissenschaftler in den vergangenen
dreihundert Jahren bis in das erste Viertel unseres Jahrhunderts hinein, das Mysterium der Arbeitsweise dieser "großen Maschine" zu enthüllen. Als logische Folge dieser Vorstellung konnte die Natur oder das Universum als gewaltige Maschine verstanden werden, die aus der Menge der sich umeinander bewegenden Himmelskörper besteht und die nach Regeln funktioniert, welche der menschliche Geist herausfinden kann. Isaac Newton entwickelte seine Apparate auf der Grundlage der
cartesianischen Auffassung vom Universum, unterstützte durch sein Werk dieses Weltbild und begründete die klassische Physik. Newton bewies der westlichen Welt, daß das Universum rational begriffen werden kann. In der Tat begründete Newtons Aussage "Ich stelle keine Hypothesen auf" (Hypothesis non fingo) die rapide Entwicklung der experimentellen Wissenschaften, insbesondere der Physik, und führte zu
einigen der wundervollsten wissenschaftlichen und technologischen Entdeckungen. Die industrielle Revolution konnte nur aufgrund seiner Entdeckung der Regeln für Bewegungen von Körpern vorangetrieben werden, die nachwiesen, daß für Himmelskörper dieselben Gesetzmäßigkeiten gelten wie für unseren Planeten. Folglich konnte der menschliche Geist erfassen, was bis dahin nur dem göttlichen Bereich zugehörig galt. So wie Descartes das Lehrfach der mathematischen Analyse entwickelte und nachwies, daß
die Natur als "große Maschine" angesehen werden kann, entdeckte Isaac Newton die Gesetzmäßigkeiten ihrer Arbeitsweise. Newtons mechanistisches, vollständig deterministisches Weltbild wurde vom Grundsatz der Kausalität beherrscht. In der Physik Newtons kann die zukünftige Position eines sich bewegenden Objektes vorhergesagt werden, vorausgesetzt, man kennt seine gegenwärtige Position und die seiner Bewegung
zugrundeliegenden Gesetzmäßigkeiten. Genauso können Rückschlüsse auf seine vorherige Position zu einem früheren Zeitpunkt gezogen werden. Folglich funktionierte die gigantische Maschine nach diesem Konzept wie eine bespielte Kassette, an der sich nichts verändert und wo jedes Ereignis vom Moment seines Vorhandenseins an genau vorherbestimmt war. All das erforderte die Existenz einer außerirdischen Agentur, welche die Maschine in Übereinstimmung mit irgendwelchen göttlichen Gesetzen in Gang
setzte. Im cartesianischen Schema konnte die Natur mittels eines Satzes mathematischer Gleichungen objektiv beschrieben werden, ohne daß die Existenz eines Beobachters nötig gewesen wäre. Die Synthese aus diesen beiden Vorstellungen blieb bei der Auffassung, das Universum sei eine Maschine, doch sie verabschiedete sich von der Vorstellung Gottes. Folglich schuf der cartesianische Dualismus von Geist und Materie weitgehend eine spirituelle Leere. Einige philosophische Konsequenzen der Cartesianisch-Newtonschen Methode können folgendermaßen zusammengefaßt werden: - Das Universum ist eine von universellen Gesetzmäßigkeiten gesteuerte gigantische Maschine, die durch Experimente und rationales Verständnis entdeckt werden können. Durch Anwendung dieser Gesetzmäßigkeiten kann man seinen Wissenshorizont
erweitern und darüber hinaus mehr Informationen über die Natur oder das Universum erhalten.
- Es existiert eine von uns getrennte Außenwelt, die objektiv beobachtet und gemessen werden kann, ohne daß sich in ihr etwas verändert. Diese Welt ist unpersönlich, und der Beobachter kann "absolute Objektivität" anstreben.
Das
Konzept einer absoluten Objektivität basiert auf der Annahme, daß dort eine "Außenwelt" unabhängig vom Beobachter existiert, während "ich" als Beobachter "hier drinnen" bin, und die äußere Welt "dort draußen" existiert, um "beobachtet" zu werden. Die Philosophie des wissenschaftlichen Rationalismus behauptete auch, daß jedes Ereignis in der Außenwelt prädeterminiert ist, so daß der Beobachter keine Wahl habe. Und wenn es keine Wahl gäbe, was
würde dieses Wissen einem nützen? Die Antwort lautete, daß die Wissenschaftler durch die beharrliche Verfeinerung experimenteller Techniken und mathematischer Methoden eines Tages die ultimative Realität des Universums beobachten könnten und die Natur dazu gezwungen wäre, all ihre Geheimnisse zu enthüllen. Bis zum neunzehnten Jahrhundert, als unterschiedliche physikalische Phänomene erfolgreich in Begriffen von Atomen, Molekülen und ihrer Bewegung interpretiert wurden, schlugen die
Wissenschaftler nachdrücklich diesen Weg ein. Der cartesianische Glaube an die absolute Gewißheit wissenschaftlicher Kenntnisse errichtete ein von Wissenschaft und Technologie dominiertes Paradigma. Die Wissenschaft wurde zunehmend säkularisiert. Die mechanistische Auffassung und die reduktionistische Methode dominierten das westliche Denken während des neunzehnten Jahrhunderts, als dieses Modell auf die Chemie,
Biologie, Psychologie und sogar die Sozialwissenschaften ausgedehnt wurde. Das Newtonsche Modell wurde nun vielschichtiger angewandt, um die Probleme verschiedener Disziplinen lösen zu können. Das mechanistische Weltbild und die reduktionistische Methode verbreiteten sich rapide im achtzehnten Jahrhundert, und viele Denker beschäftigten sich mit Bereichen wie "Sozialphysik". Der bekannte Philosoph John Locke veröffentlichte sein vom Newtonschen Modell stark geprägtes Werk im späten
siebzehnten Jahrhundert, was die Denker des achtzehnten Jahrhunderts sehr stark beeinflußte. Locke entwickelte eine atomistische Sichtweise der Gesellschaft, wobei er Muster sozialen Verhaltens auf Muster individuellen Verhaltens reduzierte. Offensichtlich wurden Psychologie und politische Philosophie von dieser unkonventionellen Methode beeinflußt. Lockes Vorstellungen lieferten ein neues Wertesystem und wirkten sich stark auf die Entwicklung moderner politischer und ökonomischer Denkansätze
aus. Die gesamte westliche Welt stand im Bann des Newtonschen Modells, bis gewisse Entwicklungen von weitreichender Bedeutung im neunzehnten Jahrhundert begannen. Die Evolutionstheorie wurde aufgrund von Forschungsergebnissen in Geologie und Biologie und dem Werk Pierre Laplaces und Immanuel Kants entwickelt. In der Physik selbst war die Entdeckung der elektromagnetischen Phänomene nicht mit dem mechanistischen
Modell Newtons vereinbar. Die Biologen begannen das cartesianische Konzept vom Universum als perfekt konstruierte Maschine in Frage zu stellen und schlugen statt dessen ein evolutionäres Paradigma vor, demzufolge das heutige komplexe Universum aus einfacheren Strukturen hervorgegangen ist. Dieses Paradigma war ebenfalls rein materialistisch ausgerichtet und ließ die Auffassung gelten, daß die Evolution der Außenwelt objektiv nur von einem unabhängigen Beobachter wahrgenommen werden kann. Die
spirituellen Elemente fehlten selbst in dieser Methode. Trotzdem fuhr die Wissenschaft mit dem Quantifizieren und Messen fort, verbesserte ihre experimentellen Techniken, und die Newtonsche Mechanik blieb bis Einstein weiterhin die Basis der Physik. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts hat die Wissenschaft Fortschritte in der Überprüfung vieler Konzepte gemacht. Heisenbergs Unschärferelation ermöglichte tiefere
Einblicke in das Verhalten subatomarer Partikel. Die strikte Beziehung von Ursache und Wirkung bricht in diesem Bereich zusammen. Der Determinismus im Newtonschen Modell des Universums wird in der subatomaren Welt durch den Indeterminismus ersetzt. Nach den erfolgreichen Experimenten J. C. Boses gab es keine Unterscheidung mehr zwischen belebt und unbelebt. Bose begann mit Untersuchungen über die Reaktionen von unbelebten Metallen und Tieren. Er entdeckte die Ermüdungserscheinungen bei den
Metallen und wechselte von der Physik zur Physiologie. Am 10. Mai 1901 führte J. C. Bose alle seine Experimente in England vor. Die Wissenschaftler staunten über die ähnlichen Kurven von Muskeln und Metallen als Reaktion auf Müdigkeit, Stimulation, Depression und zersetzende Drogen. Nach Beendigung seiner Demonstrationen bemerkte er: "Heute abend habe ich Ihnen signierte Aufzeichnungen zur Erforschung der
Auswirkungen von Streß und Überlastung auf Belebtes und Unbelebtes gezeigt. Wie ähnlich sie sind! So ähnlich in der Tat, daß man nicht von dem Einen ohne das Andere berichten kann. Wie können wir zwischen diesen Phänomenen Grenzlinien ziehen und sagen, hier endet die Physik, und dort beginnt die Physiologie? Es gibt keine derartig absoluten Barrieren! Als ich mir einmal zufällig stummer Zeuge der Aufzeichnungen wurde und in einer Phase den Einfluß einer mit allen Dingen Geduld übenden Einheit
wahrnahm – erbebend im Licht, das wimmelnde Leben auf der Erde und die über uns leuchtende Sonne – verstand ich zum ersten Male ein wenig von der Botschaft meiner Ahnen, die sie vor dreitausend Jahren am Ufer des Ganges verkündeten: "Denjenigen, die in all der Veränderungen unterworfenen Mannigfaltigkeit das Eine sehen, gehört die Ewige Wahrheit, niemandem sonst, niemandem sonst." Eine Vielfalt von
Beispielen erhärtet Boses These, so bestätigten zum Beispiel der Wiener Biologe Raoul France, der Amerikaner Clean Backster, der japanische Wissenschaftler Dr. Hashimoto und andere Boses Demonstrationen. Das mechanistische Weltbild kann diese Verbundenheit des Organischen mit dem Anorganischen nicht erklären. Die Wissenschaft steht heute Fragen gegenüber, die früher außerhalb ihrer Bereiches lagen. Aber als Resultat
ihrer Entdeckungen fragen sich heute viele Intellektuelle, ob die Materie in irgendeiner Weise mit dem Bewußtsein zusammenhängt. Falls das zutrifft, wie ist dann dieser Zusammenhang beschaffen? Es begann alles um 1924-25 herum, als Louise de Broglie die Hypothese von der Materie als Wellen vorstellte. Erwin Schroedinger – der Vater des wellenmechanischen Modells – stellte seine neue Gleichung vor, in der ein freies Elektronpartikel die Bewegungsgleichung Newtons ersetzte. Dann kam W.
Heisenberg mit seiner Unschärferelation und stellte fest, daß die Gewißheit über die Position eines sich bewegenden Partikels wie das Elektron die Ungewißheit über seine Geschwindigkeit und umgekehrt enthalte. Die auf der Hand liegende logische Folgerung aus Heisenbergs Unschärferelation war, daß - man nicht wissen könne, was genau ein elementares Partikel ist
- in der subatomaren Welt das Gesetz von Ursache und Wirkung zusammenbricht
- die Trennung zwischen dem Beobachter und dem Beobachteten verschwindet.
Aus diesem Grunde sind alle Bemühungen ergebnislos, die ultimative Realität auf experimentellem Wege zu entdecken. Die klassischen
Konzepte waren folglich in der subatomaren Welt nicht länger haltbar. Die Phänomene in diesem Bereich können statistisch beschrieben werden, es ist jedoch unmöglich, das Verhalten eines Partikels mit Bestimmtheit zu beschreiben. Die moderne Physik befaßt sich jetzt mit diesem neuen Paradigma der Quantenmechanik. Die Kernfrage beschäftigt sich damit, was die Quantenmechanik beschreibt. Die allgemein akzeptierte
Antwort ist als Kopenhagenerklärung bekannt. Diese Erklärung stellt nur fest, daß die Quantenmechanik sich mit den Wechselbeziehungen in unseren Erfahrungen befaßt und was unter genau festgelegten Bedingungen beobachtet werden kann. Einstein lehnte das jedoch bis zu seinem Ende ab. Seine berühmte Bemerkung "Gott würfelt nicht" drückte seine unterschiedliche Auffassung zu dieser Erklärung der Quantenmechanik aus. Das überraschendste Ergebnis der Kopenhagenerklärung war, daß sich die durch ihre eigenen Forschungsergebnisse unter Druck geratenen Physiker zur Anerkennung der Aussage gezwungen sahen, daß das völlige Verständnis der Realität weit über das rationale Denken hinausgeht. Bezeichnenderweise war Einstein damit niemals einverstanden. Wie auch immer, das quantenmechanische Paradigma stellte unverzüglich fest, daß die neue Physik auf uns und nicht
auf der ultimativen Realität basiert. Die Welt "da draußen" kann nicht von dem Beobachter "hier drinnen" getrennt werden. Einstein, der an die Kausalität glaubte, konnte Heisenbergs Unschärferelation nicht akzeptieren. Um Einstein zu widerlegen, veröffentlichten Boris Podolsky und Nathan Rosen einen Aufsatz "Kann die quantenmechanische Beschreibung der physikalischen Realität als vollständig
angesehen werden?" Die Autoren postulierten – im Falle des Zutreffens der Unschärferelation wäre das Kausalitätsprinzip in der subatomaren Welt nicht haltbar - das merkwürdige Paradox zweier gleicher subatomarer Partikel, ein Phänomen, dessen Existenz durch die erfolgreichen Versuche David Bohms 1978 in London und 1982 von Clauser und Freedman in den USA und eines Teams von Alain Aspect in Paris nachgewiesen wurde. Die Unmöglichkeit der superluminarischen Verbundenheit in der
Relativitätstheorie gilt nicht mehr. Folglich gilt "eine Verbindung zwischen Ereignissen im Raum über die Entfernung hinweg" als erwiesen. J. S. Bell, ein Physiker der Europäischen Organisation für nukleare Forschungen (CERN), lieferte eine mathematische Formulierung für den EPR-Effekt. Die erstaunliche Auswirkung von Bells Lehrsatz ist, daß "die einzelnen Teile des Universums unmittelbar in
fundamentaler Tiefe eng miteinander verbunden sind." Jack Sarfatti stellte 1975 fest: "Superluminare Verbindungen existieren nicht nur, sie können sogar zur Lenkung der Nachrichtenkommunikation benutzt werden." Henry Stapp bezeichnete 1975 Bells Lehrsatz als "die tiefgründigste wissenschaftliche Entdeckung". Als erstaunlichste Folge all dieser Entdeckungen paßt die Auffassung Descartes', daß
die Realität aus lokal miteinander verbundenen Teilen bestehe, nicht in das quantenmechanische Paradigma. Henry Stapp schließt daraus, daß "Bells Lehrsatz in Wirklichkeit die tiefschürfende Wahrheit beweist, daß die Welt entweder im Grunde genommen gesetzlos oder untrennbar ist". Bells Lehrsatz läßt darauf schließen, daß Ereignisse, welcher Art auch immer, in einer einzigen Entität in einem Teil des Universums sich auf gleichartige Entitäten in jedem anderen Teil des Universums
auswirken. Nach Malic Kapec bildete Bells Lehrsatz die Grundlage für den Neo-Determinismus oder Superdeterminismus in der Wissenschaft. Die Eingangsbedingungen können nicht verändert werden. Das Universum ist nicht beliebig. David Bohm hielt eine neue Ordnung für die Quantenphysik erforderlich: "Anstatt mit den Teilen zu beginnen und zu zeigen, wie sie zusammenarbeiten, fangen wir mit dem Ganzen an." Auch
das stimmt mit Bells Lehrsatz überein. Die einzelnen Teile des Universums sind keine einzelnen Teile. Bohm sagt: "Teile werden in unmittelbarer Verbindung zueinander gesehen, von der ihre dynamische Beziehung zum gesamten System unvermindert abhängt (und tatsächlich zu der weiterer Systeme, in denen sie enthalten sind, die sich im Grunde auf das gesamte Universum ausdehnen). Folglich wird man zu einer neuen Vorstellung geführt oder zu der ungebrochenen Ganzheit, welche die klassischen
Vorstellungen von der Analysierbarkeit der Welt in getrennt und voneinander unabhängige Teile ablehnt..." David Bohm erklärt in seiner Hypothese der scheinbar zufälligen subatomaren Phänomene: "Partikel können an verschiedenen Orten auftauchen, doch bleiben sie mit der impliziten Ordnung verbunden. Partikel können im Raum verstreut sein, doch in der impliziten Ordnung sind sie enthalten." Die Materie
ist nach Bohm eine Form der impliziten Ordnung, so wie der Strudel eine Form des Wassers ist – sie ist nicht reduzierbar auf kleinere Partikel. Wie "Materie" und alles andere sind die Partikel Formen der impliziten Ordnung. Nun erhebt sich die Frage, welches die "implizite Ordnung" der impliziten Ordnung ist. Gary Zukov drückt es so aus: "Die 'implizite Ordnung' ist die implizite Ordnung
dessen, was ist. Folglich ist 'das, was ist' die implizite Ordnung. Dieses Weltbild unterscheidet sich völlig von dem in der klassischen Physik benutzten." In den Worten David Bohms: "Die Beschreibung ist völlig unvereinbar mit dem, was wir sagen wollen." Gary Zukov sagt: "Weil der westliche Geist tief in den griechischen Vorstellungen verwurzelt ist, ist er unfähig, dieses neue Paradigma zu verstehen. Die Griechen glaubten nur an das Dasein. Daher gibt es das Nicht-Sein
nicht. Gegenwärtig gibt es im neuen Paradigma das Nicht-Sein auch. Beides, Dasein und Nicht-Sein, sind 'das, was ist'. Alles, sogar die Leere, ist das, was ist. In Bohms Physik gibt es nichts, das nicht 'das, was ist' wäre. Bohms Theorien enthalten auffallende Parallelen mit östlichem Gedankengut, mit den Aussagen in den Upanishaden. In der Chadogya Upanishad gibt es einen Dialog zwischen Svetaketu und seinem Vater.
Als Svetaketu nach Hause zurückkehrte, nachdem er zwölf Jahre lang die Veden studiert hatte, fragte ihn sein Vater: "Svetaketu, hast du gefragt, wie wir das Unhörbare hören, das Nicht-Wahrnehmbare wahrnehmen, das Nicht-Zu-Wissende wissen können?" – "Was ist das für ein Wissen?" fragte Svetaketu. Sein Vater Uddalaka antwortete: "Dieses Wissen weiß das, was wir alle wissen." Und der Vater fuhr fort: "Am Anfang war das Dasein, nur Eines, ohne eine Sekunde.
Manche sagen, daß am Anfang das Nicht-Sein war, und daß daraus das Universum geboren wurde. Aber die Frage ist doch, wie das Dasein aus dem Nicht-Sein geboren werden konnte. Meiner Auffassung nach gab es am Anfang das Dasein allein – nur Eines. Er, der Eine, sagte zu sich: Laß mich viele sein, laß mich weiter ausdehnen. Folglich projizierte er das Universum aus sich heraus, und nachdem er das Universum aus sich heraus projiziert hatte, drang er in alles ein. Alles, was ist, hat sein Selbst
allein in ihm. Er ist die subtile Essenz aller Dinge. Er ist die Wahrheit, er ist das Selbst. Und das, Svetaketu, DAS BIST DU." In der Brahad Aranyak Upanishad unterrichtet der Weise den König Janaka über das wahre Wesen Brahmans: "Brahman kann nur als das Wissen selbst erfaßt werden – Wissen, das eins mit der Realität ist und nicht von ihr getrennt werden kann. Denn er reicht weit über alle Beweise und
Werkzeuge des Denkens hinaus. Der ewige Brahman ist rein, subtiler als das Subtilste, größer als das Größte und wurde nicht geboren. Nur der geläuterte Geist, der Brahman als das Leben des Lebens erkennt, als das Auge des Auges, als das Ohr des Ohres, als den Geist des Geistes, kann Brahman wahrnehmen und ihn in der Tat als Ursache aller Ursachen begreifen. In Brahman gibt es keine Vielfalt. Wer die Vielfalt sieht, geht von Tod zu Tod." Die Quintessenz der Gedanken in den Upanishaden wird im Folgenden wiedergegeben: All dies ist Brahman, ich bin Brahman, und du bist es genauso, und Was im Mikrokosmos ist, ist auch im Makrokosmos, Brahman durchdringt alles, es ist subtiler als das Subtilste und größer als das Größte. Die implizite Ordnung David Bohms weist auffallende Parallelen mit der alten Hindu Philosophie auf, in der das kosmische Bewußtsein alles 'Dasein' mit dem übrigen Universum verbindet. In der Svetasvatara Upanishad heißt es:
Du bist das Feuer, Du bist die Sonne, Du bist die Luft, Du bist der Mond, Du bist das sternklare Firmament, Du bist das höchste Brahman, Du bist das Wasser – Du Der Schöpfer des Ganzen! Du bist Frau, du bist Mann, Du bist der Jüngling, du bist das Mädchen, Du bist der alte Mann, der Schwankende stützt,
Du bist das Gegenüber aller. Du bist der dunkle Schmetterling, Du bist der grüne Papagei mit den roten Augen, Du bist die Donnerwolke, die Jahreszeiten, die Meere. Ohne Anfang bist du, bist jenseits von Zeit und Raum, Du bist die Form aus der Die drei Welten entsprangen. Angefüllt mit Brahman ist alles, was wir sehen;
Angefüllt mit Brahman wird alles, was ist, durchströmt; Von Brahman alles – doch bleibt er immer derselbe. Die berühmte Schöpfungshymne des Rig Veda enthält die folgenden Verse (wie von Griffith übersetzt): Wer weiß es wirklich, und wer hier kann es erklären, woraus es geboren wurde und woher diese Schöpfung kam?
Die Götter existierten später als die Welt, wer weiß denn, wodurch es zuerst entstand? Er, der Ursprung dieser Schöpfung, ob er alles gestaltete oder nicht, Dessen Augen die Welt im höchsten Himmel beherrschen, Er weiß es wirklich, oder vielleicht weiß er nicht. Die Mandokya Upanishad faßt die Vorstellung von Brahman wunderschön zusammen:
Brahman ist wirklich dieses unsterbliche Sein. Vorn ist Brahman, hinten ist Brahman, links und rechts. Es erstreckt sich nach oben und nach unten. Wahrhaftig, Brahman ist dieses Universum. Heutzutage stehen Wissenschaftler multidimensionalen Fragen gegenüber; die Wissenschaft bemühte sich um die Aufdeckung der ultimativen Realität
mittels Experimenten und mathematischer Analyse, aber die Realität oder Wahrheit trotzt weiterhin allen derartigen Versuchen. Auch die spirituellen Oberhäupter suchen nach der ultimativen Wahrheit. Während die Wissenschaftler nach Objektivität verlangten, kam der Dualismus zwischen dem Beobachter und dem Beobachtungsgegenstand auf, und jede absolute Beobachtung erwies sich als unmöglich. Das trifft besonders auf die subatomare Welt zu. Das unvorhersehbare und unbestimmbare Verhalten der
Quantenpartikel führte zu einer interessanten Deutung der Quantenmechanik. Hugh Everette und John Wheeler schlugen in ihrer Viele-Welten-Theorie vor, alle Möglichkeiten von Wellenfunktionen in Schroedingers Gleichung als real vorkommende Ereignisse anzuerkennen. Die Deutung, daß nur eine der in der Wellenfunktion enthaltenen Möglichkeiten eines beobachteten Systems tatsächlich vorhanden ist und der Rest verschwindet, ließ sich nicht halten. Die Theorie von Everett und Wheeler besagt, daß sie
alle vorkommen, aber in verschiedenen Welten. Die Everett-Wheeler-Graham-Theorie räumt ein, daß Schroedingers Wellengleichung eine sich endlos vermehrende Anzahl verschiedener Zweige der Realität hervorruft (die Seil-Schlange-Illusion und Rama Krishnas Geschichte vom Bauern). Somit bemerken wir einen konvergierenden Sprachgebrauch zwischen vielen modernen Physikern und spirituellen Oberhäuptern. Die Lehren Swami
Vivekanandas erlangen in diesem Zusammenhang außerordentliche Bedeutung. In seiner klar formulierten Darlegung des vedischen Weltbildes sagt er: "Diese äußere Welt besteht aus Vermutungen. Alles, was wir sehen, projizieren wir aus unserem eigenen Geist... Der schlechte Mensch sieht die Welt als Hölle, der gute als Himmel, und der vollkommene Mensch sieht nur Gott." Die vedische Philosophie ist der Meinung, daß unser eigenes Bewußtsein die äußere Welt entstehen läßt. Vivekananda
führt weiter aus: " Alle Deutungen von Sinneseindrücken sind von unserem Bewußtsein aktivierte Projektionen unseres Intellekts. Nur das reine Bewußtsein in unserem Inneren, das Selbst, ist der Seher. Das Selbst kann nicht gesehen werden, weil es selbst der Seher ist." Auch Max Planck vertrat die Auffassung, daß die Materie sich vom Bewußtsein herleitet. "Das Bewußtsein", sagte er, "betrachte
ich als grundlegend. Meiner Ansicht nach leitet sich die Materie vom Bewußtsein ab. Alles, worüber wir sprechen, alles, was wir als existierend ansehen, setzt Bewußtsein voraus." In seinem Buch Geist und Materie versuchte Schroedinger, einen nicht vom Dualismus geprägten Standpunkt zu vertreten. Wolfgang Pauli schrieb: "Die Seele scheint sich von einem inneren Zentrum her nach außen im Sinne einer Extroversion in den physikalischen Bereich zu bewegen." Swami Vivekananda sagte: "Das innere Universum, das wahre, ist unendlich viel größer als das äußere, das lediglich eine Schattenprojektion des wirklichen ist. Diese Welt ist weder wahr noch unwahr, sie ist der Schatten der Wahrheit." Er fährt mit seinen klaren Ausführungen über Advaita oder die Nicht-Dualität fort: "Die Materie ist lediglich ein zum Ausdruck gebrachter Gedanke." "Das Subjekt wurde mit dem Objekt überlagert; das Subjekt ist die einzige Realität, das andere ist eine bloße Erscheinung. Die gegenteilige Ansicht ist unhaltbar. Materie und äußere Welt sind nichts als die Seele in einem bestimmten Zustand; in Wirklichkeit gibt es nur eines." Wir haben erkannt, daß die subjektive Welt die objektive beherrscht. Verändert
sich das Subjekt, verändert sich das Objekt, läutere dich, und die Welt wird sich läutern. "Was in uns ist, sehen wir außerhalb von uns, wer kein Dieb ist, sieht außerhalb von sich keinen Dieb. So ist Erkenntnis in allem enthalten." Es besteht auffallende Ähnlichkeit zwischen dem Sprachgebrauch der modernen Wissenschaftler und
dem des Vedantin Swami Vivekananda, der Spiritualität im Licht der Lehren der Upanishaden auslegt. Bells Lehrsatz beweist, daß das Universum ein gewaltiges Hologramm ist, in dem jeder Teil eng mit dem übrigen Universum verbunden ist; genauso wird es in den Upanishaden beschrieben. Karl Pribram, ein Hirnforscher und Neurochirurg, hat festgestellt, daß das Gehirn im Wesentlichen holographisch strukturiert ist. Jede
Hirnzelle ist aufgebaut wie ein Miniaturhirn. In den Veden wird gesagt, daß sich Brahman in jeder Seele manifestiert. Karl Pribram führt weiter aus: "Und wenn die reale Welt überhaupt nicht aus Objekten besteht, wenn sie ein Hologramm ist?" Diese Behauptung wirft tiefere Fragen auf, wer sieht durch das Hologramm, und wer schaut es an? Wer steuert den Gehirncomputer? "Ist ein Geist in der Maschine?" fragte Arthur Koestler. Wer deutet das Hologramm, fragen sich die
Wissenschaftler. Pribram sagte 1977, als er für die holistische Sicht des Universums eintrat: "Das ist Wissenschaft im ursprünglichen Sinn des Wissen-Schaffens. Die Tage der kecken Technokraten scheinen gezählt zu sein." Lord Krishna sagt in der Gita: "Ich durchdringe das gesamte Universum, so wie die Schnur die Perlen
aufreiht." Pribram gestand der östlichen Philosophie zu, daß sie das Konzept einer holistischen Realität der Welt als erste übermittelte. "Die östliche Philosophie", sagte er, "fand zum Beispiel in der Vergangenheit Eingang in das westliche Denken... ob dieses Mal etwas haften bleibt oder ob wir noch einmal beginnen müssen, hängt von uns ab. Der Geist des Unendlichen kann zum Bestandteil unserer
Kultur werden." Ende des vorigen Jahrhunderts stellte Vivekananda fest: "Dieser Geist ist ein Bestandteil des universalen Geistes. Jeder Geist ist mit jedem anderen verbunden. Und jeder Geist, wo auch immer er sich befindet, kommuniziert wirklich mit der ganzen Welt." Anläßlich des Parlamentes der Religionen in Chicago 1893
definierte Swami Vivekananda die Wissenschaft als "nichts anderes als das Finden von Harmonie", in seinem berühmten Vortrag in Madras sagte er: "Kein einziges Atom in diesem Universum kann sich bewegen, ohne die gesamte Welt hinter sich herzuziehen... Ein Mensch enthält das gesamte Universum in sich. Ein Partikel Materie hat alle Energie des Universums auf seinem Rücken." So bemerken wir, daß
beide, Wissenschaft und Spiritualität, in ihrer Suche nach der Wahrheit zu einer großen Vereinheitlichung von Materie und Geist konvergieren. Meiner Ansicht nach ist die Botschaft des 20. Jahrhunderts an die künftigen Generationen die Erkenntnis des höchst beglückenden Zustandes einer grundlegenden, das gesamte Universum durchdringenden Harmonie: ATMAN IST BRAHMAN. WISSENSCHAFT IST WAHRHEIT UND WAHRHEIT IST BRAHMAN. In den Worten Vinobas: "Wissenschaft und Spiritualität sind dem
Weltfrieden ebenbürtig", und ich glaube, daß diese Feststellung absolut berechtigt ist. Wissenschaft und Spiritualität sind heutzutage im Begriff zu konvergieren, so sind die Aussichten auf eine friedvolle Welt die Salute am Horizont für den Heiligen Jnaneshwara. top |