A. Die Genesis der Wissenschaft 1. Die Genesis der Wissenschaft kann auf die Erkenntnis
zurückgeführt werden, daß die Ereignisse in der phänomenalen Welt nicht zufällig geschehen oder aus der Laune unsichtbarer Kräfte heraus, sondern auf genau definierte Gesetze und Prinzipien zurückzuführen sind, die vom menschlichen Geist klar erfaßt werden können. In der alten griechischen Terminologie würde man sagen: nicht das Chaos regiert , sondern der Kosmos. Auch im Sanskrit gibt es einen Ausdruck hierfür: Das Universum wird von Rta oder der kosmischen Ordnung durchdrungen, denn es sind hier ganz klare Muster und Prinzipien erkennbar. Diese Sichtweise wird insbesondere durch Beobachtungen des Himmels angeregt: Sei es der pünktliche Sonnenaufgang und -untergang, die regelmäßigen Mondphasen oder die Konfigurationen und die darauf folgenden Positionswechsel der Sternbilder.
2. In der Arena der weltlichen Erfahrungen scheint es sich jedoch anders zu verhalten. Nicht gerade bezüglich des unberechenbaren Verhaltens der Tiere und der sprunghaften Natur des menschlichen Geistes. Phänomene wie zum Beispiel Steinschlag, das Strömen der Flüsse, Vulkanausbrüche, im Grunde scheinen jede Veränderung und Bewegung auf der Erde vielmehr zufällig als rational zu sein. In der Sichtweise des Aristoteles und
der von ihm begründeten, seit mehr als zwei Jahrtausenden populären Schule, unterschied sich das "hier unten" wesentlich von dem "da oben". 3. Es dauerte immerhin viele Jahrhunderte, bis sich die Ansicht durchsetzte, daß dies nicht unbedingt den realen Vorgängen in der Welt entspricht. Mit der Entwicklung der modernen Wissenschaft im siebzehnten Jahrhundert setzte sich allmählich die Überzeugung
durch, daß die Gesetze, welche die phänomenale Welt regierenden, überall gleich sind, sowohl auf der Erde als auch im Himmel. Die Sterne und Planeten unterliegen den gleichen physikalischen und chemischen Beschränkungen und Möglichkeiten wie die Wolken, die Steine, der Mensch und die Maschine. 4. Und da gab es noch etwas. Man entdeckte, daß unzählige Facetten des Verhaltens und der Evolution der physikalischen Welt
in präzisen und quantitativen Begriffen beschrieben werden konnten. Von ebenso großer Bedeutung war, daß diese mathematischen Formulierungen der sorgfältig beobachteten und logisch analysierten Erscheinungen den menschlichen Geist mit einer ganz besonderen Kraft ausstatteten: der Kraft der Vorhersage. Die Menschen des Altertums brachten dies ausschließlich mit himmlischen Erscheinungen in Verbindung, denn sämtliche quantitativen Formulierungen allgemeingültiger Prinzipien wurden in erster
Linie in diesem Kontext vorgenommen. Mit der Entwicklung der modernen Wissenschaft (vor allem der Physik) wurde die Vorhersage irdischer Ereignisse (zunächst im Bereich der Materie in Bewegung und schließlich im Bereich der elektromagnetischen Erscheinungen) zu einer Routineangelegenheit. B. Direkt und indirekt erfahrene Realität
1. Lassen Sie uns Bezug zur Totalität aller Erscheinungen nehmen, welche der menschliche Körper erfährt und welche der menschliche Geist im Verlauf aller normalen Geschehnisse und Interaktionen als direkt wahrgenommene Realität (DPR - Direct Perceived Reality) ansieht. Die Erkenntnis, daß die DPR aus verschieden Ebenen besteht, wird für uns von großem Nutzen sein und uns zum Verständnis einiger Konflikte und Unklarheiten befähigen, die im Bereich der Wissenschaft und anderer Bereiche menschlicher Erfahrung vorherrschen.
2. Zunächst gibt es die unmittelbare Ebene der alltäglichen Erfahrung. Ich möchte diese Ebene als Ebene Null (E-0) kennzeichnen. E-0 setzt sich aus groben physikalischen und allgemeinen Eindrücken zusammen. Es gibt hier jedoch auch eine tiefere Ebene der organisierten Information und des systematischen Wissens (E-1), die sich im wesentlichen aus den Gesetzen und Prinzipien zusammensetzt, die der Entstehung der DPR und der E-0 zugrunde liegen. 3. Die vielleicht größte Einsicht und Errungenschaft der klassischen Physik beruht darauf, daß diese die physikalischen Aspekte der DPR als Konsequenzen experimentell nachvollziehbarer und mathematisch formulierbarer Gesetze darstellte. Darüber hinaus können diese Gesetze vom menschlichen Geist mittels sorgfältiger und detaillierter Experimente und Instrumente sowie durch die Erstellung eines präzise definierten, mächtigen Konzeptes oder einer Konstruktion ermittelt werden, mit deren Hilfe die ermittelten Daten beschrieben werden können. Wenn wir die physikalische Welt vollständig verstehen und erklären wollen, müssen wir letztendlich die Grenzen der DPR überschreiten und uns den Elementen einer Welt der indirekt wahrgenommenen Realität (IPR: Indirect Perceived Reality) zuwenden.
C. Der Mikrokosmos: Realitätsebene 2 (E-2) 1. Lassen Sie uns nun den Mikrokosmos in Augenschein nehmen. Hierbei handelt es sich um eine unsere unmittelbare
Erkenntnisfähigkeit bei weitem überschreitende Realität. Sie bildet die Menge der IPR. Unzählige Facetten des Mikrokosmos wurden durch die moderne Physik des zwanzigsten Jahrhunderts bereits entdeckt und gedeutet. Wir gelangten zu der Erkenntnis, daß die molekularen und atomaren, die nuklearen und
subnuklearen Welten überwiegend von Einheiten bevölkert werden, die sich grundsätzlich von den meso- und makrokosmischen Einheiten unterscheiden, die wir überall um uns herum und in der Himmelswelt fühlen und beobachten können. Gewissermaßen handelt es sich hier um eine andere Form der aristotelischen Physik: Die Dichotomie hier besteht nicht zwischen der himmlischen (lunaren) und der irdischen (sublunaren) Welt, sondern zwischen der klassischen Welt und der Quantenwelt. Nebenbei können wir
festhalten, daß die Einheiten im Mikrokosmos über zwei wichtige Eigenschaften verfügen: - sie verhalten sich wie Wellen und Teilchen und können aus diesem Grund als Korporundals bezeichnet werden;
- sie sind Träger von Impulsen und Energie und können aus diesem Grund als Momenergie bezeichnet werden,
2. Die fundamentale Physik des zwanzigsten Jahrhunderts entdeckte, erforschte und analysierte nicht nur die Gestalt des Mikrokosmos, sondern gewann darüber hinaus aus dem Verständnis mikrokosmischer Phänomene neue Einsichten in das Wesen der ultimativen Realität. Mikrokosmische Phänomene werden ebenso wie die meso- und makrokosmischen Erscheinungen von mathematisch formulierbaren Gesetzen und Prinzipien gelenkt. Von größerer
Bedeutung ist jedoch die Erkenntnis der modernen Physik, daß sich einige dieser Gesetze wesentlich unterscheiden: Die Evolution mikrokosmischer Einheiten ist nur statistisch (wahrscheinlich) vorhersehbar. Auf Wahrscheinlichkeit beruhende Evolution bildet Einheiten des mikrokosmischen oder Quantensystems. 3. Wie wir wissen, entwickelten sich die grundsätzlichen Unterschiede zwischen der Quantenwelt und der
klassischen Welt für die Philosophie zu einem Gegenstand von anhaltend großem Interesse. Die historische Debatte zwischen Albert Einstein und Niels Bohr führte diesbezüglich zu keiner Lösung. Einstein hielt bis zum Ende an seiner Überzeugung fest, daß die Quanteneinheiten schließlich auf dasselbe Gebiet zurückgeführt werden müßten wie die klassische Physik, in der ein absoluter und präzise kalkulierbarer Determinismus herrscht. Bohr und viele andere Physiker stimmten damit nicht überein und
arbeiteten an den Strukturen der fundamentalen Physik und an der indeterministischen (auch als Kopenhagen bekannten) Interpretation der Quantenphysik weiter. 4. Die Bedeutung des quantenmechanischen Indeterminismus besteht darin: Es gibt Realitätsebenen, in denen verschiedene Gesetze zum Tragen kommen. Aus dieser Sichtweise heraus können wir den Mikrokosmos als E-2 Realität festlegen, ebenso, wie wir die E-1 Realität als Bestandteil der klassischen Welt erkannt haben. Indem wir dies als eine andere Realitätsebene bezeichnen, betonen wir die Tatsache, daß trotz einiger Übereinstimmungen fundamentale Unterschiede zwischen den Gesetzen der Quantenerfahrungsbereiche und den klassischen existieren.
5. Diese Sichtweise läßt uns erkennen, daß wir uns der Welt im Verlauf unseres Lebens auf verschiedenen Ebenen bewußt werden und dementsprechend auf verschiedenen Ebenen mit ihr interagieren. Dies führt auch zu der fruchtbaren Erkenntnis, daß wir verschiedene Realitätsebenen in Betracht ziehen und dadurch konstruktiv zu der Jahrhunderte währenden Kontroverse über die Interpretation der Erfahrung der Welt beitragen können.
D. Komplexität: Realitätsebene 3 (E-3) 1. Als nächstes werden wir eine Ebene der komplexen Realität (E-3) definieren, die aus Systemen besteht, in denen Chaos eine Rolle spielt. In diesem Kontext definieren wir Chaos zunächst unverbindlich als einen kleinen kausalen Faktor, der zu sehr bedeutenden unvorhersehbaren Konsequenzen führt. Beispiele für Einheiten auf dieser Realitätsebene sind Wolken und biologische Systeme. So kann zum Beispiel die Berührung
eines einzelnen kosmischen Strahlenteilchens mit einem Gen zu Mutationen von weitreichender Bedeutung führen, die überhaupt nicht vorhersehbar sind. Ein gigantischer Meteorit- oder Asteroideinschlag könnte die biologische Evolution auf der Erde dramatisch verändern. 2. Es muß ganz klar erkannt werden, daß E-3, auch wenn es so erscheint, nicht die vollendete Natur der anderen zwei Realitätsebenen ist, sie unterscheidet sich grundlegend von ihnen. Eine Rose unterscheidet sich von einem Felsen, und zwar nicht nur hinsichtlich ihres Aussehens und ihres Duftes, sondern auch essentiell. Ein wesentliches Merkmal der E-3 ist die evolutionäre Veränderung: Veränderung, die einige fundamentale Eigenschaften von Bestandteilen dieser Realität betrifft. Diese Veränderungen sind völlig unvorhersehbar. Sie können nicht einmal in statistischer Hinsicht vorherbestimmt werden, wie das zum Beispiel bei mikrokosmischen Einheiten der Fall ist. 3. Ein weiteres wichtiges Merkmal der E-3 besteht darin, daß in ihr keine zwei Elemente identisch sind. Auf den beiden anderen Realitätsebenen besteht die Möglichkeit, daß einige Einheiten absolut identisch sind, handele es sich nun um Kieselsteine oder um Kraftfahrzeuge.
Ich möchte an dieser Stelle in Erinnerung rufen, daß in der klassischen Physik (E-1) das Prinzip der Unterscheidbarkeit (der sogenannten Maxwell-Boltzmann-Statistik) existiert. Damit ist gemeint, daß viele Einheiten trotz
ihrer identischen Erscheinung doch durch eine Art "Etikettierung" voneinander unterschieden werden können, so wie etwa Billardkugeln oder Sandkörner. In der Quantenphysik (E-2) haben wir andererseits das Prinzip der Nicht-Unterscheidbarkeit (Fermi-Dirac- oder Bose-Einstein-Statistik): Es
ist nicht möglich, ein Elektron von einem anderen oder ein Photon von einem anderen (der gleichen Frequenz) zu unterscheiden. 4. Auf E-3 können jedoch zwei voneinander im Wesentlichen nicht zu unterscheidende Einheiten völlig ausgeschlossen werden. Dies kann, vielleicht mehr als alles andere, als ultimative Unterscheidung zwischen belebten und unbelebten Einheiten angesehen werden. Lassen Sie uns dies als das Individualitätsprinzip festhalten. Keine zwei Elefanten oder Insekten, nicht einmal Mikroben oder Amöben sind identisch. Sogar geklonte Kreaturen weisen schon bald, nachdem sie zu unabhängigen Einheiten geworden sind, leichte oder wesentliche Unterschiede auf. Das Individualitätsprinzip entsteht aus zwei Faktoren: Komplexität der Struktur und Chaosprinzip während der Entstehung. In der anfänglichen Genesis eines jeden Elementes der E-3, wie etwa eines biologischen Organismus, kommen beide Faktoren zum Tragen. D. Die hyperkomplexe Ebene (E-4) 1. Schließlich definieren wir jetzt eine hyperkomplexe Realitätsebene (E-4), in der Sinn und Verstand ins Spiel kommen. Die Elemente der E-4 sind unbeweisbare Einheiten. Sie variieren von einfachen Konzepten bis hin zu komplexen Gedanken, eingeschlossen poetische Vorstellungskraft, Werte und Bedeutungen. Diese Elemente werden in der menschlichen Erfahrung (für das Gehirn) sehr real. Sie sind ebenso real wie alles Andere, das man erlebt und für wahr betrachtet. Sie sind eindeutig ein Teil unserer Erlebniswelt.
2. Einheiten der E-4 unterscheiden sich von Elementen anderer Ebenen in zweierlei Hinsicht: Zum Einen ist die Realitätswelt der E-4 nicht so universell beteiligt wie die anderer Ebenen. Zugegeben, es gibt innerhalb der Gruppen einige gemeinsame Elemente, aber alles in allem sind sie sehr persönlich, d.h. an bestimmte Individuen gebunden. Dies führt uns zu dem zweiten Unterschied: Die Realität der E-4 scheint im menschlichen Gehirn hervorgerufen zu werden. Aus der Sichtweise des traditionellen Realisten fehlt ihnen die Form der Objektivität, über welche die anderen Ebenen verfügen. Dennoch, eine kleine Reflexion wird zeigen, daß Objektivität nicht mehr ist als kollektive Subjektivität. Realität, so wie sie uns Menschen erscheint, ist nur den Geschöpfen geläufig, die mit dem üblichen menschlichen Zerebralkomplex ausgestattet sind. Es handelt sich hier um eine übereinstimmende Gemeinsamkeit, die auf eine gemeinsame zerebrale Biochemie zurückzuführen ist, die wir als objektive Realität bezeichnen. Egal, wie wir uns anstrengen, wir können einen Wal oder eine Drossel niemals von unserer Sichtweise der Welt überzeugen, genauso wenig, wie wir ihre Sichtweise übernehmen können. Darüber hinaus sind Werte und religiöse Überzeugung für die meisten Menschen wesentlich realer als Protonen und Elektronen und elliptische Umlaufbahnen.
3. Auf der E-4 wirkt der Chaosfaktor (Unvorhersehbarkeit von Ausgangsvoraussetzungen) noch dramatischer. Es ist unmöglich zu bestimmen, auf welche Art und Weise ein beliebiger Faktor den Verlauf der Ereignisse auf E-4 beeinflussen wird. Um die Gültigkeit dieser Aussage zu bekräftigen, braucht man nur einmal an ein beliebiges Erlebnis im eigenen Leben zu denken und dessen langfristige Konsequenzen zu betrachten.
4. Im Bereich der E-4 fungieren wir als Mitglieder einer entwickelten Gesellschaft. Obwohl wir den Gesetzen und Kräften unterliegen, welche die Realität der ersten drei Ebenen bestimmen, so gehört doch eine Reihe wichtiger Aspekte unseres Lebens der vierten Ebene an, wie zum Beispiel Handlungen, Entscheidungen, Werte, Glaubenssysteme, etc. Auf dieser Ebene entstehen ethische Systeme. Die Anerkennung dieser Tatsache ist ausschlaggebend für unsere Erkenntnis, daß bestimmte Aspekte der Lebenserfahrung nicht den gewöhnlichen physikalischen und chemischen Gesetzen unterliegen können. E-4 repräsentiert die transrationale Welt. 5. Es gibt ernst zunehmende systematische Versuche, Verbindungen zwischen Elementen der E-4 und physio-chemischen (neuralen) Basen der zerebralen Aktivität (E-1 und E-2) zu entdecken. Die Anerkennung der E-4 als eigenständige Realität schließt das Vorhandensein dieser Verbindungen nicht aus. Aber genau wie die Entdeckung des Mikrokosmos in Dimensionen jenseits des klassischen Gefüges hineinführte, kann uns die Anerkennung der E-4 als eigenständige Realität warnen, daß für ein besseres Verständnis dieser Realitätsebene mehrere Faktoren in Betracht gezogen werden müssen als die üblichen physikalischen und chemischen Gesetze. 6. Diese Sichtweise erklärt
zudem die paradoxe Tatsache, daß viele sogenannte "rationale" Menschen (zahlreiche Wissenschaftler eingeschlossen) kein Problem damit haben, Glaubenssysteme aufrechterhalten, die so manch anderen Rationalisten und Wissenschaftlern als völlig unwissenschaftlich und irrational erscheinen mögen. E. Formulierung relativer Gewichte Alle bislang erzielten Resultate können nach Heisenberg mittels der Einführung dreier Symbole formuliert werden: G (vorhersehbarer Zielfaktor: E-1), Q (Quantenwelt: E-2), C (Chaosfaktor: E-3) und H (hyperkomplexe Ebene: E-4). In symbolischer Schreibweise ergibt sich daraus: GQ + GC + QC = K (eine Konstante) (1) H (G + Q) = C2 (2) (1) kennzeichnet die
Realitätsebenen, die sich aus der relativen Bedeutung ergeben, die jeder einzelne Faktor einnimmt. Auf der klassischen (alltäglichen und astronomischen) Ebene ergibt sich: Q = 0, C = 0, daher G = Unendlichkeit. Das bedeutet, daß die Evolution eines Phänomens (wie etwa die nächste Erscheinung des Halley‘schen Kometen oder der Weg einer
Rakete) durch Kenntnis der Gesetze und der Ausgangsbedingungen vorhergesagt werden kann. Auf der Quantenebene, C = 0, ist Q sehr groß, daher GQ = K. Daraus ergibt sich für G ein kleiner Wert. Auf der komplexen Ebene, Q = 0, ist C aber groß. Daher macht GC = K G relativ klein. (2) besagt, daß H auf der hyperkomplexen Ebene, auf der G und Q vernachlässigt werden können und C dominiert, sehr groß ist. Aus all dem
können wir schließen, daß man genauso, wie man bei der Interpretation von Phänomenen zwischen der Quantenebene und der klassischen Ebene unterscheidet (beispielsweise der photoelektrische Effekt), die rational-wissenschaftliche Methode im transrationalen Erfahrungskontext ausschließt. F. Freier Wille und Determinismus
Aus dieser Perspektive gesehen, hängt die Debatte über freien Willen und Determinismus mit zwei Fragen zusammen: a) Kann C (der Chaosfaktor) mittels Physik und Chemie aufgespürt werden? Wenn wir die Bedeutung der Realitätsebenen anerkennen, lautet die Antwort "nein", denn sonst könnte C unter G zusammengefaßt werden. Da feststeht, daß Q nicht einmal durch die kompliziertesten Instrumente (das Heisenberg-Mikroskop) erfaßt werden kann, ist die Annahme (vielleicht sogar Schlußfolgerung), daß C ebenfalls nicht auf experimentellem Weg erschlossen werden kann, weder "unwissenschaftlich" noch
"begrenzt". Genauso wenig, wie man vorhersagen kann, warum eher der eine als ein anderer Kern in einer radioaktiven Probe innerhalb der nächsten Minute vergehen wird. b)Verhält sich C dem System gegenüber intrinsisch oder extrinsisch? Es ist eine interessante Beobachtung, daß die Annahme von C als intrinsisch (wovon
ein klassischer Physiker in der Regel ausgeht) den freien Willen zu einer Konsequenz der Gehirnfunktion werden läßt (was ein klassischer Physiker in der Regel abstreiten würde). Wenn man nun andererseits C als extrinsisch annimmt, so könnte dies dazu führen, daß die Möglichkeit eines teleologisch verursachenden Agenten für C akzeptiert oder zumindest in Betracht gezogen werden kann. All dies zeigt uns, daß wir
wahrscheinlich mit paradoxen Ergebnissen konfrontiert werden, wenn wir die verschiedenen Realitätsebenen nicht akzeptieren. Schlußfolgerungen Als Menschen
interagieren wir auf vielfältige Art und Weise mit der Welt. Insbesondere gibt es vier verschiedene Interaktionsebenen: A. Die physikalische Ebene: Wenn wir essen und trinken, interagieren wir mit der Welt auf der physikalischen Ebene. B. Die intellektuelle Ebene: Auf dieser Ebene stehen Denken und Vernunft im Vordergrund. Logik und
Analyse übernehmen hier die Führung. Wir bemühen uns, zu beweisen und zu überzeugen. Paradebeispiele hierfür sind Praxis und Anwendung wissenschaftlicher Methoden. C. Die emotionale Ebene: Dies geschieht vor allem im Umgang mit anderen Menschen und Lebewesen. Hier überwiegen Gefühle. Unsere Fähigkeiten zu lieben, uns zu sorgen und Mitgefühl zu zeigen, spielen eine ebenso große Rolle wie ästhetische und beglückende
Erfahrungen. D. Die spirituelle Ebene, auf der wir Ehrfurcht und Hochachtung für die Majestät des Universums empfinden und auf der wir unsere Einmaligkeit als bewußte Wesen in einem riesigen Universum erkennen; wir streben nach Gemeinschaft mit dem Kosmos, die jenseits von logischer Analyse und bestimmten Präferenzen liegt; manchmal erleben wir sie auch. Beispiele hierfür sind das Gebet und mystische Erfahrungen.
Es erübrigt sich zu sagen, daß wir diese Ebenen nicht aufteilen können. Tatsächlich haben sie häufig die Tendenz, sich zu überlappen. Realitätsebenen sind so etwas wie Interaktionsebenen mit der Welt. top |