Anindita Balslev, eine renommierte Kennerin asiatischer und westlicher Denktraditionen, wagt sich in ihrem
Artikel auf ein bislang wenig beachtetes und gerade für den westlichen Leser hochinteressantes Terrain. Sie greift die wissenschaftliche Diskussion über den Vergleich östlicher und westlicher Denktraditionen auf und erweitert diesen Diskurs um die Frage nach seiner aktuellen Relevanz im Hinblick auf den Beitrag der Philosophie zum interkulturellen Verständnis. Ihre Herangehensweise an das Thema ist sehr kritisch.
Bewußt versucht sie sich von gängigen Meinungen abzugrenzen, indem sie die hier vorhandenen Vorurteile, so etwa das Bild einer 'mystischen, mysteriösen und nicht-rationalen östlichen Welt' als Gegensatz zu einer 'aufgeklärten, entmystifizierten und rationalen westlichen Welt' benennt und diese zu Recht als Klischees herausstellt, die entscheidend zu den auch heute noch existierenden rigiden Grenzen zwischen der
westlichen und östlichen Philosophie beigetragen haben. Wir wissen, daß es in unserer Kultur immer wieder Tendenzen gegeben hat, sich der östlichen Philosophie zu nähern, so zum Beispiel in der Theosophie-Bewegung, der Hippie-Bewegung und in der heutigen Zeit der New-Age-Bewegung. Gerade in diesen Bewegungen aber sind diese Klischees zu beobachten. Da wird die eigene Kultur und Tradition als negativ bewertet und
abgelegt und durch bewußtseinserweiternde, geheimnisvolle und exotische Praktiken und Denkstrukturen ersetzt. Dieser Prozeß hat zwar zweifelsohne zu einer Verbreitung und teilweise zum Verständnis östlichen Wissens beigetragen, dieses bleibt jedoch in den meisten Fällen durch eine Art Romatizismus verklärt. Eine echte Auseinandersetzung mit der eigenen Kultur bleibt hier auf der Strecke. In der Wissenschaft sehen
wir uns vor ein ähnliches Problem gestellt. Auch hier existieren dieselben Vorurteile, die eine Annäherung zwischen den beiden Traditionen behindern. Es gibt in der Religionswissenschaft, in der vergleichenden Literaturwissenschaft und Philologie mitunter interessante Ansätze, die sich mit dieser Problematik auseinandersetzen. In der Philosophie, so die Autorin, tut man sich damit bislang recht schwer. Anindita Balslev gelingt es, in ihrem Artikel überzeugend die Notwendigkeit und Fähigkeit
zu interdisziplinärem und darüber hinaus zu interkulturellem Denken und Handeln darzulegen, indem sie vor allem die Philosophie als 'Mutterdisziplin' dazu auffordert, kulturübergreifende Modelle zu entwickeln und, wie sie sehr treffend ausdrückt, eine 'geistige Brücke' in einer sich zunehmend global entwickelnden Welt zu schaffen. top zurück zum Artikel "Philosophie und die Begegnung verschiedener Denktraditionen"
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