Wenn Gott gänzlich gut ist, wer brachte dann Schmerz und Unheil hervor? Wenn wir annehmen, daß Leid eine Prüfung und ein Gottesurteil ist, lösen wir nicht das moralische Problem, wir kommen unweigerlich zu einem unmoralischen Gott oder zu einem ohne Moral - einem ausgezeichneten Weltmechaniker
vielleicht oder einem versierten Psychologen, aber keinem Gott der Liebe und Güte, den wir verehren können, sondern nur zu einem Gott der Macht., dessen Gesetz wir uns unterwerfen müssen oder dessen Launen zu besänftigen wir lediglich hoffen können. Denn jemand, der sich Qual als Mittel der Prüfung oder des Gottesurteils einfallen läßt, kann entweder vorsätzlicher Grausamkeit oder moralischer Unempfindlichkeit überführt werden, und ist, wenn überhaupt ein moralisches Wesen, weniger wert als
der erhabenste Instinkt seiner eigenen Geschöpfe. Und wenn wir diesen moralischen Schwierigkeiten entfliehen wollen, sagen wir, daß Leid ein unabwendbares Resultat und eine natürliche Bestrafung des moralisch Bösen sei,- eine Erklärung, die nicht mit den Tatsachen des Lebens im Einklang steht, es sei denn, wir erkennen die Theorie des Karma und der Wiedergeburt an, bei der nun die Seele für vorgeburtliche Sünden in anderen Körpern leidet,- entkommen wir dennoch nicht der Wurzel des ethischen
Problems: Wer erschuf dieses moralische Unheil oder warum oder wann wurde dieses moralische Unheil erschaffen, das Bestrafung durch Schmerz oder Leid nach sich zieht? Und wenn wir erkennen, daß das moralisch Verwerfliche in Wirklichkeit eine Form von geistiger Krankheit oder Ignoranz ist, wer oder was brachte dann dieses Gesetz hervor, diesen zwangsläufigen Zusammenhang, der eine Geisteskrankheit oder eine ignorante Tat durch fürchterliche Rache bestraft, durch Qualen, häufig so extrem und
monströs? Das unerbittliche Gesetz des Karma ist unvereinbar mit einer höchsten Moral und einer persönlichen Gottheit und deshalb lehnt die klare Logik Buddhas die Existenz eines freien und alles beherrschenden Gottes ab; jegliche Persönlichkeit erklärt sie zu Werken der Ignoranz und Gegenstand des Karma. Tatsächlich tritt die Schwierigkeit so deutlich formuliert nur auf, wenn wir die Existenz eines außerkosmischen
persönlichen Gottes annehmen, der nicht Selbst das Universum ist, einer, der Gut und Böse, Schmerz und Leid für seine Geschöpfe erschaffen hat, selbst aber darüber steht und unbeeinflußt von ihnen betrachtet, regiert, seinen Willen ausführt mit einer leidenden und kämpfenden Welt oder, wenn er seinen Willen nicht ausführt, der Welt erlaubt, sich durch ein erbarmungsloses Gesetz leiten zu lassen ohne seine Hilfe oder mit nur unwesentlicher Hilfe, dann ist es nicht Gott, nicht omnipotent, nicht
gänzlich gut und liebend. Durch keine Theorie, die einen außerkosmischen Gott einschließt, können Unheil und Leid erklärt werden – die Hervorbringung von Unheil und Leid - außer durch eine unbefriedigende Ausflucht, die die Frage nach dem Streitpunkt vermeidet anstatt sie zu beantworten, oder durch einen einfachen oder sinngemäßen Manichäismus, der praktisch die Gottheit abschafft in dem Versuch, ihre Wege zu rechtfertigen oder ihre Werke zu entschuldigen. Aber solch ein Gott ist nicht der
vedantische Sachchidananda. Sachchidananda der Vedanta ist ein Dasein wie keine zweites; alles, was ist, ist Er. Wenn es denn Unheil und Leid gibt, ist es Er, der Unheil und Leid in dem Geschöpf erträgt, in dem Er sich selbst verkörpert hat. Das Problem ändert sich dann gänzlich. Die Frage lautet nun nicht mehr, wie kommt Gott dazu, für seine Geschöpfe Leid und Unheil hervorzubringen, zu dem er selbst nicht fähig und gegen das er folglich immun ist, sondern wie kommt die einzige und
unendliche Existenz-Bewußtseins-Seligkeit dazu, etwas in sich gelten zu lassen, was nicht Seligkeit ist, etwas, was den Anschein hat, ihre strenge Verneinung zu sein. Leid und Glückseligkeit Wie das Leid, das für unser Verständnis des Universums so
ein großer Stolperstein ist, offensichtlich eine Folge der Begrenzung von Bewußtsein ist, eine Einschränkung von Kraft, die uns davon abhält, uns die Berührung mit der für uns jenseitigen Kraft zu beherrschen oder einzuverleiben: Das Resultat dieser Unfähigkeit und Disharmonie ist, daß die Freude der Berührung nicht wahrgenommen werden kann, und das beeinflußt unseren Sinn mit einer Reaktion des Unbehagens oder Schmerzes, ein Fehler oder Unmäßigkeit, ein Widerspruch sich ergebend aus innerer
und äußerer Verletzung, geboren aus der Teilung unserer Macht des Seins und der Macht des Seins, die uns trifft. Hinter uns selbst und unserem Geist ist die Glückseligkeit des universellen Seins, die den Kontakt in Betracht zieht: Eine Freude zunächst im Fortdauernden und dann in der Unterwerfung des Leids, und schließlich in seiner Umwandlung, die darauf folgen soll; denn Schmerz und Leid sind Dinge, die der Freude der Existenz gegensätzlich sind, aber sie können sich ins Gegenteil umwenden,
sogar in die Glückseligkeit selbst: Ananda. Leid, Training für die Seele Was ist mit Leid und Glück, Unglück und Wohlstand? Dies sind Erfahrungen der Seele in ihrem Training, Hilfen, Stützen, Mittel, Disziplinen, Tests, Martyrien - und Wohlstand
ist oft ein ärgeres Martyrium als Leid. Tatsächlich können Unglück und Leid manchmal eher als Belohnung für Tugenden angesehen werden als Bestrafung für die Sünden, denn es stellt sich als größte Hilfe heraus und als Reiniger der um Entfaltung kämpfenden Seele. Es lediglich als Urteilsspruch eines strengen Richters anzusehen, die Wut eines verärgerten Herrschers oder sogar als mechanischen Rückstoß des Resultates des Bösen bezüglich der Ursache des Bösen, ist der oberflächlichste mögliche
Ansichtspunkt auf Gottes Umgang mit der Seele und dem Gesetz ihrer Evolution. Und was ist mit weltlichem Wohlstand, Reichtum, Nachkommen, der visuellen Freude an Kunst, Schönheit, Macht? Gut, wenn diese erreicht werden ohne Verlust an der Seele und lediglich als Ausfluß göttlicher Freude und Anmut in unserer weltlichen Existenz genossen werden. Aber wir sollten sie erst für andere oder eher für alle suchen, und für uns selbst nur als einen Teil des universellen Zustands oder als ein Mittel,
uns der Perfektion näherzubringen. Haltet die Leiden des Lebens nicht für das, was sie zu sein scheinen, sie sind eher ein Weg zu größerer Bereicherung. The Mother, Auroville top |