(mit freundlicher Genehmigung des internationalen Philosophenverbandes ,FISP) 1.) Wie der Sprachgebrauch einiger anderer Wörter hat sich auch
der Sprachgebrauch des Wortes "weltlich" von Zeit zu Zeit verändert. Früher wurde es in dem Zusammenhang "der Ketzerei angeklagt" benutzt, übertragen vom kirchlichen Gerichtshof für schwere Strafe. Das Wort "weltlich" stand folglich für zweifelnde Einstellung und Auffassung. Wie zum Beispiel gegen die religiöse Wahrheit, "die Wahrheit" festgesetzt durch die Heiligen Schriften, das Wort wird im gegenwärtigen Jahrhundert jedoch im Zusammenhang mit
weltlichen Angelegenheiten benutzt und bedeutet nur dies - weltzugewandte Auffassung. In Indien wurde Pandit Jawaharlal Nehru der Verfechter solchen Gebrauchs. Er benutzte das Wort "weltlich", um eine nichtreligiöse Einstellung bezüglich des Wohlergehens der Menschen anzudeuten. Weltlich bedeutete etwas anderes als theokratisch . 2.) In der modernen euro-amerikanischen Gesellschaft wird das Wort
"weltlich" vielleicht gebraucht, um den Sinn von "nicht von der Kirche kontrolliert" zu vermitteln. Andererseits kontrolliert in modernen Gesellschaften die Kirche nur die geistlichen Tätigkeiten, und ein gewöhnlicher Mensch wird von solchen Tätigkeiten nicht berührt. Der Mensch hat die Freiheit zu wählen, ob er zur Kirche gehören möchte oder nicht. So wird angedeutet , daß "weltlich" Handlungsweisen vermitteln soll, die nicht von einem bestimmten Dogma
kontrolliert werden. In diesem Sinne wären sogar die Handlungen oder Verhaltensweisen in der kommunistischen Welt nicht-weltlich, obwohl sie nur auf "diese Welt" bezogen sind , da sie von der Partei oder dem Politbüro der Partei kontrolliert werden. Aber genau genommen würde dies auch anzuwenden sein auf die Verhaltensweisen in den sogenannten "freien Gesellschaften", die von einigen sozialen und politischen Voreingenommenheiten kontrolliert werden. In einigen herkömmlich
gelenkten afro-asiatischen Gesellschaften ist die Angelegenheit noch komplizierter. So sollte weltlich für "frei von irgend etwas" stehen. 3.) Von alters her, als der Mensch Phasen der kulturellen Entwicklung in verschiedenen Teilen der Welt durchlief, war er gewissermaßen zwei Arten von Einflüssen unterworfen. Er begann, einige Naturgesetze zu entdecken und entwickelte auf diese Weise wissenschaftliche
Einstellungen. Andererseits schaute er mit Ehrfurcht und Verwunderung auf diese Phänomene und wenn diese außerhalb seines Verständnisses lagen, betrachtete er sie als übermenschlich und spirituell, zu etwas führend, das bekannt ist als Zuversicht, Glaube und Religion. Selbst heutzutage, wenn Wissenschaftler etwas entdecken, kann ihre Entdeckung zum Fortschritt der Wissenschaft führen, aber wenn sie gegen etwas stoßen, irgendein Problem, erinnern sie sich Gottes. So kamen Wissenschaftler wie
Einstein auf Gott, und auch Eddington dachte an "tiefe Wasser". Denn die unbekannten Gesetze des Universums sind wahrscheinlich weitaus mehr als die bekannten Gesetze, und der Mensch mit seinem begrenzten Fassungsvermögen kann nicht alles über den Kosmos wissen . 4.) Obgleich wir von Kosmos sprechen, ist unser Wissen
selbst wieder von zweierlei Arten. Eine Sorte befaßt sich mit dem Verhältnis von Ideen und die andere mit Tatsachen. Wenn wir einen Kreis beobachten und seinen Durchmesser, können wir dazu kommen, das Verhältnis zwischen dem Umfang und dem Durchmesser dieses Kreises zu verstehen, und wir können ebenso zu dem Schluß kommen, daß dieses Verhältnis konstant ist, daß es für jeden Kreis zutrifft, ob groß oder klein. Aber ob Salz an unserem Essen ist oder nicht ,werden wir erst wissen, wenn wir es
gekostet haben. Wenn wir uns nur auf die gegebene Information verlassen, ist es nur eine Information und kein Wissen. In diesem Universum gibt es auch solche Tatsachen, und es ist schwierig, ein einheitliches Verhältnis zwischen solchen Tatsachen herzustellen. Überdies, obgleich diese Tatsachen sich in gleichförmiger Weise verhalten können, ist das Ausmaß solcher Übereinstimmung begrenzt und die Schlußfolgerung daraus ist anfällig für Verfälschung zu einem bestimmten Zeitpunkt und unter
Berücksichtigung der Begrenzung des Wissens fallen wir zurück auf Gott, das Übernatürliche und das Spirituelle. Folglich, was wir nicht-vernünftig, gefühlsbetont und der Sphäre der Wunscherfüllung angehörig nennen, wird zusammengruppiert und gibt den weltlichen und außerdem den anders-weltlichen Einstellungen des Menschen Aufschwung. 5.) Es ist nützlich, hier die Geschichte der beiden Wörter Kultur und Tradition
zurückzuverfolgen. Tradition wird von der Kurzfassung des Oxford Wörterbuchs als Befund unseres Glaubens oder Brauchtums beschrieben, der von den Vorfahren an die Nachkommen überliefert wurde. Solch ein Erbe wird gewöhnlich hoch geschätzt und ein gewisser Wert wird damit aufgedrängt. Die Traditionen sind im strenggläubigen Sinn keine kodifizierte oder definierte Kultur. Sie sind in der Tat Nebenresultate der Kultur. Jedoch erreichen Traditionen teilweise den Status der Kultur in ihrem eigenen
Recht, und es ist schwierig, gegen die Regeln der eingeführten Tradition zu verstoßen. Es mag lohnend sein, hier darauf hinzuweisen, daß die meisten Religionsgründer nichts selbst geschrieben haben. Was auch immer unter ihrem Namen erschien, wurde später eingefügt oder von ihren Anhängern aus ihren mündlichen Unterweisungen kodifiziert. Nichtsdestoweniger werden solche Traditionen zu Dogmen der Religion. In dieser Welt besteht solche Geschäftigkeit fort. Geschäftigkeit ist eine Art von
Bewegung, die auf Grund unserer Selbstbewußtheit entsteht. Die Entwicklung von Dingen wird nicht Geschäftigkeit genannt. Eine Art von Absicht oder Vorsatz geht immer mit dem zusammen, das wir "Geschäftigkeit" nennen. Eigentlich kann man durchaus sagen, daß der Mensch über dem gegebenen Universum sein eigenes Universum errichtet. 6.) Dieses Universum ist ungewiß. Das bedeutet, daß die Lehrsätze darüber
nicht immer wahr und allumfassend sind. Sie unterscheiden sich von Situation zu Situation. Der Mensch versucht, solch ein Universum zu errichten, indem er sich der Naturgesetze bedient, wie er sie versteht. Was wir menschliche Kultur und menschliche Zivilisation nennen, sind Manifestationen solch einer Welt. Diese Welt wird von beidem regiert, von den Gesetzen der Wissenschaft und denen unseres Glaubens, die von Zeit zu Zeit anfällig für Veränderungen sind. Sogar die Formulierung der
wissenschaftlichen Gesetze ist anfällig für Veränderungen, denn die menschliche Formulierung der wissenschaftlichen Gesetze ist nicht von den Naturgesetzen selbst geleitet, sondern von der menschlichen Wahrnehmung dieser Naturgesetze. Und was der Mensch unter Naturgesetzen versteht und seine Erklärung der Phänomene kann nicht nur von der Wissenschaft bestimmt sein, sondern auch von einer gewissen Magie, einem Totem oder einem Mystizismus, die die Phänomene dem Menschen aufgedrängt haben. In
einem solchen Fall kann er Elemente von Übernatürlichem, Geistern oder Spiritismus u.s.w. einbringen. Wenn es sich z.B. um ein Gewitter handelt, kann er denken, daß ein Dämon dieses Phänomen hervorgerufen hat. Ihm kommen Wunder in den Sinn angesichts des ungewöhnlichen Phänomens, und er versucht, es mit Wunder oder etwas Übermenschlichem in Verbindung zu bringen. Auf Grund solch einer Art von Wunder könnte eine Furcht in seinem Geist hervorgerufen werden und er könnte daran denken, den Gott
durch Anbeten oder tiefe Hingabe zu beschwichtigen. Das all dem zugrundeliegende Leitmotiv ist das Bedürfnis des Menschen nach Geborgenheit und Sicherheit. Selbst nach dem Tod möchte er diese Sicherheit für seine Seele garantieren. Verschiedene Volksstämme bringen aus diesem Grund verschiedene Götter oder Gottheiten hervor, und wenn die Menschen miteinander oder gegeneinander streiten, bilden sie ihre Götter auch miteinander streitend ab. Wo die wissenschaftliche Erklärung mißlang, versuchte
der Mensch sie durch sogenannte religiöse Erklärungen zu ersetzen. Was die Wissenschaft anbetrifft, versucht er, diese Phänomene mit Hilfe der Kausalgesetze zu erklären, obgleich sich "dieses" kausale Gesetz auf keiner wissenschaftlichen Hypothese gründet. Ereignisse sind entweder gleichzeitig oder aufeinander folgend. Im Fall von aufeinander folgenden Ereignissen, geht ein Ereignis entweder einem anderen voran oder folgt ihm. Der Mensch verbindet diese früheren oder späteren
Ereignisse und nennt die vorangehenden Ursachen und die folgenden Wirkungen. Er bereitet daher die Ursache-Wirkungs-Kette im Fall von Ereignissen oder Geschehnisssen vor. In jedweder Kultur beschränkt man sich auf solche Kausalketten nicht nur in Bezug auf wissenschaftliche Erklärungen sondern auch in Bezug auf religiöse. In beiden Fällen, dem wissenschaftlichen und dem religiösen, spielt das ursächliche Gesetz eine wichtige Rolle. Selbstverständlich gibt es in dem einen Fall eine geeignete
Anwendung des kausalen Gesetzes. In dem anderen gibt es eine Pseudo-Anwendung des gleichen. Dennoch ist irgendeine kulturelle Ordnung eine Mischung oder ein Zusammenwirken von den beiden. Adi Shankar hat gesagt, daß irgend etwas, das in dieser Welt passiert, zurückzuführen ist auf die Mischung von wahren oder falschen Beurteilungen. Traditionen und Kulturen entspringen solch einem menschlichen Verhalten. Sie nehmen die Form von Kultur und Tradition an, wenn sie eine längere Zeitperiode
überdauern. 7.) Aber es gibt keine zwei Welten, die theokratische und die säkulare. Es gibt nur eine Welt, in der die theokratischen und säkularen Elemente auf solche Weise miteinander vermischt sind, daß es schwer und kaum möglich ist, sie zu trennen. Denn sie sind die Elemente des menschlichen Denkens, die den Phänomenen in der Welt vom Menschen aufgezwungen werden im Prozeß seiner Erklärung. Tatsächlich ist es
der Mensch allein, der an die andere Welt, den Himmel oder die Hölle, gedacht hat. Wieder ist es der Mensch allein, der an Verdienst oder Sünde gedacht hat, was ihm sozusagen hilft, eine Geburt in der anderen Welt zu erlangen, entweder nach dem Jüngsten Tag oder ununterbrochen in einer Folge von Geburt-Tod-Zyklen. Und es ist der Mensch allein, der an einen Zustand der ewigen Ruhe und der ewigen Glückseligkeit gedacht hat, der Seele oder dem Selbst beigeordnet, der nur in dieser Welt allein zu
erreichen möglich ist. Was wir Zivilisation (oder Kultur) nennen, enthält all diese Elemente, obwohl einige Elemente zu einer Zeit und einige andere Elemente zu einer anderen Zeit betont worden sind. 8.) Im Laufe der menschlichen Geschichte ist der Mensch von einem seltsamen Phänomen berührt worden. Die Lebewesen werden geboren,
wachsen für einige Zeit und sterben dann. Der Tod ist vielleicht das seltsamste und immer noch alltäglichste Phänomen, das dem Menschen untergekommen ist. Er versuchte auch dieses Phänomen auf seine eigene Weise zu erklären. Eine solcher Erklärungen ist, wenn auch das Lebewesen (insbesondere der Mensch) wie Eines wirkt, so besteht es doch aus zwei Elementen, dem materiellen Körper und dem anderen Bestandteil, den wir Geist, Seele, Selbst oder Denkfähigkeit nennen können. Was wir Tod nennen,
ist die Trennung der beiden. Diese beiden Elemente existieren (für immer) mit ihrem eigenen Anspruch, auf dem Rücken der Dualität von Descartes oder der Mimamsa-Philosophie. Aber solange sie nicht zusammenkommen, formen sie nicht das, was wir Individuum nennen. Nichtsdestoweniger dachten Philosophen, daß die Seele oder der Geist, die treibende Kräfte in den Lebewesen sind, auch treibende Kräfte in Abwesenheit des
physischen Körpers sein müssen. Dies führte zu allen Arten von Spiritualismus und Andersweltlichkeit. Sogar solche Religionen, die nicht unter der Vorstellung der "Wiedergeburt" Schutz suchen, werden von dieser Art des Dualismus getragen. Denn die Anhänger dieser Religionen erarbeiteten sich einen besseren Platz für das, was sie Geist nennen und denken, daß sie nach dem Jüngsten Tag einen anderen "Körper" (oder denselben Körper mit Abwandlungen) tragen würden und sich
einer besseren Glückseligkeit in einem anderen "Land", einer anderen Welt erfreuen würden. Ob es Geist-Körper-Dualismus oder ob es Ideo-Spiritualismus ist, es wird uns endgültig zu einer Anders-Weltlichkeit bringen. Eine Widerlegung dieser Einstellung oder Philosophie wurde von denen versucht, die die Konzepte von Nirvana, Moksa oder Apavarga oder ihnen ähnlichen darlegten. Nirvana bedeutet Ausblasen (der Kerze), das ist das Auslöschen (des Lebens). Moksa bedeutet auch
"Aufhören" des (phänomenalen) Selbst, indem es mit dem endgültigen Einen oder Brahman verschmilzt. Nagarjuna zeigt das in seiner MadhyaMIKA Karika Darlegung auf, wenn er sagt: Na Samasarya nirvanat kimcidasti visesanan Na nirvansya samsarat kimcidast visesanam Nirvanasya ca ya kotis samsaranasya ca Na layarantaram kinmcit susuksmamapi vidyata
Er gibt sein Urteil klar gegen die zwei Welten und die Anders-Weltlichkeit ab. Er sagt genau, daß die beiden Welten nicht die physikalischen Welten oder eine doppelte physikalische und spirituelle Welt seien. Es sind die zwei Welten der Einstellungen, die Welten zwischen den Standpunkten, mit denen auf die Phänomene der Welt geblickt wird. Das ist in der Tat "diese weltliche Haltung", ohne weltlich zu sein. Das ist das Konzept hinter
korrekt verstandenem Säkularismus. Und einen Versuch in diese Richtung zu wagen, würde für mich den Prozeß der Säkularisierung kennzeichnen. Hier wäre kein Platz für Zuversicht, Glauben, Religion oder das Übernatürliche. Da wäre weder Himmel oder Hölle noch ein übel gesonnener Geist noch sein Pendant. Alles würde somit weltlich sein in dem Sinn, daß es vom Verstand geleitet ist, der jede Art unseres Verhaltens unserer grundlegenden inneren Bewegung beherrscht. Alles an unserem Verhalten würde
nur zu dieser Welt gehören. Was ist Säkularisierung? Der Prozeß, in der Richtung voranzugehen, die die Dinge weltlich ausführt, was bedeutet, den Menschen bewußt zu machen, daß alles nur zu dieser Welt gehört. Wir müssen nur lernen, wie wir die Dinge in dieser Welt anschauen müssen. Das bedeutet auch, die Begrenzungen der menschlichen
Welt anzuerkennen. Es heißt zu wissen, daß die menschliche Welt auf die natürliche Welt aufgepfropft ist in Bezug auf die Intelligenz und den Willen des Menschen. Ebenso bedeutet dies, daß die aufgepfropfte menschliche Welt letztendlich in der natürlichen Welt verdorrt. Dies geschieht in zwei Stufen. Es geschieht auf der individuellen Ebene, wenn der Mensch sich seiner Fähigkeit bewußt wird und weiß, daß er zurückkehren muß in dasselbe Universum, von dem aus er einen Sprung in diese Welt
getan hat. Aber im Grunde wird das Verdorren eines Tages der gesamten menschlichen Welt geschehen, wenn das menschliche Universum als ein Loch seinem Schicksal begegnen wird auf Grund der Kraft im Universum, über die der Mensch keine Kontrolle hat. Diese Beschränkung zu erkennen, heißt sich klarwerden, daß wir unser Leben lediglich im menschlichen Universum einzuteilen haben und uns keine Sorgen machen müssen um Geburt oder Leben nach dem Tod und so weiter. Üblicherweise bin ich in einer Hindu Familie geboren worden. Aber ich mache keine Unterscheidung zwischen dem einen und dem anderen Menschen auf der Grundlage von Farbe, Glaubensbekenntnis, Kaste u.s.w. Für mich ist der Mensch Mensch. Und wenn da mehr ist als ein Individuum, das zur Rasse der Menschen gehört, ist das Verhalten des Individuums ob faktisch oder normativ in drei Arten einzuteilen. Er würde sich ohne Ausnahme leiten lassen von
diesen Charakteristika. - Er wird etwas für sich selbst tun.
- Er wird etwas für andere tun.
- Er wird umgekehrt etwas von anderen erwarten.
Aber in dieser Welt, ob es sich
um ein Individuum handelt oder um mehrere, wird er letztendlich die Beschaffenheit seiner Beziehung zum Universum als Ganzes verstehen. Dieses Wissen bedeutet, daß er zu demselben Universum zurückkehren muß, in dem sein Ursprung liegt. All diese Beziehungen zu kennen hat nichts mit sozialer Stellung, Glaubensbekenntnis oder Religion zu tun. Aber es ist in Indien, soweit ich weiß, als kulturelle Tradition Purusharta bekannt. Und ich bin ebenso überzeugt, daß alle Religionen solch eine
Tradition im Hintergrund haben. Daher empfinde ich, daß alle Religionen von den Anfängen her lediglich säkulär waren. Und durch unsere Ignoranz ist sie in etwas nicht-säkulares verändert worden. Das ist auch der Hintergrund von Gandhijis Auffassung von Sarva Dharma Samabhava. Alle Religionen haben dieselbe Essenz. Eigentlich bedeutet das Wissen von derselben Essenz aller Religionen, daß man der Essenz aller Religionen folgt und nicht einer besonderen Religion. Das ist die Grundlage des richtig verstandenen Säkularismus. In dieser Richtung vorwärts zu gehen ist der Prozeß der Säkularisierung. Das Haupthindernis in
diesem Prozeß ist wieder der Manifestation der eigenen Natur des Menschen zuzuschreiben. Im Verlauf der Tätigkeit des Menschen, seine eigene Welt über der Natur zu errichten, entwickelt er auch seine eigene Natur auf eigenartige Weise. Wo er nicht fähig ist, die natürlichen Phänomene auf rationale Weise zu erklären, beginnt er, Pseudo-Argumente bezüglich seiner Erklärung zu konstruieren. Dies tut er in zwei Stufen. Seine Erklärung nimmt zwei Formen an. Entweder beginnt er, seine eigenen
konstruierten Erklärungen zu glauben, die er intuitiv auf einige vorher beobachtete Phänomene gründet und bedient sich des Konzepts der Kausalität als seiner Autorität oder er beginnt an solch eine Erklrung zu glauben, die jemand anderes gegeben hat oder die andere gegeben haben, an deren Autorität er glaubt. Eigentlich sind diese beiden Variationen von Erklärungen im Grunde wissenschaftlich in der Form und werden in wissenschaftlichen Methoden angewandt. In unserem Altagsleben kommen wir
auch intuitiv zu den Erklärungen, die uns jemand anderes gegeben hat, an dessen Autorität wir glauben. In wissenschaftlichen Methoden sind diese beiden Variationen als Pramana oder Mittel oder Kennzeichen des Wissens bekannt. Aber der unzulässige Gebrauch solcher Pramanas führt nicht zum Wissen sondern zum Gegenteil. Unglücklicherweise gibt es keinen Weg, ihn sofort zu widerlegen. Wenn ich an etwas glaube, bin ich selbst die Quelle meines Glaubens. Der Glaube hat seinen Ursprung in mir
selbst. Solch eine Glaube kann bei späterer Überlegung aufgegeben werden. Aber wir beginnen genauso an die Überzeugung eines anderen zu glauben, und es ist schwierig, solche Überzeugungen hinauszuwerfen. Solche Überzeugungen sind unter dem Begriff "Glauben" bekannt. Und wenn dieser Glaube mit einer gewissen Systematik verbunden wird, wird das "G" von Glauben ganz groß. Der Glaube wird König Glaube und nimmt die Form von Religion an. Obwohl der Ursprung von solch einem
König Glaube oder Religion derselbe ist wie der des Wissens der Wissenschaft, kann er die dem Wissen entgegengesetzte Form annehmen. Aber er fängt an, das Verhalten des Menschen zu kontrollieren. Das Ergebnis ist die Gründung einer Kultur, die sich auf Glauben gründet. Es versteht sich ohne Worte, daß die Tradition solch einer Kultur der Säkularisierung entgegengesetzt ist. Aber es ist auch klar, daß es während irgendeines Verlaufs der Geschichte nicht vermieden werden kann, dennoch kann es
von Zeit zu Zeit wiederhergestellt werden. Denn das, was wir Kultur nennen, ist das Okulieren der Natur, und weil das, was wir aufpfropfen, nicht nur von unserer Wissenskapazität sondern auch von unseren inneren Bewegungen, unseren Einstellungen und unseren Ansichten von neu und alt zusammengefaßt wird, ist der Zusammenschluß des Rationalen mit dem Irrationalen daran gebunden stattzufinden, was zu Nichtsäkularisierung führt. Aber von Zeit zu Zeit kann es wieder hergestellt werden, wie ich
schon vorher gesagt habe, durch Selbstbeobachtung und Rückblick. Wie ein Philosoph sollte ein Gelehrter für Geschichte und Kultur auch mit der Methode des Zweifels beginnen. Er muß von Grund auf skeptisch sein. Sonst wird das, was er weiß oder versucht zu wissen, durch Andersweltlichkeit verdorben. top |