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Wege durch die Zeit ins 21. Jahrhundert


Savitri (3) - Seine tiefgründig glänzende Bedeutung

Dr. Ananda Reddy
 

Übersetzung: Sara-I. Geerdes
Redaktion: Carla Geerdes

Sri Aurobindo
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S.A.C.A.R.

 

Die Ausgabe von Savitri, die ich in der Vorlesung benutzte, ist ohne den Untertitel "Eine Legende und ein Symbol" erschienen. Ich fragte mich, warum die 1954 vom Internationalen Sri-Aurobindo-Universitätszentrum herausgegebene Sammlung, Band II, den Untertitel weggelassen hatte, und wendete mich zur Klärung an Amal Kiran. Er bestätigte, daß es ein Fehler der Herausgeber sei, und daß Sri Aurobindo in einem Brief darauf hingewiesen habe, daß Savitri ohne den Untertitel nur als Legende verstanden werden würde; der in der ersten Ausgabe von Savitri im Jahre 1950 enthaltene Untertitel ist also unerläßlich.

Wir Inder assoziieren mit dem Namen Savitri den vedischen Sonnengott – den Schöpfergott. Die mit dem Rigveda Vertrauten dürften sich an Rishi Shyawashwas Hymne an Savitri erinnern:

"Der Erleuchtete verband ihren Geist und sie verbanden ihre Gedanken mit der erleuchteten Gottheit, mit dem unendlichen, erleuchteten Bewußtsein; allein der Eine, der um alle Manifestationen der Erkenntnis weiß, ordnet die Opfergabe an. Gelobt sei Savitri, die erschaffende Gottheit."

(Rigveda, V. 81)

Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes Savitri bezeichnet "einen Impuls, ein weiteres Verlieren oder Ausstrahlen... und... ein Werk". Das bedeutet aber nicht, daß Savitri, die Sonnengottheit, auf mechanische Art und Weise etwas erschafft oder herstellt. Es soll vielmehr zum Ausdruck bringen, daß sich das im Innern latent schon Vorhandene fortlaufend herauslöst. In der Sprache der Gita entspricht es dem bewußten Willen des höchsten Seins, sich selbst in der Vielfalt auszudrücken. In der Sprache der Veden entfaltet Savitri durch die Tapas oder den Druck des Bewußtseins die Schöpfung:

"Der Schöpfer, die oberste Gottheit, manifestiert das Himmlische, und sein Licht breitet sich aus, während er der Morgenröte folgt."

(V.81)

Der Rigveda spricht auch von Surya-Savitri. Der Stamm "Surya" bedeutet "lösen, loslassen, vorangehen, erschaffen", aber er kann auch als "das Erleuchtete, das Leuchtende" verstanden werden, so wie der erleuchtete Denker als Suri bezeichnet wird. Verbinden wir diese beiden Bedeutungen miteinander, ist Surya-Savitri nicht nur der Schöpfer, sondern auch die "offenbarende Vision", der Alles-Seher.

Surya-Savitri bringt nicht nur die "aus der Masse des Surya herausgelösten" Worte hervor sondern auch "diesen Seher der sich selbst offenbarenden Wahrheit,... die grenzenlose Harmonie der göttlichen Welten, die bestimmt sind von der selbst-bewußten supramentalen Wahrheit und dem leibhaftigen Gesetz der manifestierten Gottheit".

Surya bringt den Welten diese "grenzenlose Harmonie" als ein Erleuchteter, weshalb die vedischen Seher an Surya-Savitri im Gayatri-Mantra erinnert haben:

"Wir meditieren über das wunderbare schöpferische Leuchten des Gottes Savitri. Möge er unsere Gedanken erleuchten und ihnen Energie liefern." Das schöpferische Leuchten bezieht sich auf Savitri und das Erleuchten auf den Surya-Aspekt.

Auch Sri Aurobindo hebt in seinem Gayatri den Aspekt des Lichtes von Surya hervor:

"Laßt uns über die glückverheißende (beste) Form von Savitri meditieren, über das Licht des Höchsten, welches uns durch die Wahrheit leuchten soll." Das Licht ist die glückverheißende Form Savitris, dieses Licht des Höchsten Schöpfers, das uns den Weg beleuchtet und außerdem unser Wesen in den Supermind transformiert - natürlich nicht ohne die Gnade Aditis, der Mutter.

Langsam und allmählich entwickelt sich der transformative Aspekt oder die Arbeit des Göttlichen in uns, denn Savitri manifestiert sich unter einem dritten Aspekt, dem des Pushan, des Vergrößerers. Pushan bedeutet vergrößern, fördern, nähren. Folglich wird Pushan als "Gott und Herrscher der Fülle, als Gott unseres Wachstums und als unser Begleiter" angesprochen: "Es ist dieser Vergrößerer, der den Geist der Erleuchteten anregt und mit dessen Hilfe sie ihre Gedanken realisieren und vervollkommnen; Er ist der Seher in dem denkenden Menschen, der Gefährte seines erleuchteten Geistes, der ihn auf den Weg bringt."

Gehen wir tiefer auf die spirituelle Symbolik von Savitri ein, nähern wir uns der vedischen Vorstellung von der Verbundenheit des Menschen mit dem Universum. Das menschliche Individuum wird dort als mikroskopischer Repräsentant der makroskopischen Konstitution des Universums gesehen; das bedeutet, daß der Mensch in seinem Inneren alle Welten enthält, in denen er äußerlich lebt: "Subjektiv enthält der Mensch in sich alle Welten, in denen er objektiv enthalten ist."

Die vedischen Rishis bezeichneten das körperliche Bewußtsein als Prithivi oder Bhu, die Erde, das geistige Bewußtsein als Dyau oder Swar, den Himmel. Zwischen dem Körperlichen und dem Geistigen liegt Bhuvar, das dynamisch lebenswichtige oder nervöse Bewußtsein; Savitri wurde als Schöpfer und Gestalter (Twastri) all dieser Formen angesprochen. Surya kommt dann als der Offenbarer, er beleuchtet alle außergewöhnlichen Dinge und Erfahrungen in den drei Welten. Was bedeutet das für den Menschen? "Es offenbart Wahrheit, Sinn und Zweck, Rechtfertigung und richtigen Umgang."

Das Gefühl der inneren und äußeren Harmonie erhöht die Einheit des Menschen mit sich selbst und seiner Umwelt, denn der Mensch kann durch "die Erleuchtung" seine gegenwärtige Unwissenheit auflösen und das Licht sehen. Diese mentale Erleuchtung ist immer notwendig, "bevor die Wahrheit, das supramentale Prinzip, Besitz vom niedrigeren Dasein ergreifen kann," schreibt Sri Aurobindo.

Wenn Surya die Gipfel des Geistes erleuchtet, beschwört der Rishi Pushan, "den göttlichen und leuchtenden Vergrößerer der menschlichen Seele," um ihn zum Licht zu führen, das Surya Savitri erzeugt: "Pushan kennt alle Bereiche, und er kann uns den am wenigsten gefährlichen Weg zeigen. Laß den Spender der Glücksseligkeit, den lodernden Gott, der alle Energien beherrscht, mit seinem Wissen vorangehen."

(Vol. 10, P. 436)

Nun gehen wir etwas tiefer auf die zwei unterschiedlichen Einzelaspekte Savitris, des Schöpfers, ein, den des Offenbarers und den des Vergrößerers, Surya und Pushan. Savitri ist die Tochter der Göttin der höchsten Wahrheit, die auf die Erde kommt, um sie vor dem Tod zu retten und sie unsterblich zu machen. Sri Aurobindo beschreibt in seinem Epos die Inkarnation dieser Göttin Savitri, die von Brahma dazu bestimmt wurde, dem König Ashwapathy als seine Tochter Savitri geboren zu werden.

Stellen wir hier die Verbindung zwischen dem höchsten Schöpfer Savitri der vedischen Rishis und Sri Aurobindos "Savitri" her, werden wir neuer Bedeutungshorizonte gewahr. Die vedische Vorstellung und Sehnsucht wird wieder aufgegriffen, gehegt und eingelöst. Sri Aurobindo bildet die Regenbogenbrücke zwischen Surya Savitri und der Inkarnation der Göttin Savitri, womit Sri Aurobindo die Visionen der vedischen Seher in der göttlichen Apocalypse vollendet. Die Erfüllung des vedischen Dreikönigsfestes, der Sieg der Visionen der Rishis, das Aufsteigen der verlorenen Sonne "zu ihrem Heim der Wahrheit" ist nichts anderes als die "zweite göttliche Schöpfung".

Wenn Surya Savitri im Menschen "eine umfassende Vision aller Welten und aller Geburten als Teile des göttlichen Lichtes erhält, die die grenzenlose Aditi verkörpert, dann ist diese neue Sicht aller Dinge, diese neue Gestaltung der Gedanken, der Handlungen, der Gefühle, der Wünsche, des Bewußtseins als Ausdruck von Wahrheit, Glücksseligkeit, Recht, Unendlichkeit eine neue Schöpfung".

Sri Aurobindos Savitri beschreibt "diese neue Sicht aller Dinge, diese neue Gestaltung der Gedanken" ebenso wie die neue Art von Wesen, die nach den Menschen kommen wird. Die Veden brachten die Götter und die Menschen der ersten Schöpfung hervor, Sri Aurobindo hat die Keime für die Super-Menschen gesät, die die Götter und die Menschen übertreffen werden, denn das ist der zweite Kreislauf der göttlichen Schöpfung.

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