In jeder
Philosophie beschäftigen sich die wichtigsten Gedanken mit Gott, dem Menschen und der Welt. Stellung und Atmosphäre dieses Denkens hängen von der Deutlichkeit der Äußerungen eines jeden Philosophen ab. Diese grundlegenden Auffassungen sind für das Wohl der Menschheit von größter Bedeutung. Wenn diese Gedanken obskur und vage bleiben, ist die soziale Atmosphäre in jeder Gesellschaft voller Aberglauben, der lediglich unglaubwürdige Sichtweisen im Hinblick auf Gott, den Menschen und die Welt
vorstellt, was zu moralischer und religiöser Erniedrigung führt. Daher sollten diese Auffassungen so fest umrissen und rational wie irgend möglich sein. Aus diesem Blickwinkel ist Jnanadevas Philosophie des sorgsamen Studiums würdig. In Maharashtra geboren, war er tatsächlich ein großer Weltbürger, der sich in der ganzen Welt heimisch fühlte und alle Menschen als seine Brüder ansah. Er schrieb wenige Bücher, doch
sind diese von hervorragender Bedeutung. Jnaneshvari ist ein Kommentar zur Bhagavad Gita, Amritanubhava ein unabhängiges philosophisches Werk. Darin legte er seine Ansichten über Gott oder die Höchste Wirklichkeit, das individuelle Selbst und die Welt dar. Gott oder die Höchste Wirklichkeit Jnanadeva unterscheidet nicht zwischen Gott und der Höchsten Wirklichkeit wie es einige andere tun. Sie sehen Gott als Phantasievorstellung des Menschen von der Wirklichkeit an. Jnanadeva aber denkt darüber anders und sieht Gott und die
Wirklichkeit als identisch an. Einige Denker betrachten die Höchste Wirklichkeit lediglich als Nirguna oder eigenschaftslos an und Gott als Saguna oder mit Eigenschaften versehen. Jnanadeva sieht die Eigenschaften als Manifestationen der Höchsten Realität oder Gottes selbst an. Saguna ist eine Manifestation des Nirguna. Gott manifestiert unendliche Eigenschaften aus sich heraus, von denen die Liebe die höchste ist. Gott oder die Höchste Realität ist Liebe, Liebe
ist ebenfalls der höchste ethische Wert. Jiva oder das individuelle Selbst Das individuelle Selbst ist die von Gott selbst angenommene Form, da er so seine Liebe
selbst erfahren kann. Eine Mutter hat Milch in ihren Brüsten, aber sie kann ihre Milch nicht selbst schmecken, das kann nur das Kind. In gleicher Weise kann Gott, obwohl er selbst die Liebe ist, diese selbst nicht erfahren. Das kann jivaoder das individuelle Selbst, weshalb Gott aus seinem eigenen Sein so viele Selbste erschuf. Das individuelle Selbst nimmt daher tatsächlich eine andere Stellung ein als wir angenommen hatten, es ist begrenzt und unbedeutend. Es ist wirklich ein sehr
hoher Status, der den Allmächtigen in die Lage versetzt, seine eigene Liebe zu erfahren. Die Welt In der Amritanubhava sagt Jnanadeva, daß die Höchste Realität sich zu ihrer Erbauung in den Vielen manifestiert, obwohl sie eine Einheit ist. "Der Duft wird zur Nase, der Spiegel entsteht aus dem Auge, die Blumen werden zu Bienen, um ihren eigenen Honig zu kosten." Auf diese Weise erscheint die eine Realität als Viele, um sich daran erfreuen zu können.
Das Universum ist deshalb keine Illusion wie viele Denker annehmen; es ist ein Spiel des Göttlichen oder Absoluten. Folglich sieht Jnanadeva die Welt als Chidvilasa an. Jnanadeva nimmt den philosophischen Standpunkt ein, daß sich das Absolute an sich selbst erfreut. Auf diese positive Weise sagt er uns, daß Gott überall ist und sich daran erfreut. So lehrt er nicht das Evangelium oder die bloße Entsagung, um unsere Augen vor dem Universum zu verschließen, sondern er öffnet sie für eine unvergleichliche Vision von Gott oder der höchsten Realität in der Form der Welt. Solch eine Vision ist in ethischer Hinsicht ertragreich und religiös erhebend für die gesamte Menschheit.
Jnanadevas Philosophie ist die Philosophie der Liebe par excellence. Sie ist ein Segen für die Menschheit, das höchste summum bonum, wo überragende Poesie und Göttlichkeit sich untrennbar mit dem Heiligen mischen. top |