Einführung Sri Aurobindo ist Seher und Prophet göttlichen Lebens auf der Erde - für eine vom Geist beseelte Menschheit und eine transformierte Erde. Sri Aurobindo hat uns als Seher eine neue Vision des Menschen und der Menschheit gegeben, weder lässt er als spekulativer Denker das Bild
von der Realität in intellektuellen Begriffen wiedererstehen, noch beschäftigt er sich ausschließlich mit der sofortigen Realisierung einer übersinnlichen Realität als Mystiker, der die Tiefen seiner eigenen Erfahrung nicht auswerten kann. Sri Aurobindo ist ein intellektueller Gigant, er präsentiert der Welt eine neue Vision der vielschichtigen Regungen und Möglichkeiten des sich entwickelnden Realitätsbewusstseins in intellektuellen Kategorien, und er ist ein scharfer Kritiker
einseitiger Tendenzen in der menschlichen Kultur. Er ist ein Seher, ein Dichter, und besteht auf der dynamischen Vision von der Wahrheit des Lebens sowie einer grĂĽndlichen und integralen Transformation des Menschen. Drei Schritte der Natur Ăśbersetzen wir seine
umfassenden spirituellen Gipfelerfahrungen in intellektuelle Begriffe, so sagt Sri Aurobindo, dass dieses Universum Selbstverhüllung und Selbstenthüllung göttlichen Bewusstseins ist, was er als Involution beziehungsweise Evolution bezeichnet. Involution ist das Eintauchen des Göttlichen in das Unbewusste, eine Bewegung der Verdichtung des Geistes zur Materie. Evolution ist der Prozess der Rückkehr zum Superbewussten durch Sublimation und Integration. Im Verlauf der Evolution erwacht das in der unbewussten Materie schlummernde göttliche Bewusstsein zu sich selbst und entwickelt sich über das semibewusste Leben in Tieren und Pflanzen schließlich zum Selbst-Bewusstsein im Menschen. Der Zustand, in dem das göttliche Bewusstsein ganz gegenwärtig ist, seiner selbst integral bewusst, muss erst noch erreicht werden, und dieser Schritt ist der nächste, über den Menschen hinausgehende
evolutionäre Schritt – zur Stufe des Superman. Derselbe evolutionäre Prozess findet gemäss Sri Aurobindo in der Evolution des Menschen sowohl kollektiv als auch individuell statt. Im kollektiven Bereich erkennen wir drei Stufen oder Schritte der Natur. KörperlichesLeben ‚Sie hat mit Erfolg im Zuge ihrer konstanten materiellen Aktivität auf einmal eine gewisse Stabilität mit genügend Beständigkeit erlangt ... geeignet als Aufenthaltsort und Instrument für die zukunftsweisende Manifestation des Göttlichen in der Menschheit.’ (Sri Aurobindo) Das bildet die Basis der Natur und ihr erstes Werkzeug. Mentales Leben
Das mentale Leben ist gerade dabei, sich zum nächsthöheren Instrument der Natur zu entwickeln. Hierbei ist der Mensch das von der Natur gewählte Werkzeug. Zur Zeit ist mentales Leben kein Allgemeinzustand der Menschheit. Es wurde bisher nur in einzelnen Individuen verwirklicht und ist noch kein für alle verbindliches Prinzip. Sri Aurobindo analysiert weiter, dass ‚die Natur mit zunehmender Bildung der Unterdrückten, dem Vorankommen der Zurückgebliebenen, durch Multiplikation arbeitssparender Maßnahmen wie Maschinen, Computer und dergleichen, durch Hinwendung zu besseren sozialen und ökonomischen Bedingungen, durch Leistungen der Wissenschaft im medizinischen Bereich und ihre Bemühungen hinsichtlich Komfort und Chancengleichheit für die gesamte Menschheit
und nicht für einige wenige begünstigte Individuen oder Interessengruppen, den Geist der Menschheit weiter entwickelt.’ Spirituelles Leben Geschmeidige Fülle und Flexibilität des Intellekts werden zur Hervorbringung des höheren Prinzips gebraucht, dieses Prinzip des Geistes, der sich selbst die ganze Zeit dem
Evolutionsprozess unterzogen hat, um sich in seiner Ganzheit manifestieren zu können. Errungenschaften der drei Stufen… Der innere Wert dieser drei Phasen der kollektiven Evolution ist gemäss Sri Aurobindo: Materieller Lebensbereich: - Von der Geburt bis zum Tod den Weg gehen, mit Freude oder Bequemlichkeit, aber gleichwohl das Leben zu leben.
- Reproduktion des Individuums und Konservierung des Typus in Familie, Klasse oder Gemeinschaft
- Materielles Leben bedeutet in der Ă–konomie der Natur Sicherung der Struktur und dauerhafte systematische Erhaltung ihrer Errungenschaften
- Nachteil: Resistenz gegenüber allen Veränderungen in der Gegenwart wegen Konservierung der Vergangenheit
Mentaler Lebensbereich: - Konzentration auf ästhetische, ethische und intellektuelle Aktivitäten – im wesentlichen Perfektionsstreben
- Ständige Suche nach neuen sozialen, politischen, religiösen Formen oder Revitalisierung der alten
- Nachteil
Lebensferne: Dichter, KĂĽnstler, Philosophen, Wissenschaftler und Gelehrte sind die Sannyasins des Intellekts
Spiritueller Lebensbereich: - Befasst sich mit dem Höchsten Göttlichen ohne weltfremd zu sein. Realisierung von beidem, Unsterblichkeit physischen Lebens und Perfektion mentalen Lebens
- Yoga ist die beste und vernĂĽnftigste EinfĂĽhrung in die spirituelle Evolution, weder Moral noch Religion oder Philosophie. Die allgemeine Verbreitung des Yoga ist der letzte Sieg der Natur ĂĽber
ihre eigenen Widerstände, schließt Sri Aurobindo.
Was ist Yoga? Etymologisch bedeutet Yoga Vereinigung oder Paarung, im Deutschen Joch, lateinisch yugum, Sanskrit yuj. Es ist die Vereinigung menschlichen Bewusstseins mit dem höheren
Superbewusstsein, der äusseren Beschaffenheit des Menschen mit seiner göttlichen Natur. Es ist eine Bewegung des menschlichen Bewusstseins, das Grenzenlose mittels Selbsttranszendenz zu berühren, eine Bewegung der Vereinigung mit der göttlichen Natur durch eine integrale Selbsttransformation des Menschen. Individueller Bereich Man findet nicht sofort oder automatisch zum Yoga. Jedes Individuum durchläuft denselben Evolutionsprozess wie er in der Natur beobachtet werden kann, es erfüllt ideell das materielle Leben, dann das vital-mentale Leben, dann das mentale Leben, um schließlich im spirituellen Leben zu enden. Darin bestand das Dharma von
Chaturvarna: Ausbildung, Haushälter (Haushaltsvorstand), Sannyasa (Einsiedler) und Moksha (Erlösung). Aber das geschieht nicht automatisch, sondern durch bewusste Anstrengungen. Dem liegt die Vorstellung des die Individualität betonenden Egos zugrunde, das nach Abschluss seiner Entwicklung die Mauer an der Grenzlinie einreißt und durch seine willentliche Auslöschung Expansion und Erfüllung des spirituellen Individuums sucht. In diesem Stadium sehnt sich das Individuum nach
Wiedervereinigung mit dem göttlichen Bewusstsein. Wird dieser innere Ruf erst einmal vernommen, sucht er einen schnellen Weg zur Stillung seines Verlangens nach dem Unendlichen. Nicht alle können den Weg des Yoga gehen – die Suche nach Dahinterliegendem muss ein inneres Bedürfnis sein. Wie es so schön heißt, kann man zufrieden sein wie ein Schwein oder frustriert wie Sokrates. Es gibt viele Wege des Yoga,
jeder mit einer anderen Herangehensweise und Zielvorstellung, doch alle bedienen sich des gleichen Hebels im Menschen, ihrem Wesen nach sind sie individualistisch und andersweltlich. Doch hier erscheint Sri Aurobindo mit seiner Zielvorstellung der integralen Selbsttransformation des Menschen - fĂĽr die wahren Pioniere des Geistes.
Merkmale des integralen Yoga Ziel Der integrale Yoga ‚konvertiert die menschliche Seele in die göttliche und das natürliche Leben in göttliches’. Die alten Yogas lehnen die niedere äußere Natur ab, doch der integrale Yoga möchte diese transformieren – Transformation unseres ganzen Wesens unter dem
Aspekt göttlicher Existenz. Vorgehen Unser bewusstes Wesen mit dem Göttlichen verbinden und Es herbeirufen, damit unser ganzes Wesen zu Seinem transformiert, so dass Gott selbst gewissermaßen Sadhaka als auch Sadhana ist. Dieses Vorgehen übersetzt sich in: - Versuch des Egos, mit dem Göttlichen in Kontakt zu treten – Sehnsucht
- MĂĽhsame Vorbereitung der niederen Natur durch Reinigung - Ablehnung
- Mögliche Transformation durch das höhere Prinzip, nicht durch eigene, sondern göttliche Energie – absolute Hingabe
System - Der Integrale Yoga hat kein festgelegtes System mit bestimmter Abfolge, sonst könnte er leicht zu einem ‚Ismus’ werden. Es gibt nur freies, doch graduell intensives Arbeiten.
- Der Integrale Yoga akzeptiert unsere Natur mitsamt ihrer Evolution in der Vergangenheit und zwingt alles, ohne irgendetwas Essentielles abzulehnen, sich einer göttlichen Wandlung zu
unterziehen.
- Auf diese Weise ‚ist das ganze Leben Yoga’: Jeder Außenkontakt mit der Welt und jede innere Erfahrung sind Schritte zur Selbstverwirklichung.
Ergebnisse So integral wie das Verfahren sind die Ergebnisse: Man realisiert das
Göttliche als Einheit und Vielheit. Gleichzeitig erreicht man, in der Terminologie der Gita: - Sayujyamukthi – überall Kontakt des Individuums mit dem Göttlichen
- Salokyamukthi – denselben Zustand wie das Göttliche
- Sadharmyamukthi – Erlangung göttlicher Natur
- Samipyamukthi - Nähe zum Göttlichen
Integrale Perfektion und Transformation Der Integrale Yoga ist keine Kombination von Wissen, Hingabe und Werken. Er ist keine Perfektion auĂźerhalb der Natur, sondern in der Natur, keine Befreiung im Himmel, sondern auf der Erde. Integrale Transformation bedeutet
auf diese Weise vollständige Transformation des gesamten Menschen: ‚Mit Transformation’ schreibt Sri Aurobindo, ‚bezeichne ich nicht irgendeine Veränderung der Natur – beispielsweise keine Heiligkeit oder ethische Perfektion der yogischen Siddhis [übersinnliche Kräfte] wie die Tantriker oder einen transzendentalen (cinmaya) Körper. Ich verwende Transformation in einer besonderen Bedeutung... Eine radikale und umfassende Bewusstseinsveränderung in spezifischer Weise, die
einen stabilen Schritt nach vorn in der spirituellen Evolution des Wesens zustande bringt, eine größere und mehr mit sich fortreißende Welle als das erstmalige Erscheinen eines vernunftbegabten Wesens in einer vitalen und materiellen Tierwelt.’ Schlussfolgerung Dieser Versuch einer integralen Selbsttransformation des Menschen wird einen neuen Zyklus der Evolution einleiten, der erfüllt, wovon der Mensch schon immer geträumt hat: Gott, Licht, Freude und Unsterblichkeit. Wir werden nicht nur für das spirituelle Zeitalter den Weg ebnen, sondern auch für die neuen, über den Menschen hinausreichenden Möglichkeiten. Letztendlich
wird man sich fragen: Ist diese Vorstellung von einer göttlichen Menschheit ausschließlich ein Beitrag des Integralen Yoga? Wurde nicht in den Veden von der Geburt des göttlichen Menschen, in den Puranas von Satyayuga, in der Gita vom Dharmarajya oder dem Regime der Rechtschaffenheit gesprochen? Verkündete Christus nicht das Himmelskönigreich und prophezeiten die Juden nicht eine Stadt Gottes? Das
stimmt. Aber der Integrale Yoga hat alle diese Vorstellungen in den Bereich des Möglichen gebracht – sie sind nicht länger nur wahrscheinlich – weil Sri Aurobindo und Die Mutter die nötige Bewusstseinskraft aktiviert haben – Supermind. Supermind ist in den evolutionären Bestrebungen der Natur angelegt, durch aktive Beteiligung des Menschen kann die vollständige Manifestation beschleunigt werden. top |