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Alle Zivilisationen sind von dem Geheimnis Zeit gefesselt gewesen, als etwas, das jedem bewußt ist und doch jeden vor ein völliges Rätsel stellt. Die Ansichten über Zeit, die für weitaus mehr als Diskussionen in der Metaphysik interessant sind, formten die Haltungen der Leute gegenüber Lebenserfahrungen, historischen Perspektiven und Erwartungen für die Zukunft. Die beiden großen Zivilisationen Asiens, die chinesische und die indische, haben die Zeit und die Ereignisse unterschiedlich behandelt. Die Chinesen führten genaue Chronologien, direkte Vorfahren waren beinahe Teil der Gesellschaft, und Arbeit für den Fortschritt der Gesellschaft als ganzes war Pflicht des Individuums. Harte Arbeit würde zu Fortschritt und einem besseren Leben für alle führen. Andererseits schien die indische Gesellschaft der Ansicht zu sein, daß die erfahrene Zeit von dem Bewußtseinsstadium des Individuums abhängt und folglich Zeit in einer Vielfalt von Formen funktioniert. So ist die Chronologie in Indien unzuverlässig, und die meisten Ereignisse geschahen einfach „vor sehr sehr langer Zeit". In dieser kurzen Darstellung versuche ich, die vielfältigen Ansichten über die Zeit in der indischen Tradition wiederzugeben.
Die Zeit in der Welt, aber nicht die Welt in der Zeit
Durch die Tradition ist Zeit nicht eine äußere Struktur oder ein Gerüst, sondern ein wesentlicher Bestandteil der Welt. Die Welt ist nicht in der Zeit, sondern sie enthält die Zeit. In der Tat ist das Vaisheshika System der indischen Philosophie, die der Physik am nächsten ist, ein Bestandteil des Weltgebäudes. Mit der traditionellen Begrüßung der Morgen- und Abenddämmerung in dem erklärenden Segment (sankalpa), identifiziert man sich selbst als mit einer Forschung betrauten Studenten, der einer gutgestellten Familie angehört und eine Schattierung (varna), eine kosmische und regionale, räumliche Zuordnung (Raum) und die kosmische Zeit (kalpa), manvantara, yuga, Jahr, Monat, Zeitangabe, Asterisk und Tageszeit sind aufgezählt. Selbst wenn sie aufgezählt wurden und du dich an die Ausdehnung der Zeit erinnerst, wirst du ebenfalls daran erinnert, daß der yuga (Kali), das manvantara (vaivasvata) und die kalpa (adivatarha) in der „Vollständigkeit der Zeit" wiederkehren werden, wenn da eine völlige Ausschweifung (pralaya) und eine nachfolgende Schöpfung ist: eine Überausschweifung (kalpanta) und eine Wiedereinführung des Konzepts des Raums, der Zeit und der Manifestation. Dies findet seltsamerweise in der Quantenmechanik ein Echo, in der irgendeine lokale Uhr nach einer langen aber endlichen Zeit läuft, die von den genaueren Einzelheiten der Konstruktion der Uhr und der Anzahl ihrer Zifferblätter abhängt.
Unabänderlichkeit, Geschichte und Kausalzusammenhänge
Ist diese Zeit unabänderlich oder nicht? Eine Strophe des Ramayana wiederholt (dhvani) eine Antwort auf diese Frage:
Einer, der die Begrenzungen überschreitet, kennt die Zeit als sein Fahrzeug.
Aber einer, der begrenzt ist, kennt die Ursache-Wirkung Beziehungen.
So führt in diesem Zusammenhang Unbegrenztheit zu Unabänderlichkeit.
(ramam dasaratham viddhi mam viddhi janakatmjam).
In der Aitereya Upanishad ist der Mechanismus der Naturwissenschaften beschrieben: Prajapati hat die fünf Sinne und die ihnen vorgesetzten Grazien (devata) zur Verfügung gestellt, diese aber ersuchten Prajapati, ihnen Nahrung zu verschaffen, damit sie funktionieren könnten; als Erwiderung wurde die Nahrung hervorgebracht. Doch keine der Grazien konnte sie aufnehmen: Weder der Blick mit dem Auge, noch das Gehör mit den Ohren. Die Lebensströme (prana) wurden ihren Diensten angepaßt, aber nur die absteigenden Ströme konnten das Essen durch Verdauung und Zersetzung nutzen. Dies ist der erste Bericht über die unabänderliche Zeit, die den Impuls zu verschafft, der Prozesse betreibt. Es ist ein offenes System seit die Nahrung von außen aufgenommen, verdaut und hinausgeworfen wird. Das zweite Gesetz der biologischen Thermodynamik taucht auf und läßt die Geschichte in die Physik eingehen. Es gibt einen Sinn der Zeit von der Vergangenheit bis zur Zukunft.
Was im Kleinen stimmt, stimmt auch im Großen. (yato pindah, tatho brahmandah) Äußere Ereignisse werden von der Zeit bestellt, alles wird durch die Zeit registriert. Die wesentliche Verbindung zwischen Ereignissen wird nun einem Sinn der Kausalzusammenhänge zugeschrieben: das, was ständig vorangeht, ist die Ursache und das, was ständig folgt, ist die Wirkung. Da ist ein Pfeil und ein Strom vom Ende bis zur Spitze des Pfeiles, von der Ursache bis zur Wirkung. Das ist unsere Erfahrung von „profaner Zeit".
Das tiefe Verständnis ist ebenfalls unabänderlich
Gleichzeitig mit diesem direkten Fluß fließt ein entgegengesetzter Fluß von der Gegenwart zur Vergangenheit. Während jeder von uns funktioniert, beeinflußt die Gegenwart die Zukunft, hat aber keinerlei Einfluß auf die Vergangenheit, im Zusammenhang zwischen dem tiefen Verständnis und dem Verstehen ist die Situation genau entgegengesetzt. Unwissen (Avidya) hat keinen Anfang (Anadi), aber ein deutliches Ende. Das eigentümliche tiefe Verständnis erläutert die Vergangenheit, zerstreut jede Unwissenheit, enthüllt die Harmonie der eingeschränkten Erfahrung und beeinflußt so die Vergangenheit. (nirastha sarvasandeham ekikrtya sudarsanam, rahasyan yo darsa iti). In diesem Zusammenhang ist die Erleuchtung unmittelbar und mühelos, doch die Glut der Erleuchtung kann sich lange Zeit ausdehnen, vielleicht dein ganzes Leben lang. Die Wahrnehmung von solch gegenläufigen Momenten geschieht in „geheiligter Zeit".
Wir dürfen uns daran erinnern, daß Lord Buddha intuitiv erfaßt hat, daß das Leid immer da gewesen ist, daß es aber ein Ende des Leidens gibt.
Zwei Zeitströme im Leben
Eine einsichtige Person lebt in zwei verschiedenen Zeitströmen „gleichzeitig". Diese zwei Arten der Zeit sind unterschieden durch ihre topologischen Verbindungen und die Beschaffenheit der Wahrnehmung äußerlicher Ereignisse. In der profanen Zeit gibt es eine Chronologie, eine Diskretion der Ereignisse und eine in Teile zerlegte Weltstruktur. Aber in der geheiligten Zeit gibt es keine Chronologie und keinen Sinn für den langen Abstand der Uhrzeit zwischen zwei Ereignissen; und das tiefe Verständnis ist immer neu. Es kommt ungewollt und ohne ein Gefühl der Anstrengung.
In der Vishnu Purana gibt es eine mythische Geschichte darüber, wie der Weise Narada Lord Vishnu fragt, warum die Menschen so irregeführt werden, daß sie in der profanen Zeit leben, während sie doch schon immer in der geheiligten Zeit leben könnten. Lord Vishnu bietet ihm an, das zu tun, fordert Narada jedoch auf, ihm in der Zwischenzeit ein Glas Wasser zu holen. Narada geht zum nächsten Haus und klopft an die Tür, um nach Wasser zu fragen. Eine schöne und attraktive junge Frau öffnet die Tür. Narada ist völlig von ihren Reizen fasziniert und vergißt, daß er das Wasser für den Herrn holen sollte und daß er Ehelosigkeit geschworen hat; er wirbt um sie und gewinnt ihre Hand. Nach ihrer Hochzeit leben sie zusammen in einem Haus und nach dem normalen Gang der Dinge haben sie zwei hübsche Kinder. Während sie zufrieden leben, verschlingt eine Flutwelle plötzlich ihre Nachbarschaft und sogar ihr eigenes Haus. Sie müssen versuchen, ihr Leben zu retten, als die Wasser der Flut ansteigen und die Strömung stärker wird. Sie wird so stark, daß zuerst ein Kind, dann das zweite und schließlich seine Frau von den heftigen Wassern weggespült werden. Narada selbst ist kaum fähig, sich einen unsicheren Halt an einem Ast zu verschaffen und ist fürchterlich schockiert über die Tragödie, die ihm geschehen ist. Während er so wartet, hört er Lord Vishnu fragen, wo sein Glas Wasser ist, da er noch immer durstig sei. Narada bemerkt plötzlich, daß er die ganze Zeit auf festem Grund stand und nur ein paar Augenblicke vergangen sind!
Es gibt im Yoga Vasistha viele solcher Parabeln über die Paradoxen von erfahrener Zeit und Uhrzeit. Also abgesehen von dem Unterschied zwischen linearer und zyklischer Zeit, der gelenkten historischen und der unabänderlichen Zeit als einem Fahrzeug, können wir die Wichtigkeit erfahrener Zeit nicht ignorieren.
Selbst wenn wir des Weisen Narada oder König Lavanas Abenteuer mit der Zeit nicht kennen würden, haben wir dennoch die Erfahrung mehrerer Zeiten, da wir schon im Schlaf, im Traumzustand, (svapna) nicht dasselbe Zeitempfinden haben wie im Wachzustand (jagrat) oder wie im Tiefschlaf (susupta). Wenn es Erfahrungen von einem Substratum all dieser Zustände gibt, würde der vierte umfassende Zustand (turiya) ein entsprechendes Zeitgefühl sein. Es ist Teil der Tradition, daß dieses Zeitgefühl dasselbe ist wie die „geheiligte Zeit" des tiefen Verständnisses. Im Shankaracarya Daksinamurtistotram wird das so ausgedrückt:
Zur Zeit der Selbstrealisation, im Moment des Innehaltens, entsteht wahrhaftig die Überzeugung, daß du im Wesentlichen die Welt bist.
(ya saksatkurute prabhadasamye svatmanevadvayam)
Es gibt zwei gleichwertige Wege, den Stand der Angelegenheit zu benennen: Man kann von Ereignissen außerhalb unseres Zeitstromes sprechen; oder man kann von mehreren Zeitsträngen sprechen. Der klassische Weg ist der folgende: du siehst ein Stück Seil im Schatten liegen und fürchtest dich gründlich, da du es für eine Schlange hältst. Du nimmst eine Lampe und guckst dir die Schlange genauer an und erkennst, daß es ein Stück Seil ist. Deine Angst ist verflogen, aber die physischen Symptome der Angst brauchen eine Zeit, um zu vergehen. Frage: Wann und von wo ist die Schlange gekommen, und wann und von wo ist sie weggegangen? Wenn du sagst, daß dort nie eine Schlange war, dann mußt du eingestehen, daß sogar dein Körper unter extremer Angst gelitten hat. Für dich war zu dieser Zeit dort eine Schlange. Dann muß sie auch irgendwann gekommen und irgendwann gegangen sein. Unsere Erfahrung der Zeit und unsere Erfahrung der Ereignisse können wie die Zeit sein.
Ordnung und kreative Unordnung
Eine schöne traditionelle Art, die Erfahrung der Welt zu benennen, ist zu sagen, daß es zwei Modalitäten gibt, in denen unsere Intelligenz wirkt: das Vaishnava Verfahren und das Saiva Verfahren. Das erste ist zeitlich, ursächlich, räumlich-temporal und durchgehend geordnet. Es hat Platz für Gesellschaft, Ethik, Moral und arbeitet auf ein Ziel und die Vorstellung von Fortschritt hin. Die Verarbeitung geschieht der Reihe nach, algorithmisch und verläßlich. Die Welt wird durch das Vaishnava Verfahren getragen: Manchmal wird es dafür gelobt, daß zum Beispiel Lord Vishnu der Erhalter der Erde ist. Es ist nicht überraschend, daß Lord Vishnus Gemahlin Devi Lakshmi ist, die Göttin des Reichtums,
Im Gegensatz dazu ist das Saiva-Verfahren nicht vergänglich, nicht ursächlich und spontan. Das tiefe Verständnis ist das zentrale Thema aller Erfahrungen. Das Saiva-Verfahren tritt in der profanen Zeit periodisch auf, obwohl es zwischen zwei so ausgedehnten Augenblicken voller tiefen Verständnisses keine Diskontinuität gibt. Das Saiva-Verfahren ist kreativ und deshalb nicht an Ursachen gebunden. Da es nicht vergänglich ist, kann es nicht vorhergesagt werden. Kreativität und das Ende der Sicherheit sind Merkmale der Saiva-Modalität.
Es ist nur passend, daß in der Sivasutra, einer Sammlung von Aphorismen über Lord Shiva, die vier Stadien der Kreativität benannt sind. Sie sind: das Transzendente (para), das Sehende (pasyanti), das Umformende und Verarbeitende (madhyama) und der Ausdruck (vykhari). Das vierte Stadium der Kreativität wird zum gemeinsamen Vorteil eines jeden, da es offen gezeigt, zur Schau gestellt, geformt oder vorgetragen wird. Aber vor diesem Stadium gibt es eine Menge Arbeit auf der Seite des Wissenschaftlers oder Künstlers, um sein tiefes Verständnis und seine Inspiration in eine Form zu bringen, in der es ausgedrückt werden kann. Es ist nicht immer eine Sache der technischen Geschicklichkeit, jedoch bezieht es Rück- oder Vorwärtsverschiebungen zwischen der Saiva- und der Vaishna-Modalität mit ein. Es ist oft eine Abneigung dagegen vorhanden, von der geheiligten Arbeit des tiefen Verständnisses in die profane Welt der allgemeinen Sprache und Symbole herabzusteigen. Dies ist ein wichtiger Teil des Prozesses der Kreativität. Man kann es mit Fleiß schaffen, doch man kann es nicht drängen. Ein aufnahmefähiges Publikum ist für diesen Prozeß eine große Hilfe. Wenn man nicht genug an der Übertragung des tiefen Verständnisses und der Aufbereitung der Vorstellungen arbeitet, kann dies die ungünstige Wirkung haben, daß der ganze Ausdruck fehlerhaft und das tiefe Verständnis von der Gemeinschaft der Natur- und Geisteswissenschaftler abgelehnt wird.
Aber woher kam die Vorstellung? Die beste Antwort ist „von außerhalb", „von der überschrittenen Grenze", „vom Absoluten" etc. Das sind alles Namen für das Unnennbare, für den Ursprung außerhalb der Zeit, des Raumes und dem Kausalzusammenhang, aus dem das tiefe Verständnis kommt. So könnten wir symbolisch darauf Bezug nehmen als „das Außerhalb" (para). Es ist ziemlich passend, daß „das Außerhalb" sich in dem Saiva-Verfahren enthüllt, außerhalb der Alltagswelt.
In dem Moment des tiefen Verständnisses nimmt das kreative Verständnis Gestalt und Substanz an während der Verarbeitung, und es bemerkt sich selbst in der Welt in vollem Glanz im vierten Stadium. Das Abstrakte ist in der Zeit vollendet, so daß es (ka + alam = kâlam) Absolutes + Vollendendes = Zeit oder als eine Antwort auf das, was vollendet, sagen wir: Was? + Vollendendes = Zeit (ka ? + alam).
Ist Zeit diskret oder zusammenhängend?
Lord Buddha und seine Anhänger betrachteten die Augenblicke der Zeit verbunden mit den Ereignissen als die vordringliche Realität, die nur zusammenhängend erscheint, da unsere individuelle Persönlichkeit sie zu der zusammenhängenden Zeit aneinanderreiht. Diese wesentlichen zeitlichen Bruchstücke werden ksana (chronons) genannt. Die Person, die durch Disziplin die Illusion von der Verbundenheit der ksana als einer zusammenhängenden Zeit überwunden hat, steht auf, um sich von der Knechtschaft ihrer Vergangenheit mehr oder weniger zu befreien. Natürlich sind die Dinge nicht so einfach geblieben, und später haben Philosophen die ksana unterteilt und mehrere Teile der Verbindung eingeführt, aber nur einen Teil der Wahl. Wieder eine ursprüngliche Welt mit teilweisen Öffnungen zu der Kreativität.
Vergleich mit anderen westasiatischen Traditionen
Die westasiatischen Religionen, das Judentum, das Christentum und der Islam, werden jetzt von einer linear programmierten, absichtsvoll guten Lebensweise dominiert, so daß du nach dem Tod zu einer ständig gesegneten Existenz weitergehen kannst, möglicherweise lange nach dem Tod. Jehovah schloß mit seinem Volk einen Vertrag und legte die Regeln der Leitung fest, die zum Beispiel viele der graphischen Künste verbot. Es ist deshalb Ironie, daß viele der Kreativsten aus dem auserwählten Volk kamen. Die Anweisungen an die Anhänger jeder dieser Religionen enthält viele Erlasse, die darauf abzielten, jede Saiva-Erfahrung zu unterdrücken. Das Alte Testament geht gründlich Genealogien und Chroniken von Ereignissen in vielen Generationen nach, hoffentlich wahren, wenn auch in hohem Maße Darlegungen von Partisanen. Kosmologie wird zur Schau gestellt und die letzten Ereignisse sind ebenfalls vorhergesagt. Wo können also unvergängliche Saiva-Ereignisse sein?
Ein vorsichtiger Rückblick zeigt Moses in Sicht des brennenden Busches, der brannte, aber nicht vernichtet war, er sah ihn nicht nur, sondern hörte auch eine Stimme von außerhalb. Ihm wird gesagt, daß dieser Platz heilig ist und so zieht er seine Sandalen aus. Was ist das Ergebnis? Der Flüchtling vor dem ägyptischen Rechtswesen, verantwortlich für Morde, der nun als Schafhirte für seinen Stiefvater lebt, ist in einen Diplomaten umgewandelt, der mit dem ägyptischen Pharao selbst zu verhandeln hat. Eingeschüchtert durch die gewaltige Aufgabe, seine son-et-lumière Erfahrung in einen Verhandlungsprozess umzuwandeln, ist Moses überwältigt, er schwankt aber nicht im Bezug auf die Echtheit seiner Erfahrung. Er endet damit, sein Volk aus Ägypten zu befreien und bringt es für vierzig Jahre zu einem Marsch durch den Sinai. Schließlich übergibt er die Zügel einem jungen Joshua.
Im Neuen Testament wird wiederholt gezeigt, daß Jehovas Pläne vollendet worden sind, wie sie in alten Zeiten erzählt wurden. Es gibt einen neueren Weg, einen angenehmeren Vertrag, aber das allgemeine Programm ist das Gleiche: eine lineare Zeit, ein entschlossener Marsch zu dem äußersten Ziel in systematischer Art und Weise. Noch sind dort abgesonderte Saiva-Ereignisse. Ein solches ist die Taufe Jesu von Johannes am Fluß Jordan. Jesu‘ Kopf funkelte in dem Glanz des Heiligen Geistes in Gestalt einer weißen Taube, während Gott, der Vater, sprach, „Hier ist mein Sohn, mein einziger Sohn!" Es war ein Moment, doch er eröffnete Sein lebenslanges geistliches Amt auf Erden. Es gibt ebenfalls die Umgestaltung Jesu‘ auf dem Berg Tabor: die Visionen und Stimmen, die seine Jünger gehört hatten, erschütterten ihren lange bewahrten Glauben; und einer von ihnen wünscht den Moment aufrechtzuerhalten, indem man drei Zelte auf dem Berg errichtet: eins für Jesus, eins für Elijah und eins für Moses. Die Vergangenheit und die Gegenwart werden an diesem Ort zusammengeführt. Der heilige Paulus erinnert alle an den mysteriösen Melchizadech, der keinen Vater, keine Mutter und keine Genealogie hatte, und doch beständig ein Priester für Gott den Herrn war. Abraham, der Patriarch der Gläubigen, zollte ihm Respekt im Interesse von Levy und allen jüdischen Priestern. Doch die einzige Zeit, zu der wir Melchizadech erscheinen sehen, ist eine kurze Begegnung vor Abraham. Es ist nicht die Dauer, aber die Tiefe des Eindrucks, die die Wirksamkeit bestimmt.
Bekundendes Bewußtsein (Saksi bhava)
Zurück zur indischen Tradition, wie sie Zeit betrachtet. Es findet eine ausführliche Diskussion zwischen Prinz Arjuna und Lord Krishna statt, seinem Berater im Kuruksetra Krieg. Die Diskussion findet statt, bevor die feindlichen Armeen anhalten, um den Kampf zu beginnen. In einer Phase sagt Lord Krishna:
Ich bin das innere Selbst aller Geschöpfe
Ich bin der Anfang, die Mitte und das Ende
Bhagavadgita X, 20
(Ahamatma gudakesa sarvabhutasayasthitah ahamadim ca madhyam cabhutanam antah eva ca)
Nach einem kurzen Blick auf die allumfassende universale Gestalt (visvarupa) des Herrn, klingt Arjuna in Verehrung fort:
Viele Hände, Körper, Münder, Augen,ich sehe euch überall: endlose Gestalten.
Weder Anfang, Mitte, Ende noch Quelle für Dich, Herr des Universums, ich sehe Deine universale Gestalt.
Bhagavadgita XI 16
(anekabahudara vaktranetram pasyami tvam sarvato anantarupam
namtam na madhyam na punastavadim
pasyami visvesvara visvarupam.)
Darauf antwortet der Herr
Ich bin tatsächlich Zeit, die die Erde auflöst, ich arbeite, um zusammenzubringen die erschlagene Menschheit.
Tatsächlich wird niemand überleben, um die Zukunft zu sehen unter diesen Armeen; dich ausgenommen.
Bhagavadgita XI 32
(kalo 'smi lokaksksayakrt pravurdho lokan samahartumiha pravruttah rte 'pi tvam na bhavisyanti-sarve-ye 'vasyitah pratyanikesu yodhah)
Nicht jeder hat die Erfahrung Arjunas und nicht immer Krishna, um sie zu erklären und zu beleuchten. Aber die Nachricht an uns ist, daß die Zeit in unterschiedlicher Beschaffenheit und auf verschiedenen Ebenen des Bewußtseins erfahren wird. Auf einer Ebene ist sie nur eine Bezeichnung, auf einer anderen ist sie die folgende historische Bezeichnung, aber die Rolle der Zeit wird erst in intensiv beleuchteten Erfahrungen allumfassend. Es muß verschiedene Beschreibungen in diesen unterschiedlichen Zusammenhängen geben. Geordnete gesetzmäßige Gleichungen der Bewegung verkörpern die vorhersehbare Evolution, die Unabänderlichkeit und Zeitgefühl erlangen kann. Das sind die Alltagsansichten der Welt, die Vaishna-Modalität. Spontane Kreativität, unvorhersehbar, unbeschreiblich, funktioniert ebenso gewiß, und das ist die Saiva-Modalität.
Die Tradition beschreibt eine Ebene des Bewußtseins, in dem das kreative Verständnis ebenso wie die geordnete Evolution als harmonische Aspekte gesehen werden, wenn die Welt gesehen wird, wie Arjuna die Visva Rupa gesehen hat. Es wird das bestätigende Bewußtsein (saksi bhava) genannt, und es sieht den Geist und all seine Abwandlungen und Phänomene zusammen mit dem äußeren Universum. Das äußere Universum ist nicht länger ein äußeres, das mentale nicht länger das innerste, sondern alles wird als ein ungeteiltes Ganzes gesehen. Dies wird in der Mundakya Upanishad am Beispiel von zwei Vögeln beschrieben, die in Freundschaft (dva suparna sayuja sakhaga) verbunden sind und auf den Ästen desselben Baumes sitzen. Während der eine die süßen und bitteren Früchte ißt, guckt der andere zu. Es ist noch anschaulicher im Rig-Veda beschrieben: Der Herr des Hauses wird aus einer Entfernung gesehen (dure drsam grhapatim).
Wir, die wir uns auf elementare Forschung einlassen, sind glücklich, seitdem wir wie die Weisen und Seher (Rishi) früherer Zeiten sind: Wir können uns auf die Betrachtung mitten in der Tätigkeit einlassen und sogar in wundervollen Schauplätzen herumwandern. Wir setzen in geordneter Weise unsere Untersuchung fort, und lohnende Probleme brauchen viel Anstrengung und viel Zeit. Dann kommen die Blitze des Verständnisses, unaufgefordert, unerwartet, ehrfurchtgebietend, aber niemals unwillkommen. Das erste zeitlose Stadium (pasyanti) erklärt, spricht aber nicht. Es gibt die lange Zeit der Verarbeitung (madhyama) des tiefen Verständnisses zu einer vollständigen Lösung, nicht nur für uns selbst, sondern auch für die ganze Welt. Diese Verarbeitung findet in der Zeit statt, genau wie das letzte Stadium der Überreichung (vykhari). Dies sind einige der traditionellen Ansichten von Zeit in der indischen Tradition.
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