Gegenwärtige Demokratien So außergewöhnlich die Beiträge des zwanzigsten Jahrhunderts hinsichtlich Wissenschaft und Technologie sind, so erschreckend sind hingegen diejenigen zu Ethik und
Moral. Wir haben die Erde geschrumpft, Kontinente innerhalb von Stunden und Gedanken innerhalb von Sekunden zusammengebracht, unermeßlichen Reichtum produziert und unsere Märkte mit einer unglaublichen Menge und Bandbreite von Produkten überflutet. Rund um die Erde wurden Demokratien errichtet und universelle Zugeständnisse an die Menschenrechte verkündet. Dennoch, die überwiegende Mehrheit der Menschheit bleibt in Armut gefangen, sprachlos, unterdrückt und ohnmächtig in der Gestaltung ihres
Schicksals. Unsere soziale Organisation negiert unsere wissenschaftlichen und technologischen Errungenschaften, weil ihre positiven Effekte nur ausgewählten Personengruppen zugänglich sind. Unser Weltsystem basiert auf Ungleichheit und kreiert sie gleichermaßen. Schätzungsweise Zweidrittel der Weltbevölkerung gehen abends hungrig zu Bett, leben in äußerst unhygienischen Verhältnissen, verfügen über eine niedrige
Lebenserwartung, sind von hoher Kindersterblichkeit betroffen und erhalten so gut wie gar keine medizinische Versorgung. (1) Niemals vorher in der Menschheitsgeschichte wurde eine derart große Menge von Menschen an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Armut inmitten von Überfluß Die Armen sind nicht wegen mangelnder Ressourcen
arm, sondern vielmehr wegen des enormen Ungleichgewichtes bei deren Verteilung. Ein Wirtschaftsexperte fand heraus, daß durch Zusammenlegung und gleichwertige Verteilung von Ressourcen der USA, Indiens und Pakistans die Armut in Indien und Pakistan vollständig beseitigt werden könnte. (2) Eine solche Umverteilung ist jedoch kaum denkbar, obwohl sie äußerst moralisch wäre und unsere Lippenbekenntnisse hinsichtlich Demokratie und Gleichheit aller Menschen erfüllen könnte. Sie würde Gottes
Kinder wieder zusammenbringen und zwar in dem von Gott und dem aller mündlich und schriftlich überlieferten Theologien gewollten Sinn. Die Manager unseres Schicksals ziehen solche Lösungen nicht in Betracht und weisen sie als undurchführbar und absurd zurück. Was jedoch ist so absurd daran, den Lebensstandard der gesamten Weltbevölkerung angleichen zu wollen? Die Absurdität begründet sich doch einzig in der Tatsache, daß wir nicht genügend moralischen Mut besitzen, so zu handeln und uns statt
dessen dafür entscheiden, uns von einer Politik regieren zu lassen, die unsere weisen Männer und Frauen mit Entsetzen erfüllt hätte. Wir haben uns entschieden, uns von der Moral des Egoismus und des Laisser-faire regieren zu lassen und es relativ gelassen hinzunehmen, daß viele unserer Mitmenschen hungern, während wir satt werden. Unsere Akademiker halfen uns bei der Errichtung eines Schutzwalls gegenüber unserem Gewissen durch die Entwicklung von Theorien, welche die Verantwortung für die
Armut den Armen selbst zuweisen und die Reichen somit von jeglicher Verantwortung freisprechen. Zweifellos benötigen die Armen eine helfende Hand. Diese wird ihnen zwar auch gereicht, doch weder der Staat noch der private Sektor sind sich dessen bewußt, daß die Art und Weise, wie dies geschieht, zu einem Verlust an Würde und Stolz dieser Menschen führt. Die Lösung liegt nicht in Almosen von seiten der Reichen und
einer Aufrechterhaltung des globalen Ungleichgewichtes auf unserer Welt, sondern in einer generellen Umstrukturierung unseres Wirtschaftssystems und unserer moralischen Werte. Kapitalismus und Moral Unsere Weltkrise, in der wir uns zweifelsohne befinden, ist eine Krise der Werte. Die Werte des in Europa vorherrschenden
Laisser-faire-Kapitalismus regieren uns, sie wurden durch die Kolonialisierung auf andere Kontinente übertragen und verbreiteten sich im Rahmen des Globalisierungsprozesses immer weiter. Die freie Marktwirtschaft hat sich durch das Versagen des Kommunismus in Osteuropa und China als unangefochtener Mechanismus für Produktion und Vermarktung von Ressourcen durchgesetzt. Ihre Protagonisten verteidigen sie nicht nur
als den einzig zuverlässigen Mechanismus, Reichtum zu schaffen, sondern zudem als den einzig wahren Garanten für Frieden und Demokratie! 'Marktwirtschaft hat mehr Individuen Reichtum und wirtschaftliche Sicherheit gebracht, als es die Vertreter des Kapitalismus im achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert für möglich gehalten hätten. Die Verbesserung der Lebensqualität durch den Kapitalismus ist gleichermaßen
beeindruckend. Kein einziges Wirtschaftssystem hat sich mit Freiheit und Demokratie so kompatibel erwiesen wie der Kapitalismus.' (3) Die freie Marktwirtschaft hat unermeßlichen Reichtum geschaffen, der jedoch in wenigen Händen konzentriert ist. Der Kapitalismus verbessert nur den materiellen Bereich des Lebensstandards derjenigen, die ihn sich leisten können, und erstreckt sich nicht auf den emotionalen Bereich.
Vielmehr zwingt er das Individuum in einen endlosen und sinnlosen Wettlauf um immer mehr Reichtum und zerstört den inneren Frieden der betreffenden Menschen. Die damit verbundene Freiheit zielt nur auf individuelle Rechte, geht auf Kosten von Gruppenrechten und richtet sich gegen die Stützpfeiler von Demokratie und Gleichheit. Die fehlende moralische Grundlage des Kapitalismus wird von seinen Verfechtern als seine
Einzigartigkeit gerühmt. Die treibende Kraft des Kapitalismus ist das Eigeninteresse, eine Eigenschaft, die unter anderen von dem großen Guru dieses Systems, Adam Smith, stolz hervorgehoben wurde: 'Unsere Mahlzeiten haben wir niemals dem Wohlwollen des Metzgers, des Brauers oder des Bäckers zu verdanken, sondern einzig und allein ihrem Eigeninteresse. Wir sprechen nicht ihre Menschlichkeit, sondern ihre Selbstliebe an, und es geht ihnen weniger um unsere Bedürfnisse als um ihre eigenen
Vorteile.' (4) Der Kapitalismus macht die Welt nicht satt: Tatsächlich hat er die Welt in einen konstant anwachsenden Zustand des Hungers, der Kriege und der Gewalt gerissen. Er monopolisiert und operiert mit Hilfe von legalisierten, gerissenen Praktiken. Wir werden von Konflikten, Gewalt, Kriegen, Terrorismus, Kriminalität und illegalem Drogenhandel heimgesucht, multinationale Konzerne plündern die
unterentwickelten Länder, indem sie ihre Exporte und Währungen preislich unterbieten, ihre Importe überbieten und sie auf diese Art und Weise mit Schulden belasten. Der christliche Nachdruck auf moralischen Handel Das Christentum des Mittelalters verurteilte den Gelderwerb als verwerflich für die Seele: 'All diejenigen, die genug besitzen, um ihre Bedürfnisse zu befriedigen und dennoch unaufhörlich daran arbeiteten, ihren Reichtum zu vergrößern, um entweder einen höheren sozialen Status zu erlangen oder soviel Besitz anzuhäufen, daß sie nicht mehr arbeiten müssen oder ihre Söhne zu reichen und bedeutenden Männern werden - sind durch verdammungswürdige Gier, Sinnlichkeit und Stolz dazu aufgehetzt.' (5) Der Protestantismus befreite den Handel vom Makel der Sünde, verankerte ihn fest innerhalb moralischer Grenzen, betonte die Verteilung von Nutzen und Gewinn und lehnte die Monopolisierung in den Händen eines Individuums oder einer Familie ab. 'Es ist ungesetzlich, Handel zu monopolisieren, wenn dies zu einer Beeinträchtigung des Gemeinwohls führt. Ein Christ sollte
seine Geschäfte stets im Sinne des Allgemeinwohls führen; er sollte sie so handhaben, daß sie ebenso zum Wohl seiner Mitmenschen wie zu seinem eigenen Wohl gereichen, und im Falle der Armut seiner Mitmenschen sollte ihr Wohl sogar sein eigenes übersteigen.' (6) (Baxter: S. 200) Der Kapitalismus sieht in diesen moralischen Richtlinien eine Behinderung des wirtschaftlichen Wachstums und der wirtschaftlichen
Entwicklung. Auch wenn er nicht direkt auf wirtschaftliches Wachstum und wirtschaftliche Entwicklung abzielt, sind sie doch Begleiterscheinungen der Profitorientierung. Das sogenannte Wachstum erwies sich in vielen Fällen schädlich für die Gemeinschaft, weil es durch individuelle Interessen und Interessen von Organisationen motiviert war. Die Investition von Kapital stellt in vielen Fällen lediglich ein Geldspiel um des Profites willen dar, in dessen Verlauf neue Regeln entwickelt werden, die
einzig und allein der Profitmaximierung dienen. Wer dabei Schaden erleidet oder gar vernichtet wird, wird nur beiläufig beachtet. Unter dem Einfluß von Aufkäufen wird der Wert von Firmenanteilen über Nacht verdoppelt und verdreifacht, ohne daß der Wert der Produkte steigt. Manager werden durch die Manipulationen mit solchen Geschäften zu mehrfachen Millionären, zunächst privatisieren sie ihre Unternehmen, um sie
dann mit Steuergeldern aufzukaufen, aufzuteilen und ihre Anteile mit immensem Profit wieder zu verkaufen. Anschließend reorganisieren sie die verbliebenen Reste, wandeln sie in öffentliche Unternehmen um und handeln auf diese Art und Weise noch mehr Profit ein. Pfandbriefinhaber und Steuerzahler sind in solchen Betrugsgeschäften die Verlierer, selbst die kapitalistischen Bruderschaften bezeichnen diese als 'korporativen Kannibalismus'. Eines dieser Geschäfte im Jahre 1988 erbrachte 28
Billionen Dollar, eine Summe weit über dem Bruttosozialprodukt Perus oder Portugals. (7) Globalisierung Der vermutlich größte Schwindel des Kapitalismus ist die Globalisierung, die als Folgeerscheinung der Entkolonialisierung angesehen werden kann. Die nach dem Zweiten Weltkrieg entstandenen Staaten orientierten sich am
euro-amerikanischen Vorbild, förderten die Industrialisierung, doch verfügten sie weder über ausreichendes Kapital noch über die nötige Kompetenz. So ließen sie sich leicht von den Petro-Dollars der europäischen und amerikanischen Staaten verführen. Bei ihren Kreditinstituten, insbesondere bei der Weltbank und beim IWF, nahmen sie Kredite auf. Die Verführung bestand zunächst in kleinen Zinsraten, die jedoch sehr bald in die Höhe schossen. Ausländische Technokraten berieten und ermutigten
Entwicklungsprojekte, die weder dem Wachstum noch der Qualität des Lebensstandards positive Aspekte zufügten, im Gegenteil, die Mittelschichten sowohl der Kreditgeber als auch der Kreditnehmer wurden reich, die Schulden der übrigen Kreditnehmer stiegen immer höher. Regierungen, die ohne die Unterstützung großer Unternehmen nicht funktionieren können, sind für Einflüsse solcher Art sehr empfänglich. Im schlimmsten
Fall lassen sich Regierungsmitglieder in geschäftliche Machenschaften verwickeln und vernachlässigen die Interessen des Volkes. Internationale Banken gewährten auf den Philippinen in den sechziger und siebziger Jahren privaten Firmen, an denen Regierungsmitglieder beteiligt waren, riesige Kredite. Die Regierung bürgte für diese Kredite. Als der Crash kam, mußte die Regierung, und das war in diesem Falle das Volk, dafür aufkommen – bis auf den heutigen Tag, während die soziale Struktur
gleichzeitig verarmte. (8) Hätte sich der humanitäre Impuls fortgesetzt und wäre der Aufbau neuer unabhängiger, auf Gleichheit und Gerechtigkeit basierender Staaten tatsächlich erwünscht gewesen, hätten die ehemaligen Kolonialmächte und neuen Supermächte die Entwicklung der neuen Staaten unterstützt. Dagegen sprach jedoch ihre feste Verankerung in ausbeuterischen Strukturen und Traditionen. Nachdem die zuvor
besetzten Gebiete von der Bürde der Kolonialisierung befreit waren, schloß sich nun eine neue Bürde an - die Globalisierung. Rohstoffe wurden geplündert und eine enorm hohe Verschuldung entstand, die noch sehr lange abgezahlt werden muß. Diese Schulden verstärken Verarmung und Unterentwicklung. Die einzigen Sektoren, in denen eine Weiterentwicklung stattfand, gehören einer kleinen elitären Schicht an, die zum internationalen Club der 'Reichen' gehört. Wie nicht anders erwartet, gehören 85% der Armen dieser Welt den ehemaligen europäischen Kolonien an, der sogenannten Dritten Welt. Der größte Teil des afrikanischen Budgets wird zur Rückzahlung von Schulden an entwickelte Staaten verwendet. Manche Länder verwenden bis zu 70% ihres Bruttosozialprodukts auf die Rückzahlung ihrer Schulden. Dollarkredite müssen auch in
Dollars zurückgezahlt werden, die zunächst durch Exporte verdient werden müssen. Die afrikanischen Exporte bestehen überwiegend aus Rohstoffen, deren reeller Wert ebenso wie der Gewinn daraus sinkt, während die Schulden aufgrund der Inflation der einheimischen Währung steigen. Der Prozentsatz des für die Rückzahlung der Schulden verwendeten Exportgewinns stieg in Simbabwe von 3,8% im Jahre 1980 auf 25,6% im Jahre 1995. In Südafrika stiegen die Schulden von 16 Billionen $ im Jahre 1989 auf 51
Billionen $ im Jahre 1995. Der heutige Stand beträgt 62 Billionen $, somit wird ein Fünftel des gesamten südafrikanischen Budgets für die Abzahlung der Schulden verwendet. Der immens hohe Prozentsatz der Schuldentilgung läßt nur wenig Geld für das Gesundheits- und Bildungswesen, sowie für das allgemeine Wachstum übrig. Die Armut eskaliert direkt proportional zu den geleisteten Zahlungen für die Schulden. Außer der
finanziellen Rechnung gibt es noch die Rechnung für das menschliche Wohlergehen. Kreditnehmer in einer Zahlungskrise unterliegen der Tyrannei der Kreditgeber, die allen verschuldeten Staaten Programme zur Strukturangleichung auferlegen. Die Folgen sind Einkommensrückgang und Anstieg von Arbeitslosigkeit und Armut als Folge der staatlichen Subventionierung des Gesundheits-, Bildungs- und Gemeinwesens. Die Bevölkerung erhält nicht die nötige Unterstützung im eigenen Land und verkauft ihre
Arbeitskraft an andere Länder. Die unmittelbaren Folgen hiervon sind Ausbeutung, Demoralisierung, Entfremdung, Verlust der Würde und zerrüttete Familiensysteme. Die Kreditgeber hingegen bleiben in ihren pompösen Büroräumen distanziert und kalt, sind auf ihre Computer und den immensen Profit fixiert, der dieser konsequenten Misere abgewonnen wird. Eine derartige Erpressung der ärmsten Bevölkerungsschichten ist noch
schlimmer als Shylock´s pound flesh. Der schlimmste Aspekt dieser Weltwirtschaft besteht darin, daß sie niemand zu verstehen scheint. - Warum Depression? Warum Inflation? Warum schwindet der Wert des Geldes? Können wir eine so offensichtlich auf Kosten der menschlichen Misere gehende wirtschaftliche Ordnung tolerieren? Ist der
menschliche Genius unfähig zur Übernahme einer anderen Ordnungsform? Kapitalismus und Waffenhandel Das Geschäft im Gefüge der Weltwirtschaftsordnung wird durch den vermutlich lukrativsten Handel, den Waffenhandel, verschlimmert, sofern dies überhaupt noch möglich ist. Dieser Handel appelliert an die niedrigsten menschlichen
Instinkte. Er produziert und entwickelt nichts, sondern zerstört nur, er kann sogar das gesamte Universum zerstören, wenn er nicht gebändigt wird. Die Waffenproduzenten brauchen Kriege, um ihre Produkte testen zu können und ihre Geschäfte am Laufen zu halten. Der Golfkrieg war vor allem so bösartig, weil er der amerikanischen Waffenindustrie als Testfeld diente, so wie Hiroshima und Nagasaki für die Erprobung der Atombombe. Der Krieg war an sich schon immer ein Waffenbasar. Wir werden niemals
erfahren, in welchem Ausmaß die amerikanischen Waffenhändler die Entscheidung beeinflußt haben, den Irak anzugreifen, aber die für die Waffenlieferungen verantwortlichen Unternehmen waren angesichts der Angriffe mehr als euphorisch gestimmt. Für die Waffenhändler bereitet jeder Krieg den darauf folgenden vor. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, daß die fünf größten Waffenproduzenten zugleich die fünf
permanenten Mitglieder des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen sind: Zwischen 1985 und 1989 verkaufte die Sowjetunion Waffen im Wert von 66 Billionen $, die USA im Wert von 53 Billionen $, Frankreich im Wert von 16 Billionen $, England im Wert von 8 Billionen $ und China im Wert von 7 Billionen $. Die Waffen wurden zum größten Teil an Entwicklungsländer verkauft, die sich diese Produkte am wenigsten leisten konnten. Die Finanzinstitutionen der entwickelten Staaten verhalfen ihnen zu
Krediten und recycelten hierdurch die Abhängigkeit der Entwicklungsländer. (9) Die Tötungsmaschinen erschaffen ihren eigenen Mythos, den Bedarf an stetig expandierendem und verbessertem Arsenal. Unvorstellbare Geldmengen werden für neue Waffenmodelle und Prototypen ausgegeben, die sich nicht selten als Fehlkonstruktionen erweisen. Das Verteidigungsgeschäft überlebt aufgrund einer Kriegspsychose, die von den
Waffenproduzenten sowohl erzeugt als auch verkauft und mit Hilfe der Medien verbreitet wird. Präsident Eisenhower schrieb über den Vietnam-Krieg in seinen Memoiren: 'Unsere wichtigste Aufgabe bestand darin, die Welt davon zu überzeugen, daß der südostasiatische Krieg eine aggressive Bewegung von Seiten der Kommunisten darstellte, um das gesamte Gebiet zu unterwerfen.' Kriege unterstützen Dominanz und Herrschaft und bewirken Ungleichheit und Armut. Die Grenz-, Ressourcen- und Rassenkonflikte nach dem Zweiten Weltkrieg in Asien, Afrika und Lateinamerika wurden von den Supermächten USA und UdSSR zum Aufbau ideologischer und wirtschaftlicher Dominanz benutzt. Sie ließen Waffen in die Staaten strömen, entfachten Kriege aus Konflikten, die kollektiv als 'Kalter Krieg' bezeichnet wurden, ganz egal, wie heiß,
zerstörend und grauenvoll sie für diejenigen waren, die tatsächlich an ihnen teilnahmen. Die Krise der Demokratie Eine Krise der Werte ist auch ein Krise der Demokratie, denn die Demokratie repräsentiert im Idealfall eine moralische und notwendige Kraft. Sie zielt als ausgleichende Kraft auf die Vermittlung eines
Gleichgewichtes hinsichtlich des Zuganges zu Ressourcen, der Artikulation von Bedürfnissen zwischen Menschen und Gemeinden und versucht, Teilhabe herzustellen. Kapitalismus und Demokratie wurzeln im aufgeklärten europäischen Liberalismus. Ihre einzige Gemeinsamkeit besteht jedoch in ihrem Zugeständnis an die individuelle Freiheit. Das
individuelle Recht wird im Kapitalismus durch die gesetzlichen Parameter eingeschränkt. Freiheit ist in der Demokratie ein echtes Anliegen, und das individuelle Recht wird nach moralischen Richtlinien beurteilt. Im Kapitalismus handelt es sich um das Recht auf freie Marktwirtschaft, wobei sich die Freiheit auf die Bereiche von Handel und Industrie beschränkt, auf die Kontrolle der Wirtschaft und der Preise, der Löhne und Tarife sowie auf die Verwendung der Landflächen. Die fundamentale
Freiheit besteht darin, den Markt hinsichtlich eines maximalen Profits auszuschöpfen. Der kapitalistische Staat ist in dem Ausmaß, in dem er dem Druck durch die wirtschaftliche Ordnung unterliegt, nicht weniger totalitär als ein sozialistischer. Er vertritt die Interessen der besitzenden Klasse mit dem Trick der freien Marktwirtschaft, wobei er Rechte und Freiheit der überwiegenden Mehrheit der Bürger untergräbt. Er
wird tyrannisch und verliert sein eigentliches Ziel - das Wohlergehen des Volkes - aus den Augen. Demokratie ist entgegen einer geläufigen Definition kein säkularer Wert, ihre Essenz wurzelt in den Religionen. Religiöse Systeme stellen die öffentlich anerkannten Hüter demokratischer Werte dar. Die Mehrheit der Menschen besitzt einen demokratischen Instinkt, wenn dies nicht so wäre, gäbe es eine passive Akzeptanz von
Herrschaft. Die Mehrheit der Menschen besitzt auch einen Instinkt für Gott - Menschen sehen sich selbst als 'vor Gott gleich' an. Der Glaube an Gleichheit ist demzufolge ein moralischer Glaube. Wenn wir unveränderliche Rechte akzeptieren, dann akzeptieren wir auch von Gott gegebene absolute Rechte, die nicht relativ sind. Das islamische Konzept von Freiheit und Demokratie wird vom tawhee Konzept abgeleitet. Freiheit
und Demokratie sind demzufolge weder subjektiv und willkürlich, noch vom Menschen geschaffen, sie sind göttlichen Ursprungs und daher absolut. Freiheit wird im Sinne der absoluten Freiheit, den göttlichen Willen zu manifestieren, aufgefaßt. Die islamischen Gelehrten sehen den freien Willen als Voraussetzung für die Realisierung einer moralischen Ordnung an, die nicht erzwungen werden kann. Sie muß Ausdruck der freien Wahl sein, den richtigen Weg zu gehen - Sirat-al-Mustaquen. Demokratie versagt dann, wenn die demokratischen Rechte als rein säkular, vom Menschen geschaffen, relativ und daher als Spielfeld säkularer Tyrannen angesehen werden. Die Strukturen der Demokratie sind sozial und nicht die darin enthaltenen Rechte. Die Wunder der Wissenschaft und Technik verleiten uns zu dem Denken, die menschliche Kraft sei vergänglich, ohne über eine unendliche Quelle zu verfügen, Demokratie sei lediglich eine
menschliche Erfindung ohne vor-soziale Basis, die Menschenrechte seien lediglich aus einem Sozialvertrag abgeleitet, und der Menschen sei ohne definierte Rechte geboren: diese Demokratie ist nicht nur eine soziale Konstruktion, sondern intrinsisch eine europäische. Tatsächlich allerdings kann die Essenz der Demokratie ebenso wie die Essenz Gottes in allen Gesellschaften gefunden werden. Während die Demokratie eine vor-soziale moralische Kraft ist, sind die Institutionen sozial und
manifestieren sich in den verschiedenen Kulturen auf unterschiedliche Weise. In nicht-industriellen Kulturen kann Demokratie unmittelbar persönlich und direkt erlebt werden, während sie sich in industriellen Gesellschaften eher repräsentativ und äußerst bürokratisch zeigt und sich häufig in eine Art Ritual mit zunehmend sinkender Wahlbeteiligung verwandelt. Umfragen in den USA bezeugen ein sinkendes Vertrauen in die
Regierung. 1994 waren es nur 29%, die daran glaubten, die Regierung setze sich für das Wohlergehen des Volkes ein. 1992 waren es noch Vierfünftel der Befragten. 1994 behaupteten 66%, die Regierung sei ineffektiv. Die Schweiz weist die geringste, die USA weisen die nächst geringste Wahlbeteiligung auf: 1994 nahmen in den USA nur 18% der Wahlberechtigten an den Zwischenwahlen teil. (10) Soll die Demokratie für die
Menschheit gerettet werden, müssen unsere existierenden Strukturen von zentralisierter Macht und Autorität einer dominierenden Minderheit über eine Mehrheit durch neue dezentrale Machtstrukturen und durch Regierungsmodelle und Management ersetzt werden, welche Macht verteilen. Nur so kann eine Stärkung des Individuums erreicht werden. Das Gesetz braucht eine moralische Autorität Wie auch immer soziologische und psychologische Erklärungen für Werte lauten mögen: Werte wirken erfolgreich, wenn sie ihrem Ursprung nach als übernatürlich und in Gott verwurzelt angesehen werden. Fast alle säkularen Institutionen berufen sich auf Gott. Das Göttliche wird nicht nur universell, sondern auch in unterschiedlichen schriftlichen und vor-schriftlichen Kulturen ähnlich wahrgenommen, wie aus dieser Hymne der
vor-schriflichen Pygmäen hervorgeht: Gott war am Anfang Gott ist jetzt Gott wird morgen sein Er ist körperlos wie ein Wort aus deinem Mund Dieses Wort! Es ist nicht mehr Es ist vergangen - und lebt noch So ist Gott (11) Ein so fest im menschlichen Bewußtsein verankerter Glaube kann von unserer säkularen und
intellektuellen Elite nicht ohne Schädigung unserer sozialen Struktur negiert werden, was bereits geschehen ist. Ein bißchen mehr Menschlichkeit und ein bißchen weniger Gewißheit können uns auf lange Sicht aus diesem Dilemma heraushelfen. Die moderne Industriegesellschaft ist von Kriminalität und Gewalt oder Gesetzesabweichungen geprägt, weil die Gesetze größtenteils als willkürlich den Interessen einer bestimmten
Gruppe oder Klasse dienend angesehen oder erfahren werden. Die Unterscheidung zwischen Legitimität und Unzulässigkeit ist eher technischer als moralischer Natur. Wo das Gesetz Respekt und Zugeständnis fordert, muß es vertrauenswürdig sein. Die Antwort auf ein von Menschen gestaltetes säkulares Gesetz kann sich nicht von der Antwort auf ein göttliches Gesetz unterscheiden. Das in den Upanishaden enthaltene
Gesetzeskonzept ist identisch mit der von Gott geschaffenen Wahrheit, 'Das Gesetz ist die Wahrheit, und die Wahrheit ist das Gesetz'. Nach islamischer Auffassung wird die Gesellschaft als eine Verwirklichung göttlicher Gesetze angesehen. Ebenso wie die Bewegung der Planeten und die ihn umgebende Natur wird auch der Mensch vom göttlichen Gesetz gelenkt. Der Mensch allein ist im Unterschied zu allen anderen Lebewesen mit dem freien Willen ausgestattet, den göttlichen Willen intelligent und
selektiv zu realisieren. Der islamische Staat jedoch säkularisierte das Gesetz, weshalb die Verwirklichung des göttlichen Willens willkürlich, ausbeuterisch und unreflektiert ausgelegt werden kann. Das Versagen der Vereinten Nationen als moralische Kraft Das Versagen unserer religiösen Institutionen wird an ihrer Unfähigkeit
sichtbar, sich an die moralische Ordnung zu halten. Sie schlossen sogar Kompromisse mit politischen und wirtschaftlichen Interessen, wobei in Zweifel gezogen werden kann, ob sie nun in der Lage sein werden, sich selbst aus diesem Sumpf und uns aus der durch sie verschuldeten Dekadenz zu befreien. Wir brauchen eine starke moralische Kraft, die unser Leben wieder in Ordnung bringt. Beide Weltkriege zeigten uns die
Notwendigkeit einer zentralen Autorität, die bei nationalen Konflikten einschreitet und Kriege verhindert. Gott allein reichte nicht aus, denn er wurde in zahlreiche Religionen und noch mehr Untergruppierungen aufgeteilt. Die beiden nach den Weltkriegen ins Leben gerufenen weltlichen Körperschaften haben versagt, moralische Autorität auszuüben, weil sie die Quelle dieser Autorität ausgrenzten und sich den ausbeuterischen Interessen der Großmächte beugten. Die Struktur der UN verhindert ihr Wirken als demokratische Kraft. Ihre höchste Körperschaft, der Sicherheitsrat, wurde mit der Aufgabe betraut, den internationalen Frieden zu erhalten. Er bestand aus fünf permanenten Mitgliedern, drei westlichen, den USA, Großbritannien und Frankreich, der UdSSR und China, nicht der Teil Chinas, in dem 80% der Chinesen lebten, sondern mit dem China Chiang Kai Sheks, einem Verbündeten der USA. Die Generalversammlung, die zweite Körperschaft der UN, repräsentierte die Weltgemeinschaft zur Zeit ihrer Gründung ebenso schlecht. Von ihren 51 Mitgliedern kamen nur 9 aus Asien und zwei aus Afrika. Im Jahre 1970 änderte sich der Charakter der Generalversammlung im Zuge der Entkolonialisierung dramatisch. Von nun an bestand sie zu Zweidritteln aus entwickelten und unterentwickelten afro-asiatischen Staaten. Das Wahlrecht der
Mitgliedsstaaten ungeachtet ihrer Bevölkerungsgröße führte zur Herrschaft der Minderheit über die Mehrheit und der Reichen über die Armen. Von Anfang an handelten weder der Sicherheitsrat noch die Vollversammlung als moralische Kraft, dienten sie doch vielmehr den USA und der UdSSR als Plattform zum Punktesammeln gegeneinander. Das Wohlergehen der Welt geriet zum sekundären Anliegen, und in vielen Fällen behinderte
es sogar Machtpositionen. Die anderen Mitgliedsstaaten wurden genaugenommen entweder als zur einen oder zur anderen Seite gehörig behandelt. Der ursprüngliche Auftrag der Vereinten Nationen wurde im großen und ganzen von den USA und der UdSSR verfaßt, er bestand in der Verteilung des Gewinns aus dem Zweiten Weltkrieg zwischen diesen beiden Staaten. Jeder von ihnen dominierte die Denkweise der neu entstandenen Elite
durch seine Ideologie, entweder Kapitalismus oder Kommunismus. Eine beträchtliche Anzahl der früheren Kolonien wurde durch die Verfolgung eigennütziger Interessen in Kriege gerissen. Die Vereinten Nationen versagten bei ihrem ersten Test im Jahre 1947, als die Rechte der Palästinenser usurpiert wurden und ihr Land zu Israel wurde, weil die USA neben anderen Faktoren aus Angst vor einer sowjetischen Präsenz in dieser
Region eine vom UN-Generalsekretär vorgeschlagene Einsatztruppe zur Erhaltung des Friedens ablehnten. Als sich die Briten aus Palästina zurückzogen, wo es bereits zu Ausschreitungen zwischen Palästinensern und immigrierten Juden gekommen war, wies der UN-Generalsekretär dringend auf die Notwendigkeit einer Einsatztruppe zur Erhaltung des Friedens hin, welche aber die USA verhinderten. Das Gebiet wurde in einen bis
heute andauernden Konflikt gerissen. In der Dominikanischen Republik verhinderten die USA die Bildung einer anti-amerikanischen Regierung, die nach ihrer Auffassung kommunistisch war. Um die Sowjets zu isolieren, inszenierten die Amerikaner einen Holocaust an den Vietnamesen, der lediglich vom Holocaust der Nazis in Europa übertroffen wurde. Das Land wurde von Bomben zerstört, Wälder und Reisfelder wurden
vernichtet. Bis 1967 wurden 1,5 Millionen Tonnen Bomben auf Südvietnam geworfen, 75 000 Tonnen mehr als im Zweiten Weltkrieg. Dieser Krieg wurde nur dadurch beendet, daß die amerikanischen Bundesbürger aus ihrem somnambulen Zustand aufwachten und dagegen protestierten. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Krieg bereits einer halben Million Vietnamesen und 45 000 Amerikanern das Leben und die USA 150 Billionen $ gekostet. In
der Tschechoslowakei blockierten die Sowjets1967 eine Intervention der UN, indem sie 70 000 Truppen in Bewegung setzten, um die Opposition gegen den Kommunismus zu unterdrücken. Die USA und die früheren Kolonialmächte tendierten dazu, reaktionäre Regierungen zu unterstützen, die Sowjets hingegen zogen Revolutionen vor, um in erster Linie ihren Kalten Krieg gegen den Westblock voranzutreiben. Im ersten Jahr der UN
unterstützte England die reaktionären Regierungen Griechenlands und der Türkei, die UdSSR hingegen die Revolutionäre. Die griechische Situation entwickelte sich zu einem breiten Konfliktfeld, als die UdSSR die Guerilla unterstützte und die USA der Regierung wirtschaftliche und militärische Hilfe zur Verfügung stellten. Die UN überlebte als propagiertes Friedensinstrument, und zwar nicht als friedenserhaltende Kraft,
sondern als 'Debattenraum', in dem Nationen in Konfliktsituationen jede Menge heiße Luft aufwirbelten. Das beste, was man darüber sagen kann, ist, daß dieser Akt der 'Abkühlung' in der UN möglicherweise verhinderte, daß das 20. Jahrhundert nicht noch gewalttätiger verlaufen ist, obwohl ich sagen muß, daß die Ausschreitungen in Bosnien auch dies wiederum in Frage stellen. Die Verteidigungsmission der UN verfehlt die
Verteidigung der Menschen, denn sie ist darauf beschränkt, Staaten zu verteidigen und nicht ihre Einwohner. Tatsächlich handelt es sich heute um einen Ausdruck des westeuropäischen, vom Laisser-faire Prinzip unterwanderten Liberalismus, der letztendlich diejenigen verteidigt, die für die Regierung und die Ressourcen verantwortlich sind. Im Grunde genommen wird hier in erster Linie die vereinte Macht anerkannt. Das Zugeständnis an das Recht auf Selbstbestimmung wirkt hier im Sinne eines
Zugeständnisses an verschanzte Macht. Die Interventionen der UN in schwerwiegende Konflikte sind eher eine Bestandsaufnahme politischen Zweckdenkens im Interesse der Mächtigen als ein echter Beitrag zur Lösung von Problemen, die Unparteilichkeit und Moral verlangen. Wollen die Vereinten Nationen der Menschheit erfolgreich dienen, muß sich der Sicherheitsrat zu einem Repräsentanten der Weltordnung wandeln und dem
Dominieren bestimmter Mächte, besonders der USA, ein Ende setzen. Eine solche Transformation setzt die Veränderung des Kapitalismus voraus, ja, vielleicht sogar seine Auflösung. Solange Macht mit Kapital und Waffen gleichgesetzt wird und diese in den Händen einiger weniger Länder konzentriert bleiben, wird die Welt ihre Geisel bleiben. Welche Lösungen? Nachdem ich einige Faktoren unserer globalen Krise beleuchtet habe, möchte ich an dieser Stelle einige Lösungen darlegen. Unser Hauptproblem besteht in einer Krise der Werte, in die wir durch unsere wichtigste soziale Ordnung, die Wirtschaft, geraten sind. Diese Ordnung infizierte die Welt wie eine schlimme Krankheit und dies ist unglücklicherweise die wahre Bedeutung der Globalisierung. Globalisierung ist keine auf gegenseitigen Vorteilen basierende Beziehung zwischen verschiedenen Staaten, es handelt sich keineswegs um eine Strategie zur Integration der künstlich geschaffenen drei Welten. Sie ist eine Strategie der sogenannten Ersten Welt, der hoch technisierten europäischen Welt, die nach wie vor die Dritte Welt dominiert.nt> Die Globalisierung ist darüber hinaus eine Strategie, den Staat zu schwächen. Der internationale Kapitalismus kann nicht die Regierungen, sondern immer nur ihre Wirtschaft integrieren. In der Wirtschaft der Länder wird eine Weltordnung außerhalb des Staates gesucht, dominiert von den neuen ‚Zeitdieben'. Die Verantwortung der Regierungen wird von der Marktwirtschaft subsumiert. Die Teilhabe der Bürger am Reichtum des Staates wird unter dem
Vorwand einer höheren Wirtschaftlichkeit auf den privaten Sektor übertragen. Tatsächlich wird der Staat destabilisiert, weil er die Interessen der Bürger nicht mehr schützen kann. Eine Parallele zur globalen Wirtschaft stellen die globalen Medien dar. Im wesentlichen von den USA aus gesteuert, dienen sie den Interessen der globalen Händler, welche die Weltkultur untergraben und sie in eine einheitliche Konsumkultur
verwandeln. Direkt mobilisieren sie Konsumenten für die multinationalen Händler durch Werbung und indirekt durch Beeinflussung des Lebensstils der Menschen durch ihre erfundenen Geschichten. Diese Händler dringen in das Bewußtsein der Menschen ein, manipulieren ihre intellektuellen und emotionalen Bedürfnisse, bestimmen ihren Geschmack, beeinflussen ihr Verhalten, ihre zwischenmenschlichen und interkulturellen Beziehungen ebenso wie ihr Konsumverhalten - was sie anziehen, essen und trinken,
wie sie sich entspannen, wo sie Urlaub machen, etc. Sie sind die mächtigsten und gefährlichsten Menschen auf dieser Welt. Sie sind in der Lage, eine Kultur zu verändern und neu zu erschaffen und politische und soziale Persönlichkeiten zu fördern oder zu zerstören. Sie sind nur sich selbst gegenüber verantwortlich. In mysteriöser Anonymität schmieden sie ihre Komplotte und sind so darin verwoben, daß sie jeglichen Bezug zu ihren Verästelungen verlieren: Es zählen einzig die Ergebnisse und der
Profit. Wir müssen uns aus dieser gravierenden Bevormundung befreien. Die Lösung muß drastisch sein, und sie muß vor allem vor der rhetorischen Sabotage geschützt werden, die jegliche Alternative als irreal und unpraktisch abtut. Wir müssen versuchen, die Methoden der Geschäftsführung und des internationalen Handels zu bewahren und gleichzeitig den amoralischen Aspekt des Kapitalismus beiseite legen. Das Ziel ist
eine wirtschaftliche Ordnung mit einem moralischen Herzen. Wir berufen uns heute auf den Triumph des Kapitalismus als unleugbare Wahrheit und übersehen, daß dieses System unser Leben lediglich seit 200-300 Jahren bestimmt. Es ist viel wichtiger, sich das Ausmaß der Veränderungen abendländischer christlicher Werte durch dieses System vor Augen zu halten. Diese Werte wandelten sich zu einem immer schnelleren
Kapitalismus, nun ist es an der Zeit, ein wirtschaftliches System zu schaffen, das dem Wohle der gesamten Menschheit dient und die Welt aus der Umschlingung von Armut und Machtlosigkeit der Armen zu befreit. Wir müssen auf der individuellen Ebene selbstbewußt werden, auf der kollektiven Ebene Gruppenbewußtsein entwickeln, eine empfindliche Balance zwischen der persönlichen und der sozialen Ebene entwickeln, unser
moralisches Zentrum suchen und unser Leben dementsprechend ordnen. Außerdem müssen wir bedenken, daß uns die Zeit davonläuft, während wir über Moral nachdenken, und einem Umwelt-Holocaust ins Auge blicken, der unser Leben, unsere Kultur, unsere Zivilisation, unsere Religion, unsere Sprache, unsere Musik und unsere Tänze bedroht: Überbevölkerung, Schwinden der natürlichen Ressourcen und Umweltverschmutzung bedrohen
unsere physische Existenz. Bibliographie 1. Sharp AM, Register CA, Leftwich RH, Economics of Social Issues, BPI Irwin, Homewood Illinois, S.4 2. Lebergott, S., The American Economy: Income, Wealth and Want, Princeton, Princeton University Press, 1976, S.3
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