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Wege durch die Zeit ins 21. Jahrhundert


Vorwort 

zu Prof. Dr. Ramakant Sinari: "Der Gleichklang zwischen Mensch und Natur in der hinduistischen Metaphysik"

Dr. Katerina Wolf

Christentum
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Hinduismus
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Die hinduistische Metaphysik stellt in ihrer Komplexität eine ebenso große Herausforderung wie faszinierende Verlockung für den westlichen Leser dar. Ein Mensch, der mit der hinduistischen Tradition nicht vertraut ist, bedarf eines guten geistigen Führers, der ihn an die Hand nimmt und durch das scheinbare Labyrinth der hinduistischen Metaphysik geleitet.

Dr. Ramakant Sinari ist zweifelsohne einer der besten Führer, dem Sie sich anvertrauen können. Mit diesem Artikel nimmt er sie mit auf eine lange Reise und entführt sie in die facettenreiche und faszinierende Welt der hinduistischen Weltanschauung. Auch der Leser, der sich in der hinduistischen Geisteswelt auf vertrautem Boden fühlt, erhält hier die Möglichkeit, sein Wissen zu erweitern und zu vertiefen.

Sinari rollt die Geschichte der hinduistischen Metaphysik von ihren Anfängen auf, indem er die wesentlichen Konzepte der Metaphysik ausführlich darlegt, wie sie in den frühen vedischenSchriften und den Upanishaden präsentiert werden. Im Anschluß an diese Ausführungen wendet er sich dem diesbezüglichen Konzept in der heiligen Schrift Bhagavad-Gita und in den Gedanken des Shankara (ca. 8. Jh. n. Chr.) zu, einem der bedeutendsten Interpreten der Upanishaden. Er setzt seine Reise fort zu Ramanuja, einem prägenden Philosophen des 12. Jh. und schließt sie mit den wichtigsten Überlegungen des neuzeitlichen Philosophen Sri Aurobindo ab.

Es ist bemerkenswert, mit welcher Leichtigkeit der Autor scheinbar nebenher immer wieder Brücken zu Philosophen der westlichen Geisteswelt schlägt. Seine zahlreichen Verweise auf Heidegger, Hegel, Jaspers, ja sogar zu Novalis, verraten nicht nur die profunde Kenntnis des Autors über die westlich geprägte philosophische Tradition, sondern sind für den Leser wie ein roter Faden, der sie auf dieser Reise begleitet.

Sinari gelingt es vorzüglich, unter Auseinandersetzung mit der westlichen Denktradition, das herauszustellen, was die Essenz der hinduistischen Metaphysik ist. Das Grundanliegen der hinduistischen Metaphysik war und ist die Auseinandersetzung mit der Beziehung zwischen Mensch und Kosmos (Atman-Brahman), die Erforschung des menschlichen Bewußtseins (Atman), das Wesen und die Beschaffenheit des Kosmos (Brahman), sowie die ethischen Grundpflichten des Menschen, um die Ordnung im Kosmos aufrechtzuerhalten (Dharma). Die zentrale Voraussetzung dieser Metaphysik ist die Überzeugung, daß eine Kraft oder Energieform existiert, die Allem gemeinsam ist, als dynamisches System hinter Allem steht und in allen Erscheinungen seine Wirkung entfaltet. In der hinduistischen Terminologie heißt dieses Prinzip Rta. Sinari bezeichnet Rta als die 'Logik' der gesamten kosmischen Geschichte. Das Leiden des Menschen rührt nach dieser holistischen Weltanschauung daher, daß der Mensch, der diese Gesetzmäßigkeiten nicht erkennt, sich seiner tiefen Entwurzelung und Einsamkeit in der Welt bewußt wird. Eine Heilung kann er nur erfahren, wenn er dieses Prinzip erkennt, sein integraler Bestandteil wird und sich seiner Stellung und Aufgabe im Kosmos und in der Gesellschaft bewußt wird.

Am Ende dieses Artikels angelangt hat man das Gefühl, tatsächlich von einer langen, wunderbaren Reise zurückzukommen und man merkt, daß diese Reise nicht spurlos an einem vorbeigegangen ist, etwas bleibt zurück...

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