Im Rahmen seiner Vortragsreise mit Workshops ĂĽber Sri Aurobindo, einem der bedeutendsten Philosophen des Integralen Bewusstseins, Mystikers und Yogis
Indiens, durch Deutschland und Holland besuchte Dr. Ananda Reddy auch Berlin für eine Woche. Zustande gekommen war sein Deutschlandbesuch auf Initiative von Mitgliedern von AUROVILLE INTERNATIONAL (AVI) DEUTSCHLAND e.V. Auf seiner Weltreise 1998, auf der er sein Projekt Sri Aurobindo Centre for Advanced Research – S.A.C.A.R. vorstellte, hatte sich ein vorgesehener Aufenthalt in Deutschland aus organisatorischen Gründen zerschlagen. Im Nachhinein könnte man sagen, dass die Zeit noch nicht reif dafür war.
Nicht zuletzt wegen der vielen deutschen Besucher in Auroville (z.Zt. sind ca. 70% aller Besucher Deutsche) verfolgte er die Entwicklung in unserem Lande mit groĂźem
Interesse, nahm allerdings wegen der dort oft gehörten Äußerungen ‚Ich hasse Deutschland wegen seiner nationalsozialistischen Vergangenheit, ...wie war das nur möglich?’ eine eher ambivalente Haltung zur deutschen Gegenwart ein. Er hatte sich anhand historischer Quellen und der Schriften Sri Aurobindos und durch Berichte aus dessen Umgebung über die Tatsachen der Vorkriegs- und
Kriegszeit informiert, besonderen Eindruck hatten auch die Schilderungen Der Mutter, der Weggefährtin Sri Aurobindos und französischstämmigen Gründerin von Auroville, Mira Alfassa, in seinem Denken und in seiner Wahrnehmung hinterlassen: Beide hatten sich damals zum politischen Geschehen eindringlich geäußert.
Zum einen würde Berlin als ehemaliger Brennpunkt des dunkelsten Kapitels der deutschen Geschichte, der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, eine Überprüfung und Klärung der Gegenwart vor diesem Hintergrund von ihm verlangen.
Zum anderen stand er seit 1996 in engem Kontakt mit
den Herausgebern von HERE-NOW4U, wo schon viele seiner Artikel veröffentlicht und ins Deutsche übersetzt worden waren. Auch deren seit längerem ausgesprochene Einladung zur Beherbergung verdient in diesem Zusammenhang Erwähnung. Schließlich gaben zwei Einladungen zu Vorträgen, einer in der Humboldt-Universität, einer in der indischen Botschaft (Tagore Gesellschaft), den Ausschlag, diesmal also auch Berlin! Dort wollte er möglichst viele Gespräche mit Menschen führen, die in Berlin leben und arbeiten, und insbesondere auch den Reichstag besuchen. Am zweiten Nachmittag seines Berlin-Aufenthaltes war es dann soweit, wir reihten uns in die Schlange der Reichstags-Besucher ein und konnten nach nur halbstündigem Warten das ‚Dem deutschen Volke’ gewidmeten Parlamentsgebäude betreten. Die erste Überraschung war für Dr. Reddy zu erfahren, dass Adolf Hitler den Reichstag als ‚Reichskanzler’ nie betreten hatte, was einer der Gründe gewesen war, dieses Gebäude wieder seiner ursprünglichen Bestimmung zuzuführen. Die Atmosphäre in der lichtdurchfluteten Kuppel voller unbekümmerter Besucher gefiel uns allen
ganz besonders an diesem Nachmittag, und jeder von uns empfand es als genial von dem britischen Architekten Sir Norman Foster, den Schatten der Vergangenheit mit dieser LichtfĂĽlle zu begegnen.
Die anschließende meditative Rast im ‚Raum der Stille’ im Brandenburger Tor (ja – den gibt es tatsächlich) brachte nicht nur die vom Schauen der Geschichte erschöpften Energien zurück,
sondern Dr. Reddy auch die Gewissheit, dass es für dieses Land mitten in Europa Zeit sei, sich in der wiedergewonnenen Freiheit den Aufgaben der Zukunft zu stellen, und es gerade für junge deutsche Menschen auf dem Weg zum Weltbürger keinen Grund mehr zur Distanzierung von ihrem Heimatland gäbe. Der Prozess der Identifizierung mit dem Geburtsland ist seiner Auffassung nach nicht nur von entscheidender Bedeutung für die Bildung der individuellen Identität, sondern auch für die evolutionäre Entwicklung des Bewusstseins. Der Anstoß zu einem realisierbaren Projekt auf diesem Weg ergab sich dann fast als natürliche Folge aus Gesprächen mit den Menschen, die in dieser Stadt leben und arbeiten und die ihm jeder ein Stück ‚ihres’ Berlin zeigten, in dem Beschluss, ein ‚Sri-Aurobindo-Zentrum’ in Berlin zu eröffnen. Die Gründungsversammlung für das Zentrum, zu der etwa zwanzig Interessierte gekommen
waren, fand am vorletzten Abend seines Berlin-Aufenthaltes statt. Dr. Reddy fand in seiner offenen und herzlichen Art Worte der Inspiration und Ermutigung, dieses Zentrum zu einem Ort der Erkenntniserweiterung und Begegnung, aber auch der geistigen Heimat fĂĽr diejenigen werden zu lassen, die sich durch das Lebenswerk Sri Aurobindos und Der Mutter zur eigenen Entwicklung inspiriert und zur Realisierung ermutigt fĂĽhlen.
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