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: Religion : Jainismus :
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Wissenschaft vom Leben: Grundlagen und Verlauf Acharya Mahapragya Übersetzung und Redaktion: Carla Geerdes |
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Das menschliche Leben wird von einem Regelmechanismus geordnet, der für die erfolgreiche Ausführung jeglicher Tätigkeit zuständig ist. Dieser Mechanismus enthält vier Grundbestandteile:
Neben dem Nervensystem sind Gehirn und Wirbelsäule die wichtigsten Teile des menschlichen Körpers. Nervensystem Das Nervensystem ermöglicht uns die Beherrschung aller mentalen und physischen Vorgänge. Es bildet die Arbeitsgrundlage für die vegetativen, motorischen und sensorischen Nerven.Oberer und unterer Pol In unserem Körper gibt es einen oberen und einen unteren Pol. Der obere Pol ist das Gehirn, den unteren Pol bildet das untere Ende der Wirbelsäule. Das Gehirn ist das Zentrum der Intelligenz, das untere Ende der Wirbelsäule das Zentrum der Energie. Der obere Pol strahlt Bewusstsein aus und speichert es, während der untere Pol Energie erzeugt und lagert. Bewusstsein und Energie sind zwei wichtige Komponenten in unserem Leben, ihr Gleichgewicht ermöglicht uns Handlungsfähigkeit und uneingeschränkten Bewegungsablauf.Atem Der Atem ist ein anderer wichtiger Bereich zur Regelung des Körpersystems und haucht Sprache, Geist und Nervensystem Leben ein. Sein Verlauf ist von fundamentaler Bedeutung für jegliche Vorgänge im Menschen, was nicht unterschätzt werden sollte. Brücke zwischen innen und außen Der Atem bildet eine Brücke zwischen unserer Innen- und Außenwelt. Beim Einatmen nehmen wir Sauerstoff auf und geben beim Ausatmen Kohlendioxyd ab, nur durch den Atem können wir unsere Körperzellen am Leben erhalten. Darüber hinaus steuert er maßgeblich unser Feingefühl und Bewusstsein.Geist Der Geist ermöglicht Gedächtnis, Einfallsreichtum und Denken. Ohne Gedächtnis wäre das Leben unerträglich, Entwicklung könnte ohne Einfallsreichtum gar nicht stattfinden, fehlendes Denkvermögen würde uns außer Gefecht setzen. Sprache Mentale Fähigkeiten wie Gedächtnis, Einfallsreichtum und Denken sind mit der Sprache verbunden. Fundament der Gesellschaft Sprache definiert uns und bestimmt weitgehend unser soziales Sein. Erst Sprache ermöglicht Gesellschaft wie wir sie begreifen. In Sanskrit wird sowohl ein Kreis von Tieren als auch ein Kreis von Menschen mit samaj bezeichnet. Auf Tiere bezogen bedeutet es Herde, wohingegen es im Hinblick auf Menschen Gesellschaft besagt. Tiere können mangels sprachlicher Kommunikation keine Gesellschaft konstituieren, denn es fehlt ihnen das Fundament.Säulen unseres Seins Körper, Atem, Geist und Sprache bilden vier Säulen für den ordnungsgemäßen Verlauf unserer Aktivitäten. Gut trainiert sind sie sehr hilfreich im Leben, doch ungeschult können sie sich auch als Hindernisse erweisen. Positive und negative Rolle Alle vier können sowohl eine positive, als auch eine negative Rolle spielen.Sprache Stimmgebung beziehungsweise Versprachlichung wirkt auf doppelte Weise, nämlich sowohl nach innen als auch nach außen. Grobe und barsche Sprache verursacht beim Sprechenden inneren Stress.Wer kennt den Missbrauch der Sprache nicht? Ein falsches oder unangenehmes Wort kann sogar einen Freund in einen Feind verwandeln. Gedächtnis, Einfallsreichtum und Denken Häufig wird man von unerwünschten Erinnerungen heimgesucht, wenn man eine Arbeit anfangen möchte. Die Arbeit wird aufgeschoben, manchmal sogar vereitelt.Eine gleichermaßen zwiespältige Rolle spielt unser Einfallsreichtum. Er kann in nutzlose Phantasien ausarten und jemanden aus der Welt der Realität befördern. Auch übertriebenes Denken kann kontraproduktiv wirken und lässt dann kaum noch Raum zum Handeln. Atem Atemzüge können entweder kurz oder lang sein, ihr natürlicher Verlauf ist immer lang. Der Atem steht in enger Wechselbeziehung mit unseren Emotionen.Unserer Natur entsprechend müssen wir nur sieben- bis achtmal in der Minute Luft holen, doch fünfzehn- bis sechzehnmal sind zur Regel geworden. Diese höhere Anzahl aktiviert gleichzeitig unsere Emotionen. Kurzatmigkeit dient als Katalysator für Ärger und Ärger führt zu Kurzatmigkeit. Körper Der Strom des Lebens wird gedrosselt, wenn das Nervensystem in unserem Körper nicht richtig organisiert ist.Sofern der obere und der untere Pol unseres Körpers nicht harmonisch zusammenwirken und Bewusstsein und Energie ins Ungleichgewicht geraten, schränkt das unsere Handlungsfähigkeit und Bewegungsabläufe ein. Aus derartigen Fehlfunktionen ergeben sich bleibende Verformungen im Körper. Schulungsverfahren Es ist klar geworden, auf welche Weise die beschriebenen Komponenten des Regelmechanismus eine positive als auch eine negative Rolle im Leben eines Menschen spielen können. Von entscheidender Bedeutung ist dabei, sie richtig zu trainieren. Körper, Atem, Geist und Sprache können durch ein Trainingsverfahren zur Vollendung gebracht werden:
Tiefe Entspannung Tiefe Entspannung ist kayotsarg. Die Wissenschaft hat Stress als häufigste Ursache unserer Gesundheitsprobleme erkannt. Stress löst die meisten Erkrankungen, schlechte Angewohnheiten sowie defizientes Denken aus. Tiefe Entspannung kann diesen Stress wirksam lindern. Sobald der Stress abnimmt, verbessert sich der psycho-physische Zustand des Körpers in zunehmendem Maße. Kontemplation Kontemplation anupreksha umfasst Gedanken sowie Klänge. Jeder weiss, wie mutige Vorsätze zur Aufgabe schlechter Angewohnheiten und Neigungen sich entweder als vorläufig erweisen oder völlig fehlschlagen. Der Grund dafür liegt auf der Hand. Unsere Angewohnheiten und Neigungen werden vom Unterbewusstsein gesteuert und solange beibehalten, bis die Information über das, was wir vollbringen wollen, dort angelangt ist. Autosuggestion Sogar ein erfahrener und wissenschaftsorientierter moderner Mensch ist imstande, Zuflucht zur Autosuggestion zu nehmen. Wenn der Körper stillgelegt und entspannt ist, können beständig wiederholte Gedanken oder Klänge die tieferen Schichten des Unterbewusstseins erreichen.Sehen oder Wahrnehmen Die indische Philosophie [darshan] gründete sich ursprünglich auf Beobachtung. Darshan bedeutete sehen oder beobachten. Im Altertum stand es für die direkte Auffassungsgabe ohne rückschließendes Folgern, logische Beweisführung, Ursächlichkeit oder Universalität. Wer war an wen gebunden? Eine Darstellung kann das verdeutlichen. Ein Philosoph und sein Freund sind gemeinsam unterwegs. Sie sehen eine Kuh und deren Besitzer, die ihnen entgegen kommen. Die Kuh ist mit einem Strick gebunden, dessen Ende der Besitzer in der Hand hält. Der Philosoph sieht das ganze und erfasst es.Er bittet nun seinen Freund, ihm zu sagen, ob die Kuh an den Mann gebunden sei oder der Mann an die Kuh. Der Freund befindet die Angelegenheit nicht weiter bedenkenswert, da ja der Mann den Strick in der Hand hält; die Kuh ist angebunden. Dann fragt ihn der Philosoph, was der Mann tun würde, wenn die Kuh sich losreißen und fliehen würde. Die Antwort kommt sofort: Sicherlich würde er der Kuh hinterher rennen und sie einfangen. Nun ist es klar, wer an wen gebunden ist, sagt der Philosoph. Falls der Mann wegliefe, würde ihm die Kuh nicht hinterher rennen, aber falls die Kuh wegliefe, würde der Mann sie verfolgen. Denken und Schauen Oberflächliches Denken würde nahe legen, dass die Kuh an den Besitzer gebunden sei, doch die Philosophie würde behaupten, der Besitzer sei an die Kuh gebunden, was direktes Begreifen und Sehen im Sinne von Wahrnehmen einschließt.Wahrnehmen des Atems Wahrnehmen des Atems ist sehr entscheidend. Man könnte fragen, was es im Atem zu sehen gäbe. Wir atmen ein und aus, und so geht es das ganze Leben lang.Wahrnehmen des Atems dient der Meisterung des durch Neigungen und Vorlieben aufgewühlten Geistes, denn es trägt erfolgreich zu seiner Beruhigung und Stabilisierung bei. Wahrnehmung des Körpers Wahrnehmung des Körpers besagt, dass die Vorgänge im Körper erfasst werden. Im menschlichen Körper finden viele chemische und elektrische Prozesse sowie zahlreiche Bewegungen und Vibrationen statt.Nachdem wir in der Bewegungslosigkeit des kayotsarga unser Bewusstsein nach innen gerichtet haben, nehmen wir als erstes die Körpervibrationen wahr und an welchen Stellen sie stattfinden. Kurz danach gewahren wir die chemischen Prozesse im Körper, so wächst das Wissen stufenweise an. Beständige Praxis bringt größere Erfahrung in der Kunst des Wahrnehmens und erweitert das Wissen über den menschlichen Körper. Wahrnehmung der psychischen Zentren In unserem Körper gibt es viele psychische Zentren. Obgleich die Anzahl dieser Zentren sehr groß ist, werden in der Preksha Meditation nur dreizehn als bedeutend angesehen.Sobald man beginnt, diese Zentren zu sehen, werden sie wahrnehmbar aktiv. Erwachen des Bewusstseins Erwachen des Bewusstseins mitsamt konstanter Wachsamkeit ist jagrukta. Häufig handeln wir in einem Zustand der Erstarrung, der viele neue Probleme aufwirft. Durch spirituelle Wachsamkeit können wir das vermeiden. Spirituelle Wachsamkeit sogar im Schlaf Wenn wir lernen, während unserer Wachzeit wachsam zu bleiben, dauert die Wachsamkeit sogar während des Schlafes an. Die Yoga-Wissenschaft kennt zwei Arten von Schlaf: einmal sind wir uns der Tatsache bewusst, dass wir schlafen, im anderen Fall nicht. Des Schlafens gewahr zu sein gründet sich auf spirituelle Wachsamkeit, die der beste Schlüssel zu mentaler Achtsamkeit ist.Schlussfolgerung Kayotsarg als tiefe Entspannung, anupreksha als Kontemplation, preksha als wahrnehmendes Sehen und jagrukta als spirituelle Wachsamkeit im Hinblick auf Erwachen des Bewusstseins mit beständiger Wachsamkeit sind wesentliche Elemente im Prozess der Preksha Meditation. Preksha Meditation bewirkt im Leben des Praktizierenden mit der Zeit einen Umschwung zu größerer Lebensfreude mittels Bewusstsein und Energie. top |
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