Nach der Vorstellung der Hindus wird die Welt durch ein Gesetz (dharma) regiert, das sich gleicherweise in Natur und Sitte offenbart. Es hält nicht nur die Ordnung im Kosmos aufrecht, sondern schreibt auch allen Lebewesen von den Göttern bis zu den Pflanzen ihre Aufgaben und ihr richtiges ethisches Verhalten vor. Es bewirkt ferner im Wege der
automatisch wirksamen Vergeltungskausalität allen Tuns, daß gute und böse Taten in einer neuen Daseinsform ihren Lohn oder ihre Strafe finden. Der dharma wird als die höchste Wahrheit (satya) bezeichnet oder es heißt von ihm, daß er sich auf die Wahrheit stützt oder daß alle Wahrheit auf ihm ruht. In Indien wie auch im Westen wird der Begriff dharma in der Regel mit Religion in Verbindung gebracht, in vielerlei Hinsicht auch als Synonym angesehen. Dies rührt vorrangig daher, daß in der religiösen Literatur Indiens, so etwa in den Veden, den Upanishaden und Puranas,
beide Begriffe auf das Engste miteinander verknüpft sind. Die Schriften gehen immer von einem religiös denkenden Menschen aus, der in seinen Handlungen dem Prinzip des dharma folgt. Tanaji Acharya legt in seinem Artikel den Gedanken nahe, daß die Begriffe dharma und Religion aufgrund ihrer unterschiedlichen Wurzeln, etymologischen Bedeutung, Philosophie und Stilrichtungen nicht als Synonyme betrachtet werden können. In seiner Argumentation führt er ausführlich und sehr übersichtlich die wesentlichen Merkmale der beiden Begriffe an. Durch ihre Präsentation in Form einer tabellarischen Gegenüberstellung gelingt es ihm, neben den besonderen Charakteristika vor allem auch ihre wesentlichen Unterschiede aufzuzeigen. Tatsächlich wird aus seiner Darstellung ihre essentielle Unterscheidung ersichtlich. Diese sorgfältige Analyse bietet dem Leser eine sehr gute Möglichkeit, sich ein Bild über die wesentlichen Merkmale von dharma und Religion zu verschaffen.
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