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Wege durch die Zeit ins 21. Jahrhundert


Vorwort

zu Prof. Dr. S. S. Barlingay: "Religion, Kultur und der Prozeß der Säkularisierung"

 Dr. Katerina Wolf

Christentum
Feminismus
Frieden
Hinduismus
Komparative
Kultur
Ökonomie

 

Der Begriff säkular oder weltlich ist Ausgangspunkt zahlreicher wissenschaftlicher Überlegungen und Diskussionen. In der Regel wird er als Gegensatz von theokratisch oder jenseitig aufgefaßt und isoliert dargestellt. Diese Begriffsdeutung geht von einer Konflikttheorie aus, in der die beiden Begriffe als separate, nicht vereinbare Elemente dargestellt werden und als solche die Ursache verschiedener Konflikte bilden.

Dr. Barlingay, der eine anerkannte und geschätzte Größe in der hinduistischen Geisteswelt darstellt, geht in seinem Artikel dem Phänomen der Säkularisierung und den damit verbundenen Konflikten auf eine sehr eigene, durchdachte Weise nach und legt uns diesbezüglich Gedanken nahe, die die geläufige Auffassung dieses Begriffes bei weitem überschreiten.

Für ihn existiert der Konflikt zwischen säkular und theokratisch nicht wirklich. Vielmehr haben beide Begriffe den gleichen Ursprung und das gleiche Wesen. Als gleichwertige Elemente des menschlichen Geistes bedingen sie einander und entstehen durch das angeborene Bestreben des Menschen, in der Natur gegebene Phänomene verstehen zu wollen. Barlingay sieht es als die Natur des Menschen an, Dinge, die er rational nicht erklären kann, in Verbindung mit höheren, jenseitigen Kräften in Verbindung zu bringen. Hierbei haben sowohl die rationale als auch die jenseitige Erklärung bestimmter Phänomene den gleichen Ursprung - den menschlichen Geist. Hier entstehen die Begriffe säkular und theokratisch und nehmen Gestalt an. Der Konflikt entsteht gewissermaßen durch seine künstliche Kreation.

Barlingays Überlegungen und seine Methode, diese dem Leser zu vermitteln, sind in der Tat außerordentlich. Er beschränkt sich nicht auf ihre theoretische Erläuterung und Definition. Vielmehr nähert er sich diesem komplexen Thema von sehr verschiedenen Seiten und zeigt dabei eine ungewöhnliche Tiefe in seiner Darstellung. So wendet er sich nach der Darlegung der kulturell bedingten verschiedenen Auffassungen des Begriffes säkular der Entwicklung und Wandlung seiner Bedeutung in der indischen und in der westlichen Kultur zu, um im Anschluß daran einen Vorstoß in die Erforschung seines Wesen und möglichen Ursprungs zu unternehmen. Er führt den Leser gewissermaßen zu den Wurzeln der Menschheitsgeschichte zurück, um von dort aus die Evolution noch einmal an unserem geistigen Auge vorbeiziehen zu lassen, den Ursprung des Gottesglaubens zu erforschen, die dahinter verborgenen Motivationen und Intentionen des Menschen aufzudecken und den Prozeß zu verdeutlichen, der den Menschen dazu führte, Gott und die Welt zu trennen, und in säkularen und theokratischen Kategorien zu denken.

Einmal mehr wird in Barlingays Darstellung einer der wesentlichen und dringenden Konflikte unserer Zivilisation offenbar - die Isolierung und Separation, der Widerstand des Menschen, übergreifend zu denken und zu handeln und seine daraus resultierende Entwurzelung in der Welt.

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