Wir
befinden uns in einem Übergang zu einem neuen Zeitalter - dem 21. Jahrhundert. Eine der größten Aufgaben, die für uns in diesem Zusammenhang ansteht, ist die Bewältigung der ökologischen Probleme. Sri Aurobindo (1872-1950), ein bedeutender indischer Denker unseres Jahrhunderts, hat sich eingehend mit dieser Frage auseinandergesetzt. Aurobindo gehört zu den Philosophen der indischen Tradition, deren Gedanken in der westlichen Welt Fuß fassen konnten und bis in die heutige Zeit zahlreiche Anhänger finden. Ananda Reddy stellt uns in seinem Artikel die wesentlichen Gedanken seiner Philosophie dar und verknüpft sie darüber hinaus mit analogen Vorstellungen westlicher Denktraditionen. Kernpunkt dieses Artikels ist die Darlegung der Kosmologie im Verständnis Sri Aurobindos, insbesondere der Stellung der Erde. Reddy präsentiert dem Leser eine detaillierte Übersicht über Aurobindos Theorie der Evolution des Kosmos, des Menschen und der Tierwelt. Aurobindo erkennt die Erde als göttliche Manifestation des Kosmos an. Der Mensch, der ebenso wie der Kosmos und die Erde göttlichen Ursprungs ist, verfügt in diesem System über eine besondere Stellung: Es liegt in seiner alleinigen Verantwortung, den weiteren Verlauf der Evolution maßgeblich mitzubestimmen.
Dieser Überlegung liegt der Gedanke zugrunde, daß die Menschheit ihre wahre Bestimmung - die Realisierung Gottes - weitgehend vergessen hat. Eine wesentliche Rolle spielt hierbei die Religion, die heute nicht mehr in der Lage ist, dem Menschen seine wahre Natur und Aufgabe zu offenbaren und ihn in dieser Hinsicht zu leiten. Nach Aurobindos Ansicht durchleben wir heute eine Übergangskrise zu einem neuen Zeitalter, die er
treffend als "Krise der Evolution" bezeichnet. Aurobindo vertritt eine sehr idealistische Philosophie. Er präsentiert uns eine Utopie der Menschheit und der Welt, als deren Ziel er die Entwicklung eines kollektiven (göttlichen) höheren Bewußtseins, eines "Übergeistes" sieht, der alleine in der Lage ist, den Übergang in ein spirituelles Zeitalter zu vollführen. Er offenbart uns die Vision einer
ganz und gar göttlichen Menschheit, die zur dominierenden Kraft des kommenden spirituellen Zeitalter wird. Ananda Reddy gelingt es, in seinem Artikel verschiedene Stränge miteinander zu verbinden. Seine Darlegung der Philosophie Sri Aurobindos ist herausragend. Darüber hinaus vermag er jedoch auch, die Gedanken dieses Philosophen durch zahlreiche Analogien aus der indischen und westlichen Denktradition und durch
wiederholte Bezugnahme auf unsere gegenwärtige Problematik in einen globalen und aktuellen Kontext einzubetten. In diesem Sinne finden sich hier wesentliche Ansätze für eine "ethische Ökologie", die für eine gesunde Entwicklung der Erde wünschenswert sind. top zurück zu A. Reddy's "Die Bedeutung der Erde" |