A. Der Metaphysische Hintergrund : Das Konzept von Satchidananda Kosmische Energie Sogar die Wissenschaft bestätigt, daß der Kosmos eine unendliche Bewegung von Energie ist, die sich gleichermaßen in das grenzenlose Universum und in jedes einzelne Gen ergießt. Diese endlose Energie wird weder durch Zeit und Raum begrenzt,
noch ist sie durch irgendeine Gemeinschaft von ich-sagenden Wesen oder Äonen menschlicher Bemühung um ihre Geheimnisse zu erfassen. Die Gita nennt diese mächtige Energie Samam Brahma, deren Intensität und Bewegung sowohl bei der Entstehung eines Sterns, als auch bei der Geburt eines Glühwürmchens dieselbe ist. Von Sri Aurobindo wird das schön beschrieben: " Die Hand, die Jupiter rotierend auf seinen Weg durch den Himmel sandte, bedarf all ihrer kundigen Fertigkeit, um eine Locke
zu formen." Jedes Ding, wie auch immer dessen Umfang und Masse beschaffen sein mögen, makro- oder mikrokosmisch, enthält die Fülle des Brahman, obgleich Brahman für den Geist des Menschen erscheinen mag, als sei er allen Objekten und Wesen der Schöpfung qualitativ oder quantitativ in getrennter Weise zu angemessenen Teilen seiner selbst gleichmäßig zugeteilt. Der größtmöglichen Weite seiner Auffassungsgabe
entsprechend vermag das mentale Bewußtsein zu erkennen, daß Brahman von der Vielheit gebildet wird: alles auf der Erde und darüber hinaus im Universum ist gleichzusetzen mit Brahman. Entweder von Eingebung oder durch identifikationbedingtes Wissen geleitet, kann der Mensch begreifen, daß die Summe des Vielen Brahman entspricht, aber Brahman ist nicht darauf einzugrenzen. Er zerteilt sich nicht, um sich auf das Viele zu verteilen, sondern jeder Teil des Ganzen ist die Summe des Brahman
und bleibt unberührt von allem anderen, was durch das Viele hervorgebracht wird. "Nimm die Fülle aus der Fülle und sie wird Fülle bleiben" (1), sagt Sri Aurobindo. Deshalb ist Brahman eins und unteilbar. Typisch für seinen geistigen Erkenntnisstand hat sich der Mensch passenderweise zum Mittelpunkt dieser grenzenlos ewigen Energiebewegung gemacht. Die falsche Idee von der Erde als Zentrum des Universums
wurde schon vor Zeiten von der Wissenschaft aufgelöst und zerstreut, aber der Mensch ist noch immer ein Gefangener seines selbstzufriedenen Gedankens, daß ohne ihn alles leer wäre. "Was kann diese Annahme schaden ?" mag einer fragen. Zwar hat die Idee von der Erde als Zentrum des Universums keinen Schaden angerichtet, aber hätte der Wissenschaftler dieses Konzept nicht zerstört, dann hätte sich die
Wissenschaft nicht in der Weise entwickelt, wie sie es bis heute getan hat. Durch Ausschluß dieser Anschauung aus finsteren Zeiten hat wissenschaftliches Denken das wahre Verhältnis der Erde zur Sonne eingeführt, wodurch die Summe aktueller wissenschaftlicher Fortschritte möglich wurde. Ähnlich hat der Anspruch des Menschen, unendlich wichtig für das All zu sein, ihn daran gehindert, sich der richtigen Perspektive
zu bedienen, sich den vollen und wahren Wert des Lebens anzueignen. Mit dieser "verstandesmäßigen Hinlänglichkeit" wird der Mensch niemals fähig sein, das angemessene Verhältnis zum All zu finden. Zu erkennen, daß er nur ein Teil der vollkommen unsichtbaren und unendlichen Energie ist, willentlich und bewußt auf die umfassende Bewegung zu verweisen, ist der Beginn des wahren Lebens. Sich bewußt zu werden, daß sein wahres Ich vom All nicht unterschieden ist, der Höhepunkt göttlichen
Lebens. Was ist das Wesen dieses Alls, mit dem wir unsere angemessen richtige Übereinstimmung finden müssen? Vedanta macht geltend, daß diese Bewegung einer gewaltigen zeit- und raumlosen Unverrückbarkeit (Stabilität) untergeordnet ist, wie wir Teil ihrer unendlichen und allmächtigen Energie sind, "einem Zustand, der unwandelbar, unerschöpflich und ohne Ausdehnung ist, unbewegt, obwohl er all dies Geschehen
enthält, nicht gleichbedeutend mit Energie, sondern reinstes (pures) Sein." (2) Hier erhebt sich ein Zweifel : Ist das pure Sein eine größere Wirklichkeit (realer, auf erhabene Weise wirklicher) als die ewige Bewegung der Energie, oder ist es nur ein Phänomen, das unser Verstandesbewußtsein geschaffen hat, um mit dem tagtäglichen Leben zurechtzukommen. Einige Philosophen glauben, die unendliche Energie
entspreche der einzigen Wirklichkeit, sei aber auch nur eine Schöpfung des menschlichen Geistes. Was da unbeweglich scheint, ist nur ein Bewegungsblock, gerade so, wie ein schnell rotierender Kreisel (oder die Spitze eines sich drehenden Bohrers) den Eindruck des Stillstands vermittelt. Alles ist eine Formulierung tätiger Energie, die unseren Augen bewegungslos erscheint, aber in Wirklichkeit ist das anders. Die Entdeckung der Protonen und Photonen durch die moderne Wissenschaft, sowie deren
konstante und unglaublich rasche Bewegung in jedem Objekt, sei es stationär oder veränderlich, ist ein konkretes Beispiel, von dem diese Theorie gestützt wird. Nun könnte jemand einwenden: Wie kann einer die Bewegung ohne bleibenden Bezug auf das Stillstehende wahrnehmen? Ein Flugzeug sieht man doch nur quer über den Himmel fliegen, weil der Himmel als Hintergrund konstant bleibt, trifft das nicht zu? Die Anhänger
der genannten Theorie würden antworten, daß sich der Himmel aus einem bestimmten Blickwinkel betrachtet ebenfalls bewegt. An dieser Frage läßt sich ad infinitum festhalten und schließlich wird einer herausfinden, daß sich alles in Beziehung zu irgend etwas anderem bewegt und ewige Bewegung die einzige Konstante darstellt: außer der gleichbleibenden Bewegung existiert nichts, was als beständig und gesichert gelten könnte. Andere glauben, daß eine solche Bewegung nur ein Aspekt des reinen Seins ist. Das eigentliche Konzept der Bewegung läßt darauf schließen, daß sich da etwas bewegt, seien es die Galaxien oder die Protonen. Wenn dieses Etwas sich bewegt, kann es sich auch für die Wahl entscheiden, sich nicht zu bewegen: dieses Etwas ist das unendliche Reine Sein. Sri Aurobindo liefert
ein prägnantes Argument: "Alles Enden oder Beginnen setzt etwas jenseits von Anfang und Ende voraus. Ein absolutes Ende, ein absoluter Anfang sind nicht nur begriffliche Widersprüche, sondern unvereinbar mit der Essenz aller Dinge, eine Gewaltsamkeit, eine Fiktion. Unendlichkeit verbindet sich durch ihr unaussprechliches Selbstsein mit dem Endlichen (und ist diesem durch ihr eigenes Wesen auferlegt)." (3) Angenommen,
wir nehmen die Tatsache für erwiesen, daß unendliche Bewegung und Energie nur eine Hervorbringung (ein Output oder Ausstoß) des Seins sind, würde das bedeuten, daß Zeit und Raum der Wahrheit des Daseins entsprechen? Ist es nicht der Fall, daß wir alle Bewegungen nur in Begriffen von Zeit und Raum erkennen? Erstens, inwiefern ist diese Behauptung in sich selbst wahr: ist all unsere Erfahrung von Bewegung (des Bewegten) bezogen auf Zeit und Raum? Mit einem Akt der tiefen Meditation könnte der Raum überwunden (oder abgeschafft) werden, aber es dürfte unwahrscheinlich sein, daß jemand (auf diese Weise) die Zeit abschaffen kann. Allein die Tatsache, daß man da ist, impliziert Dauer, also Zeit. Aber wie weit ist Zeit entsprechend der Weise, wie wir uns ihre Beschaffenheit denken, in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft aufgeteilt (zerschnitten)? Vergangene Zeit kann keiner zurückholen und
künftige kann niemand früher herbeirufen. Die Zeit der Gegenwart kann einer nicht festhalten, da sie vergeht, bevor sie geboren wird. Zeit ist deshalb nur eine Form psychologisch begründeter Dauer, die je nach seelischer und spiritueller Verfassung ihres Betrachters zusammengepreßt oder gedehnt werden kann. Erstes Absolutum : Tat Tat, das Absolute an erster Stelle, das Transzendente, ist zeitlos, raumlos, ewig und unendlich, unsichtbar und beständig, sthanu. Es ist unvorstellbar für den Geist und durch menschliche Sprache nicht zu definieren, weder im Sinne seiner letztmöglichen Negation, neti neti, noch durch absolute Bejahung, iti iti. Es ist jenseits des Erscheinenden (der Manifestation), jenseits von Existenz und Existenzlosigkeit,
jenseits von Sein und Nichtsein. Zweites Absolutum : Sat Tat überträgt sich selbst (gibt sich wieder und erweist sich) als Sat, das höchste in sich selbst enthaltene Sein, Satchitananda, worin Ananda Sat und Chit vereint. Einmal in Erscheinung getreten, wird Sat zu Raum und Zeit: Unendlichkeit dehnt sich als Raum und Ewigkeit schüttet sich aus als Zeit. Tat kann weder beschrieben, noch bewußt gemacht werden durch Denken oder Erfahrung, aber Sat,
obwohl nicht in Reichweite des Verstandes, ist, wie auch immer, der Möglichkeit nach durch hohe Übereinstimmung direkt zu erfassen, sagt Sri Aurobindo. Shakti oder Tapas Unverzüglich zur Stelle, identifiziert sich der Mensch samt seinem Instrumentarium der Sinne selbst mit dem gigantischen und
unaufhörlichen Treiben, von dem er umgeben ist - Bewegung in Raum und Zeit scheint das einzig Absolute zu sein. So, als wäre dem Anschein nach "das Werden die einzige Form des Seins". Sei dem wie es will, auf der bloßen Existenz des Werdens zu bestehen, bedeutet ohne integrale (wesentliche, vollständige) Erfahrung (und Praxis) halt zu machen. Oft in Momenten der Stille und inneren Zurückgezogenheit spüren
wir hinter den flottierenden Bildern des Lebens die Anwesenheit von etwas anderem: " In Augenblicken, da das Licht der innern Lampen leuchtet und zurück da draußen die gehegten Lebensgäste blieben, sitzt unser Geist allein und spricht mit seinen tiefen Gründen. Ein geweitetes Bewußtsein öffnet seine Tore dann; ein Strahl von zeitlos hellem Glanz biegt sich herab, mit unserem durchlichteten ergriffnen Lehm vertraulich sich zu einigen
und hinterläßt auf unser aller Leben seinen ungeheuren weißen Stempel." (4) Solche Momente enthüllen überzeugend genug nichts anderes als "daß dieses Werden, die
Veränderung und Aufeinanderfolge nur einen Modus unseres Seins bedeuten und etwas in uns ist, was mit dem Wechsel des Entstehenden nicht das mindeste zu tun hat." (5) Dies, wozu übergeleitet wird, ist nichts anderes, als was wir bereits als Grund (grundlegend, ursächlich) herausgearbeitet haben, das Reine Sein. Da gibt es die zwei fundamentalen Wirklichkeiten (Tatsachen): ein Reines Sein und die Weltexistenz;
eines von beidem zu leugnen wäre genauso unrealistisch, als würde man nur eines von beidem akzeptieren. Was aber ist dann das wahre Verhältnis zwischen dem Existierenden, Sat, und dem Sein der Welt, der Kraft (Energie), der Shakti? "Weltexistenz ist der ekstatische Tanz des Shiva," sagt Sri Aurobindo, "der den Leib des Gottes für die Sicht des Betrachters unzählige Male multipliziert: Er läßt das weiße (reine) Sein genau da, wo und wie es war, ja, wie es
ist und sein wird; sein bloßer, absoluter (ausschließlicher und vollkommener) Zweck ist das Vergnügen des Tanzens." (6) Chit oder Bewußtsein Vergnügen, Freude, Ananda scheint das Bindeglied zwischen Sat und Energie zu sein, aber wenn die Energie oder Kraft einfach nur Prakriti ist, nichts weiter als Bewegung und Aktion, dann kann es ein solche Verbindung nicht geben. Das fehlende Glied scheint zu sein, daß Prakriti, die Kraft, dem Aspekt von chit-shakti entspricht,
der Bewußtseinsenergie des Höchsten. Eine tiefere Analyse wird wie auch immer nötig sein, um dieses fehlende Bindeglied begründet einzufügen und zu etablieren. Wir haben gesehen, daß die immense Energie, die überall am Werk ist, in ihrer Erscheinungsform als Materie sehr leicht verständlich ist. Wir dürfen uns fragen: Wie ist es überhaupt zu dieser Materialisation der Energie gekommen? Die indischen Physiker der
Vergangenheit bestanden darauf, daß die erste (Initial-) Energie (Kraft, Macht), in ihrem feinsten Stadium als Äther existiert, dessen wesentliche Qualität (Eigenschaft) der Schwingung entspricht, die uns durch das Phänomen des Klanges vertraut ist. Da es notwendigerweise irgend eine Form von Reibung und das Zusammenspiel von Vibrationen geben muß, um eine beliebige Art von Gestaltung möglich zu machen, wird die Energie zu Luft, deren Eigenschaften berührend und Kontakt erzeugend sind. Im
dritten Stadium modifiziert sie sich als Licht, Elektrizität und Feuer, dessen Manifestation die Hitze ist. Aber auch das reicht nicht aus, um die Verfestigung irgendwelcher Formen zu bewirken. Also unterwirft sich die Energie einer vierten Phase der Transformation, dem flüssigen Zustand, in dem eine gewisse Permanenz des Widerspiels von Anziehung und Abstoßung gegeben ist. Der letzte und fünfte Zustand entspricht dem Stadium der Festigkeit, worin die Form Fülle und Stabilität der Existenz
erreicht. Daraus ergibt sich zwar eine zufriedenstellende Erklärung der Formwerdung von Materie aus reiner Energie, aber wo ist da die Nische für Bewußtsein, egal welcher Art? Wie und wann begann diese Bewegung der Energie? An dieser Stelle akzeptiert Sri Aurobindo die Vedanta-Antwort auf diese Fragen: "Energie ist dem Sein innewohnend. Energie kann tätig oder untätig sein, aber sie ist vom Seienden nicht
unterschieden und die zwei sind nicht zu trennen. So ist das Wesen der Energie, die fremd ist für die Ruhe der Ewigkeit. Die Frage, wie diese Urkraft in Erscheinung treten (ihre Position einnehmen konnte), ist leicht zu beantworten. Denn wir können mit Leichtigkeit fassen, daß sich dies potentiell (der Möglichkeit entsprechend) selbst übersetzen muß, entweder als alternativer Rhythmus von Ausruhen und Bewegtsein, die einander in der Zeit folgen, oder anders als ewig versammelte
Selbstkonzentration der Energie in ihrem unwandelbaren Sein, begleitet von einem scheinbaren Spiel der Bewegtheit, des Wechsels und der Gestaltung wie dem Heben und Senken der Wellen an der Oberfläche des Ozeans." (7) Laßt uns nun die Frage des Warum der Energiebewegung aufnehmen. Wenn wir voraussetzen, daß das Existierende selbst unbewußt ist und das sogenannte Bewußtsein nur einer offensichtlichen Entwicklung
der Energie entspricht, wenn sie sich als Bewegung zeigt, dann wird sich die Frage des Warum nicht erheben. Wir haben uns aber mit der Annahme geeinigt, alles Existierende sei voll bewußt und der Energie oder Shakti weder unterworfen, noch davon beherrscht. Gesetzt den Fall, alles Seiende wäre von dieser Macht in die Manifestation gezwungen worden, dann "ist Brahman, von Prakriti erzwungen, nicht Brahman", sagt Sri Aurobindo. Um die Frage des Warum auf angemessene Weise zu verstehen, ist es von essentieller Bedeutung, das Eigenwesen des Bewußtseins tief zu befragen.
Bewußtsein, wie wir es üblicherweise verstehen, ist das Gesamt-Gewahrsein von uns selbst und allem, was uns umgibt, wenn wir uns im wachen Zustand befinden. Nun hat aber die moderne Wissenschaft ausführlich bewiesen, daß wir sogar bewußt sind, ohne wach zu sein, und bewußt in allen Stadien vermeintlicher Bewußtlosigkeit. Ferner stimmen unsere Denker vergangener Zeiten und moderne Psychologen darin überein, daß das
sogenannte Wachbewußtsein nur ein Teil unseres gesamten bewußten Daseins ist. "Dahinter", sagt Sri Aurobindo, "gibt es eine vergleichsweise riesige Domäne des unterschwelligen oder unbewußten Geistes, der dem Löwenanteil von uns selbst entspricht, Höhen und Tiefgründigkeiten enthält, die bis jetzt kein Mensch ermessen oder ausloten konnte." (8) Materialisten glauben, daß, was auch immer die
Ebenen unseres Bewußtseins sein mögen, deren Gesamtheit lediglich einem Phänomen entspricht, das vom physischen Organismus nicht zu trennen ist. Sri Aurobindo beobachtet, und aktuelle Wissenschaft hat es jenseits aller Zweifel nachgewiesen, daß die Organe nur Werkzeuge oder eher Modi des Bewußtseins sind (Verfahrensmethoden entsprechen). Nicht weil wir Augen haben, können wir sehen, sondern weil uns bewußt ist, daß wir sehen können. Eine Glühlampe mag in perfektem Zustand sein, aber wenn
keine Elektrizität vorhanden (kein Strom in der Fassung) ist, funktioniert sie nicht und gibt kein Licht. Nur auf der bewußten Ebene kommt es zum Gebrauch der Organe, im unterschwelligen Stadium dagegen ist das organische Sensorium für den Bereich der Mitteilung nicht notwendig. Phänomene wie Telepathie, Hypnose, Wunderheilung etc. machen deutlich, daß Bewußtsein direkt agieren kann, ohne sich organisierter Werkzeuge (Instrumentarien) zu bedienen. Bewußtsein ist nicht beschränkt auf den Menschen, das mentale Wesen. Auch im Tierzustand ist es tätig, obgleich (nur) auf der vitalen oder Lebensebene. Indische Wissenschaftler haben Bewußtseinsaktivität auch im Bereich der Pflanzen festgestellt: deren Reaktion auf Liebe, Musik und Sonne ist ein wenn auch stiller Ausdruck tiefen Gewahrseins. Im erweiterten Sinne dieser Beweisführung können wir dem Wissen vertrauen, daß es darüber hinaus in der
Materie (an sich) Bewußtsein gibt, wenn auch schläfrig (schlummernd) und untätig. Zeitgenössische Forschung hat großartige Beispiele dafür gefunden, daß sogar Metall eine Art von unbeweglichem und unterdrücktem Bewußtsein hat. Anhand dieser Darstellung des Bewußtseins verstehen wir, daß es sich um eine gewaltige Kraft kosmischer Selbstwahrnehmung handelt, die auf unterschiedlichen Ebenen tätig ist und daß das
Mentale nur dem mittleren Begriff (oder Mittelwert) ihres Ausdrucks entspricht. "Dies ist, einmal mehr, die indische Konzeption von Chit, das als Energie die Welten erschafft." (9) Bewußtsein impliziert immer Intelligenz, Selbstkenntnis und Zweckbestimmung (Absicht, Entschlossenheit, Zielstrebigkeit). Das ist sowohl durch das Wirken der Natur in ihren Insekten- und anderen Tierwelten, als auch im
Leben der Pflanzen offensichtlich. Die Vollkommenheit der Organisation und Durchführung bei den Insekten liegt jenseits menschlichen Fassungsvermögens. Der einzige Einwand gegen das gewaltige Werk der Natur bezieht sich auf deren Verschwendung. Sri Aurobindo sagt, dieser Einwand gründe sich auf begrenzte Anschauungen des Menschen, die zutreffend auf dessen eigenes Ende und kurze Dauer zurückgeführt werden können. Natur plant in zeitlichen Größenordnungen von Millenien, das einzige, was für
sie zählt, ist ihr eigenes Ende und darauf zu bewegt sie sich in ihrem eigenen Rhythmus von Ablehnung und Entgegennahme. Wir sind nicht imstande, ein Urteil über die Natur zu fällen, da wir ihre enormen Vorhaben nicht verstehen. "Denn die Kraft, von der die Welt gestaltet wird, ist eine bewußte Energie, Existierendes, das sich darin manifestiert, ist bewußtes Sein und eine perfekte Emergenz (ein Auftauchen
neuer Qualität) seiner Möglichkeiten im Bereich der Formen ist das einzelne Ding, das wir dank der Vernunft ersinnen können (das wir uns rational vorstellen können), damit es sich in dieser Welt der Formen manifestiert." (10) Ananda oder Seligkeit Warum sollte Brahman, vollkommen und nichts entbehrend, durch die
Kraft seines Bewußtseins diese Welten der Formen schaffen? "Es kann nur aus einem einzigen Grund geschehen, um der Freude willen", antwortet Sri Aurobindo. Das innerste Wesen des Seins ist Bewußtsein und der Begriff an der Wurzel des Entstehens von Bewußtsein heißt Seligkeit, Ananda. Das, was sich selbst in Form des Erscheinenden auswirft, entspricht einem Dreieinigkeits-Aspekt: Dasein, Bewußtseinsenergie und Seligkeit, Satchitananda. Das ewige Werden des Sat durch seine chit-shakti wird erhalten durch die grenzenlose Unermeßlichkeit von Ananda.
Freude an sich selbst ist Anfang, Mitte und Ende allen ewigen Werdens. So, wie hinter allen veränderlichen Dingen das eine Unveränderliche steht, so, wie hinter allen endlichen Resultaten die eine unendliche Energie ihre Wirkung entfaltet, so sind alle Dinge vielfältig wechselnder Selbstausdruck des Einen, das keinem Wechsel unterworfen und allumarmende Freude des in sich vollkommenen Selbst-Seins ist. “In allem, was ist,
wohnt die bewußte Energie, und sie existiert und ist, was sie ist, durch die Wirkung (Qualität) eben dieser eigenen Energie des Bewußtseins; entsprechend ist auch in allem, was ist, die Freude des Daseins, die da ist und das ist, was sie ist, dank ihrer eigenen, der Beschaffenheit ebendieser Freude," (11) versichert Sri Aurobindo. B. Konzept von Involution und Evolution (Einrollung, Potenzierung u. Entwicklung) Bis jetzt haben wir nun gesehen, wie Sri Aurobindo sein Konzept vom Absoluten gewirkt (gewoben) hat, das im Prinzip des Verhältnisses von nahe zu fern, von greifbar
zu ungreifbar tätig ist. Beginnend mit dem Universum, das uns umgibt, führt uns Sri Aurobindo Schritt für Schritt an die göttliche Wirklichkeit des Sat heran; weiter zu Chit und dann zu Ananda, indem er uns davon überzeugt, daß alles Erschaffen und Werden nichts anderes ist, als die Selbstmanifestation des Absoluten. Wovon wir nun Kenntnis haben sollten, ist der Vorgang (Prozeß), durch den sich das Absolute in die Phänomenalität verwandelt hat, denn Satchitananda
"arbeitet nicht mit unumschränkter Unverantwortlichkeit wie ein Zauberer durch das bloße fiat seiner Worte am Aufbau von Welten und Universen. Wir spüren ein (prozessuales) Verfahren, (Schritthaftigkeit, Regel) und was wir wahrnehmen, ist ein Gesetz." (12) Involution Was könnte der Grund dafür sein, daß Satchitananda nicht unmittelbar arbeitet? Sri Aurobindo antwortet, daß "unendliches Bewußtsein in seiner unendlichen Tätigkeit nichts anderes als unendliche Ergebnisse erzeugen kann". Aus den unendlichen Möglichkeiten, die Energie unaufhörlich mit Bewußtsein anzureichern, wurde eine ausgewählt und beibehalten. Aus der Fülle von Wahrheiten muß eine ganz bestimmte Wahrheit herausgelöst, auf unterschiedlichen Ebenen harmonisiert, arrangiert und sodann in Richtung der Manifestation freigesetzt werden. Diese selektive Fakultät des Wissens, "befugt, endliche Erscheinungen aus der unendlichen Wirklichkeit zu formen", entspricht der Gnosis oder dem Supermind (dem höchst vollendeten Geist, dem allumfassend vollkommenen Verständnis/Anm.d.Übers.). Jede potentielle Form des Bewußtseins, die von Satchitananda aufgenommen,
durchdrungen und weitergeführt wird, trägt in sich die essentielle Wirklichkeit (und Wirkungskraft) der Idee, den Super-Mind. Diese Macht, das Wissen und der Wille von Satchitananda organisieren und entlassen (im Sinne von Freisetzen) jede Seele und Form in die vorbestimmte Laufbahn, damit sich das Geschick erfüllt, mit dem der Kern, das Zentrum jedes einzelnen Daseins aufgeladen ist. Devolution
Auf diese Weise taucht (stößt und stürzt) sich die höchste Wirklichkeit durch diesen ersten Akt der fortgesetzten Förderung des Superminds in Trillionen verschiedener Formen, so daß sie sich selbst für identisch mit dem Zahllosen (der Unzählbarkeit) halten könnte. Dieses Schöpfungsgeschehen der Selbstverwirklichung im Sinne harmonischer Vervielfältigung, in dem das Eine zum Vielen wird, ist der Beginn der
Devolution oder mit einem anderen Wort, des Abstiegs. Dies alles wurde zugunsten der Übertragung durch die Wirkungsweise des Superminds ins Spiel gebracht und begonnen. Aus dem Blickwinkel der Manifestation könnten wir sagen, der Supermind sei der erste Schritt der Devolution (des absteigenden Übergangs). Auf dieser Ebene behält das Eine immer noch dasselbe makellose Einssein seiner selbst in dem und durch das
Viele. Auf ähnliche Weise bleibt das Viele in allerhöchstem Grad das Eine. Es besteht absolute Identität von jedem mit allem (dem All, der Allheit), während das All (die Summe des Vielen) bis zu einem Grad der vollkommenen Identität in jedem (seiner Teile) anwesend ist. Die Vielfalt hat Teil an der Wirklichkeit und deshalb gibt es keine Trennung, obwohl sich zugleich mit jedem Einzelaspekt des Vielen ein Merkmal der Unterschiedenheit (des Unterschieds) verbindet: zwar gibt es nun
Individualität, aber weder Teilung, noch Egoismus oder Uneinigkeit. In zeitlichen Begriffen nennen wir das den "ersten" Schritt des Abstiegs, aber eigentlich ist es ein beständiges Anfangen, ein perpetuiertes Beginnen, das an keinem Zeitpunkt festgemacht werden kann. “Denn wann war der Anfang (hat es/alles begonnen)? Mit keinem bestimmten Moment der Zeit, denn jeder Augenblick ist Anfang; Anfang war, ist und wird sein. Göttlicher Beginn ereignet sich für immer vor der Zeit, in der
Zeit und jenseits der Zeit... Und wo ist die Mitte? Es gibt keine Mitte; denn da ist nur die Verbindung von beständigem Ende und ewigem Anfang; das Signum einer Schöpfung, die sich in jedem Augenblick erneuert... Und wo ist das Ende? Es gibt kein Ende. In keinem denkbaren Moment kann es ein Aufhören geben. Denn alles Ende der Dinge ist
der Anfang neuer Dinge, die immer noch dasselbe Eine sind in unaufhörlich sich entwickelnder und wiederkehrender Gestalt. Nichts kann zerstört werden, denn alles ist Er, der für immer ist." (13) Und in einem anderen Zusammenhang wiederholt Sri Aurobindo: "Das Experiment menschlichen Lebens auf der Erde ist nicht neu, weil es hier zum erstenmal zur Aufführung kommt. Es wurde zuvor schon millionenfach
eingeleitet und dirigiert und das epische Schauspiel wird sich weitere Millionen Male wiederholen." (14) Dem nächsten Schritt der Devolution entspricht der Overmind (das Überbewußtsein, der "obwaltende" übergeordnete Geist). Im Rahmen der Vielfältigkeit kommt es zu einer größeren Belastung durch Unterscheidung, Trennung und Absonderung und jeder Zweig der Entwicklung tendiert (im übertragenen Sinne)
dazu, seine eigene Verwirklichung nicht aus dem Blick zu verlieren, das Gewicht der eigenen Wichtigkeit und des eigenen Werts ausgrenzend bis zur Opposition gegenüber anderen Zweigen der Individuation zu strapazieren. Das Eine tritt zurück in den Hintergrund und das Viele tritt hervor. Man könnte sagen, daß dies der Anfang von avidya ist, der Unwissenheit und niedrigeren Maya. Spaltung, Trennung und Gegensatz beginnen ihre Häupter zu erheben und die ausschließliche Selbstbezogenheit
der individuellen Zentren (Zentren der Individuation) nimmt zu. Die fundamentale Einheit des Vielen mit dem Einen ist immer noch da, aber die innewohnende Identität ist verloren. Teilung und Trennung, Selbstbegrenzung und Fragmentierung, deren Samen aus dem Overmind stammen, triumphieren mit dem nächsten Schritt der Devolution beinahe vollständig - dem Geist (im Sinne von Verstand). Hier tritt nun der totale
Egoismus und Solipsismus (Überzeugung, nur das eigene Ich sei wirklich) auf den Plan. Identität und Einssein mit dem Einen werden jetzt zum Idealismus oder Gegenstand poetischer Imagination, entsprechen einer philosophischen Schlußfolgerung oder logischen Annahme. Aufgrund dieser Enge verliert der Verstand die Kapazität des Supermind, globale Visionen und integraler Ausblick übersteigen sein Fassungsvermögen: Er zerstückelt alles und zerlegt es in kleine Teile, versucht jedes Ding gesondert
zu ergründen, indem er allen anderen Dingen die Aufmerksamkeit entzieht. Die Selbstzerteilung (Fragmentierung) des Absoluten in Richtung der Vervielfältigung wird stumpf, limitiert und starr durch diese Minderung, die im Gegensatz zu seinem eigenen wahren Wesen der Transparenz und Subtilität steht. Selbstverständlich existieren zwischen dem übergeordneten Geist (Overmind) und dem Verstand mehrere verschiedene andere Schichten oder Lagen des Bewußtseins, deren drei Hauptebenen Sri Aurobindo kennzeichnet: Dem Overmind am nächsten ist der intuitive Geist (Geist der Intuition). Es handelt sich um eine "Art von Wahrheitssicht, Wahrheitshören, Wahrheitsgedächtnis, unmittelbarer Wahrheitserkenntnis (durch Wahrheit geprägte Urteilskraft)." (15) Deshalb ist sie eine Bewußtseinsmacht, die mit dem ursprünglichen
Wissen durch Identität vertrauter ist. Das nächste Stadium ist das des illuminierten Geistes, der teilhat am spirituellen Licht. (Illumination scheint dem Begriff der Erleuchtung nicht ganz zu entsprechen/Anm.d.Übers.). Dem Overmind näher als dem Mind (im Sinne des Verstandes), arbeitet er nicht mit Hilfe des Denkens, sondern auf der Basis der Vision (visionärer Fähigkeiten). "Er kann eine Integration von
gesteigerter Kraft und Dynamik bewirken; er erhellt den Geist der Denkfähigkeit durch unmittelbare innere Visionen und Inspiration, begabt das Herz mit spiritueller Sicht, läßt Gefühle und Emotionen im Licht der Spiritualität erscheinen, verleiht der Lebenskraft einen Drang zum Geistigen, eine Wahrheitsinspiration, die alles Tun dynamisiert und die Bewegungen des Lebens mit Begeisterung durchdringt." (16) Dem
Verstand am nächsten ist der höhere Verstand. Seinem speziellen Charakter entspricht, daß "seine Aktivität vom Denken beherrscht wird; es handelt sich um ein lichtvolles Verstandesdenken, ein aus dem Geist geborenes begriffliches Wissen." (17) Im allgemeinen "sind die höheren unter diesen vermittelnden Ebenen zwischen dem Overmind und dem Mind unmittelbarer, intensiver, Synthese begünstigender und
dynamischer als die niedrigeren, in deren Bereichen das Bewußtsein langsamer, trüber, unbestimmter und aufgelöster ist. Je tiefer das Bewußtsein absteigt, desto verschleierter wird es, verliert mehr und mehr an Direktheit, Gewißheit, Intensität und Kraft, entfernt sich immer weiter von der zusammenfassenden Einheit, die in den höchsten Ordnungen unseres Bewußtseins und Daseins heimisch ist." (18) Nach dem
Herabsinken in den Mind (den verstandesmäßig gelenkten Zustand) steigt das ursprüngliche Bewußtsein abwärts ins Leben, wo eine größere Verdichtung von Unklarheit, Dunkelheit und Enge herrscht. Die Verstandeskontrolle kommt abhanden, die Wünsche, der Hunger und das Töten dringen ein (beginnen sich zu behaupten). Auch hier wieder könnten wir einige Sub-Level des Abstiegs unterscheiden, die durch ihre "Einwirkung
auf unser vitales Sein" offenkundig werden. Wie in jeder Angelegenheit der absteigenden Phase tendiert das niedrigere Entstehen oder Werden zu immer größerer Geschwollenheit und Selbstsucht. Die erste Ebene ist die, wo das Vitale (die Lebensenergie) und das Herz einander treffen - das Herzzentrum. Das ist der zentrale Bereich des Gefühls, höherer und feinerer Emotionen wie z.B. der Liebe, der Sitz der Seele, die Psyche. Das zweite Zentrum ist der zentrale Raum der höheren Vitalität, der
Hafen aller dynamischen Wesenszüge des Menschen – wo Ehrgeiz, Abenteuerlust, Unternehmungsgeist, unstillbarer Hunger und intensiv ego-bedingter Hochmut vor Anker liegen. Das dritte Zentrum ist das des niedrigeren Vitalprinzips, es besteht zum größten Teil aus Befriedigung des Körpers (der körperlichen Bedürfnisse), kleinen Sehnsüchten und Zänkereien. Der nächste Schritt der Verfinsterung (absteigender Trübung)
geschieht in Richtung vollständigen Vergessens (der eigenen ursprünglichen Natur). Es handelt sich um die letzte, unterste Stufe der Devolution, den Sturz, das Ein- und Wegtauchen des Lichts in seinen eigenen Schatten. Das ist der Fall, wenn das Bewußtsein sich selbst fast ganz ausgelöscht (weggewischt) hat, vollständig dunkel, schwer und hart wird. Ein Stadium, in dem das Bewußtsein sich selbst komplett abhanden gekommen ist. "Die Entstehung der Materie ist mit einer verschleierten, verstrickten und somnambulen Art des Bewußtseins verbunden, die alle latenten Kräfte des Geistes enthält. In jedem Teilchen, Atom und Molekül, in jeder Zelle der Materie lebt da verborgen und wirkt auf unbekannte Weise die Fülle des Allwissens der Ewigkeit, verbunden mit der gesamten Allmacht des Unendlichen." (19) Involution Es gibt auf diese Weise zwei Arten der Involution, eine auf dem Gipfel, in Satchitananda, worin alles potentiell enthalten ist und alle Dinge s i n d. Die zweite Involution findet am unteren Ende statt, auf dem Grund, im Bereich der Materie, woran ebenfalls alles beteiligt ist: "Im Anfang", heißt es in den Veden, "war
die Finsternis verdeckt durch Finsternis und alles glich einem einzigen Ozean der Nichtbewußtheit. Das universelle Sein war durch Bruchstückhaftigkeit (Fragmentierung, Zerteilung, Zersplitterung) verborgen" (x.129:1-5). Sri Aurobindo formuliert es so: "Materie ist ursprüngliches Sein, Brahman, konkretisiert durch Verteilung auf Atome. Materie ist ursprünglich substanzielle Kraft, brahman-shakti,
die als trübe Involution (Einrollung, Potenzierung) der Macht (Kräfte) des Geistes im Sinne selbstvergessenen Entstehens aktiviert wurde." (20) Dies ist dann die positive Seite der Negativität im Gefolge des Abstiegs - Brahman, sich verfestigend durch den Zerfall in Atome. Aus der Formlosigkeit von Satchitananda wurde Form, Gestaltlosigkeit ist in einen Körper eingegangen, das Höchste
Unbestimmbare wurde zum Determinierten, das Unendliche wurde zur Beute des Endlichen und Ewigkeit im Augenblick gefangen. Devolution dieser Art entspricht einem Muß für jede Evolution, denn "sonst gäbe es keine Evolution, sondern die aufeinanderfolgende Kreation beliebig neuer Dinge, von denen keines in den jeweils vorangehenden enthalten wäre, nicht deren unvermeidliche Konsequenz oder Entstehungsprozesse im Rahmen der Reihenfolge, sondern willkürlich oder mirakulös durch unerklärlichen
Zufall, eine taumelnde, vom Glück begünstigte (Zeugungs-) Gewalt oder einen externen Schöpfer (Demiurgen) Geschaffenes." (21) Evolution "Evolution ist ein umgekehrtes Agieren der Involution: Was im Rahmen der Involution einer ultimativen und letzten Ableitung entspricht, tritt in der Evolution zuerst in Erscheinung;
was der Involution als Ursprung und Erstes voranging, vollendet durch sein Erscheinen die letzte und höchste Stufe der Evolution." (22) Wenn dies das Grundgesetz ist, dem die Evolution folgen muß, nach welchem Verfahren vollzieht sich dann ihr Aufstieg? Erstens, “als stets zunehmend verfeinerte und schwieriger organisierte Entwicklung materieller Formen, die imstande sind, Wirkung und Tätigkeit einer wachsend
komplexen und immer subtileren als Fähigkeit organisierten Bewußtseins aufzunehmen", wovon die unverzichtbaren physischen Grundlagen gestaltet werden. Zweitens, “als aufwärts gerichteter Entwicklungsfortschritt des Bewußtseins selbst von Stufe zu nächst höherer Stufe, ein Aufsteigen, dessen offenkundig spiralförmigen Verlauf oder in Erscheinung tretende Kurvenbahn die Evolution den Grundlagen entsprechend beschreiben muß”. Drittens, “als ein Emporheben von allem, was sich bereits
entfaltet hat, in den Grad, der jeweils nach oben hin auf die Stufe des bereits Erreichten folgt und im Sinne von mehr oder weniger vollständiger Transformation zugunsten völlig verwandelten Wirkens alles Seienden und der Natur, der Integration. Auch sie muß Teil (und Ergebnis) des gesamten Verfahrens sein, wenn die Evolution effektiv (erfolgreich, wirksam) sein soll.” (23) Komplexität der Formen, Aufstieg
(Höherentwicklung) und Integration sind die drei Prinzipien der Evolution. Wir werden nun untersuchen, wie die Evolution zustande gekommen ist und inwiefern die genannten Prinzipien und das Gesetz darauf zutreffen oder anzuwenden sind. Nachdem die Bewußtheit den von ihr entferntesten Punkt, die vollständige Unbewußtheit, erreicht hatte, "schwang sie durch dieselbe Kraft, von der dieser Abwärts-Drive bewirkt
wurde, um sich selbst in die Gegenrichtung herum und begann wieder aufzusteigen.....wie es dem hohen Druck ihres innewohnenden Impulses entspricht. (24) Und das erste, was dieser gegenläufigen Bewegung der Involution entspringt, ist Materie. Das ist bereits ein Schritt nach oben, denn Materie ist nur unbewußt und nicht ohne Bewußtsein. Wie wir gesehen haben, ist Materie die totale Zersplitterung der Bewußtheit in Atome. Durch stützende Identifikation mit diesem Zustand hat das Bewußtsein sich
selbst vergessen, sich selbst verloren. Das ist das Stadium der Vervielfältigung, der Komplexität der Formen (und Gestaltung). Während des nächsten Schritts, dem Versuch, aufzusteigen (sich zu erheben), hat das im Stofflichen wirkende Bewußtsein die Materie aufgerührt oder verwirbelt, eine gewisse Spannung und Sättigung in ihr geschaffen. “Dieser Spannungszustand facht ein Feuer an, das im Herzen der Materie wohnt,
eine mächtig rotierende Spindel der Verbrennung im Kern der Dinge, deren Bild und Symbol die lodernde Sonne ist." (25) Das unaufhörliche Wirbeln und Umrühren, die konstanten Erschütterungen und Explosionen weisen auf eine gewaltige Umwälzung und das Gebären von etwas hin, das bereits in der Materie enthalten ist: Leben. Die Geburt des Lebensprinzips ist der erste Keim des Bewußtseins im Stofflichen. Das
Bewußtsein, das sich im Zustand des Schlafs und der Benommenheit befand, hat zum erstenmal die schweren und schläfrigen Augenlider geöffnet. So war es beschaffen, als das Leben in die Welt kam. Die erste Manifestation des neuen Prinzips ist die pflanzliche Welt der Vegetation. Mit diesem Geborenwerden kommt ein neues Element ins Spiel, neu in dem Sinne, daß es sich um nichts Stoffliches handelt, aber etwas in der Materie Verborgenes, "das starke Aufwallen oder Hochschlagen einer Art von
Seelenflamme, der ersten offenkundigen Schwingung des Geistes." Diesem Faktor im Spiel ist es zu verdanken, daß sich das untergetauchte Bewußtsein bemüht, stetig mehr aufzutauchen und sich dabei auf agilere und freiere Weise als in der statischen Pflanzenwelt ausdrückt: durch die Welt der Tiere. In diesem Stadium ist das Bewußtsein wacher als in der Pflanze, kann sich durch ein Spiel der Gefühle und Sensationen ungebundener darstellen, bedient sich der Beweglichkeit und einer
rudimentären Form der Mentalität, die dem Selbstgestaltungsbild vitalisierter Materie entsprechen. Als das Leben auf diese Weise eine gewisse Komplexität und Reife erlangt, eine gewisse Spannung und Orientierung erreicht hatte, barst die halb verschleierte Bewußtheit als Geist aus sich heraus und der Mensch erschien auf dem evolutionären Schauplatz der Erde. Auf dieser Ebene wurde das Bewußtsein seiner selbst
gewahr, wenn auch noch nicht vollkommen seiner selbst bewußt, was, wie Sri Aurobindo prophezeit, mit dem Advent des nächsten Stadiums der Evolution kommen wird, ein Zustand, der sich mit einer bestimmten Anhebung des mentalen Bewußtseins einstellt, "eine gewisse Weitung, Vertiefung und Katharsis geistig-seelischer Bewußtheit und dann durch den Abstieg, graduell oder plötzlich, der nächst höheren Stufe oder der Ebenen, die darüber liegen. (26) Prozeß der Evolution Wir haben bereits den primären Abstieg diskutiert, die Devolution, was aber mag dann dieser Abstieg sein, von dem hier gesprochen wird: "...durch den Abstieg, graduell oder plötzlich, der nächst höheren Stufe oder der Ebenen, die darüber liegen..." ? Wie Sri Aurobindo erklärt, gibt es innerhalb der Evolution zwei
Verfahren, die simultan operieren: "...eine aufwärts tendierende Kraft von unten, eine aufwärts zeigende (weisende, ziehende, zeichnende) und abwärts pressende Kraft von oben." (27) Die nach oben gerichtete Energie von unten oder Bewegung des Aufstiegs hat selbst zwei Linien eines einfachen Prozesses aufzuweisen: Sublimation und Integration. Sublimation bedeutet gemäß der worteigenen Konnotation Reinigung, eine Verfeinerung, ein Hochwachsen und Aufgehen all dessen, was am Bewußtsein
unrein, schwer und abgründig ist im Bereich der höheren Ebenen. Die schwere dichte Materie hat sich zum Leben verfeinert, das verunreinigte Leben sich durch Purifikation in Geist verwandelt und nun transformiert sich der halbbewußte Geist in etwas, was höher ist als er selbst. Im Rahmen des naturbedingten Prozesses muß sich der Geist zwangsläufig und unbestreitbar transzendieren und daß es so sein wird, liegt in der essentiellen Logik des evolutionären Kurses der Natur beschlossen.
Sublimation allein würde die Eliminierung oder Absorption all dessen bedeuten, was niedriger (weiter unten angesiedelt) ist. Sie wird aber von einer parallelen Linie der Entwicklung begleitet: der Integration. Durch diesen Vorgang umarmt das Höhere das Niedere und das Niedere existiert weiter, wenn auch verwandelt entsprechend seiner Aufnahmefähigkeit für das höhere Prinzip. Folglich, wo Leben auftaucht, ist die Materie nicht
davon zu trennen. Andererseits beginnt in diesem Zusammenhang ein neues Drängen in der bloßen Stofflichkeit zu vibrieren. Die unbeständigen Atome werden durch die geheimen Schwingungen des Lebens lebendig und die einst mechanisch-chemischen Reaktionen in der Materie werden organisch, beben im Rhythmus der Zielbestimmung. Ähnlich wurde die Materie transformiert, als sich der Geist aus dem Leben erhob - sie ist lebendiger, reaktionsfreudiger und beinahe kommunikativ geworden. Vielleicht wird
die Materie an Dichte verlieren und einen intensiveren Schwingungsgrad erreichen, wenn das nächst höhere, dem Verstandesgeist übergeordnete Prinzip hervortritt. Ebenso war das Leben in seinem rudimentären Stadium für die Ebene der Pflanzen sensitiv und organisierter im Tier, von dem eine Wunschseele umgeben war. Aber als der Geist ins Leben kam, durchdrang er es mit gesteigerter Purifikation, mit zunehmender, auf
Idealismus, Ambition und das Abenteuer des Bewußtseins gerichteter Intelligenz. Ähnlich wird der Verstand ignorant, der gegenwärtig in seinem Verhalten den Dingen gegenüber auf Trennung abzielt, begrenzt und kurzsichtig ist, daran arbeiten müssen, das neue Prinzip zutage zu fördern, das sich in ihm verbirgt, eine übergeordnete Geisteshaltung, den Supermind. Mit seinem Kommen wird der Verstand, wie andere Prinzipien
auch, einer Transformation unterworfen werden. Er wird sich lichten, sein Verstehenkönnen und seine Verständnisbereitschaft werden sich weiten, er wird von seiner engen Begrenzung zum Großteil befreit werden. Dieses Hochsteigen oder der Druck und Auftrieb der unteren Bereiche genügen für sich selbst genommen nicht, um das Herabsinken der höheren Ebene oder des übergeordneten Status zu bewirken. Die höhere Ebene
selbst muß einwilligen, nach unten zu steigen und dies wäre dann, wenn wir es so nennen wollen, der zweite Abstieg. Als sich Abstieg und Auflösung zum erstenmal ereigneten, blieben alle anderen Schichten mit Ausnahme der stofflichen Ebene, wie zum Beispiel Leben, Geist (Mind) und Überbewußtsein (Supermind) in ihren je eigenen Regionen zurück, um die Zeit für den richtigen Augenblick ihres Nach-Unten-Sinkens abzuwarten. Als Zerteilung und Komplexität von der Materie Besitz ergriffen, gab es in
ihr ein tiefes Verlangen und Sehnsucht nach dem Herabkommen des höheren Prinzips - des Lebens. Dieses Streben entspricht einer Art von Aufschwung, einer Kontaktaufnahme des Niedrigeren mit dem Oberen. Hat das Höhere einmal mit der Bewegung nach unten begonnen, wird zugleich seine Integration mit dem Unteren etabliert. Auf diese Weise, nachdem die Materie durch Multiplikation ihrer selbst sich in Trillionen Formen verwandelt hatte, ergab sich eine Art von Spannung erzeugendem Aufgewühltsein
und aus diesem spannungsgeladenen Zustand trat das Leben der übergeordneten Zonen herabkommend hervor, um die Materie in seine Umarmung aufzunehmen und darin einzuhüllen. Das auf- und umrührende Buttern mitsamt der dadurch erzeugten Spannung entsprechen nur einer präzedenten (Früh-) Phase, sind vorbereitend, aber nicht Leben erschaffend. Denn, wie sehr die Elemente auch gerührt, durcheinandergewirbelt und vermischt werden mögen, nichts und niemand wäre imstande, ohne das von oben sich
herabsenkende und sich ins Stoffliche pflanzende Lebensprinzip Lebendes zu erschaffen. Voraussetzung ist vielmehr ein Zusammenfallen (eine Vermählung) des Lebensprinzips, das in die Materie eingebettet ist mit dem Lebensprinzip höherer Art, damit sich das Leben aus dem (und in das) Stoffliche gebären kann. Der Mutterleib, die grundsätzliche Lebensvoraussetzung der Materie, muß den Lebenssamen der höheren Regionen empfangen, damit sich die neue Geburt ereignen kann. "Die Erscheinung oder
Manifestation eines neuen Plans (im Sinne von: Stadium) mag bis ins letzte mit Gewißheit vorbereitet sein - ist aber - dem Grad inneren Drängens angemessen, vorerst latenter Modus des Bewußtseins, das werden muß und wirkend in Erscheinung treten soll; immer noch sind Aktualisierung und voranberstende Weiterführung nur möglich, wenn es sich selbst als Herabsteigendes manifestiert, wirkliche Form und eigentliches Muster können durch nichts anderes geprägt werden." (28) Durch ein ähnliches Verfahren der Herabführung zeigt sich der Geist, wenn das Leben hinreichend organisiert und reif ist, um zu einem Transportmittel psychischer Elemente des Bewußtseins zu werden und wird in ihm geboren. Durch keine Größenordnung der Permutation oder Kombination von Lebenselementen wäre das zu erreichen. Auf die gleiche Weise wird der
Verstand durch geheime evolutionäre Spannungen, Aufruhr und Desintegration darauf vorbereitet, das seinem eigenen Prinzip nächst übergeordnete herabzurufen. Der Mensch ist, obwohl auf Erden als Typus wahrlich eingebürgert, wie Sri Aurobindo sagt, "eine Abnormität, die ihre eigene Normalität nicht gefunden hat, obwohl es ihm so scheinen mag, für seinesgleichen mag er normal erscheinen, aber diese Normalität ist nur eine Art provisorischer Ordnung; deshalb ist der Mensch, obwohl den
Pflanzen oder Tieren unendlich überlegen, in seiner eigenen Natur bei weitem nicht so vollkommen wie die Pflanze oder das Tier." (29) Als dieser Unvollkommene ist der Mensch nur ein transitorisches (Übergangs-) Wesen und muß sich immer noch der Aufgabe unterziehen, "aus sich selbst heraus das voll bewußte Geschöpf zu entwickeln, göttliches Menschsein oder ein spirituelles und supramentales Übermenschentum, welches das nächste Ergebnis der Evolution sein wird. Dieser Übergang wird
die Passage von der Entwicklung im Zustand der Ignoranz zu einer höheren Entwicklungsphase des Wissens markieren, die dem Licht des Überbewußtseins vorhergeht und sich daraus gründet, nicht länger dem Stadium der Dunkelheit, Unwissenheit und Unbewußtheit verhaftet sein wird," (30) stellt Sri Aurobindo fest. "Schöpfung, die Tätigkeit des Universums, ist folglich kein sinnloses Spiel, keine zwecklose Laune.
Sie hat eine Absicht, ein Ende, ein Ziel, wird sich erfüllen und folgt naturgemäß einem unmißverständlich klaren Verfahrensmuster. Ihr Zweck gilt der Verwirklichung und Materialisation des Geistes wie der spirituellen Werte. Sie bedeutet die Verankerung göttlicher Namen und Gestalten in terrestrischen Individuen, die ein Leben führen, das dem Göttlichen geweiht ist; individuell und kollektiv hier unten auf Erden." (31) C : Das Geschick des Einzelnen Äußere Evolution Wie wir vernommen
haben, sieht Sri Aurobindo in dem irdischen Dasein eine Bewußtseinsevolution im Bereich der Materie, verbunden mit wachsender Vollkommenheit der Form, bis diese imstande ist, den Geist zu offenbaren. In einem solchen Naturprozeß des Herausarbeitens gibt es zweierlei Vorgehen: die physische und die Entwicklung der Seele. Grundlage der physischen Evolution ist die Geburt, während sich die seelische Entwicklung auf den Modus der Wiedergeburt gründet. Für ersteres wird Evolution durch Vererbung
aufrechterhalten; für letzteres garantiert die maschinelle Energie der Wiedergeburt das Wachstum der Seele in Richtung des nächst höheren Stadiums. Beides ist gegenseitig voneinander abhängig. Gäbe es nur das erste Verfahren, also z.B. die physische Evolution, dann wäre mit Rücksicht auf die kurze und begrenzte Lebensspanne des Individuums nur das Gewichtigere von Bedeutung, nämlich die Rasse oder die Kollektivseele. Und deren Wachstum würde im Sinne kompletten Mangels jeglicher
Höherentwicklung des Bewußtseins auf einer mehr oder weniger horizontalen Ebene verlaufen. Folglich muß Wiedergeburt durch ihre Assoziation mit dem Seelenwachstum als wesentlich gelten. Wenn es andererseits allein die zweite Tendenz, nämlich seelische Evolution gegeben hätte, wäre zwar ein Fortschritt des Bewußtseins im Einzelnen zustande gekommen, aber ohne jede Möglichkeit der Stabilisierung durch Weitergabe an die nächste Generation, um dadurch schließlich die Materie an sich für den Geist
empfänglich zu machen. Die wissenschaftliche Theorie der Evolution postuliert nur eine Gestalt oder Form und physische Entwicklung des Lebens, die sich selbst ohne Ausnahme auf sichtbare und äußere Phänomene gründet. In Beziehung zum w i e des Lebens ist für sie selbst nur folgendes wichtig: wie sich eine Form aus der vorhergehenden niedriger entwickelten Form entfaltet hat, wie sich darin das Gesetz der Selektion,
des Überlebens der Tüchtigsten und die Aneignung der Überlebens-Charakteristika bemerkbar macht. Diese Betrachtungsweise ist aber mit einer totalen Vernachlässigung der seelischen Evolution verbunden und klebt ausschließlich an der leiblich-stofflichen Entwicklung. Es ist wahr, daß der evolutionäre Prozeß bis zum Erscheinen des Menschen auf der irdischen Szene ein eher unbewußter Naturvorgang gewesen sein muß. Jetzt
aber ist der Mensch ein seiner selbst bewußtes Wesen, mit eigenem Willen und dem Streben begabt, sich selber zu übertreffen, auf Selbstüberschreitung hin angelegt. Die Gesamtheit seiner Geschichte der Kunst, Philosophie und kulturellen Aktivitäten bezeugt dieses Faktum. Also gibt es nun einen Austausch unbewußter mit willentlich bewußter Evolution. Innere Evolution Wieder, bis hoch zu der Ebene, auf welcher der Mensch in der Natur auftaucht, haben physische Organisation und Perfektion der Gestaltung den Vorrang gegenüber dem Wachstum des Bewußtseins. Eigentlich, wie wir bereits erkannt haben, ist die Selbstentwicklung des Bewußtseins Absicht und Ziel der Evolution. Aber aufgrund des überwiegenden und dichten Nichtbewußten mußte das Bewußtsein zurückweichen, bis die Form elastischer, agiler und
zugänglicher wurde. Jetzt ist mit der Geburt des Menschen für die rechte Balance gesorgt und "es ist nicht länger die Wandlung des Körpers, die dem Wandel des Bewußtseins vorausgehen muß; das Bewußtsein selbst wird durch seinen Wandel welche Mutation auch immer als erforderlich in Gang setzen, die für den Leib benötigt wird." (32) Wahr ist, daß es bis jetzt keinen besonders großen Fortschritt für die Seele
oder das Wachstum des Bewußtseins gegeben hat, der imstande wäre, die notwendige Mutation für den Wandel und die Transformation des Körpers zu erzwingen. Aber im Menschen, dessen psychisches Wachstum sich wesentlich schneller ereignet hat als das der animalischen Stadien, ist jede Möglichkeit dafür angelegt, daß das Wesen der Seele in naher Zukunft zum Meister des humanen Leib-Leben-Geist-Komplexes wird. Eine der Hauptursachen für das langsame Tempo der seelischen Entwicklung war die Tendenz
des Menschen, "sich ins Extrem spiritueller Verneinung und Selbstauslöschung zu verdrehen", die Abwendung des seelisch-geistigen (mentalen) Individuums von der Rolle unreiner (schmutziger) Vitalität und seine Vernachlässigung des Körpers. Zugleich und zum Glück für den Menschen gab es eine darunter liegende, unterschwellige "Sehnsucht nach spiritueller Meisterung und Verwandlung der Natur, nach
geistiger Vollkommenheit des Daseins, einem vom Göttlichen durchdrungenen Geist, Herz und eigentlichem Leib: ja es gab sogar den Traum oder die psychische Entbehrung einer Erfüllung, die jede persönliche Umformung übertreffen sollte, den Wunsch nach einer neuen Erde und einem neuen Himmel, der Regentschaft vollendeter Spiritualität, einem Königreich Gottes nicht nur in uns, sondern im Sinne auch des äußeren kollektiv menschlichen Lebens." (33) Wie mager der Erfolg bei der Suche nach der Erfüllung dieser Sehnsucht auch immer gewesen sein mag, das Aufkommen der neuen spirituellen Wesensart ist sogar unmißverständlich im Hinblick auf jene unmißverständlichen Fingerzeige der Natur, die sie in jedem Stadium ansteigender Evolution gegeben hat. In der Materie gab es aufsehenerregende Zeichen, die ein Hinweis auf kommendes Leben waren. Ähnlich fanden sich im Lebensbereich Andeutungen der
Geistform bewußten Verstandes. Vollständige Evolution Welches sind die Indikationen des nächsten Stadiums der Evolution des Menschen? Vier Hauptsträngen der Entwicklung ist die Natur in ihrem Bemühen gefolgt, das innere Wesen des Menschen für eine höhere als seine eigene Wahrheit zu öffnen: Religion, Okkultismus, spirituellem
Denken und geistiger Praxis. Die ersten drei sind Annäherungen, der letzte ist die entscheidende Straße zum Tor des Eintritts, sagt Sri Aurobindo. Diese vier Linien der Entwicklung verliefen alle mehr oder weniger simultan, zu gewissen Zeiten wurde eine von ihnen gegen eine der anderen tätig. Wie auch immer, der Schatz spiritueller Erfahrung, den der Mensch in sich angelegt hat, ist ein vollkommener Nachweis der von
innen heraus treibenden Energie des ihm innewohnenden Geistes in Richtung der Verwirklichung des nächsten Schritts seiner Manifestation, seines Erscheinens. "Wenn spirituelle Entfaltung auf Erden die verborgene Wahrheit unserer Geburt im Stofflichen ist", bemerkt Sri Aurobindo, "handelt es sich grundsätzlich um eine Evolution des Bewußtseins, das sich in der Natur niedergelassen hat, also kann der Mensch wie er ist, nicht dem letzten Wort dieser Entwicklung entsprechen; als
Ausdruck des Geistes ist er zu unvollkommen, der Verstand selbst eine zu sehr begrenzte Form und Instrumentierung; Verstand gleicht nur einem mittleren Begriffswert des Bewußtseins, das mentale Wesen kann nur ein Übergangswesen sein. Wenn dem so ist, dann ist der Mensch nicht imstande, seine Mentalität zu überschreiten, sondern muß überwunden werden, Übermensch und Überbewußtsein (Supermind und Superman) müssen sich manifestieren und die Leitung des Schöpfungsgeschehens übernehmen. Wenn aber
der Verstandesgeist fähig sein sollte, sich dem zu öffnen, was ihn übersteigt, dann gibt es keinen Grund, warum der Mensch nicht selbst das Überbewußtsein und Übermenschentum erreichen oder schließlich seine eigene Geistesverfassung, sein Leben und seinen Leib der Evolution jenes überlegenen Geistesbegriffs zur Verfügung stellen sollte, der sich in der Natur verwirklicht." (34) Supermind (Überbewußtsein,
übergeordneter Aspekt höherer Geistesbeschaffenheit) meint nicht den Zenit der Vollendung menschlicher Größe, Intelligenz und Courage, des Wissens, der Hingabe oder Genialität. All dies zusammengenommen ergibt noch immer nicht den Übermenschen, wie auch der intelligenteste, mächtigste und stärkste Affe noch lange kein Mensch ist. Überbewußtsein entspricht einer gewaltig größeren Bewußtheit als der des Menschen, etwas jenseits des mentalen Menschengeistes innerhalb seiner Grenzen. Das
Auftreten des Menschen im Reich der erdgebundenen Natur war das erste Zeichen kommenden göttlichen Lichts, ein fernes Versprechen nahender Gottheit. Das Erscheinen des Übermenschen wird die Erfüllung dieses Versprechens sein, da der Übermensch die leibliche Gestaltung des strahlenden Glanzes göttlicher Macht, Freude und gottähnlichen Wissens sein wird, wovon der Mensch in seinen höchsten Inspirationen und tiefsten Sehnsüchten nur einen flüchtigen Blick erhascht. Deswegen liegt die Größe des
Menschen nicht in dem, wofür er gekommen ist oder was er zu Stande gebracht hat, sondern in dem, was er noch werden, verwirklichen oder möglich machen kann. Unterscheidend von den anderen Geschöpfen der Evolution, die ihm vorausgegangen sind, ist dem Menschen das Privileg verliehen und Gelegenheit gegeben, als Handwerker und Mitarbeiter an der prophezeiten Veränderung und dem vorausgesagten Plan teilzuhaben, der die Herabkunft der höheren Schöpfung erwirken soll. Wenn der Mensch wünscht und
danach trachtet, daß sich der Übermensch in seinen Körper herabsenken möge, anstatt von einer anderen Spezies abgelehnt und übertroffen zu werden, die sich selbst darauf vorbereiten würde, den höheren Menschen willkommen zu heißen, dann sind seine bewußte Einwilligung, sein geweihter Wille und seine Mitwirkung, worauf es notwendig ankommt. Seine Sehnsucht ist der Ruf der Erde nach dem supramentalen Schöpfer. "Wenn
die Erde ruft und das Höchste antwortet, kann sogar in diesem Augenblick die Stunde der gewaltigen und glanzvollen Wandlung beginnen." (35) Reference Notes 1. Sri Aurobindo, The Life Divine, (New York: India Library Society, 1965), p.69. 2. Ibid., p.70. 3. Ibid., p.71. 4. Sri Aurobindo, Savitri (Pondicherry: Sri Aurobindo Ashram,1965), pp.47- 48.
5. Sri Aurobindo, op. cit., p.74. 6. Ibid. 7. Ibid., p.79. 8. Ibid., p.80. 9. Ibid., p.83. 10. Ibid., p.85. 11. Ibid., p.87. 12. Ibid., p.107. 13. Sri Aurobindo, Vol. 17, pp.148-49.
14. Ibid., p.149. 15. Sri Aurobindo, Vol. 20, p.458. 16. Sri Aurobindo, The Life Divine (New York: India Library Society, 1965), p.840. 17. Ibid., p.835.
18. Nolini Kanta Gupta, Collected Works, Vol.3 (Pondicherry: Sri Aurobindo International Centre of Education, 1971), p.36. 19. Quoted by Satprem: Sri Aurobindo or the Adventure of Consciousness, (Pondicherry: Sri Aurobindo Ashram, 1968)p.313. 20. Sri Aurobindo, Vol. 17, p. 15 21. Ibid., p.18, 22. Sri Aurobindo, The Life Divine (New York: India Library Society, 1965), p.769-60. 23. Ibid., pp.626-27.
24. Nolini Kanta Gupta, op. cit., p.38. 25. Ibid. 26. Ibid., p.42. 27. Sri Aurobindo, The Life Divine (New York: India Library Society, 1965), p.704.
28. Nolini Kanta Gupta, op. cit., p.42. 29. Satprem, op. cit., p.315. 30. Sri Aurobindo, The Life Divine (New York: India Library Society, 1965), p.735. 31. Nolini Kanta Gupta, op. cit., p.43. 32. Sri Aurobindo, The Life Divine (New York: India Library Society, 1965), p.751. 33. Ibid., p.753. 34. Ibid., p.754.
35. Sri Aurobindo, Vol. 17 p. 9.
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