Diese Frage stellt im Kontext moderner industrieller Zivilisation einen äußerst bedeutenden Gegenstand dar. Sie wurde von den unterschiedlichsten Standpunkten aus studiert: vom ökonomischen, geschäftlichen, anthropologischen und ethischen Standpunkt. Da
die zugrundeliegenden Probleme ihrem Wesen nach sozialen Ursprungs sind, traten sie bereits in vorindustriellen Gesellschaften in verschiedenen Erscheinungsformen auf. Historische und rechtliche Analysen dieser Probleme wurden bereits im frühen bis späten Mittelalter und sogar in noch früheren Perioden vorgenommen. Für die Philosophen ist diese Frage primär hinsichtlich der Beziehung zwischen der individuellen und
korporativen Struktur von Interesse. Hierbei gehen sie davon aus, daß die individuelle Partizipation in einer korporativen Gruppenstruktur individuelles Wohlbefinden beeinträchtigen kann. Eine Analyse ergibt jedoch, daß jedes Individuum, mehr oder weniger vom Zeitpunkt seiner Geburt an, bewußt oder unbewußt zu verschiedenen Gruppen gehört - zu einer Familie, lokalen Gemeinde, Berufsgruppe, etc. Wir sollten uns auch
diejenigen Unternehmen vor Augen halten, die von einer Gruppe von Personen zu dem Zweck geschaffen werden, ein gemeinsames Ziel zu verfolgen. Innerhalb der legal geschaffenen Unternehmen kann die Rolle der betreffenden Personen auf einer sehr allgemeinen Ebene übereinstimmen, auf der funktionalen Ebene treten jedoch Unterschiede auf. Die Gründer der Unternehmen sind nachweisbar ihre Besitzer, und zwar in dem Maße, in dem sie ihr Geld, ihre produktive Kapazität, oder beides investiert haben.
Der Marktwert der Aktien, über die sie verfügen, legt das Maß ihrer Besitzanteile fest und nicht notwendigerweise die Kontrolle über der Aktiengesellschaft. Der Unterschied zwischen Kontrolle und Besitzanteilen spielte erst eine wichtige Rolle, als die Unternehmen an Größe und Komplexität gewannen, die besondere geschäftliche Fertigkeiten und Kompetenz erforderte. Die überwiegende Mehrheit der frühen Unternehmen
gehörten ihren Gründern, die sie auch verwalteten. Später, als diese Unternehmen immer größer und komplexer wurden und hohe Kapitalinvestitionen erforderten, mußten sie für öffentliche Investitionen geöffnet werden. Die britische und die holländische East India Company gehörten zu den frühesten Handelsgesellschaften der Moderne. Die komplexe Natur ihrer politischen und ökonomischen Aktivitäten verlangte nach einer staatlichen Aufsicht. Später fand man heraus, daß simple Aufsicht nicht ausreichte, sondern daß vielmehr aktive Teilnahme, in manchen Fällen sogar effektive Kontrolle von Nöten war. Nach der indischen Freiheitsbewegung zum Beispiel übernahm die britische Krone die effektive Kontrolle der Gebiete, die von der East
India Company verwaltet wurde. Die Frage, ob eine Intervention von Regierungsseite hinsichtlich der Unternehmensaktivitäten wünschenswert sei oder nicht, bleibt sehr kontrovers. Einige Ökonomen, die als Vertreter des Laisser-faire gelten, sind der Ansicht, daß die Wirkung der von Regierungsebene her unternommenen Interventionen nur oberflächlich auf die Politik der Unternehmen einwirkt und sowohl den Aktienbesitzern als auch den Konsumenten und Arbeitern Schaden zufügt. Als Grund geben sie die unpersönliche und vergängliche Natur der Regierung an. Zur Blütezeit des Kapitalismus wurden die Arbeiter wie Ware behandelt und die Interessen der Konsumenten waren für die Kapitalisten nur im Rahmen der Gewinnmaximierung von Bedeutung. Als Industrie und Arbeitskraft expandierten und sich Unternehmen und Verbrauchergruppen bildeten, merkte man, daß es notwendig war, die Bedürfnisse der Gesellschaft zu berücksichtigen. Eine wachsende Zahl linker politischer Parteien bestand auf staatlicher Intervention in der Marktwirtschaft, zumindest in kritischen Gebieten und wenn das öffentliche Interesse von den Vertretern des Laisser-faire bedroht wurde.
Vormarxistische Sozialisten wie zum Beispiel Robert Owen (1771-1858) und France Cabot Lowell (1774-1817) brachten ihre Ansichten bezüglich der Berücksichtigung der Bedürfnisse und Sorge um die Arbeiter, insbesondere ihrer Gesundheit, Unterkunft und Sicherheit zum Ausdruck. Viele Schriftsteller jener Zeit porträtierten ein düsteres Bild der Lebensbedingungen der Industriearbeiter. Einige Kapitalisten wie Henry Ford und
George Pullman führten die Arbeiter begünstigende Maßnahmen ein. Sie zahlten ihnen höhere Löhne und reduzierten ihre Arbeitszeit. Viele Gesellschaften errichteten Wohnunterkünfte für ihre Angestellten. Von Anfang an jedoch mißbilligten zahlreiche Industrielle und Psychologen diesen Ansatz der industriellen Produktion. Wie Malthus dachten sie, daß soziale Wohlfahrtsmaßnahmen für die Arbeiter ab einem gewissen Punkt die industrielle Produktion beeinträchtigten. Ende des letzten Jahrhunderts setzte sich die sozialistische Sichtweise durch, die öffentliche Interaktion und Gemeinwesen befürwortete. In vielen Fällen begann das Management der Unternehmen die lokale Regierung, Bildungs- und Gesundheitsinstitutionen zu unterstützten. Die Tage der Trennung zwischen industrieller Produktion und gemeinschaftlichen Bedürfnissen fanden ein Ende. Dieser Zustand herrschte jedoch nicht überall vor. Es gab dunkle
Flecken, insbesondere in denjenigen Ländern, in denen die Verwaltung der Unternehmen nach wie vor uneingeschränkt in den Händen der Besitzer lag. So waren zum Beispiel im späten neunzehnten Jahrhundert die Lebensbedingungen der Jutearbeiter in Bengalen und der Textilarbeiter in Maharashtra und Gujerat extrem schlecht. Diese Industrien, die in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts gegründet wurden, befanden
sich in Privatbesitz, und die Besitzer kümmerten sich so gut wie gar nicht um die Lebensbedingungen der Arbeiter. Die Gewerkschaftsbewegung befand sich zu dieser Zeit noch in den Kinderschuhen. In vielen Gebieten war sie gar nicht vorhanden. Die Unterstützung des Streiks der Textilarbeiter in Ahmedabad ( 1918) durch Gandhi erregte die Aufmerksamkeit der Bevölkerung und schärfte ihr Bewußtsein für die Mechanismen der Ausbeutung. Etwa zu dieser Zeit begann Gandhi sein Konzept der Treuhandschaft
zu entwickeln. Seiner Meinung nach waren die Besitzer der einzelnen Unternehmen nicht die wahren Besitzer: sie waren lediglich ihre Manager im Sinne von Verwaltern. Natürlich fand dieses gewaltlose revolutionäre Konzept innerhalb der industriellen Gesellschaft jener Zeit nicht den nötigen Anklang. In hochentwickelten industriellen Ländern werden die Gesellschaften professionell geführt und es wird eine wichtige
Unterscheidung zwischen der Rolle des Managers und des Unternehmers getroffen. Der Unternehmer, der sowohl seine Zeit als auch seinen Besitz in das von ihm gegründete Unternehmen investiert, unterscheidet sich stilistisch vom kapitalistischen Besitzer, der den finanziellen Ablauf vom Management trennt. Aus diesem Grund wird vom Unternehmer erwartet, die verschiedenen Produktionsfaktoren zu mobilisieren und zu koordinieren - das Land, die Arbeit und das Kapital. Im Bereich des Managements führte Max Weber die Idee der 'Bürokratie' ein. Für ihn ist 'bürokratisches Management' ein beschreibender und kein abwertender Ausdruck. Mit Bürokratie bezeichnet er eine hierarchische Struktur, die aus genau definierten funktionalen Positionen besteht, die sich auf Spezialisierung und Teilung von Arbeit aufbaut. Die Personen, die eine solche Position einnehmen, sollten auch die Regeln für die betroffenen
Gesellschaften interpretieren und anwenden. Später verwiesen einige Anthropologen auf den Punkt, daß ein ' wertfreies' Konzept industrieller Bürokratie Fehler aufweist, weil es in der Praxis der staatlichen Bürokratie ähnelt, die an sich unpersönlich ist und nicht den sich wandelnden Bedürfnissen der Aktienteilhaber und Kunden entspricht. Im Rahmen eines größeren Interesses verschiedener am Prozeß der industriellen
Produktion beteiligter Gruppen spürte man, daß öffentliche Interessen, Werbung , Entwicklung und Marktforschung alle eine grundlegende funktionale Eingabe darstellen. Die Interaktion zwischen den für diese Aktivitäten verantwortlichen Gruppen muß kontinuierlich überprüft und verbessert werden. Die Management Gurus behaupten, der Erfolg einer Gesellschaft hänge im Wesentlichen von der Qualität dieser Interaktionen ab und nicht so sehr von der bürokratischen Struktur. In der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts teilten sich europäische und amerikanische Unternehmen ihre soziale Verantwortung mit dem Staat. Sie boten Arbeitsplätze für Absolventen führender Wirtschaftsschulen, für weiße und farbige Arbeiter an. Ebenso wurden auch für Immigranten aus den Dritte-Welt-Ländern - sowohl technisch qualifizierte als auch ungelernte Arbeiter - Arbeitsplätze zur Verfügung gestellt. Aufgrund des immensen
Wachstums der Industrie und verwandter Nachkriegsaktivitäten konnten sich einige Leute in neuen Wissensgebieten Kenntnisse aneignen, die sie auf andere Art und Weise nicht erwerben konnten. Zu dieser Zeit waren die Kosten für eingewanderte Arbeiter im Vergleich zu lokalen Arbeitskräften relativ niedrig. In Entwicklungsländer wie zum Beispiel Indien, war die Situation verständlicherweise ganz anders. Aufgrund des
Ölbooms in den Golfländern nutzten zahlreiche Südasiaten die Gelegenheit, dort zu arbeiten. Ihre Arbeitskraft war hier willkommen, denn es gab im eigenen Land nicht genügend Arbeitskräfte. Es entstand auch eine neue Situation. Während die Ölfelder im Besitz der Staaten dieser Regionen blieben, gingen die technische Verantwortung und das höhere Management an die europäischen und amerikanischen Großkonzerne über. Ein beträchtlicher Betrag des Ölgeldes ging so aus diesen Regionen heraus; was im
Lande verblieb, drang nicht bis zu der sozialen Unterschicht vor. Rapide Industrialisierung in einem bestimmten Sektor brachte nicht die notwendige Sorge für die Masse der Menschen mit sich. Im Gegenteil, diese nicht erneuerbaren Quellen werden im Zuge der totalen Ausbeutung schnell erschöpft. In Indien begann sich die Rolle der Unternehmen nach der Unabhängigkeit zu verändern, als zahlreiche europäische
Unternehmen, insbesondere die sogenannten 'Managing Agencies' begannen, sich vom Schauplatz zurückzuziehen und ihre Anteile indischen Kapitalisten aufzubürden. Es stimmt, daß einige dieser Unternehmen Anteile sogar nach dem Erlöschen ihrer geschäftlichen Verantwortung behielten. Sie waren der Ansicht, daß sie sich in diesem Prozeß einerseits von den Auswirkungen der wechselnden politischen Verhältnisse fernhalten, andererseits jedoch von ihren Geschäftsanteilen profitieren konnten. Als
Konsequenz begann sich eine neue Klasse von Besitzern und Managern herauszubilden. Im Zuge der wachsenden Nachfrage nach neuen Geschäftstalenten wurden von Regierungsseite verschiedene Wirtschaftsschulen nach amerikanischem Model gegründet. Diesen schloß sich eine Vielzahl privater Wirtschaftsschulen an. Auch eine Anzahl von IITs (Indian Institutes of Technology) wurden in verschiedenen Teilen des Landes gegründet.
Diese wurden nach dem MIT-Model in Cambridge, Massachusetts, aufgebaut und kombinierten technische und humanistische Kurse. Unglücklicherweise gingen viele der hier ausgebildeten Talente nach ihrem Abschluß aus Indien weg und suchten nach lukrativeren Arbeitsmöglichkeiten in Übersee. Gewissermaßen handelt es sich hierbei um einen umgekehrten Transfer von Ressourcen. Im Zuge neuer Wege in der Industrialisierung
bekommen nun, insbesondere im privaten Sektor, viele junge Menschen Möglichkeiten geboten, die in Indien in der dreißiger und vierziger Jahren noch undenkbar waren. Im gleichen Zuge gewann die Gewerkschaft immer mehr an Bedeutung. Die dominante Rolle der Regierung im kapitalintensiven Sektor überließ die arbeitsintensiven Industrien im großen und ganzen dem privaten Sektor. Die äußere Kontrolle seitens der Regierungsbürokratie mischte sich in die Autonomie und Professionalität des
öffentlichen Sektors ein. Um die Interessen der Arbeiter und Angestellten zu verteidigen, traten die meisten linken Gewerkschaften verschiedenen politischen Gruppierungen bei und engagierten sich in überwiegend politischen wirtschaftlichen Aktivitäten. Niedrige Produktivität und häufige Streiks beeinflußten die Unternehmen im öffentlichen Sektor, wie zum Beispiel das Bank- und Versicherungswesen. Alle staatlichen Elektrizitätswerke waren im Grunde genommen bankrott. Staatliche Banken und Versicherungen erwiesen sich als relativ ineffizient. Kurz gesagt, die öffentliche Investition in nahezu alle nicht monopolisierten Sektoren erwies sich als hochgradig unrentabel. Diese schleichende Entwicklung bedeutete das Aus für zahlreiche Industrien. Natürlich hatte dies nahezu auf alle Bereiche Auswirkungen: auf die Regierung, die Finanzinstitutionen, den Arbeitsmarkt, die Arbeiter und Angestellten und auf
die Menschen selbst. Das Versagen des 'sozialistischen Experiments' wurde in den achtziger Jahren so offensichtlich, daß eine gründliche Überprüfung und Analyse der staatlichen Wirtschaftspolitik von 1956 notwendig wurde. Der neueste Nachdruck auf Liberalisierung, der tatsächlich einen Schritt zur Globalisierung darstellt, konfrontiert geschützte nationale Unternehmen des öffentlichen Sektors mit einer wachsenden
Konkurrenz. Die Tage des Schutzes scheinen nun schnell vorbei zu gehen. Wenn ungleiche Gesellschaften, die ungleichen Gesetzen unterliegen, für eine gleiche Konkurrenz geöffnet werden, dann schleicht sich langsam das Element der Diskriminierung ein. In vielen Fällen wird diese störende Entwicklung durch den Slogan eines 'fairen Wettkampfes' gerechtfertigt. Die Ökonomen, welche die Prinzipien Gandhis befolgen und die nun aufgefordert werden, kleine Dorfindustrien den Kräften der
marktwirtschaftlichen Konkurrenz zu öffnen, die von großen Konzernen dominiert wird, sehen dieser Entwicklung äußerst skeptisch entgegen. Sie kritisieren das Eindringen der internationalen Großkonzerne in die nationale Wirtschaft. Ihre Kritik und Voreingenommenheit beruht im Wesentlichen auf zwei Prämissen: - große, über massive Ressourcen verfügende und von der Öffentlichkeit unterstützte Konzerne neigen dazu,
Arbeitsplätze zu verdrängen und
- die von diesen Gesellschaften verwendeten Produktionstechnologien beachten den Umweltschutz nicht.
Ein anderer Aspekt, der diese Ökonomen beschäftigt, ist ebenfalls sehr wichtig: Große Konzerne erfordern
bürokratisches Management und dies hat zur Folge, daß die Arbeit langweilig, mechanisch und uninteressant wird. Im Laufe der Zeit wird alles zur Routine und freudlos. Neben diesem persönlichen (oder sollten wir besser 'unpersönlichem' sagen) Aspekt des korporativen Lebens existiert als ernst zunehmender Kritikpunkt noch die Tendenz, sich an dem neusten technologischem Stand zu orientieren. Während die Propagandisten
der 'neuesten Technologie' den Charakter der effektiven Kosten beleuchten, ergibt eine Analyse, daß die meisten und wirksamsten dieser Technologien nur kurzlebig sind und häufig repariert und ersetzt werden müssen. Mit diese Argumenten vor Augen müssen wir sehr vorsichtig abwägen, bevor wir die Größe, das persönliche Management und die Technologie der großen Konzerne im Kontext der Entwicklungsländer beurteilen. Wir
können die Fragen stellen: Welche Kennzeichen großer Korporationen vergleichen wir dann von einem kulturübergreifenden Standpunkt aus? Welche Parameter müssen wir geistig bereithalten? Der Einfachheit halber verweisen wir auf mindestens vier Parameter: - die soziale Struktur des betreffenden Landes,
- die Wertmaßstäbe der Menschen,
- die Qualität und Struktur der zwischenmenschlichen Beziehungen und
- die Verteilung von Belohnung und Strafe, Aufstiegsmöglichkeiten, Gefahren der Stagnation, etc.
Die soziale Struktur Indiens ist trotz des Überganges von der Agrar- zur Industriegesellschaft relativ starr. Eine Agrargesellschaft wird durch die örtliche Fixierung des Arbeiters an seinen Herkunftsort gekennzeichnet. Wir wissen, daß die indische Gesellschaft ökonomisch und hinsichtlich des Kastenwesens hierarchisch ist. Wenn wir diese beiden Faktoren zusammenrechnen, dann sprechen sie insgesamt für eine geringe
Mobilität der persönlichen Kraft, insbesondere der Arbeitskraft, und zwar im ganzen Land. Zum Beispiel wären nur sehr wenige Arbeiter bereit, von Bengalen oder Assam nach Maharashtra oder Gujerat zu gehen und umgekehrt. Selbst wenn sie dort wesentlich bessere Arbeitsbedingungen vorfinden würden. Wir können diesen Punkt jedoch nicht im absoluten Sinne betrachten, denn mit der Ankunft der industriellen Zivilisation
zeigt sich die wachsende Mobilität nicht nur auf der Führungsebene sondern auch darunter. In unserer hierarchisch strukturierten Gesellschaft diskutieren Angestellte sogenannter 'höherer' und 'niedrigerer' Ebenen in der Regel nicht von Angesicht zu Angesicht ihre psychologischen Probleme. Oftmals ist die Vermittlung der Gewerkschaften nötig, was die persönlichen Beziehungen zwischen Angestellten und Arbeitern der verschiedenen Ebenen in einem Unternehmen verringert. Das indische Wertesystem betont die grundsätzliche Würde der Arbeit selbst im Kontext der entstehenden industriellen Kultur noch nicht. Menschen mit geringer Bildung werden in der Regel als ‚Arbeiter' einer niedrigeren Ebene angesehen, selbst wenn sie Aufstiegschancen haben. Nehmen wir einmal folgendes Beispiel: Hochschulabsolventen in Kunst, Handel oder Wissenschaft ohne Spezialisierung erklären sich nicht sofort zur Spezialisierung
für eine höhere Ebene über einen Zeitraum von 4-5 Jahren bereit. Das soziale Wertesystem läßt sie vielmehr nach einem 'respektablen' Einstieg suchen. Im industrialisierten Westen gibt es viele Arten manueller Arbeit mit sehr attraktiver Lohnstruktur. So verdient zum Beispiel ein Fensterputzer eines Wolkenkratzers mehr als jemand mit einem Hochschulabschluß. Im indischen Kontext wäre es schwer, einen
Hochschulabsolventen mit der Bereitschaft zu finden, als Fensterputzer zu arbeiten. Das Konzept des ijjat, dem Grundsatz des sozialen Ansehens, beschränkt die Vision des Arbeitsuchenden auf eine professionelle Karriere, was auch in der hierarchischen Gesellschaftsstruktur und der relativ vertikalen Immobilität begründet ist. Nichtsdestotrotz ändern sich die Dinge langsam. Verglichen mit dem korporativen
Verhalten europäischer und amerikanischer Arbeiter sind die indischen Arbeiter weniger individuell. Während Erstere primär an sich selbst, Aufstiegsmöglichkeiten und Ähnliches denken, sind die Inder vielmehr in ihr familiäres Gefüge, ihre soziale Absicherung und ihr ethnisches Milieu eingebunden. Diese Verhaltensmuster lassen sich bis in die vorindustrielle Gesellschaft zurückverfolgen. So wären viele Inder zum Beispiel selbst aufgrund einer Beförderung nicht bereit, in eine fremde und (wie
sie es ausdrücken würden) seltsame Arbeitsumgebung zu gehen. Der Geist der Konkurrenz und des possesiven Individualismus ist im korporativen Leben des Landes noch sehr spürbar. In der Vorstellung von Menschen aus Entwicklungsländern ist das Bild großer Unternehmen der entwickelten Länder untrennbar mit politischen Betrachtungen verbunden. Insbesondere Menschen in Ländern mit einem kolonialen Hintergrund sind davon
überzeugt, daß die großen Konzerne der Industrieländer geschäftliche Vertreter ihrer hegemonistischen Intentionen sind. Handlungen imperialistischer Generäle zur Kolonialzeit werden heute gleichermaßen von den mächtigen Direktoren multinationaler Gesellschaften (MNCs) vollzogen, wenn auch in abgewandelter Form. Ihr neues Spielfeld ist nun das Verhandlungszimmer. Die Geschäftsgesetze vieler Entwicklungsländer sind so gestaltet, daß die entscheidenden Aktienanteile der Kernindustrien nicht in
der Hand ausländischer Gesellschaften liegen sollten. Vor dem Hintergrund der Befreiung von der Kolonialisierung in den fünfziger und sechziger Jahren sahen die Führer der afro-asiatischen Länder die Präsenz fremder Investoren auf Geschäftsebene mit Skepsis. Da diese Länder der Dritten Welt jedoch nicht über genügend Eigenkapital zur Belebung ihrer Wirtschaft verfügten, mußten sie sich ausländischen Investoren öffnen. Im Zuge der Profitverschiebung und der Aufteilung von Stammaktien wurden
jedoch beträchtliche Restriktionen auferlegt. Im Laufe der Zeit hat sich diese restriktive Einstellung gegenüber ausländischen Unternehmen jedoch entspannt. Um diesen Skeptizismus abzubauen, investieren die Unternehmen in PR-Aktivitäten und u.a. in die Wohlfahrt. In den Entwicklungsländern mit sozialistischer Ausrichtung herrscht eine skeptische und kritische Einstellung gegenüber den Aktivitäten der MNCs vor, selbst wenn sie lokaler Herkunft sind. Ob es stimmt oder nicht, die Mehrheit ist
davon überzeugt, daß die meisten Gesellschaften dem Prinzip der Profitmaximierung unterliegen und sich nicht um die Bedürfnisse der Konsumenten kümmern. Wenn das Leben des Kapitals und anderer Produktionsfaktoren, insbesondere der Arbeit, aus einer langfristigen Perspektive heraus betrachtet werden, gewinnt das Prinzip der Profitmaximierung einen neuen Aspekt. Eine genaue Betrachtung ergibt, daß die Gewinne des Kapitals sich vermehren, wenn dieser Faktor einen adäquaten Bezug zu anderen
Faktoren und verwandten Interessen hat. Im Zeitalter der industriellen Demokratie wird von den Gesellschaften erwartet, daß sie ihren Profit mit ihren präsenten, wenn auch unsichtbaren Besitzern teilen, z.B. den Aktienbesitzern. Von diesen erwartet man wiederum, daß sie aktiver an der Politik und den Aktivitäten der Unternehmen teilnehmen. Das Konzept der 'limitierten Belastung' muß sie nicht zu totaler Inaktivität verdammen und alle Aktivitäten den Mitgliedern des Ausschusses überlassen. Wenn die Profitbeteiligung ermutigend ist, dann profitieren die betreffenden Unternehmen davon und wachsen schneller. Wenn sie eine Qualitätskontrolle garantieren, können die Unternehmen ihren Kundenstamm vergrößern. Selbst wenn der Profit per Produkteinheit abnimmt, verlieren die Unternehmen nicht an Wettbewerbsfähigkeit, wenn ihre Kunden ihnen vertrauen. Die Beteiligung von Arbeitern und Angestellten an den Aktien eines Unternehmens festigt die Marktposition und letztendlich den Profit.
Aus diesem Grunde können bei einem gut geführten Unternehmen die Interessen von Eigentümern, Managern, Angestellten und der Öffentlichkeit grundsätzlich und praktisch weitgehend in Einklang gebracht werden. top |