Indien verfügt über eine sehr reichhaltige und vielschichtige philosophische Tradition. Ein spezifischer Wesenszug der philosophischen Systeme Indiens ist ihr enger Bezug zur Religion. Die Grenzen zwischen Philosophie und Religion werden in Indien nicht so markant gezogen wie in der westlichen Tradition. So wird der Gehalt der verschiedenen religiösen Überlieferungen, wie sie zum Beispiel in den Veden, Upanishaden und Puranas enthalten sind,
als autoritative Wahrheiten anerkannt, sie bilden die Grundlage aller Spekulationen. Dieser Wesenszug unterscheidet die Philosophie Indiens grundlegend von der Philosophie der westlichen Welt. Die Spekulationen über die Existenz einer höheren Realität, die Menschheit und die Welt, wie wir sie in beiden Traditionen vorfinden, wird hier um eine entscheidende Komponente erweitert. Im Zentrum aller philosophischen
Systeme Indiens steht stets die Auseinandersetzung mit einer jenseitigen, nach dem Tode einsetzenden Existenz sowie die Suche nach Wegen, die die menschliche Seele von den Verstrickungen mit der materiellen Welt befreien sollen. Neben dieser gemeinsamen Basis existieren in der indischen Tradition aber durchaus verschiedene Konzepte über das Wesen Gottes, der individuellen Seele, ihrem Bezug zueinander und zur Welt.
Eine wesentliche Unterscheidung bezüglich des Wesens der höchsten Realität ist hier die Auffassung Gottes als nirguna (ohne Eigenschaften, attributlos) und saguna (mit Eigenschaften versehen). Die individuelle Seele kann von Gott grundlegend verschieden (dvaita, duale Realität) oder mit diesem identisch (advaita, nicht-duale Realität) sein. B. P. Bahirat stellt in seinem Artikel
diesbezüglich die wesentlichen Konzepte der Lehre Jnaneshvaras, einem richtungsweisenden Philosophen des frühen indischen Mittelalters dar. Dem Autor gelingt es auf sehr prägnante Weise, die grundlegenden Merkmale seines Konzeptes vorzustellen und sie darüber hinaus in den gesamtphilosophischen Kontext Indiens einzubetten. top zurück zu Bahirat's "Die universale Bedeutung der Philosophie Jnanadevas" |