Der Begriff bhakti kennzeichnet eine Strömung innerhalb des Hinduismus, deren zentrales Anliegen die intensive, hingebungsvolle und liebende Verehrung Gottes ist. Diese Verehrung findet sich in verschiedenen religiösen Richtungen des Hinduismus wieder, ihre stärkste Entfaltung kommt jedoch im Vishnuismus(der Verehrung des Gottes Vishnu) zum Ausdruck.
Das Konzept der liebenden Hingabe (bhakti) verfügt in der Geschichte der religiösen Überlieferungen Indiens über eine lange Tradition. Erste Hinweise finden sich bereits im Rigveda (Svetasvatara Up. 5.4) und im Mahabharatasowie in verschiedenen Inschriften in den Jahrhunderten kurz vor dem Beginn der christlichen Zeitrechnung. Im Süden Indiens wurde diese Glaubensrichtung im Zeitraum vom sechsten bis vermutlich neunten nachchristlichen Jahrhundert von der Gruppe der zwölf Alvars, die von Tempel zu Tempel wanderten und in der lokalen Sprache Tamil ekstatische
Lieder zu Ehren Gottes sangen, populär. Das Bhagavata Purana (ca. 10. Jh. n. Chr.), vor allem die geschilderten Liebesspiele des jungen Gottes Krishna mit den Hirtenmädchen (gopis) spielte für die weitere Entwicklung der bhakti eine maßgebliche Rolle. Insbesondere im Vishnuismus wurde dies zum zentralen Thema einer reichhaltigen religiösen, philosophischen und erotischen Strömung, die vor allem in der Literatur und Architektur der nachfolgenden Jahrhunderte ihren eindrucksvollen Niederschlag fand.
Zahlreiche Vertreter verschiedener religiöser Richtungen nahmen vor allem in der Zeit nach den moslemischen Invasionen nach Indien (ca. 1000 n. Chr.) diese Lehre auf, interpretierten sie und bemühten sich um ihre intensive Verbreitung. Ein wesentliches Merkmal dieser Entwicklung war die Etablierung der regionalen Sprachen in der Bhakti-Literatur jener Epoche, die diesen Glauben allen Volksschichten öffnete.
In Maharashtra wird dieser Prozeß insbesondere mit Jnaneshvara in Verbindung gebracht, der die bhaktiim 13. Jahrhundert zu einer populären Bewegung machte. Der Autor dieses Artikels, Chihiro Koiso (Tanaka), widmet sich der philosophischen Ausrichtung der bhakti, insbesondere ihrer Sichtweise in der Interpretation durch Jnaneshvara
und versucht ihre Unterschiede zu anderen geläufigen Interpretationen darzulegen. Er wagt sich hier an ein sehr schwieriges und komplexes Gebiet heran, das in der wissenschaftlichen Literatur zweifelsohne ein besonderes Problem darstellt. Seine ausführliche Auseinandersetzung mit den religiösen Quellen, die ein zentrales Element seines Artikels darstellen, lassen die Mühe, die dahinter steckt, kaum noch erkennen. Dennoch sollte man hier erwähnen, daß gerade diese Arbeit, die den Text mitunter
schwer verständlich erscheinen läßt, eine herausragende Leistung darstellt. Sie stellt den Leser in direkten Bezug zu den ursprünglichen Quellen und vermittelt ihm darüber hinaus durch die zahlreichen angeführten Vergleiche mit anderen Quellen einen wertvollen und fundierten Einblick in das Phänomen der Bhakti-Religion. top zurück zu Koisos Artikel "Jnaneshvaras Verständnis der Bhakti-Religion"
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