Morgendämmerung, die Botschaft jenes Lichts, das niemals stirbt, stand wie des Augenblicks Besuch an Lebens schmaler Grenze - "Eine tiefdunkle Glückseligkeit in den mystischen Sinn-Hieroglyphen der Farbe interpretierend, formte Es die Zeilen eines bedeutenden Mythos, Kunde von der Größe geistiger Morgendämmerungen, einen leuchtenden Code, der aufgeschlagenen
Seite des Himmels eingeschrieben." Die Dämmerung, von der Gottheit an den Himmel gemalt wie auf ein unbeschriebenes Blatt, ein Geschehen von mythischer Bedeutungsfülle, ein Mythos, der von der Erhabenheit anbrechender Geistesdämmerungen berichtet, die noch kommen werden. Offenbar ist das nicht in irgendeiner menschlichen Sprache geschrieben, sondern in der Geheimschrift (den Hieroglyphen) der Farbe. Dem, der
diese Hieroglyphen verstehen oder erklären kann, offenbart sich "der bedeutungsschwere Mythos". Savitri ist faktisch selbst ein bedeutender Mythos, der von der Größe spiritueller Morgendämmerung erzählt. Ein Mythos ist wesentlich eine archetypische Geschichte, die für die Summe aller Zeiten relevant ist, auf jede Zeit bezogen werden kann. Durch unterschiedliche Formen und Personen, die mit
bestimmten Zeiten und Kulturen verbunden sind, wiederholt er sich ohne Ende in jedem Individuum und an jedem Tag. Der Legende entsprechend mag er in der Vergangenheit angesiedelt sein, aber essentiell ist er ewig und von universaler Gültigkeit. Wie der Dichter in seinen Schriften sagt: Vergangenheit ist auch das Jetzt, Was war, ist auch lebendiges Geschehen.... Zweifaltig Einheit aus dem Damals und dem Nun, Erfüllt es sein Mysterium.... Im Augenblick, da es erkannt,
Ist es das Fest der Götter. Der Typ des Mythos, den Sri Aurobindo für Savitri verwendet, entspricht dem unverfälschten Typus säkularisierter Legenden und nicht der Kategorie "religiös philosophischer Allegorien", den man in den Puranas findet. Die religiösen Mythen sind "eine Art von Poesie, die sich an eine sonderbare mentale Beschaffenheit wenden....in der ein starker Hang zur Religion mit einer imaginationsbereiten Tendenz zur Suche nach Symbolen kombiniert ist, beides den religiösen Kern atmosphärisch umgebend, der andernfalls (in dünner Luft) auf allzu atemfernen Bergesgipfeln wohnen würde, und zum Schutz gegen den Einfluß dogmatischer Gesinnung". (SABCL: 27, S. 150)
Was Sri Aurobindo mit dem Typus des Hindu-Mythos meint, ist folgendes: "Der Hindu-Mythos hat nicht das warme leidenschaftliche Leben des griechischen. Das Hindu-Gemüt war zu streng und idealistisch, um genügend empfänglich für die poetische Färbung zu sein, die mit Verbrechen, Sünde und übermäßig starker Leidenschaft verbunden ist; ein Ödipus oder Agamemnon steht deshalb außerhalb der Grenzen seines kreativen
Vermögens... das nicht an Wärme, Farbigkeit, schnelles Leben und den Geschmack von Erde für die Griechen heranreicht; die überlegene spirituelle Lieblichkeit und Begeisterung der Hindu-Mythen war nicht bestrebt, die Oberfläche der Erde mit unvergänglicher Schönheit zu bekleiden; sie forschen tiefer, bis in den weiß glühenden Kern der Dinge und die zyklische Umlaufbahn ihres Denkens kurvt abwärts rund um die verborgensten Gründe der Existenz, aufwärts bis über die höchsten, beinahe
unsichtbaren Gewölbebögen idealer Möglichkeiten hinaus nach oben. Laßt mich den Gegenstand etwas genauer berühren. Der Unterschied zwischen griechischen und den Hindu-Temperamenten bestand darin, daß das eine vital, das andere super-vital ausgerichtet war; das eine physisch, das andere metaphysisch; das eine empfänglich, empfindungsfähig für das Sonnenlicht als seine natürliche Lebenssphäre und Entgrenzung freudiger Aktivität, das andere von der Auffassung geprägt, das Licht der Sonne sei ein
goldener Schleier, schöne und wunderbare Dinge verbergend, nach denen es keuchend verlangte.... Daher die enorme Differenz der Ebenen zwischen unterschiedlichen Legenden oder derselben Legende in unterschiedlichen Händen, die Sublimität oder Sanftheit des Besten, die Banalität des Schlimmsten, verbunden mit geringen Beimischungen dazwischenliegender Durchschnittlichkeit, die den Kontrast verschattend
nivelliert. Die alten Mythen mit ehrfürchtigen Händen zu berühren und von verschmutzendem Zuwachs zu reinigen, bis einiges von ihrer antiken Strenge, Einfachheit und feierlichen Tiefe schöner Bedeutung wieder zu strahlen beginnt, ist eine Ambition, der sich Hindu-Poeten von heute widmen dürfen und die sie angemessen würdig pflegen." (SABCL: 27, S. 150,151) Es mag mit dem Ideengehalt dieser Auffassung,
namentlich mit der Überzeugung verbunden sein, es gelte, "die alten Mythen mit ehrfürchtiger Hand zu berühren und von trübendem Beiwerk zu reinigen, bis wieder einiges der antiken Strenge aus ihnen strahle", daß Sri Aurobindo den Faden der Geschichte von Ruru und Priyumvada aufgenommen hat, die für ihn "zum Bedeutendsten und Kraftvollsten an Ideen unserer alten Legenden gehört; denn es handelt sich eher um eine Idee, als um eine Erzählung". Auf diese Weise nahm sich Sri
Aurobindo auch der Legende von Savitri aus dem Mahabharata an, da er gefesselt war von der "Leidenschaft einer einzelnen Frau, ihrer schrecklichen Stille und Stärke, deren Abgrund als Fallgrube klafft wider den Tod, der die Seelen trennt." (Ibid., S. 154) Was an dieser mythischen Wahrheit der Legende von Savitri ewig ist, entspricht dem zentralen Gestaltungsbegriff der Veden, bedeutet die Überwindung der Finsternis des Unwissens durch die Wahrheit und durch diesen Sieg der
Wahrheit auch den Eroberungszug der Unsterblichkeit. Diese ewige Wahrheit, die sowohl als kosmisches Stadium, wie auch im Sinne aller individuellen Ebenen die entscheidende Rolle zu spielen beginnt, wird am besten durch die Geschichte der Savitri eingefangen, insbesondere, wenn sie in den Händen des Kavi Sri Aurobindo spirituelle und supramentale Dimensionen gewinnt. In einem Zeitalter, da Wissenschaft und
Materialismus vom menschlichen Bewußtsein Besitz ergreifen, gibt uns Sri Aurobindo einen alten Mythos zurück, überträgt ihn und reicht ihn weiter als Geschenk an die Menschheit der Zukunft. Es mag damit nicht vereinbar scheinen, aber, wie Herbert Read schrieb: ".... während die Wissenschaft immer weiter in das Geheimnis des Lebens eindringt, kehrt sie zurück in eine mythologische Welt. Ich beziehe
mich im besonderen auf die Wissenschaft von der individuellen Psyche, worin alle Wissenschaft gipfelt; denn wir wissen nichts, bevor wir uns nicht selber kennen. Und je mehr wir durch uns selbst über objektive Methoden der Beobachtung und Analyse lernen, um so mehr wird uns klar, daß unser Wissen bereits in den Mythen aus alter Zeit kristallisiert ist..... Mythen, die tot waren, sind jetzt wieder lebendig, und es mag sein, daß im Lauf der Zeit all die alten Götter und Helden, die das Gemüt
des Menschen für Jahrhunderte bevölkert und befriedet haben, zurückkommen werden, um ihre symbolischen Funktionen wieder aufzunehmen und weiter zu führen." (Aus A Study of Savitri von Prema Nandakumar, S.308) Ein weiteres mal wird die Bedeutung des Mythos für unsere Zeiten von Bedyaev in seinem Buch The Meaning of History scharf hervorgehoben, wenn er bemerkt: "Das menschliche Bewußtsein reflektiert und wiederholt die historischen und kosmogonischen Prozesse der Natur, die während ihrer Frühstadien die Gestalt der Mythologie annehmen. Das mythologische Bewußtsein ist voll der kosmischen Mythen, in denen der Mensch als natürliches Wesen zum Vorschein kommt, das mit den Naturgeistern verbunden ist. Diese Mythen enthüllen auch die Bindungen, die den Menschen mit den Hauptvorgängen der Weltschöpfung und -gestaltung vereinen, die viel weiter zurück reichen als die Verfestigung der Materie, mit deren Zeitpunkt die Wissenschaft später ihr Studium der Weltevolution beginnen lassen wird... Mythologie ist der Urquell menschlicher Geschichte." (Ibid., S. 308)
Wie auch immer, in Sri Aurobindo reflektiert die Savitri-Legende aus dem spirituellen Blickwinkel nicht nur das Urgeschehen der Welterschaffung und -gestaltung, sondern auch die Zukunft der Welt und die spirituelle Bestimmung des Menschen. Unter dem Gesichtspunkt der unterschiedlichen Möglichkeiten, sich dem Mythos zu nähern, namentlich der allegorischen, moralischen und psychologischen Weise, hat sich Sri Aurobindo für
die "analog-symbolische Annäherung" entschieden, die den epischen Aufstieg der menschlichen Seele abbildet. In diesem Licht betrachtet, werden der vedische Mythos und die Erzählung aus dem Mahabharata in Form einer Prophezeiung und des Versprechens übertragen, die Erde werde sich selbst in göttlichem Leben erfüllen. "Die Leinwand (der Malgrund) von Savitri ist so weit gespannt wie der
Kosmos, und ihre Klarsicht kennt Welten des Seins, die mit der Menschheit verbunden sind, aber aufgrund ihrer Begrenzungen und ihres Unwissens nicht wahrgenommen werden. Nichtsdestoweniger wirken diese Ebenen auf das menschliche Bewußtsein ein. Auch gibt es in ihnen höhere Stadien der Bewußtheit, die sich hier bis jetzt noch nicht manifestiert haben, aber Druck auf das Erdbewußtsein ausüben, um sich zu offenbaren. Sie enthalten Lebewesen, Mächte und Präsenzen, die in diesen Gefilden des
Lichts, des Bewußtseins und der Glückseligkeit leben, den Welten der Wahrheit. Die Seele der strebenden (nach Vervollkommnung trachtenden) Menschheit, symbolisiert durch Uswapathy, den Gott des geoffenbarten Lebens, begibt sich zuerst, aus dem menschlichen Bewußtsein absteigend, in die unteren Regionen der Unbewußtheit und Materialität, der Bereiche des niedrigen Vitalen, dessen Himmel und Hölle, und es geschieht im Sinne bewußter Zeugenschaft. Dann steigt er (Uswapathy) auf zu den
Himmeln höheren Lebens, wechselt hinüber zu den Himmeln des Geistes. Nachdem er sich darüber hinaus hoch geschwungen hat in die Sphären über dem gewöhnlichen Geist, die Himmel geistig idealer Vollendung und erleuchteten Bewußtseins, passiert er die Grenzen manifester Schöpfung in Richtung des Zentrums, von dem alles Erschaffene seinen Ausgang nimmt. Von einem gewaltigen Lichtstrahl durch den Tunnel getragen, der in die erhabene Mitte des Seins führt, findet er sich von Angesicht zu Angesicht
der Weltseele gegenüber, der Zwei-im-Einen. Hier erfährt er nun die Gegenwart der göttlichen Mutter, der Erhalterin des Kosmos. Es ist
S i e , die Kraft und Stärke des Höchsten, die ihm den Segen verleiht und mit auf den Weg gibt, der die Menschheit aus dem krassen Gefängnis der Unwissenheit und vor der Unterwerfung durch den Tod retten wird. In ihrer Eigenschaft als Macht des Wahrheitsbewußtseins befreit Savitri nicht nur den Menschen, sondern erschafft hier (auf Erden) Bedingungen für die Verkörperung des höchsten Lichts. Sie zeigt, wie des Menschen Sein auf diesem Plan erfüllt werden kann durch ein göttliches Leben." (A.B.Purani, Savitri,
An Approach and a Study, S. 31-32) Deshalb sind es die Verse, die Sri Aurobindo schreibt, um Usha, die Göttin der Dämmerung zu schildern, insbesondere der folgende, der prachtvoll auf Savitri selbst zutreffen: Es schrieb die Zeilen, die bedeutungsvolle Sage kündend von der Größe einer Morgendämmerung des Geistes (S. 6) Indem er zur Beschreibung dieser Dämmerung zurückkehrt, schreibt der Dichter : An diesem Tag ward göttliches Erscheinen fast enthüllt, Als dessen Zeichen unsere Gedanken, unser Hoffen flackern; Einsame Herrlichkeit aus jenem unsichtbaren Tor, weit Ausgeworfen schon beinahe über alles undurchdringlich dumpfe Sein Sofort wird unser Aufmerksamkeit auf die Formulierung "an diesem Tag" gelenkt - An diesem Tag war Satyavan bestimmt, zu sterben Es ist "dieser Tag", an dem die Morgendämmerung Epiphanie oder die Manifestation eines mächtigeren Lichts ankündigt, das die Welt noch nie zuvor gesehen hat; dieser
Tag, an dem die Finsternis der Nichtigkeit und Leere, der Widerstand der Erde von der "einsamen Herrlichkeit" bezwungen werden, dieser Tag, an dem Satyavan verurteilt ist zu sterben und dennoch nicht stirbt; dieser Tag, an dem Der Mensch die Bürde seines Schicksals auf sich nahm
An diesem Tag, Da einmal mehr ein Schreiten (wie auf einem Pfad) die leere Unermeßlichkeit der Ödnis unterbrach Es ist der sanfte, weiche Tritt der Göttin Usha, der die leeren Wüsten verwirrt oder stört wie "Schönheit und Wunder die Felder Gottes störten". Die "unbewohnte Ödnis" ist "leere Null", "unermeßliche Düsternis", "lautloses Nichts", "undurchsichtig dumpfe Blödigkeit". All diese
verwandten Bezeichnungen, die in verschiedenen Teilen des Cantus plaziert sind, "führen dem Leser beständig vor Augen", schreibt Sri Aurobindo, "und zwar nicht fantasieanregend, sondern die Aufmerksamkeit fördernd, wie die volle Wahrheit der Vision in ihrer Totalität erfaßt werden muß, der immer gegenwärtige Sinn der Nichtbewußtheit, in dem alles sich ereignet. Es ist sowohl der Rahmen, als auch der Hintergrund, ohne den alle Einzelheiten entweder zerfallen oder als getrenntes
Geschehen hervorstechen würden. Diese Notwendigkeit hat so lange Bestand, bis die Morgendämmerung vollständig angebrochen ist, danach verschwindet sie; jeder Ausdruck fixiert die Nichtbewußtheit entsprechend ihrem Ort und Kontext auf geeignete Weise. Ist Eingang für den Auftritt der "einsamen Herrlichkeit" in dieser ansonsten blockierten und aufnahmeunfähigen Welt, die zur Erscheinung gebracht
(aus sich herausgeholt werden muß), und dies kann nicht ohne das Bild "undurchsichtiger Blödigkeit" (Dummheit) des Nichtbewußten geschehen, die dem Szenarium und der Ursache des Widerstands entspricht. Dieselbe Notwendigkeit gilt für das Erinnern des Lesers daran, daß der "Schritt" (behutsame Tritt und sanftes Schreiten) der göttlichen Mutter ein Sich-Aufdrängen die Störung des Nichtbewußten und die Erlösung davon waren." (Savitri, S. 908) Usha, die göttliche Morgendämmerung, ist dem Hinweis Sri Aurobindos im oberen Abschnitt entsprechend auch die göttliche Mutter. Die Dämmerung - das Zentrum der Unendlichkeit, ein hinreißend ruhevolles Antlitz - läßt einen Spalt ihrer ewigen Augenlider sehen, die den Himmel öffnen; eine Gestalt aus fernen Gefilden der Seligkeit schien sich zu nahen. (S. 7) Wie kann "Unendlichkeit" eine "Mitte" haben, mag jemand fragen. In Wahrheit haben Unendliches und Ewiges weder ein Zentrum, noch einen Umfang, aber wenn der Modus des Erscheinens Raum greift, nimmt der ewige gestaltlose Geist die Formwerdung auf sich, und diese Form enthält die Potentialitäten aller künftigen Gestaltungen. Diese Form entspricht Aditi, der Göttlichen Mutter, über die Sri Aurobindo in The Mother schreibt:
"Die eine uranfängliche transzendente Shakti, die Mutter, steht über allen Welten und trägt in ihrem jenseitigen Bewußtsein die höchste Göttlichkeit. Sie allein birgt absolute Macht und unaussprechliche Gegenwart; Wahrheiten fortgesetzt vollendend oder rufend, die manifestiert werden müssen, holt sie diese aus dem Mysterium, in dem sie verborgen waren, herab in das Licht ihrer unendlichen Bewußtheit, verleiht ihnen
im Bereich ihrer allmächtigen Energie und ihres grenzenlosen Lebens eine Gestaltung der Kraft und für das Universum einen Leib. In ihr verwirklicht sich das Höchste als immerwährend, als Satchidananda ohne Ende, dessen Manifestation als doppeltes Bewußtsein von Ishwara-Shakti und zweifaches Prinzip von Purusha-Prakriti sie durch Einkörperung auf allen Welten und Ebenen zusammen mit allen Göttern und deren Energien bewirkt, die durch sie in der Weise, wie alles ist in sämtlichen
bekannten und unbekannten Sphären Gestalt annehmen." So kann also gesagt werden, daß Aditi, die nun in diesem Eröffnungsgesang von Savitri als Göttin der Morgendämmerung dargestellt wird, "in zweifacher Weise Botschafterin sowohl der Ewigkeit, als auch der Wandlung ist". Sie ist es, die Vielfalt, Wechsel und Sterblichkeit mit Ewigem durchwirkt. Sie ist auch "Die allwissende
Göttin", denn als das Absolute den Willen hatte, Vieles zu werden, brachte es zuerst aus sich das Wissen und die Macht hervor, wovon Aditi gestaltet wird. Mit dem Höchsten als Wissen und Macht in sich beginnt Aditi die Welten zu schaffen, da sie die Weisheit der Kenntnis bewahrt und hält, wie diese vollendet werden sollen. Auch aus dem vedischen Blickwinkel sehen wir eine Identifikation der
Göttlichen Mutter mit Usha. In Secret of the Veda (Geheimnis der Veden) erläutert Sri Aurobindo (SABCL, S. 126): "Usha wird wiederholt als Mutter der Kühe beschrieben... aber in den Veden sehen wir, daß Aditi, die Mutter der Götter, als beides beschrieben wird, Kuh und Allmutter; sie ist das höchste Licht und von ihr geht alles Strahlen aus... Usha als die Mutter der Kühe kann nur eine Gestalt oder Kraft
des höchsten Lichts, der höchsten Bewußtheit, der Aditi sein. Tatsächlich finden wir sie so beschrieben unter I. 113, 19:....."Mutter der Götter, Gestalt (oder Kraft, Macht) der Aditi." Usha, schreibt Sri Aurobindo, "lehnte sich quer über alle Weiten, die der Sterne schicksalsvorbestimmten Reiseweg umhüllen", und dann, kurz vor dem Erscheinen in der Welt, wirft sie einen letzten sehnenden Blick
zurück auf Surya, der ihr folgt wie ein junger Liebender, bevor sie sich "ihrem unsterblichen Werk zuwendet". Und was mag dieses "unsterbliche Werk" der Göttin Usha sein ? Rishi Gotama Rahugana antwortet: "Die Göttin zeigt sich und schaut hin auf alle Welten, strahlend weit geöffnet ist das Auge der Vision; alles Leben erweckend, sich zu bewegen, entdeckt sie Sprache für alles, was
denkt." So gesagt, "entläßt die Morgendämmerung Leben und Geist in deren vollste Weitung." Auf einer tieferen Ebene erweckt sie den Menschen zum Bedürfnis nach spirituellem Sein, oder, wie Rishi Vasishta sagt, "Göttlich kommt die Morgendämmerung, mit ihrem Licht vertreibt sie alle Finsternis und alles Böse." Sie ist in der Tat nicht nur Führerin und Hüterin beglückender Wahrheiten, sondern
auch unserer Gesundheit und Freude im geistigen Sinne, Bringerin jener Seligkeit, die der Mensch erreichen kann oder die zu ihm gebracht wird von der Wahrheit." (SABCL, S.130) Aber in Savitri wird das erste Stadium des Erscheinens der Morgendämmerung zuerst von der Natur gefühlt, die sie willkommen heißt: Erwachend vernahm das Ohr der Natur ihre Schritte...
Luft war eine schwingende Verbindung zwischen Erde und dem Firmament; Auf weit gespannten Schwingen stieg der Hymnus Eines großen priesterlichen Windes Und sank herab, Versiegend auf den Hügeln der Altäre; Die hohen Zweige beteten in einem Himmel, der sich selbst gebar Diese Passage betrachtend, hat uns Sri
Aurobindo einen erschöpfenden Kommentar gegeben, der uns Hinweise bezüglich der Art des Dichters vermittelt, Symbole, Gleichnisse und Wirklichkeiten hinter den Symbolen seiner Anschauung entsprechend zu sehen. Hier folgt nun die lange, aber höchst inspirierende Selbstanalyse: "Zunächst komme ich zur schneidenden Attacke des Kritikers bezüglich der Passage meiner symbolischen Vision von Nacht und
Morgendämmerung, in der die bewußte Anbetung der Natur wiedergegeben wird, als sie die Ankunft der allwissenden Göttin des ewigen Lichts spürt... Ich habe nicht nach Originalität, sondern nach Wahrheit und dem wirksamen poetischen Ausdruck meiner Vision gesucht... Das Hauptgewicht seiner Argumentation liegt bei der Feststellung, es gebe da eine gewaltsame und insgesamt unrechtmäßige Übertragung des Epithetons (der Beifügung) in der Formulierung "Auf weit gespannten Schwingen stieg der
Hymnus eines großen priesterlichen Windes". Die Übertragung eines Epithetons ist nicht notwendig illegitim, insbesondere, wenn sie etwas zum Ausdruck bringt, das wahr oder notwendig ist, um ein klingendes Fühlen und visionäre Schau der Dinge zu transportieren... Der Kritiker denkt offenbar, daß ich mir den Wind im Besitz eines geflügelten Körpers vorgestellt, dann die Flügel von seinen Schultern abmontiert und
seiner Stimme oder Hymne angeklatscht habe, die keinen Körper haben kann. Nichts dergleichen habe ich getan; ich bin nicht darauf verpflichtet, dem Wind Flügel zu verleihen. Im Sinne okkulter Wahrnehmung sind Atem, Geräusch und Bewegung, durch die wir Kenntnis vom Wind haben, nicht sein wirkliches Sein, sondern nur die physische Manifestation des Windgottes oder des Geistes der Luft, wie das heilige Feuer in den Veden nur die physische Geburt, den zeitweiligen Leib oder die Manifestation des
Feuergottes Agni meint. Der Gott der Luft und andere Gottheiten der indischen Tradition haben keine Schwingen, die Maruts der Sturmgötter reiten mit ihren blitzenden goldenen Lanzen auf ihren Streitwagen im Galopp durch die Himmel, die Wesen der mittleren Welt aus den Fresken von Ajanta bewegen sich sichtbar ohne Flügel, aber mit dem natürlichen Bewegungsgefühl durch die Luft, das ihren ätherischen Leibern entspricht. Das Epitheton "weit geflügelt" gehört also nicht zum Wind und ist
nicht von ihm abgeleitet oder übertragen, paßt aber zur Stimme des Windes, welche die Form einer bewußten Hymne der Sehnsucht, des Verlangens annimmt und aus der Brust des großen Priesters aufsteigt, als würde ein Vogel mit mächtigen Schwingen in den Himmel entlassen, dann sinkt und wieder steigt, sich auf den Altarhügeln erhebt und versiegt und sich wieder erhebt. Mit Gewißheit kann von einem Gesang des hohen Trachtens die Rede sein oder seinem Hochsteigen auf weit gespannten Schwingen, und
ich kann nicht sehen, warum dies als falsches oder unpoetisches Bild eingestuft wird. Anschließend wendet sich der Kritiker dem Ausdruck "Hügel der Altäre" zu und begründet es mit der Auffassung, die Formulierung sei überflüssig, da die Vorstellungskraft des Lesers sich dieses Detail durch das bereits Gesagte selbst imaginieren könne: ich denke, das ist nicht zutreffend, ein sehr aufgeweckter Leser mag dazu fähig sein, aber die meisten würden nicht einmal daran denken, außerdem ist
diese Einzelheit ein wesentliches und zentrales Charakteristikum dessen, was gesehen werden soll und ihre Auslassung würde bedeuten, in der Mitte des Bildes eine Lücke zu lassen, indem etwas aus ihm herausgeworfen würde, worauf im Interesse seiner Gesamtheit nicht verzichtet werden kann. Schlußendlich findet er, daß die Zeile von den hohen Zweigen, die in Himmeln beten, die sich offenbaren, nicht hilfreich ist, sondern verdünnend wirkt, anstatt das Bild noch stärker einzuprägen. Ich weiß
nicht, warum, es sei denn, der Betreffende war unfähig, zu fühlen und zu schauen. Das Bild ist das einer bewußten Anbetung, die von der Natur dargebracht wird und in dem jedes Element auf seine eigene Weise bewußt ist, der Wind und sein Hymnus, die Hügel, die Bäume. Der Wind ist der hohe Priester dieses Opfers der Verehrung, seine Stimme erhebt sich in einem bewußten Gesang verlangenden Trachtens nach Hohem, die
Hügel bieten ihre Empfindung dar, ganz und nichts anderes als Altäre der Anbetung zu sein, die Bäume richten ihre Zweige als Verehrende dem Himmel entgegen, stille Figurationen des Gebets, und das Licht, in das ihre Zweige emporragen, kündet vom Jenseits aller Dinge, wonach alles trachtet. In jedem Fall ist dieses "Bild" oder eher dieser Teil der Vision eine vollständige Übersetzung dessen, was ich im Licht der Inspiration und der Erfahrung, die mir zuteil wurde, gesehen habe. Ich
hätte in der Tat mehr Einzelheiten sorgfältig herausarbeiten, für deren einprägsames Mehr an Länge sorgen können, das aber wäre überflüssig und nicht notwendig gewesen; oder ich hätte einer gedehnteren Beschreibung nachgeben können, das wäre aber nur zweckdienlich gewesen, wenn sich die Vision im ganzen als eingeschränkt auf diesen Teil erwiesen hätte. Die letzte Zeile ist der Ausdruck einer Erfahrung, die ich oft gemacht habe, sei es im Gebirge, in den Ebenen von Gujarat oder beim Blick aus
meinem Fenster in Pondicherry, nicht nur während der Dämmerung, sondern auch zu anderen Zeiten, und ich bin nicht imstande, irgendeine Schwäche zu finden, weder im geistigen Erlebnis, noch in den Worten, von denen es ausgedrückt wird." "Während die ganze Natur empfänglich ist für die Göttin des ewigen Lichts, ist der Mensch in seiner zwielichtigen Unwissenheit nicht fähig, das Licht wahrzunehmen; noch ist
sein Bewußtsein stumm und trüb und deshalb ist er nicht fähig, ihr (der Göttin des Lichts) zu antworten. Es ist wie ein Widerwillen, eine Abneigung dagegen, daß Unser machtlos hingestreckter Schmutz den Lichtstrahl im Erwachen angeödet hat Indem er sich auf diese Zeile bezieht, schreibt Sri Aurobindo einem seiner Anhänger: "Ich entsinne mich, daß du in einem deiner Briefe der Meinung warst, "soil" (Schmutz, Schmiere) in der Zeile "Our prostrate soil bore the awakening ray" (Unser machtlos hingestreckter Schmutz den Lichtstrahl im Erwachen angeödet hat) sei aus Versehen an die Stelle des Wortes "soul" (Seele) geraten! Aber s o i l ist korrekt; weil ich das erscheinende Licht beschreibe, das auf die unteren niederen Ebenen der Erde fällt, nicht auf die Seele. Kein Zweifel, die ganze Sache ist symbolisch, aber das Symbol muß im Vordergrund bleiben und was davon symbolisiert wird, muß geheim bleiben oder darf sich nur verstohlen für einen Augenblick im Hintergrund zeigen, es kann nicht offen in den Vordergrund treten und das Symbol zur Seite stoßen." (Savitri S.860)
Angeregt von diesem Widerstand und dem Unvorbereitetsein der Menschen "the vision and the prophetic gleam" ...und dem Unvorbereitetsein der Menschen ließ Die Vision, das Schimmern dieser Prophetie
gewöhnliche bedeutungslose Formen strahlen wie ein Wunder Wie es im Vedischen Vers heißt: "Die Göttin... blickt auf alle Welten hin, das Auge dieser (ihrer) Schau erstrahlt im Glanz der Weite". Nichts läßt
sie zurück, um ein anderes aufleuchten zu lassen; auf alle Welten 'scheint' sie, gewöhnliche und besondere, hohe und niedrige, Mensch und Natur. Aber der Mensch, als 'Todgeweihter' - begrenzt und unvollkommen - erträgt die Gegenwart und Kraft, den erwachenden Strahl, die allwissende Göttin, ein Antlitz verzückter Ruhe, die Enthüllung und die Flamme nur für kurze Zeit. In Gegenwart höheren Bewußtseins
fühlt er sich unsicher, bedrückt, verspannt, gestört, unruhig und besorgt. Zu sehr ist er an seine Kleinheit und Geringfügigkeit gewöhnt, empfindet er Widerwillen dagegen, sich zu ändern, gegen Erweiterung und Entwicklung. Das ist es, weshalb alles abgelehnt wird, was innere Selbstüberschreitung von ihm fordert. Das höhere Streben des Menschen ist ein momentanes, beschränkt sich auf Augenblicke, weil, wie Sri Aurobindo in seinem Gedicht "Man, the Despot of Contraries" (Mensch,
Tyrann der Gegensätze) schreibt: Meine Augen richte ich auf eine Flamme der Gerechtigkeit. Indessen wälz' ich mich in süßer Sünde, nehme teil am Höllentanz; Und noch einmal in "The Children of Wotan" (Die Kinder Wotans): Wir spotten Gottes, ließen verstummen das Murmeln der Priester an seinem Altar
Haben wir Christus nicht ans Kreuz geschlagen? Wie viele unserer Heiligen haben wir nicht ermordet, verbrannt? Sogar das Göttliche wollen wir zum Weggefährten unserer Unwissenheit machen und dessen Aufruf, uns zu erheben, vergelten wir mit der Folter der Qualen am Kreuz. Folglich: Das Gotteslicht, es kann nicht lang verweilen,
nicht willkommen fühlt sich seine höhere Natur, schon zieht der Himmelsatem, ausgegossen, sich zurück. Unerwünscht verblaßt er über Ordnungen der Sterblichen... so löst im Strahlen der gewohnten Luft des Zauberfeuers kurzes Glühen sich nun auf. Die Botschaft endet, läßt den Boten schwinden, der eine Ruf, die Kraft, der nichts sich zugesellt,
zog hin und schwand in fern-geheime Welt... Sie wendete den Blick von unsrer Sterblichkeit. Der Schönheit Übermaß, dem Göttlichen vertraut, gab ihren Anspruch auf die zeitgebor'nen Augen auf; Ihr Leib der Glorie, er ward vom Himmel wieder aufgesogen: nicht länger lebten Seltenheit und Wunder. So entfernte sich die Himmelsgöttin von der Erde,
herrschte irdisch wieder das gewohnte Tageslicht... und einmal mehr begannen die Gerüchte schnellen Lebens jagend ihren Kreislauf zyklisch blinden Strebens... Der Mensch empfand die Bürde des Geschicks. Die göttliche Morgendämmerung zieht sich zurück, verläßt aber weder Erde noch Menschen. Tatsächlich sind die ersten flüchtigen Blicke auf die Göttliche Mutter als Licht der Morgenfrühe nur "eine Ahnung der wunderbaren Geburt, die sich ankündigt". Einige Male sind in der Vergangenheit
göttliche Sendboten auf die Erde herabgekommen, um die Menschheit auf ihre geistige Bestimmung vorzubereiten. Langsam und abschnittsweise (auf unterschiedlichen Bühnen) muß der Mensch in ein Göttliches Leben auf Erden eingeführt werden. Das ist in der Tat die Bedeutung der zehn Avatare (Verkörperungen Gottes als Menschen), die nacheinander gekommen sind, jeder davon einem jeweils nachfolgenden höheren Stadium menschlichen Wachstums und menschlicher Vollkommenheit entsprechend. "Der
Schönheit Übermaß, dem Göttlichen vertraut" ist eine Hymne an die Menschheit. So verklingt der einmalige Ruf und der Mensch fällt aus dem Bereich göttlicher Offenbarung zurück ins Licht des gewöhnlichen Tages. Eine gewaltigere Macht als Usha, die Göttin der Morgendämmerung, ist vonnöten, um Erde und Menschen zu verwandeln, zu erheben und zu transformieren, und dieses gewaltige Mehr an Stärke, Bewußtsein und Liebe, ist Savitri, denn ist sie nicht, wie Sri Aurobindo in einem Brief
klarstellt, den er 1936 schrieb, "eine Inkarnation der Göttlichen Mutter"? "Diese Verkörperung, von der anzunehmen ist, daß sie in fernen vergangenen Zeiten stattgefunden hat, als die ganze Angelegenheit hier geöffnet werden mußte, um die Pfade der Unsterblichkeit (ins Dickicht) zu schlagen". (Savitri, S. 823) Und auch Savitri wurde unter diesen Stämmen wach,
Die da eilten, an dem Sang des leuchtend hellen Rufens teilzuhaben, Und verzaubert von der offenbaren Schönheit Mit Jubel grüßten ihren Teil vergänglich kurzer Freude. Das ist unsere erste Einführung, unser erstes Vertrautwerden mit Savitri. Sie wird uns vorgestellt, wie uns jedes andere menschliche Wesen vorgestellt würde. Prinzessin Savitri erwacht am Morgen dieses schrecklichen Tages. Wir nehmen ihre menschliche Persönlichkeit wahr, obwohl sie "eine vom Himmel geschaffene Frau" ist! Die "Allwissende", Usha, die Göttin der Morgendämmerung kam und "da war das gewohnte Licht des irdischen Tages", oder, wie es Sri Aurobindo in Ilion (Troja) beschreibt: Morgendämmerung auf ihrer Ewigkeiten Reise, die den Sterblichen das Tagewerk gebietet, Morgendämmerung, die alles neu beginnt am Ende jeder Nacht... bleich und mit strahlenden Lippen sei sie erschienen, von fern aus den Nebeln und Frösten des Euxinos angekommen, und die gestirnte schattige Weite der Erde, übergossen mit dem Feuer des frühen Tages, sei zu Leidenschaft, Sorge und Schönheit des Lebens erwacht, umfassend mit allem geborgen an den Brüsten der mitfühlenden Mutter
So ist auch der Stamm, in dem Savitri lebt, zum "Wunder des Lebens" erwacht, unwiderstehlich gefangen von vergänglicher Schönheit und Freude. Für seine Mitglieder mag es ein gewöhnlicher Tag wie jeder andere gewesen sein. Für Savitri aber brachte diese Morgendämmerung eine andere Botschaft von tieferer Bedeutung, in der sich allumfassende Folgen verbargen. Die folgenden Zeilen aus Ilion beschreiben Bedeutung und
Gewicht dieser besonderen Morgendämmerung wunderbar: Näher nun glitten die schimmernden goldenen Füße der Göttin. Weit über Hügel und Höhen des Landes hin spannend ihr prächtiges Kleid Schicksalhaft kam sie, mit Augen, die urteilsfrei schauen auf alles,
Botin des Tages von Reichtum und Sturz für den Menschen. Voll ihrer leuchtenden Botschaft, nicht achtend des weinenden Abends, Schicksalhaft hielt sie gleichmütig inne.... Schicksalhaft hob sie empor das drohende Schreiben, rot von der Schrift der unsterblichen Götter, Tief in die Luft, die unsichtbar Irdische und ihre künftigen Tage umhüllt, Brachte
es an, und lächelte weiter das Lächeln all jener, die frei sind von Leiden und todlos, - Händler des Todes, obwohl sie nicht kennen den Tod, die jeden Morgen den Samen aussäen, der reif ist zum Schnitt bei Einbruch der Nacht. Über das Brüten der stillen Gewässer und Zeitalter währende Trance der ragenden Gipfel kam sie herbei aus den Räumen der Sonne, hielt sie gelassen und friedlich verhängnisvoll inne, und so
mit Abstand gefolgt von des Sonnengotts goldenen Herden, trug sie die Bürde des Lichts, sein Rätsel und seine Gefahren nach Hellas.
Das ist es, weshalb Savitri an diesem schicksalhaften Morgen, der die "Verhängnis drohende
Schriftrolle" emporhob, die den Tod Satyavans ankündigte, nicht teilnahm am "kleinen Glück" der gewöhnlichen Leute, von denen sie umgeben war. Wie eine "mächtig Fremde" fühlte sie sich "auf dem Feld der Menschen". Auch sie war tatsächlich ein Mensch, "gefangen in unserer flüchtigen menschlichen Form", aber sie war nicht nur das. Sie war darüber hinaus auch noch mehr: Die stolze und bewußte Weite und die Seligkeit,
die hatte sie mit sich herab gebracht in menschliche Gestalt, dies Wesen ruhevoller Freude, das e i n e Seele Hochzeit feiern läßt mit allen. Den Schlüssel zu den Toren flammender Ekstase... Ihre Stärke war gegründet auf des Kosmos Mächte; Der Großen Mutter Liebe war die ihre. Savitri ist
Göttliches Bewußtsein, das "menschliche Gestalt" auf sich genommen und die "Freude seines überlegen weiten Wesens" verlassen hat, weil sie nur so das menschliche Geschick von Tod und Sorgen ändern, die Natur des Menschen göttlich transformieren kann. Es ist in der Tat ein göttlicher Holocaust, dieses Opfer der Göttlichen Mutter. Savitri ist des Göttlichen Antwort auf den Ruf der Erde: Bezaubernder Anblick, allein auf den Hügeln, den stillebedeckten,
neigt sich jetzt näher zur Sterblichkeit hin; beuge dich, Mensch, vor deiner Geliebten.... der Dämmerung Grenzen durchschritt sie, her über grau geliderte Ränder des Zwielichts; Heile die Sorge der Erde mit deinen Füßen, O zarte himmelsgeborene Jungfrau. Savitri ist gekommen, um ihre Göttlichkeit zu teilen mit den Menschen: Eine Verschwenderin der eig'nen reichen Göttlichkeit, hatte sich selbst und alles, was sie war
den Menschen hingegeben, hoffend, ihr Sein, das größere, zu pflanzen daß Himmel wachsend heimisch werde auf dem Schlamm der Sterblichkeit.
Oder, wie Sri Aurobindo in seinem Poem Ahana schreibt: Zwei sind, der Enden des Seins, zwei sind die Träume der Mutter:
Ewiger Himmel, Zeit dieser Erde, schlägt eines dem andern verlangend entgegen, - Irdische Seelen bedürfen der Himmel Berührung, um wiederzufinden den Frieden, Himmel sehnt sich nach der Erde Leidenschaft, daß zitternd sich sein Frieden wandle
in Verzückung.
"Aber die Aufgabe ist nicht leicht", kommentiert Nolinikanta Gupta. "Das Fleisch ist schwach. Es ist nicht imstande, den Atem der Unsterblichkeit zu bewahren oder zu empfangen": Der Erde Korn, das lebt vom Saft der Freuden und der Tränen, wies zurück den Segen des unsterblichen Entzückens
"Nicht nur das", fährt Nolinikanta fort, "es hegt eine entschiedene Abneigung, hat einen bösen Willen: Es ist störrisch und empfindet Widerwillen vor der Berührung durch den Geist": Dies als Gegengabe für die Tochter des Unendlichen,
Ihre Widmung - der Liebe, des Geschickes Blume, die sie gab. "Das Stoffliche ist schwer und stumm, finster und hartnäckig: Sterblichkeit klammert sich eifersüchtig und ausschließlich an ihre sterbliche Behausung.
Das irdische Wesen ist nicht imstande, das Geschenk zu schätzen und kennt nicht den Segen, der ihm bis vor seine eigene Tür gebracht wird: der nur empfangen und angenommen werden müßte, um aus aller Unwissenheit, allem Kummer, aus dem Zustand der Schwäche und vor dem Tod gerettet zu werden. Die Göttliche Mutter hat sich selbst vergessen, sich so klein und nahe, so heimisch wie möglich gemacht auf der Erde wie irgendeines der irdischen Geschöpfe, wie jeder von uns, alle Beschränkungen und
Demütigungen auf sich genommen, die gesamte Last eines Erdenlebens, der todgeweihten Sphäre die Gnade ihrer Anwesenheit geschenkt." (NKG, Vol. 3, S. 165) Aber, Vergeblich schien das große Opfer nun. Denn schwer ist es, die Erdnatur zum Wandel zu verleiten. Des Ewigen Berührung lastet auf der Sterblichkeit wie Siechtum: Sie fürchtet es, dies reine göttliche Entschiedensein des Überfalls von Himmelsäther und von Feuer; Murrt über dessen sorgenfreies Glück, stößt schon beinahe haßerfüllt zurück das so gebrachte Licht... So ist es tatsächlich, Sterblichkeit ist verliebt in den verwirrenden Strahl aus Vergnügen und Kummer, Gelächter und Tränen, aus Licht
und Schatten, nicht fähig, die ungetrübte reine Freude der Ewigkeit zu schauen. Kann nicht atmen in der klaren, heiteren, reinen Luft der Unsterblichkeit; vergeht vor Sehnsucht nach der festen Erde, dem Schlamm und Schleim". (Ibid. S. 166) Deshalb "zittert" die Menschheit im allgemeinen "vor der nackten Macht der Wahrheit" und Mit ihrem Schlamm besudelt sie des Himmels Boten:
Ihre Verteidigung sind Dornen der gefallenen Natur, Gegen die rettenden Hände der Gnade gewendet, Trifft sie die Söhne der Gottheit mit Qualen und Tod. Der Mensch fühlt sich am wohlsten in seiner gemütlichen Unwissenheit, im "Gesetz des Entsetzlichen", weil es ihn nicht stört. Es erlaubt ihm, sich in seiner niedrigen Natur zu wälzen. Während "die nackte Macht der Wahrheit" die Stärke und Süße ihrer vollkommenen Stimme ihn antreiben und zwingen, zu seinen höheren Fähigkeiten zu erwachen. Er aber, seinen Sorgen und Freuden in Liebe verbunden, meidet die "Berührung der Ewigen" und geht " göttlicher Entschiedenheit" aus dem Weg, dieser Hund des Himmels: Über den Rand der Welt floh ich hinaus, wühlte der Sterne goldne Einfahrtswege auf, schlug an der Tore klirrende Verriegelung und heischte Unterkunft; Klagte flinkes Wesen ein bei allen raschen Dingen, Geklammert an der Mähne Pfeifen jedes Windes, "Hund des Himmels" Nicht fähig, das Licht zu ertragen - Die Wahrheit aller Wahrheiten, die Menschen fürchten und verleugnen, Das Licht der Lichter, dem sie sich verweigern (A God's Labour) Der Mensch besudelt "die Boten des Himmels" mit "dem Haß der Hölle und mit seiner Bosheit". Abgekehrt "von der Erlöserhand der Gnade" schreit er mit vielen Stimmen : Wer bist du, der da lallt von himmlischem Behagen,
Freuden und vom Raum, dem goldenen, vor uns, die wir auf unbewußten Ozeanen Wellen sind, gefesselt an des Lebens eisernes Verhängnis? Unser ist sie, diese Erde, ein Feld der Nacht für das Geflacker unserer geringen Feuer, wie soll sie heilig Licht ertragen oder das Verlangen eines Gottes? Kommt, laßt uns ihn schlachten und beenden seinen Weg! Dann werden unsre Herzen frei sein von der Bürde
seines Rufs der Herrlichkeit und Kraft und der Kandare seines weiten weißen Friedens. Und geschlachtet hat er "die Söhne Gottes mit Tod und Qualen" - ein geeignetes Beispiel wäre die Kreuzigung Jesu.
Bis aufs Blut werden die Retterhände der Gnade geschlagen vom Menschen, der es ablehnt, sich zu wandeln. Es ist, um den Widerstand des Menschen, seine unbewußte Natur, seine Unwissenheit zu ändern, daß die Boten des Himmels wieder und wieder auf der irdischen Bühne erscheinen. Und jedesmal versehen sie das Wesen der Erde mit gesteigerter Intensität des Lichts, des Wissens, der Bewußtheit. Ist einst ihr Werk getan, verlassen sie die Szene dieser Welt: Eine Herrlichkeit von Blitzen fährt über das Szenario der Erde hin, verraten ist ihr Werk, was sie an Gutem taten, ist verkehrt ins Böse,
für die Krone, die sie gaben, ist das Kreuz ihr Lohn und alles, was sie hinterlassen, ist eines Namens heller Glanz Das Werk dieser Retter wird oft von den Menschen verraten, weil der Mensch die Botschaft zu seinem
Vorteil verdreht und so ihr Gutes ins Böse verkehrt. Aus Lehren und Botschaft des Retters macht er Religion, fälscht alles um in ein kodifiziertes System, besteht mit Nachdruck auf dem Kodex des Gesetzes mit keiner anderen Absicht, als im Hinblick auf Kontrolle des gewöhnlichen Menschen und der Gesellschaft. Der Religionismus ist eine Barrikade, die den durchschnittlichen Menschen davon ausschließt, den Inhalt der Botschaft selbst zu erfahren. In dieser Bemühung, die Zahl der Anhänger zu
vermehren, diesem Kampf, größere Areale, Regionen und Länder unter den eigenen Einfluß zu zwingen, schlachten die Religionsmacher vorsorglich einander gegenseitig und dann alle anderen, die nicht bereit sind, die jeweils triumphierenden Glaubensgrundsätze zu unterzeichnen. Auf diese Weise hängen sie nicht nur die Söhne Gottes, sondern begraben auch die Wahrheit, die der Bote zu bringen bemüht war. So ist das einzige, was von dem "herrlich strahlenden Opfer" bleibt, nur noch der
"helle Glanz eines Namens". In dieser unaufhörlich wiederholten Tragödie des Menschen jedoch Ein Feuer kam und rührte an der Menschen Herzen und verging; Und ein paar wenige erhoben sich entflammt und stiegen auf zu höh'rem Leben. So ist also nicht alles nur pure Verschwendung. Wenn das "Feuer", der Bote, mit seinem Saatgut der Wahrheit kommt, werden einige menschliche Wesen von
der Möglichkeit der tieferen Erkenntnis angezogen, öffnen ihren Geist und ihr Herz für das neue Licht. Sie weihen ihre Leben dem Werk des Retters, da sie "gefangen" sind von "der Flamme". Dieses Opfer, dieses Sich-Erheben einiger weniger zu höherem Sein pflanzt den Samen der Wahrheit in den Grund der Erden-Szene. Das sind die Apostel, die shishyas, die wie eine Brücke agieren zwischen der Inkarnation des Göttlichen und der Mehrzahl der Menschen. top |