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Wege durch die Zeit ins 21. Jahrhundert


Wissenschaft, globales Bewußtsein und das Selbst

Yash Pal
Professor für nationale Forschung, Neu-Delhi, Indien

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Ich habe vor, mit Ihnen mein persönliches unzulängliches Universum zu teilen, in dem ich einen relativ konfliktfreien, jedoch mit ökologischem Zusammenhang behafteten Platz für Wissenschaft, Bewußtsein (inklusive meiner Definition des globalen Bewußtseins) und das Selbst suchte. Um ehrlich zu sein, ich glaube, daß es ein ziemlich riskanter Versuch ist. Jedoch kann ich es mir zu diesem Zeitpunkt meines Lebens leisten, einfältig zu sein. Im schlechtesten Fall würde mein "Selbst" etwas angekratzt werden. Aber ich weiß auch, daß solche Kratzer schnell heilen an den Stellen, in die mein "Selbst" eingebettet ist. Auf jeden Fall gibt es viel Flexibilität in den Strukturen von Beziehungen, die ich erkunden möchte, und ich werde vielleicht nur von Ihrer Kritik lernen, sogar von Ihrem Spott... Ich weiß, daß dies eine verdammt lange Einleitung zu einer Präsentation vor einer Gruppe von unterschiedlichen Philosophen und Wissenschaftlern ist, aber ich dachte, daß ich Sie wenigstens warnen müßte. Also, hier ist sie.

Grundsätzlich wird angenommen, daß wir die erste selbst-bewußte Art auf diesem Planeten sind. Niemand hat jemals Schildkröten, Pinguine oder Delphine gefragt, ob sie selbst-bewußt sind oder ob wir, in ihren Augen, selbst-bewußt sind. Aber wir müssen mit einigen Annahmen anfangen, und sie dürfen ruhig auch zu unserem Vorteil sein. Letzten Endes finden wir selten ausgesuchte Mitglieder anderer Spezies, die aus verschiedenen Teilen der Erde zusammenkommen, nur um das zu tun, was wir hier gerade versuchen. Wir müssen zugeben, daß wir eine selbst- bewußte Spezies sind, vielleicht auf eine exzessive und arrogante Weise.

Plötzlich bemerke ich, daß ich in eine ziemlich fruchtlose Exkursion in die Grundlagen eines Un-Themas abschweife. Es ist an dieser Stelle am besten, wenn ich versuche, eine Analyse meines Bewußtseins durchzuführen, wie es sich mit der Zeit verändert hat. Ich bin einer Arya-Samaj Familie aufgewachsen. Es war ein Akt des Glaubens, daß alle Weisheit in den vier Veden enthalten war. Während die Upanishads die Veden nur kommentierten, waren die Pauranas zum größten Teil Lügen. Während Rama ein nobler und gerechter Mensch war und es viele moralische und ethische Lektionen der Ramayana und der Mahabharata und natürlich von der Gita (Bhagavadgita) zu lernen gab, waren alle Wunder darin Verfälschungen, die von skrupellosen Personen später eingeführt wurden. Natürlich wußten die antiken Arier alles, was man wissen konnte, und wir würden das auch, wenn wir die Veden lesen, verstehen und beherrschen könnten. Wir haben alle die zehn Vorschriften, NIYAMS, von Arya Samaj auswendig gelernt und eine der ausdrücklichen Anordnungen war, daß eines der Ziele des Lebens sein sollte, jeden auf dieser Erde zu einem Arya zu machen.

Es ist keine Frage, daß diese Lehre einen starken Einfluß auf meinen jungen Geist hatte. Wir waren sicher, daß wir viel wissenschaftlicher waren als die Sanatanis oder alle Anhänger andere Religionen. Wir waren sehr gegen das Kastensystem oder gegen das Verehren von Idolen. Es gab nur einen Gott und die Geschichten über eine Vielzahl von Göttern wurden nur von ignoranten Personen für ihre eigenen Zwecke geschaffen. In einer Hinsicht war die Vergangenheit, die mir angeboren wurde, sehr einfach und rational gemacht, wahrlich rational bis zu dem Punkt an dem sie trocken und träge war, ohne Platz für Unsicherheiten oder Mehrdeutigkeiten. Es war einfach, sich in einen selbstgerechten, unausstehlichen Idioten zu verwandeln, ohne jegliche Einsicht, wo Analogien der einzige Weg zum Verständnis sind - Analogien, fiktive Geschichten oder Mythen. Als ungläubige im Kastensystem hatten wir schon lange aufgegeben, unseren Nachnamen zu gebrauchen (dies war einfach, da der Gebrauch des Nachnamens gewöhnlich nicht sehr verbreitet war in dieser Zeit im Punjab). Aber als ich 13 war und die Schule wechseln mußte, übernahm ich den Nachnamen Arya mitsamt seinen Assoziationen. Das war der Name, unter dem ich meine Reifeprüfung bestand. Aber ich wurde älter. Im Alter von 15, als ich ins College ging, schrieben wir das Jahr 1942 und folglich nahm ich selbstverständlich den Nachnamen Bharati an, las viel, trat der Studentenbewegung bei, erst der Studentenföderation und dann bald dem Studentenkongreß. Ich möchte mit diesen farblosen Erinnerungen meiner frühen Jugend nicht fortfahren, da sie nicht anders als die der meisten anderen Menschen sind. Ich möchte hier demonstrieren, daß unser Bewußtsein einen großen Teil hat, der zusätzlich zu unserer persönlichen Erfahrung stark von unserem intellektuellen Verständnis beeinflußt wird. [Durch Zufall habe ich auch noch den Nachnamen Bharati nach ein paar Jahren aufgegeben, aber ich konnte mich nicht dazu überwinden, unseren fanatischen Nachnamen Bhutani anzunehmen, sogar nachdem jeder andere in meiner Familie einschließlich meiner Eltern anfing, diesen Namen zu gebrauchen; es war eher eine Voraussetzung für eine moderne Person, einen Nachnamen zu besitzen. In einer Weise nahm auch ich einen Nachnamen an, als ich anfing, wissenschaftliche Arbeiten zu veröffentlichen. Die Leute fingen an, mich Pal zu nennen, meine Frau wurde Mrs. Pal und meine Kinder haben auch einen Nachnamen: Pal natürlich!]

Es wäre falsch zu sagen, daß meine Arya-Samajistische Kindheit vollständig ausgelöscht wäre. Ich mag die Klänge von verschiedenen vedischen Mantras, die in einer bestimmten Weise gesungen werden und den Geruch von Samafri, der während der Yangyas benutzt wird. Ich fühle mich noch immer unwohl, wenn ich einen normalen Hindu Tempel besuche, größtenteils weil ich die Rituale nicht kenne und mir ziemlich blöd vorkomme, Bewegungen zu machen, die ich nicht richtig verstehe oder an die ich nicht glaube. Auf der anderen Seite bin ich beeindruckt und zutiefst berührt von den Ausstrahlungen, die ich empfange, wenn ich einen Gläubigen beobachte, wie er die einzelnen Rituale ausführt. Ich habe den alten Arya- Samajistischen Drang für Khandan nicht mehr oder ich sage nicht mehr, daß das, was sie machen, falsch oder bedeutungslos sei, weil ich immer öfter die klare Bedeutung sehen kann, die sie für sich herleiten.

Ich glaube, daß ich in meinem Leben ernsthaft Wissenschaft betrieben habe. Nicht so großartig vielleicht, aber ernsthaft und nichts desto trotz interessant. Dies bereitete mir intellektuelle Freude. Darüber hinaus hat es für mich sogar die Türen zu einer Menge faszinierender, von Anderen betriebener Wissenschaft geöffnet, von denen viele weit begabter sind als ich. Es hat mir auch Wege geöffnet durch die man vielleicht anfängt, Fragen zu stellen, die im Bereich der spirituellen Dinge liegen. Ja, ich glaube, daß es etwas zutiefst Spirituelles in den vertraulichen Handbüchern der Natur gibt, in den schönen und logischen Verbindungen zwischen den mikroskopischen und makroskopischen Welten, in den Verbindungen zwischen den Lebenden und den Nicht-Lebenden und dem Können, die Sterne, Galaxien und das Universum zu verstehen, nicht vollständig, jedoch zu einem großen Teil.

Wissenschaft ist viel mehr als die Kompliziertheit der Wissenschaft selbst. Das Zeitalter, in dem alte Fragen wie z.B. "wer bin ich; wie bin ich verwandt; was ist die Bedeutung des Ganzen" beginnen, einige schöne Antworten zu bekommen, die nicht auf der Offenbarung oder konfessionellen Quellen basieren. Die Tatsache, daß ich meine Herkunft wenn auch etwas unvollständig durch die Evolution zu der ersten Zelle auf diesem Planeten vor beinahe 4 Milliarden Jahren zurückverfolgen kann, hat eine große Bedeutung. Daß die Herkunft aller Lebewesen auf diesem Planeten vielleicht zu eben dieser Zelle zurückverfolgt werden kann, hat eine noch tiefere Bedeutung. Daß man unzählbare Beispiele finden kann, daß die Langlebigkeit von Lebewesen nicht so sehr von Konfrontation, sondern von Kooperation und Symbiose abhängt, sollte unser persönliches und soziales Verhalten in gewisser Weise beeinflussen. In dieser Hinsicht mag es vielleicht sinnvoll sein, den charmanten Autor und ausgezeichneten Biologen Lewis Thomas zu zitieren, der erklärt, wie Termiten in Holz leben können:

"Termiten haben keinen Mechanismus, um Zellulose in Karbonhydrate umzuwandeln. Diese Funktion wird von Protozoanen (einzellige Eukaryotes) ausgeführt, die in ihrem Darm wohnen. Bei einigen Arten können die Protozoanen sich nicht allein bewegen, um das Holz zu essen, welches von den Termiten aufgenommen wurde. Sie tun dies mit Hilfe von spiralförmigen Bakterien (Spirochetes), die an ihrer Haut befestigt sind (vielleicht können sie sich wie Schrauben drehen und somit vorwärts bewegen). Und es gibt mehr. Im Inneren eines jeden Protozoanen, etwas unter der Oberfläche, sind Schichten von zahlreichen Bakterien, die ihre Enzyme beisteuern, die das Holz zersetzen. Das Holz wird von der Termite gegessen, lokalisiert von den Spirochetes, geschluckt von den Protozoanen und zu Zucker verarbeitet von Bakterien."

Wie Lewis Thomas anmerkt: "Es ist ein so freundschaftlich erfolgreiches Komitee, wie es nur in der Biologie zu finden ist". Ich möchte vorschlagen, daß ein kulturelles Verstehen von solchen Beispielen, mit denen Biologie angefüllt ist, einen Platz in unserem Bewußtsein hat, von einer Relevanz zum Universum von Richtlinien, die die Natur von Transaktionen mit jenen beeinflußt, die als "andere" wahrgenommen werden.

Einer der wahrlich erfreulichen Momente in meinem Leben war vor ungefähr 35 Jahren, als ich erfuhr, daß die Sprache des Lebens mit wenigen Alphabeten geschrieben wird und daß diese Sprache die gleiche für alle Lebewesen ist. Man findet auch, daß die netten Tricks, die die Natur in Millionen von Jahren entwickelt oder entdeckt hat, immer wieder in vielen verschiedenen Formen des Lebens benutzt werden. Das erstaunliche Ereignis des Lebens auf diesem Planeten innerhalb von den 500 Millionen Jahren seines eigenen Ursprungs gebietet mir unausweichlich Ehrfurcht. Was für ein einmaliges kosmisches Ereignis. Vielleicht wurde es wiederholt in einigen anderen Welten mit vielen anderen Sternen. Ob andere neugierige und selbst-bewußte Arten wie wir irgendwo anders sind, ist noch immer nicht sicher, jedoch ziemlich wahrscheinlich. Die Suche geht weiter, wenn auch immer noch in niedriger Ausdrucksweise. Ich frage mich, ob die Antworten kommen werden, während ich noch lebe.

Ich könnte über diesen Planeten hinaus zum Ursprung des Sonnensystems gehen, die Art, wie die Sonne geformt wurde und ihre lebensspendende Energie generiert, zum Verstehen der Lebensrhythmen von Sternen, Milliarden von ihnen in Milliarden von Galaxien. Dazwischen würden die exotischen, vielleicht nicht mehr so exotischen, Neutronen Sterne und schwarze Löcher kommen, bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich anfange, über den Ursprung des Universums zu sprechen. Und dann, wenn ich mir meiner völligen Bedeutungslosigkeit in dem großen Rahmen der Dinge bewußt werde, werde ich von meiner Kühnheit erschlagen, dieses phantastische Universum zu verstehen und dann erfreut, daß so viel davon in Wirklichkeit verständlich ist! Was für ein großes Geschenk die Natur diesem unwichtigen Geschöpf gemacht hat. Tagore sagte einmal so etwas wie: "Es ist ein großes Anliegen im Plan der Natur, uns zu erfreuen."

Mir wurde gesagt, daß es vor 2000 Jahren nicht mehr als 100 Millionen Menschen auf diesem Planeten gab. Diese Zahl ist vielleicht um den Faktor zwei falsch, aber es ist klar, daß die Leute in kleinen Gruppen lebten, die durch große Entfernungen voneinander getrennt waren. In noch früheren Zeiten, vor Tausenden von Jahren, muß die Isolation noch viel größer gewesen sein. Wie wir auch denken, es ist unvermeidlich, daß sich die Art zu leben, sich zu kleiden, zu essen, mit anderen zusammen zu leben und mit der Umwelt fertig zu werden, unabhängig von einander entwickelt haben in den meisten Gruppen. Die verwendeten Sprachen mußten anders sein, auch die Natur ihrer Philosophien. Es ist nicht überraschend, daß es in der Welt so viele soziale und kulturelle Unterschiede gibt. Es ist eher erstaunlich, daß die tiefen philosophischen Fragen, die von den verschiedenen Gruppen gestellt wurden, so viel gemeinsam haben. Solch ein einfaches Verständnis der menschlichen Vergangenheit weit vor dem Dämmern des Faches Geschichte, wenn es in unser Unterbewußtsein eingebettet wurde, kann im Prinzip zu einer einfachen Anpassung an die "anderen" führen: Es sollte eher zu einer Feier der Tatsache führen, daß es verwandte "Andere" gibt. Eine Feier des "anderen" impliziert auch, daß der "Andere" anerkannt wird und daher, daß das "Selbst" auch geschützt und begrüßt wird. Wir haben diese Kunst noch nicht erlernt: Wie man sich in der Verschiedenheit glücklich und behaglich erfreuen kann, ohne auf unser eigenes "Selbst" zu verzichten.

Kosmisches Bewußtsein

 

Vieles von dem was ich oben gesagt habe, definiert für mich, was ich gerne kosmisches Bewußtsein nenne oder manchmal auch globales Bewußtsein. Solch ein Bewußtsein nimmt mir nicht das Recht, mich in Ordnung zu fühlen oder sogar als der beste, daß ich an der Spitze bin. Wie auch immer, es bedeutet, daß ich das Recht eines jeden anerkenne, so zu fühlen. Ich gestehe ein, daß dies schwierig ist, aber eine Veränderung in diese Richtung ist nicht nur wünschenswert, sondern auch zwingend für eine nachhaltige menschliche Existenz. In gewisser Weise umfaßt ein solches Bewußtsein das Höchste in einer Demokratie. Es macht uns vielleicht all der Möglichkeiten und der Macht wert, die Wissenschaft und Technologie uns einbrachten und in Zukunft weiterhin einbringen werden. Solange wir nicht derartige Perspektiven entwickeln, werden wir wahrscheinlich, wie Henry Thoreau es ausdrückte, zu "Werkzeugen unserer Werkzeuge".

Viele der Elemente, die wir als Teil unserer Kultur ansehen, werden in einem sehr jungen Alter aufgenommen. So überleben Kulturen. Mir wurde gesagt, daß es für uns alle bestimmte kritische Perioden in der Entwicklung des Gehirns gibt, in denen bestimmte Fähigkeiten oder Techniken entwickelt und benutzt werden müssen oder sie werden ausgeschaltet oder zerstört. Ich weiß nicht, was die kritische Periode zum Annehmen von Langzeitperspektiven ist. Ich glaube, daß eine solche Periode sehr früh beginnen und danach weitergehen muß. Ich meine, daß eine große Annahme von solchen Perspektiven, inklusive der, die ich aufgezeigt habe, essentiell für die Entwicklung eines Gespürs für das globalen Bewußtseins ist.

Ich glaube, daß Jawahar Lal grundlegend dies meinte, als er die Notwendigkeit hervorhob, eine wissenschaftliche Wesensart zu entwickeln. Die meisten Leute mißverstanden ihn so, daß jeder eine wissenschaftliche Wesensart hat, der eine Wissenschaft oder Technologie erlernt. Zum Beispiel glaube ich nicht, daß Länder, die mehr Wissenschaft und Technologie besitzen, notwendigerweise einen höheren Grad an wissenschaftlicher Wesensart oder an weiter reichenden Perspektiven oder globales Bewußtsein haben.

Globalisation und das Selbst

 

Heutzutage ist die Welt in einem Prozeß der Globalisation gefangen. Dank des modernen Transport- und Kommunikationswesens und der Dominanz einiger industrialisierter Länder wurde ein Prozeß ausgelöst, durch den die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Konturen aller Länder dieselben werden. Da die Wellen der Globalisation nur in eine Richtung ziehen, von einigen wenigen Privilegierten und den Starken zum ganzen Rest, ist es nicht überraschend, daß die Spannungen zunehmen. Es sollte wahrgenommen werden, daß der aktuelle Prozeß der Globalisation antithetisch zum Konzept des globalen Bewußtseins ist. Der fundamentale Schub der Globalisation wird von dem Glauben hergeleitet, daß ein großer Teil der Welt lediglich ein Markt für Waren- und Dienstleistungen, Ideen und Lebensart einiger weniger Länder ist, die sich die erforderliche Geschicklichkeit durch Wendungen der neueren Geschichte und ihre heimische Arbeitskraft aneigneten. Die Art der Organisation der modernen Kommunikation heutzutage, sogar die Art der Organisation unseres Erziehungssystems helfen in diesem Prozeß. Der Umfang der Gesellschaften, die von ein paar "Bestimmern" bedingt werden, scheint äußerlich mit diesem Prozeß einherzugehen, während ihre internen Strukturen automatisch damit beschäftigt sind, eine starke immunologische Reaktion hervorzurufen. Dies schafft internationale Probleme und Zwischenfälle und zusätzlich werden die betroffenen Gesellschaften krank aufgrund ihrer nicht ordnungsgemäß starken Immunsysteme. Die Tatsache, daß solche durch Immunsysteme herbeigeführten Krankheiten in der jetzigen Welt weitverbreitet sind, kann man an vielen Beispiele in unserem eigenen Land sehen, ohne einmal die alte Sowjet-Union, Osteuropa, Mexiko und einen Großteil von Afrika zu betrachten. Unnötig zu sagen, daß ich nicht akzeptiere, daß jeder Wissenschaft und Technologie ein persönlicher Wesenszug eingebaut ist, der die Erscheinung solch pathologischer Zustände unvermeidlich macht. Sogar die kultiviertesten Technologien können auf viele verschiedene Arten konfiguriert sein, je nach den vorherrschenden Bedürfnissen der Gesellschaft, besonders die modernen Technologien mit ihrer Flexibilität, ihrer Monotonie und ihrer Neutralität gegenüber der Dezentralisation.

Etwas mehr über das Selbst und soziales Immunverhalten

 

Vielleicht sollte ich diese Darstellung mit ein paar zusätzlichen Kommentaren über das "Selbst" und das "Andere" und etwas mehr über die Rolle des Immunverhaltens in sozialen Transaktionen beenden. Diese Kommentare sind eher Couch- Reflexionen als Behauptungen, die ich mit gutem Gefühl verteidigen könnte. Sie werden präsentiert, um zu einem Dialog zu ermutigen. Tatsächlich werde ich mehr Fragen als Antworten offerieren.

Könnte das "Selbst" mehr als etwas komplexes, umschrieben von einer großen aber endlichen Zahl von Parametern, Charakteristika und Prozessen angesehen werden? Oder ein spezifisches Universum von Bewußtsein mit verschwommenen Grenzen? Eine konfuse Ansammlung von Erinnerungen, ein Bund von Hypothesen, das lose das Universum der Erfahrung enthält, mit einem Satz von Filtern, um Wahrnehmung zu verändern, zuzugeben oder auszuschließen? Oder ist es besser verstanden durch einen Satz von Theorien, die durch ein Bedürfnis entwickelt werden, Ereignissen und Erfahrungen einen Sinn zu geben; und zufällige Anpassung einer neuen Erfahrung mit einer "Theorie" bestätigt die "Theorie"? Sind wir geplant, um Bestätigung und Mißachtung zu suchen, Dissonanzen zu widerstehen oder abzulehnen? Ist es tröstlich, wenn der Konflikt mit unserem Universum von Theorien minimal ist? Um diese Art von Trost zu verfolgen: Ist es eine Tendenz, die in unsere Gene eingebaut ist? Wenn ich Fragen dieser Art stelle, muß ich Analogien der biologischen Welt nachgehen, die nicht lebensfähig ohne eine gut entwickeltes Immunsystem wären.

Es ist klar, daß ein biologischer oder sozialer Organismus ohne Abwehrsystem ein Risiko eingeht. Die Existenz einer kleinen Polizeieinheit und die Möglichkeit ihres Einsatzes zum Zeitpunkt eines Angriffs ist essentiell. Aber eine zu große Truppe oder ein zu starker Verteidigungsmechanismus oder zu starke Immunabwehr kann zu Krankheit und Zerstörung führen, die nur schwer zu heilen sind. Überabwehr ist gefährlich für den Verteidiger.

Von hier aus sieht es vielleicht so aus, als wäre jeder äußerliche Einfluß schlecht, weil er das "Selbst" stören könnte, direkt oder durch die unvernünftige Immunabwehr, die er vielleicht hervorruft. Dies würde eine unvernünftige Auslegung des Arguments sein. Beide, die biologischen und die sozialen Systeme, beinhalten in ihrem Aufbau Mechanismen für entwicklungsfähige symbiotische Konfigurationen oder unterdrücken selektiv die Immunabwehr. Es gibt viele Beispiele in der evolutionären Biologie, in denen unterschiedliche Organismen durch angemessene Modifikation und Einstellung die Vorteile einer symbiotischen Beziehung entdecken. Das Problem mit derartigen Analogien besteht darin, daß wir oft falsch liegen, solange wir nicht die Zeitskalen bei solchen Anpassungen im Auge behalten. Die Zeitskalen für soziale Evolution sind vielleicht nicht so lang wie die der Biologie, jedoch sind sie viel länger als die Zeitkonstanten, mit der sich unsere Technologien, unsere Energien und das Ausmaß verändern, mit dem diese Energien gebraucht werden können. Die zweite Hälfte dieses Jahrhunderts brachte uns Aufgaben, die qualitativ unterschiedlich von dem sind, was wir in früheren Epochen gewohnt waren. Ich glaube jedoch, daß diese Aufgaben nicht unüberwindlich sind. Die endgültige Unvermeidbarkeit globalen Bewußtseins als einzig tragbare Ethik für die Zukunft macht mich auf die lange Sicht zu einem Optimisten. Wir können es immer noch meistern. Gerade noch.

26. November 1996

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